[Home] [Inhalt / Table of contents / Table des matières] |
|
[PDF] Klaus-Uwe Panther/Günter Radden, edd. 1999. Metonymy in language and thought. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins, 423 S. Katrin Mutz, Saarbrücken (k.mutz@mx.uni-saarland.de) Nicht zuletzt durch die Arbeiten von Lakoff war es jahrelang vor allem die Metapher, die in der kognitiven Linguistik im Fokus der Untersuchungen stand. In den letzten Jahren dann, unter anderem "mit Hilfe" der Grammatikalisierungsforschung, wurde die Metonymie neu entdeckt und ihr Stellenwert erkannt, so dass die Herausgeber des Sammelbandes Metonymy in language and thought mit Recht sagen: "metonymy is a cognitive phenomenon that may be even more fundamental than metaphor" (1) (vgl. auch Taylor 1989, Goossens 1990). Der
vorliegende Sammelband ist ein sehr interessanter und lesenwerter Beitrag zur
aktuellen Metonymieforschung ("state of the art in metonymic reserach",
[1]), in welchem verschiedene Aspekte der Metonymie aus kognitiv-linguistischer
Perspektive beleuchtet und diskutiert werden. Der Band gliedert sich in vier
Teile, die von einem ausführlichen in die Thematik einführenden
Einleitungswort überdacht werden. Der erste Teil umfasst fünf Studien zu
verschiedenen theoretischen Fragestellungen rund um die Metonymie; es folgt ein
zweiter Teil, in welchem diachrone Aspekte untersucht werden; der dritte Teil
stellt spezifische Fallstudien zur Metonymie vor, und im letzten Teil
schließlich finden sich zwei Artikel, die, unter der Rubrik "applications
of metonymy", jeweils Metonymie-Erwerb und die Funktion von Metonymie in
einem spezifischen literarischen Text untersuchen. Den einzelnen Artikeln
schließt sich eine Adressenliste der Beiträger an sowie drei zum Nachschlagen
und zur Orientierung sehr wertvolle Indizes: ein Schlagwortindex, ein
Autorenindex und ein Metonymie- und Metaphernindex. Im Folgenden sei kurz auf
die einzelnen Beiträge eingegangen: In dem in
Zukunft sicherlich einschlägigen Artikel von Radden und Kövecses (17-59)
stellen diese die konzeptuelle Natur und den kognitiv prozessuralen Charakter
von Metonymie im Rahmen des von Lakoff (1987) entwickelten "idealized
cognitive model" (ICM) dar und diskutieren grundlegende Fragen wie z.B. die
nach den verschiedenen konzeptuellen Typen von Beziehungen, die Metonymien
zugrunde liegen, oder diejenige nach den geltenden (kognitiven und
kommunikativen) Prinzipien für default und non-default Metonymien. Eine nicht
ausreichend geklärte Frage, die allerdings als eine grundsätzliche des
benutzten Modells zu betrachten ist, ist, wie man auf die jeweiligen ICMs kommt,
innerhalb deren die Metonymien wirken und Bezug nehmen. Die genannten
Eigenschaften "basic", "well-entrenched" (41) und "outstanding"
(38) bedürfen einer genaueren Analyse. Gibbs
(61-76) stellt zum einen die Eigenschaften von Metonymie im Unterschied zu
denjenigen von Metapher heraus und untersucht vor allem die Rolle von Metonymie
im Diskurs(verständnis): deren kohärenzstiftende Funktion und deren
kontextbasiertes Wirken ("conversational implicature" (70ff.), "indirect
speech acts" [72f.]). Als Beispiel für das Funktionieren von Metonymie
wird unter anderem das im gesamten Buch (zu) häufig herangezogene klassische
Beispiel des "ham sandwich" (Nunberg 1979) analysiert. Fauconnier
und Turner (77-90) zeigen anhand englischer Beispiele, dass zahlreiche
Metonymien, und auch Metaphern, im Grunde Bestandteile "konzeptueller
Interaktionskomplexe" sind, d.h. dass es Prozesse sind, die mit einem so
genannten "blending", oder, wie die Autoren es nennen, mit einer
"integration" von Konzepten interagieren. Die Autoren legen dar,
welche Optimalitätsprinzipien wirken, damit ein solches "blending"
mit Metonymien stattfindet. In diesem Artikel, wie auch in einigen anderen,
wäre die Darstellung mit Hilfe von graphischen Schaubildern sinnvoll gewesen. Setos
Artikel (91-120) ist ein interessanter Beitrag zur vieldiskutierten Frage, wie
man Synekdoche von Metonymie unterscheiden kann. Während die verschiedenen
Typen von Metonymie Verfahren seien, die über Entitäten (nicht Konzepte!)
operieren, bei denen die Relation der Partonymie vorliegt, sei Synekdoche eine
von der Metonymie unabhängige Operation, die zwischen Kategorien funktioniere
und die zur Taxonomie führe. Beiden Transfertypen sei gemein, dass sie auf
Kontiguität basieren. Seto unterscheidet drei Typen von Metonymie (spatial,
temporal, abstract), die ihrerseits Subtypen haben, und zwei Typen von
Synekdoche (species > genus, genus > species). Hinsichtlich der Behandlung
von Metonymien in der Wortbildung fehlt der Verweis auf Polysemien. Den
Theorieteil schließt der Beitrag von Warren ab (121-135), die eine interessante
Parallele zwischen Metonymie und bestimmten Typen von Wortbildung
herausarbeitet. Sie untersucht auf der Basis eines eigens zusammengestellten
Korpus die Gemeinsamkeiten zwischen referentiellen Metonymien, Nomen +
Nomen-Komposita und denominalen Verben und stellt heraus, dass ihnen der
(implizite) Verweis auf zwei Referenten gemein ist. Wie des Öfteren in dem
Sammelband wird auch auf das Verhältnis zwischen Metapher und Metonymie
eingegangen: Während die referentielle Metonymie auf einer "relation"
zwischen Source und Target beruhe, fuße die Metapher auf einem oder mehreren
spezifischen Attributen, die Source und Target verbinden (131). Den
sprachhistorischen Teil leitet Kochs Artikel "Frame and contiguity"
ein, in welchem er, nach einem kurzen wissenschaftsgeschichtlichen Überblick
zur Metonymie, zunächst über die konzeptuelle Relation der Kontiguität
innerhalb eines so genannten Frames ausführt, welche konstitutiv für im
Diskurs ausgelösten metonymiebasierten semantischen Wandel ("ad hoc
innovation" [139]) (bzw. synchrone Polysemie) sei, aber auch eine
entscheidende Rolle in bestimmten Wortbildungsmustern und bei mit diesen
verbundenen Bedeutungsveränderungen spiele (leider wird dieser Punkt nur sehr
kurz ausgeführt). Koch hebt hervor, dass Kontiguität nur zwischen "salient
members of the conceptual categories involved" (150) bestehe und kombiniert
in seinen theoretischen Überlegungen zur Metonymie somit die Gestalt- und
Frame-Theorie mit Ideen der Prototypentheorie. Auf Metonymie basierende
Innovationen – illustriert an Beispielen aus verschiedenen europäischen
Sprachen – seien entweder sprecherbasiert, hörerbasiert (als Implikaturen)
oder sie entstünden aus Gründen der Expressivität (und sind dann auch
sprecherbasiert). Auch Blank
erstellt seine kognitive Typologie von Metonymie (169-191) im Rahmen der
Frame-Theorie. Im Unterschied zu traditionellen Analysen unterscheidet er zwei
verschiedene Arten von metonymischem Transfer, die abhängen von zwei Typen von
Kontiguitätsrelation innerhalb eines Frames: einer statischen ("copresence")
und einer dynamischen ("succession"). Die beiden Typen von
metonymiebasiertem Bedeutungswandel werden anhand von Schaubildern und einer
Vielzahl romanischer Beispiele veranschaulicht. Blank entwirft im letzten
Abschnitt seines Artikels ein hierarchisches Metonymie-Modell, in welchem er
drei Ebenen von Metonymie unterscheidet: Auf der obersten Ebene situiert er die
beiden oben genannten generellen Kontiguitätsrelationen ("domains of
contiguity" [183]), diesen untergeordnet sind spezifische Typen von
Kontiguität (z.B. ORDERED DISH - CUSTOMER), und auf der untersten Ebene sind
die konkreten Metonymien angesiedelt (z.B. "ham sandwich"). Goossens
zeigt in seiner korpusbasierten Studie (193-219), wie das englische Auxiliar
"must" über "metonymic bridges" von einer deontischen
Bedeutung zu einer epistemischen gelangt, was er folgendermaßen darstellt:
"deontic > 'inferable necessity' > transitional > epistemic"
(196). Im Unterschied zu bisherigen Analysen, die in dem Wandel entweder eine
Metapher oder eine konzeptuelle Metonymie wirken sahen, zeigt er, dass es sich
bei dem Wandel um einen graduellen Prozess handelt, der auf wenigstens zwei
metonymischen Verlinkungen basiert und im Zusammenspiel mit einem
Subjektivierungsprozess vonstatten geht. Jäkel
schließlich zeigt, dass auf Metonymie basierende Wandelprozesse auch in der
Onomastik wirken und illustriert dies anhand deutscher Nachnamen (211-229). Bei
metonymisch-basierten Namensgebungsstrategien würde z.B. entweder eine typische
Eigenschaft (z.B: "Wunderlich", "Krummbein"), ein wichtiges
Utensil oder die lokale Herkunft/Zugehörigkeit ("Amberg",
"Weingarten", "Ausländer") herangezogen, um den
Namensträger treffend zu identifizieren. (Leider nur in einer Fußnote
erläutert Jäkel, warum er "genealogical" und "professional"
Namensgebungsstrategien nicht zu den metonymiebasierten zählt). Auf der
Darstellung verschiedener Typen von lokalbasierten Metonymien (in
Nachnamen-Komposita) liegt der Schwerpunkt des Artikels. Eine
interessante, neue Perspektive auf das Wirken von Metonymie im Bereich der
Verbalsemantik liefert Waltereit (233-253): Er untersucht ihre grammatischen
Beschränkungen und stellt die These auf, dass "on both levels of
contiguity-based phenomena [i.e. role-level c. und insertional-level c.] the
direct object has a certain primacy over all other arguments" (236); es
gelte die folgende Hierarchie für das Wirken von Metonymie: "Direct object
> subject > other" (236). Im Folgenden stützt er seine These, indem
er anhand französischer Beispiele zunächst Verbalpolysemien des "role-level
contiguity"-Typs auf Metonymien hin untersucht: lokative Alternationen (des
Typs ils ont chargé du charbon sur le
bateau; ils ont chargé le bateau de charbon) und die so genannte "swarm"-Alternation
(er nennt das Beispiel l'eau déborde de la baignoire; la baignoire déborde de l'eau). Im
zweiten Teil seiner Studie analysiert er die "insertional metonymies"
und zeigt, dass auch hier seine postulierte Hierarchie zu gelten scheint, dass
also, so vorhanden, immer das direkte Objekt metonymische Referenz aufweist.
Waltereit zeigt dies an Reflexivkonstruktionen und Konstruktionen der "inalienable
possession". Die
Beiträge im Sammelband stellen klar heraus, dass die Metonymie ein mindestens
ebenso basaler kognitiver Prozess ist wie die Metapher. Pauwels (255-273)
untersucht korpusgestützt (put, set, lay,
place) in seinem Artikel die genaue Natur der Metonymie und betrachtet dabei
auch das Verhältnis zwischen Metonymie und Metapher; er kommt zu dem Schluss,
dass sehr häufig eine "interpenetration of metonymy and metaphor"
(262) stattfindet, vor allem bei nominalen Metonymien ("it seems like most
nominal metonyms occur inside metaphors" [272]). Auch die Prozesse der
"generalization" und "specification" würden häufig mit
Metonymie interagieren. Bereits
Kochs Artikel verweist auf das Wirken von Metonymien im Bereich der Wortbildung,
in Dirvens Aufsatz (275-287) steht als ein bestimmter Wortbildungsprozess die
Konversion von Nomen zu Verben im Fokus, wobei ein bestimmter Typ von Metonymie,
die "event-schema metonymy" (279) (im Gegensatz zur referentiellen
Metonymie), wirke. Bei den von Dirven unterschiedenen fünf Konversionstypen
werde jeweils ein Partizipant der drei zugrunde liegenden Ereignisschemata
("action schema", "motion schema", "essive schema")
mittels Metonymie fokussiert. Voßhagen
(289-308) arbeitet heraus, dass das Konzept der Opposition – ein Konzept steht
für sein Gegenteil (z.B. bad im Sinne
von "gut") – auf einer metonymischen Relation basiert, da "opposites
belong to one conceptual domain" und "the relation between opposites
is one of close mental contiguity" (291). Motivation für derartige
metonymische Verschiebungen seien Ironie und Euphemismus (bei Verwendung eines
"positiven Ausdrucks", um ein negatives Konzept auszudrücken),
Expressivitätsbestreben ("a negative term [is used] in order to convey a
positive concept" (302)), oder aber es würden extralinguistische Faktoren
sozialer, ethnischer oder kultureller Natur Auslöser sein (wiederum wenn ein
negativer Ausdruck für ein positives Konzept verwendet wird). Der
vorletzte Artikel im Fallstudienteil von Feyaerts befasst sich mit der
Konzeptualisierung von Dummheit in deutschen idiomatischen Wendungen (309-332).
Die Analyse eines Korpus von 500 idiomatischen Ausdrücken ergibt, dass es nicht
nur metaphorische hierarchisch organisierte Strukturen gibt, sondern auch
metonymische ("large-scale metonymic structures [...] in which several
individual metonymies take part" [309]). Höher in der Struktur
positionierte Metonymien seien universeller Natur (z.B. DEVIANT BEHAVIOUR FOR
STUPIDITY), während die niedriger positionierten kulturspezifisch seien. So
werde das Konzept des "Mantafahrers" im Deutschen kulturspezifisch
dafür herangezogen, um metonymisch auf "Dummheit" u.ä. zu verweisen.
Im Rahmen seiner Studie gelangt Feyaerts auch zu einer Neudefinition von
Metapher (319f.) und hinterfragt das theoretische Konzept der "domain
matrix", auf welches viele Linguisten ihre Definitionen von Metapher und
Metonymie gründen. Schließlich
untersuchen Panther und Thornburg (333-357) die "potentiality for
actuality"-Metonymie im Englischen und Ungarischen. So bedeutet der Satz I can taste the vanilla typischerweise
nicht, dass man in der Lage ist etwas zu schmecken, sondern dass man den
Geschmack von Vanille de facto spürt. Es wirkt hier die Metonymie im Sinne
einer konversationellen Implikatur; es handelt sich um eine "predicational
metonymy" im Unterschied zu einer "referential metonymy" (334).
Neben diesen beiden Untertypen von so genannten "propositional metonymies"
unterscheiden die Autoren in ihrer pragmatischen Typologie von Metonymien noch
illokutionäre Metonymien: Ein Sprechakt steht für einen anderen Sprechakt;
z.B. steht der Aussagesatz I don't know
where the bath soap is für die Frage where is the bath soap? (335). Die Analyse der "potentiality
for actuality"-Metonymie erfolgt im Rahmen des scenario-Ansatzes (state-of-affairs-scenario
[337f.]), wobei sieben verschiedene konzeptuelle/kommunikative Domänen
untersucht werden. Die Analyse ergibt, dass im Englischen die untersuchte
Metonymie viel regelmäßiger und systematischer verwendet wird als im
Ungarischen (was Feyaerts' hierarchisches Metonymiemodell stützt), dass es sich
bei besagter Metonymie aber generell um eine non-default-Metonymie handelt. Mit
letzterem Ergebnis kommen die Autoren zu einer anderen Auswertung als Radden/Kövecses
(1998 und im selben Band). Der
Anwendungsteil des Bandes umfasst leider nur zwei Artikel. Hier wäre eine
größere Anzahl von Studien wünschenswert gewesen. Vor allem der den Band
beschließende interessante Artikel von Pankhurst (385-399), der sich mit der
Rolle von Metonymie in fiktiven narrativen Texten am konkreten Beispiel von
Morrisons "Song of Solomon" befasst, wirkt in dem ansonsten mit
linguistischen Fragestellungen beschäftigten Sammelband ein wenig verloren. Der
Theorie von Jakobson (1956) und vor allem Riffaterre (1990) folgend, arbeitet
Pankhurst heraus, dass eine der Hauptfunktionen von Metonymie in fiktiven Texten
das Schaffen von Subtexten sei, was letztendlich dazu führe, dass der jeweilige
Text als ein kohärentes Netzwerk verstanden werde, in welchem bestimmte
Entitäten bzw. bestimmte Konzepte (im spezifischen Fall der Ohrring der
Protagonistin) als (metonymisch zu interpretierende) Referenzrahmen für die
gesamte Erzählung dienen (393). Pankhurst geht sogar soweit zu sagen, dass in
der analysierten Erzählung "the metonymy has a meta-narrative function as
a mark of fictionality" (395). Nerlich
und Clark untersuchen erstmalig den Erwerb von Metonymie und richten ihr
Augenmerk sowohl auf die Produktion als auch auf das Verständnis. Hinsichtlich
der Produktion unterscheiden sie zum einen pragmatische Strategien der
Überextension, die vor allem bis zum Alter von 2;5 stattfinden und zu welchen
neben metaphorischen und synekdochischen auch metonymische gehören, die dazu
dienen "to cover up gaps in their tiny lexicons" (367). Die
metonymischen Übertextensionen gründen auf perzeptuellen, spatial-temporalen
und funktionalen Kontiguitäten (z.B. choo-choo
für Züge, Flugzeuge, Autos (368)). Ein weiterer Typus von Metonymie bei der
Sprachproduktion beginne in etwa ab dem vierten Lebensjahr und sei, im Gegensatz
zum ersten Typus, ein kreativer Prozess: der Prozess des "metonymical
shrinking". Die Autoren illustrieren diesen Prozess anhand
Produktionsbeispielen von Nerlichs Sohn, z.B. bone-sandwich, weil das Käsebrot gut
für die Knochen sei (371). Auch das Verbalisieren von Nomina basiere auf einer
innovativ-kreativen Metonymie (z.B.
to gun, um das Töten mit einer
Pistole auszudrücken). Die Analyse des Verständnisses von Metonymien bei
Kindern (untersucht anhand eines im Anhang abgedruckten Textes) ergibt, dass
dieses später erworben wird als die Produktionsfähigkeit. Generell
lässt sich sagen, dass der Band allumfassend aus kognitivlinguistischer
Perspektive auf die Probleme und Fragestellungen der Metonymie eingeht. Es wird
über den "traditionellen Tellerrand" der lexikalischen Semantik
hinausgeblickt auf benachbarte Domänen wie z.B. die Wortbildung oder die
Textsemantik und es wird mit veralteten Definitionen von Metonymie (z.B.
Metonymie als ein reines "Ersetzungsverfahren") aufgeräumt. Zu dem
positiven Gesamteindruck des Sammelbandes trägt bei, dass die Artikel nicht
unverbunden nebeneinander stehen, sondern in der Regel sehr gelungen dort, wo es
sinnvoll ist, aufeinander verweisen, sich ergänzen und miteinander oder
gegeneinander argumentieren, so dass die Artikel gemeinsam ein komplexes Bild
der Metonymie konstruieren. Wünschenswert
wäre gewesen, eine größere Bandbreite spezifischer Metonymien aus
verschiedenen Sprachen zu präsentieren. Der Schwerpunkt liegt doch sehr
eindeutig auf englischen Sprachbeispielen. An anderen Sprachen werden lediglich
einige romanische Sprachen, das Deutsche und das Ungarische ausführlicher
diskutiert. Anstatt hinter jeden einzelnen Artikel eine Bibliographie zu
stellen, hätte es sich gelohnt, eine Gesamtbibliographie zu erstellen, zumal
doch in nahezu jedem Artikel auch immer wieder auf die gleichen Standardwerke
zur Metonymie- und Metaphernforschung verwiesen wird, so z.B. auf Lakoff (1987),
Lakoff/Johnson (1990), Croft (1993), Goossens (1990), Langacker (1987). Diese
wenigen Negativkritikpunkte trüben aber keineswegs den sehr positiven Eindruck
des Sammelbandes. Er ist ein wichtiges Werk in der Metonymieforschung und sollte
bei der Beschäftigung mit Metonymie unbedingt berücksichtigt werden. Literatur Croft, William (1993): "The role of domains in the interpretation of metaphors and metonymies", in: Cognitive Linguistics 4, 35-370. Goossens, Louis (1990): "Metaphtonymy: the interaction of metaphor and metonymy in expressions for linguistic action", in: Cognitive Linguistics 1, 323-340. Jakobson, Roman (1956), "Two aspects of language and two types of aphasic disturbances", in: Jakobson, Roman/Halle, Morris (edd.): Fundamentals of Language. The Hague. Lakoff, G. (1987), Women, Fire and Dangerous Things: What Categories Reveal about the Mind. Chicago. Lakoff, George/Johnson, Mark (1990): Metaphors We Live By. Chicago. Langacker, Ronald W. (1987): Foundations of Cognitive Grammar. Volume I: Theoretical Prerequisites. Stanford. Langacker, Ronald W. (1991): Foundations of Cognitive Grammar. Volume II: Descriptive Application. Stanford. Nunberg, Geoffrey D. (1979): "The non-uniqueness of semantic solutions: polysemy", in: Linguistics and Philosophy 3, 143-184. Radden, Günter/Kövecses, Zoltán (1998): "Metonymy: developing a cognitive linguistic view", in: Cognitive Linguistics 9, 7-77. Riffaterre, Michael (1990): Fictional Truth. Baltimore. Taylor, John R. (1989): Linguistic Categorization. Prototypes in Linguistic Theory. Oxford. [PDF] |
|
[Home] [Inhalt / Table of contents / Table des matières] ISSN 1618-2006 |