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Kopp, Richard R. (1995). Metaphor Therapy. Using Client-Generated Metaphors in Psychotherapy, Bristol, Brunner/Mazel, 188 S.Rudolf Schmitt (r.schmitt@hs-zigr.de) Kopp stellt sich drei Aufgaben in den zwei Teilen seines Buches: Zunächst demonstriert er Verfahrensweisen, mit denen die von KlientInnen in Beratung und Therapie beiläufig gebrauchten Metaphern genutzt werden können, um vertiefte Einsichten und Verhaltensveränderungen zu erzielen. Daran schließt sich eine eigene Bestimmung des Phänomens 'Metapher' im Kontext psychologischer Forschungen an. Im zweiten Teil des Buches will er mit den dabei entwickelten Begriffen ein integratives Modell für unterschiedliche psychotherapeutische Schulen bereitstellen. 1. Metaphorische InterventionenIn therapeutischer und beratender Kommunikation sind Metaphern nichts Neues. Kopp verzichtet zunächst auf die Diskussion bisheriger Verwendungsweisen und skizziert als Trainingsmanual für die Therapeutenausbildung zwei mehrstufige Vorgehensweisen, die KlientInnen dazu einladen sollen, beiläufig gebrauchte Metaphern "[my husband] barges into the house like a locomotive" (S. XIV) ernst zu nehmen, diese bildliche Szene vertieft auszuformulieren (die Klientin sah sich als "Tunnel" für ihren Mann) und die dazugehörenden Gefühle zu explorieren. Dann integriert Kopp ein Element aus der hypnotherapeutischen Tradition, indem er die KlientInnen fragt, ob sie das Bild auch verändern möchten - und was sie am Bild ändern möchten ("I'd be the derailer") (ebd). Zuletzt erfragt er, welche Folgen die Veränderung der Metapher auf der Ebene des Problems haben könnten, und erarbeitet praktische Verhaltensveränderungen. - Eine Variante dieses Vorgehens bezieht Kindheitserinnerungen ein. Was hier kurz skizziert wird, formuliert Kopp detailliert mit Neben- und Zwischenschritten, (kritisch) kommentierten Therapieprotokollen, Hinweisen auf mögliche Therapeutenfehler und kleinen theoretischen Exkursen auf knapp 90 Seiten aus. Er legt unbedingten Wert darauf, mit den Metaphern der KlientInnen zu arbeiten und grenzt sich damit deutlich von Ansätzen ab, die vom Therapeuten generierte Metaphern favorisieren (u.a. in Hypnotherapie, NLP). Diese haben nicht nur in der deutschsprachigen therapeutischen Szene den Begriff der Metapher ausschließlich als allegorische Beispielerzählung (miss-)verstanden (Gordon (1985, org. 1978). Auch wenn der Titel es so suggeriert: Kopp will keine neue Therapieschule begründen, sondern verweist darauf, dass diese Vorgehensweise in unterschiedliche Therapieformen zu integrieren sei. Damit wendet er sich nicht unbedingt an therapeutische Novizen, sondern an Erfahrenere, die ihr Handlungsrepertoire erweitern wollen. Eine solide klinische Ausbildung für die unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und Krisen setzt er voraus - diskutiert jedoch spezifische (Kontra-)Indikationen seiner Vorgehensweise nicht, wie es sich auf diesem Diskursniveau angeboten hätte (dazu später). Kopp schreibt diesen Teil sehr lesbar und flechtet die theoretischen Anmerkungen eher sparsam in diese Abschnitte ein. 2. Beschreibung des Phänomens MetapherAuf knapp 20 Seiten am Ende des ersten Teils des Buches stellt Kopp seine Auffassung des Phänomens "Metapher" dar. Er beginnt mit einem kurzen Rückblick auf metaphernkritische und metaphernfreundliche Traditionen der Philosophie, verweist auf einige Befunde der sprach- und kognitionspsychologischen Forschung sowie der Entwicklungspsychologie (vor allem zum sensorischen Gedächtnis). Ohne explizit einen Begriff der Metaphorik zu definieren, schließt sein Insistieren auf alltagssprachlichen Metaphern an Lakoff und Johnson an. Deren differenziertes Begriffsgerüst nutzt er jedoch nicht. Die Reichweite der Beschreibung von Lakoff und Johnson, so schlägt er vor, umfasse den Bereich der soziokulturellen Metaphorik; davon trennt er den Bereich persönlicher Metaphorik und den der Metaphorik familiärer Systeme ab, auf der anderen Seite nimmt er, über Lakoff und Johnson hinausgehend, transkulturelle Metaphern im Sinne von Jungs Archetypen bzw. Mythen an. Die persönliche Metaphorik unterteilt er in sechs Gegenstandsbereiche, die er "metaphorms" nennt: Metaphorisierungen des Selbst, des / der Anderen, des Lebens, sowie Metaphorisierungen des Verhältnisses Selbst - Selbst, Selbst - Andere(r), Selbst - Leben. In diesen sechs "metaphorms" drücke sich die Persönlichkeit aus; Kopp begründet diese Kategorisierung nicht ausführlich. Er betont, dass die Metaphorisierungen des Individuums natürlich nicht unabhängig von der umgebenden familiären, soziokulturellen und transkulturellen sprachlich-bildlichen Welt seien, sondern in einem gegenseitigen Durchdringungsverhältnis stünden. 3. Metaphernorientierte Therapie als Integrationsmodell?Im zweiten Hauptteil des Buches überprüft Kopp verschiedene Therapieschulen (Psychoanalyse nach Freud und nach Jung, Hypnotherapie nach Erickson, kognitiv-behaviorale Therapie, Individualtherapie nach Adler, strukturale und strategische Familientherapie) daraufhin, welche Rolle Metaphern bisher in der jeweiligen Therapie übernehmen, um im zweiten Schritt zu zeigen, dass metaphernorientierte Therapie die Interventionen dieser Ansätze integrieren könnte. Er geht davon aus, dass nicht nur KlientInnen ihre Welt durch metaphorische Denkweisen strukturieren, sondern auch therapeutische Theorien metaphorische Strukturierungen der (therapeutischen, beratenden) Realität seien. Spekulationen zur rechts- und linkshemisphärischen Verarbeitung von Metaphern im Gehirn und ein Rückgriff auf Gregory Bateson und dessen Annahmen zur Metaphorik schließen das Buch ab. 4. FazitJe nach Aufgabe, der sich Kopp stellt, fällt das Fazit unterschiedlich aus: - Die Darstellung des Umgangs mit den Metaphern von KlientInnen ist sehr umfangreich, breit und gründlich. Sie stellt in dieser Form ein Novum dar, das unbedingt rezipiert werden sollte. - Die Überlegungen zum Phänomen der Metaphorik geraten etwas zu kurz, die Vielfalt unterschiedlicher psychologischer Befunde zum Thema wird nicht rezipiert (u.a. Standards wie Pollio et al. 1977, Ortony 1979 fehlen; vgl. Schmitt 2000, Schmitt in Vorb.). - Deutlich zu kurz geraten die Kapitel über die anderen Therapieformen. Weder kann die Vielschichtigkeit der bisher schon in einer Therapieschule vorhandenen metaphorischen Theoriebestandteile in der Kürze genügend dargestellt werden (z.B. für die Psychoanalyse vgl. Carveth 1993), noch reicht die Diskussion der bisherigen Nutzung metaphorischer Interventionen aus. Am wenigsten wird der Autor seinem Anspruch gerecht, mit der "metaphor therapy" ein "coherent framework" (S. 156) zur Integration anderer Therapieschulen zu bieten. Er nutzt nicht wie angekündigt das kategoriale Gerüst der "metaphorms", um damit die Schwerpunkte der verschiedenen Psychotherapien zu beschreiben. Die Diskussion der Gesprächspsychotherapie nach Rogers (1972) fehlt, ebenso die Gestalttherapie nach Perls (1976) - letztere böte eine reichhaltige Fülle zur bisherigen Arbeit mit Metaphern. In der Regel skizziert er nach den Grundannahmen der jeweiligen Therapie noch ein oder mehrere Fallbeispiele, welche die Nutzung von Metaphern in der therapeutischen Kommunikation vorführen, um sie dann von seinem Standpunkt aus zu kommentieren. Das liest sich in der Regel immer noch spannend und zeigt, dass Kopps Beschreibung therapeutischer Kommunikation dicht an der verbalen Kommunikationsebene angesiedelt ist. Sie stellt in ihrer jetzigen Form weder einen übergeordneten theoretischen Rahmen noch eine praktische Konkurrenz, sondern auf beiden Ebenen eine Ergänzung dar. Vielleicht kann Kopps Anspruch derzeit bei kaum vorhandenen Vorarbeiten auch gar nicht eingelöst werden. Dieser Teil des Buches sollte daher mit korrigierten Erwartungen als anregende Problemskizze gelesen werden. Dem Autor kann man sicherlich zustimmen, dass diese therapeutische Herangehensweise der Individualität der KlientInnen und ihres Bilds der Welt eher gerecht wird als standardisierte therapeutische Vorgehensweisen. Seine kalifornischen Fallbeispiele zeigen die Heterogenität verschiedener kultureller Hintergründe von KlientInnen, auf die sein Vorgehen sensibel reagieren kann, da er darauf besteht, im Vorstellungsbereich der KlientInnen und ihrer Metaphern zu bleiben. Kopp äußert sich zu allen Theorieschulen in freundlichen Worten (in unterschiedlichem Ausmaß); dennoch deutet sich eine Skepsis gegenüber allen Ansätzen an, die er mit seinem sehr eng an der Sprachwelt lokalisierten Ansatz quasi 'unterläuft'. Außer der Betonung, dass klinische und diagnostische Erfahrung vorhanden sein müsse, findet sich kein weiteres Wort zur Diagnostik, damit auch zu Indikationen und Kontra-Indikationen seines Ansatzes (von einem Satz zu Borderline-Erkrankungen abgesehen). In den Fallbeispielen sind neben weniger spezifizierbaren psychischen Krisen und Entwicklungsstörungen sowohl depressive Erkrankungen, einige schwere posttraumatische Belastungsstörungen (u.a. sexueller Missbrauch, Vietnamkrieg) und eine beginnende Psychose zu finden. Nimmt man seinen Ansatz ernst, so müsste er in der gleichen skeptischen Distanz zu psychometrischer oder klassifikatorischer Diagnostik (z.B. nach ICD 10, der "International Classification of Diseases" der Weltgesundheitsorganisation WHO) verbleiben, denn seine Diagnostik besteht in der Wahrnehmung der Metaphern seiner KlientInnen und der dadurch vorgeprägten Formen, mit sich und der Welt umzugehen, und ist damit Diagnostik in der Sprache der Hilfesuchenden. Fazit in Kürze: Ein für praktische, beratende oder therapeutische Zwecke sehr nützliches und bei adäquaten metaphern- und therapietheoretischen Erwartungen auch inspirierendes Buch. Görlitz, im August 2001 Rudolf Schmitt LiteraturBateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine untrennbare Einheit, Frankfurt. Carveth, Donald L. (1993): "Die Metaphern des Analytikers. Eine dekonstruktionistische Perspektive", in: Buchholz, Michael B. (ed.): Metaphernanalyse, Göttingen, 15-71. Gordon, David (1985): Therapeutische Metaphern, Paderborn. Ortony, Andrew (ed.) (1979): Metaphor and Thought, Cambridge. Perls, Frederick S. (1976): Gestalt-Therapie in Aktion, Stuttgart. Pollio, Howard R.; Barlow, Jack M.; Fine, Harold J.; Pollio, Marilyn R. (1977): Psychology and the Poetics of Growth. Figurative Language in Psychology, Psychotherapy, and Education, Hilsdale. Rogers, Carl Ransom (1972): Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, München (Original: Client-centered therapy [1951], Boston) Schmitt, Rudolf (2000): "Metaphernanalyse und helfende Interaktion", in: Psychomed. Zeitschrift für Psychologie und Medizin, Heft 3, 12. Jahrgang, München, S. 165-170 Schmitt, Rudolf (in Vorb.): "Editorial" zum Schwerpunktheft Metaphern in der Psychologie in Journal für Psychologie, Heft 4/2001, Heidelberg.
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