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[PDF] VorwortDie vorliegende achte Nummer von metaphorik.de ist das dritte Themenheft innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre, was einmal mehr auf ein wachsendes Interesse an thematisch zentrierten und kulturvergleichenden Studien zum Metapherngebrauch verweist. Der Band widmet sich der Rolle von Metaphern im Diskurs um die medizinische Forschung mit und die potenzielle Nutzung von embryonalen Stammzellen. Im Kern der europaweiten Diskussion geht es zusammenfassend betrachtet darum, inwiefern so genannte Blastozyten – also pluripotente Stammzellen, die sich in jede Form menschlichen Gewebes ausdifferenzieren können – ein menschliches Wesen repräsentieren oder nicht. Die Implikationen divergieren entsprechend den ethisch-moralischen Ansichten und verweisen auf die anhaltenden Kontroversen um eine humane Gattungsethik. Der intrinsische Wert ‚Menschenwürde’ ist angesichts der technologischen Entwicklungen umstritten, zumal der Zeitpunkt des Lebensanfangs auch den Beginn der ‚Menschwerdung’ einschließt. Es geht kurzum um die Frage, ob embryonale Stammzellen potenziell einen Menschen repräsentieren oder ob es sich dabei um einen lockeren Zellverbund handelt, mit dem beliebig geforscht werden kann? In diesem Sonderheft soll die Rolle von Metaphern in der Diskussion über dieses Problem beleuchtet werden. Eröffnet wird der Band mit einer Analyse von Martin Döring und Jörg Zinken. Sie untersuchen vergleichend die anfängliche metaphorische Schematisierung des Stammzellendiskurses in Polen und Frankreich zwischen 1998 und 2000 und zeigen, dass sich die metaphorisch konditionierten ‚Stammzellenrealitäten’ in der nationalen Presseberichterstattung beider Länder kaum maßgeblich unterscheiden. Vielmehr finden sich divergierende Metaphernsysteme auf der Ebene der ethischen Bewertung, so dass die Autoren die zukünftige Untersuchung metaphorischer Schematisierungen ‚ethischer Kulturen’ favorisieren. Der Beitrag von Ying-Hsueh Hu analysiert kulturelle Aspekte des Metapherngebrauchs in Taiwan und zeigt, dass dort die Metapher der great chain of being eine wichtige, wenn auch im Vergleich zum Okzident vollkommen andere Rolle in der Diskussion um die Nutzung von embryonalen Stammzellen spielt. Embryonale Stammzellen und der Diskurs über ihre Nutzung werden hier vor dem Hintergrund unterschiedlicher asiatischer Glaubensrichtungen untersucht. Hus Artikel ergänzt den Band um eine wertvolle außereuropäische Perspektive. Andreas Musolff untersucht das metaphorische Konzept der great chain of being. Er rekonstruiert das metaphorische Konzept in seinem historischen Kontext und verfolgt dessen begriffsgeschichtliche Genese bis zum Stammzellen-Diskurs der heutigen Zeit. Damit vermittelt er Einblicke in ein wirkmächtiges und teilweise verdecktes metaphorisches Konzept, das den Stammzellen-Diskurs in einem nicht zu unterschätzenden Maße mitgestaltet. Der abschließende Beitrag von Brigitte Nerlich analysiert kontrastiv die diskursiven Dimensionen der Rubikon-Metapher in der deutschen und englischen Presseberichterstattung. Vor allem in der deutschen Berichterstattung wurde und wird diese Metapher – das prominenteste Beispiel für eine selbst auferlegte und viel diskutierte Beschränkung der Forschung – auf unterschiedlichen politischen und wissenschaftlichen Ebenen diskutiert. Nerlich analysiert, wie die Metapher erstmalig in Deutschland vom damaligen Bundespräsident Rau benutzt wird und in der Folge ihren diskursiven Weg beschritten hat, während sie in Großbritannien kaum verwendet wird. Der Beitrag bietet aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive eine Erklärung dafür, dass die Rubikon-Metapher in der deutschen und der englischen Gesellschaft einen gänzlich unterschiedlichen Nachhall findet. Wie immer kann jeder Beitrag sowohl in einer html- als auch in einer pdf-Version abgerufen werden. Ebenso ist weiterhin gültig, dass für die Darstellung verschiedener Sonderzeichen bestimmte Zeichensätze notwendig sind, die nicht in jedem Fall auf den betrachtenden Rechnern vorinstalliert sind. Bei eventuell fehlerhafter Darstellung können im Internet verfügbare Fonts weiterhelfen. Wir hoffen, dass die in diesem Band enthaltenen Beiträge die Diskussion um die Relevanz der Metapher in der biopolitischen Diskussion weiterführen und das Interesse für eine reflexive Erörterung der humanen Gattungsethik wecken. Bonn, im Juli 2005 Hildegard Clarenz-Löhnert Martin Döring Klaus Gabriel Katrin Mutz Dietmar Osthus Claudia Polzin-Haumann Nikola Roßbach [PDF] |
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[Home] [Inhalt / Table of contents / Table des matières] ISSN 1618-2006 |