metaphorik.de 01/2001

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Oyez dire metonomie, metaphore, allegorie, & autres tels noms de la grammaire, semble-il pas qu'on signifie quelque forme de langage  rare & pellegrin ? ce sont titres qui touchent le babil de vostre chambriere. (Michel de Montaigne. Essais I (éd. 1595), 51) [Hoeret einmal die Worte : Metonymie, Metaphore, Allegorie, und andere Namen aus der Sprachlehre. Scheinet es nicht, als ob man hiedurch eine  seltene und herrliche Art zu reden anzeigen wollte ? Und gleichwohl sind es Titel, die auch von dem Gewaesche des Kammermaedchens gelten. Übers. Tietz, 1753]

Vorwort

Michel de Montaigne, der skeptische Philosoph, macht uns darauf aufmerksam: Zwischen literarischem Höhenkamm und dem alltäglichen Gewaesche des Kammermaedchens bilden Metaphern und Metonymien eine Konstante. Sie gehören nicht nur der hohen Rhetorik, sind nicht ausschließlich der Beschäftigung mit der schönen Literatur vorbehalten, sondern berühren unseren sprachlichen Alltag, unsere Literatur und unsere Medien gleichermaßen. Dies galt für das ausgehende 16. Jahrhundert so wie es für heute gilt. Metaphorik ist von keiner Disziplin alleine gepachtet, sondern ein von vielen gemeinsam zu beackerndes Gemeingut. Wenn wir also mit dieser ersten Ausgabe einer unter metaphorik.de erscheinenden online-Zeitschrift Metaphern und Metonymien ins Zentrum eines neuen wissenschaftlichen Forums rücken, möchten wir die Offenheit der Diskussionen zum Prinzip machen.

Wir freuen uns, für diese Premiere namhafte Beiträger gewonnen zu haben. Das breite Spektrum der in den Artikeln und Besprechungen behandelten Themen soll dieser prinzipiellen Offenheit Rechnung tragen. Der erste Beitrag ist unter anderem der Rolle von Metaphern und Metonymien im Bedeutungswandel gewidmet. Der Autor Andreas Blank, einer der herausragendsten Metaphern- und Metonymienspezialisten, ist im Januar 2001 gestorben. Sein viel zu früher Tod hinterlässt eine menschlich wie wissenschaftlich tiefe Lücke. Mit der online-Publikation seines Artikels, dessen Vorabpublikationsrechte die CSLI-Publications uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, möchten wir seiner gedenken. Olivier Michael Bollacher untersucht in seinem Beitrag die Meeresmetaphorik in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. René Dirven thematisiert in einer methodenkritischen Studie die Rolle der Metaphorik in aktuellen Ansätzen der kognitiven Semantik. Günter Radden demonstriert die nicht zuletzt metaphorische Konstitution eines Alltagsmodells (engl. folk model) des Abstraktums 'Sprache', und Wolfgang Settekorn behandelt die mediale Genese wie das Fortleben der Wandermetaphorik. Einsatzmöglichkeiten und Gebrauchsweisen der Metaphorik in Geographie, Philosophie und Psychologie stehen schließlich im Mittelpunkt der in den  Rezensionen besprochenen Bücher.

Jeder Beitrag ist sowohl in einer html- als auch in einer pdf-Version verfügbar. Wir möchten darauf hinweisen, dass für die Darstellung verschiedener Sonderzeichen bestimmte Zeichensätze notwendig sind, die möglicherweise nicht in jeden Fall auf den betrachtenden Rechnern vorinstalliert sind. Entsprechende Fonts können aber i.d.R. aus dem Internet geladen werden.

Wir wünschen uns, mit dieser ersten Ausgabe von metaphorik.de ein Forum zu eröffnen, das nicht nur generell Interesse an Metaphern und Metonymien schafft, sondern dazu anregt, die Diskussionen um diese sprachlichen und kognitiven Verfahren über enge Fächergrenzen hinweg weiterzuführen. Und dann möge sich der von Montaigne erkannte Widerspruch lösen: Sehr wohl gelten Metaphern und Metonymien auch vom Gewaesche der Kammermaedchen. Doch kann es nicht selten und herrlich sein, genau dieses einmal näher zu betrachten? In diesem Sinne hoffen wir auf anregende Aufnahme dieser Zeitschrift, die sich in den der Premiere anschließenden Vorstellungen spiegeln möge.

Bonn, Weihnachten 2001

Martin Döring

Klaus Gabriel

Katrin Mutz

Dietmar Osthus

Claudia Polzin-Haumann

Nikola Roßbach

 

 


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ISSN 1618-2006