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Unser Sieger für das Jahr 2007Das Abendland ist - wie Harald Weinrich es einmal formuliert hat - eine Bildfeldgemeinschaft. Die EU-Politik inspiriert ebenfalls zu zahlreichen sprachenübergreifenden Metaphern, man denke an das alte Sprachbild des deutsch-französischen Motors, der mal mehr, mal weniger ins Stottern gerät. Guido Westerwelle hält zu den zähen Verhandlungen des letzten EU-Gipfels, in der die polnische Regierung die Vertragsverhandlungen zeitweise blockierte, eine besonders interessante Variante der Verkehrsmetaphorik bereit: "Es kann in Europa nicht sein, dass das langsamste Schiff das Tempo des Zuges bestimmt." (ZDF heute-journal 25.6.2007) Unsere Laudatio: Beruhigend ist folgendes: Der territoriale Revanchismus hat in der deutschen Politik keinen Platz mehr. Die schon nach dem Ersten Weltkrieg in Reaktion auf den polnischen Korridor verbreitete Parole "der Pole ist kein Seefahrer" gehört endgültig der Vergangenheit an. Doch sei's drum: Guido Westerwelle spricht von Zügen, deren Tempo von langsamen Schiffen bestimmt wird... Da antizipiert der FDP-Vorsitzende entweder bereits den Bahn-Streik, oder er befindet sich metaphorisch auf dem ganz falschen Dampfer. [nr/do] Laufender Wettbewerb 2008Kandidat 1Tobias Mayer aus Bochum hat für uns folgenden Beleg für echte sportlerische Akrobatik ausfindig gemacht: Buchwald nicht zu Klinsmann - Er galt allgemein als heißester Kandidat und hatte laut Medienberichten auch starkes Interesse bekundet ("Ich bin bereit". Doch Guido Buchwald dementiert bei Sport1.de, von sich aus seinen Hut auf den Posten als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München in den Ring geworfen zu haben. "Das Ganze ist momentan für mich kein Thema. Ich bin mit anderen Vereinen in Kontakt. Ich gehe meinen Weg, und er geht seinen", so der Weltmeister von 1990. (Sport 1 14.1.2008) Unsere Laudatio: Nach seinen Trainer-Erfahrungen u.a. in Aachen wäre man ja geneigt, an der Zielgenauigkeit von Guido Buchwalds Hutwurftechnik zu zweifeln. Aber den Hut-auf-den-Posten-im-Ring-werfen, wird ohnehin wieder so eine von amerikanischen Fittnesstrainern eingeflüsterte Übung sein, die Guido Buchwald niemals "von sich aus" ausführen würde. [tm/do] Kandidat 2Eine Seefahrt ist lustig, dumm nur wenn das Schiff in der Wüste feststeckt. Tim Kaufmann aus Kiel machte uns auf folgenden Beleg aus dem Internet-Angebot der BILD-Zeitung aufmerksam: "Im Reservat für Konservative reitet er wie der einsame Sheriff Richtung Sonnenuntergang. Am Ende hat der Wähler Roland Koch nicht mehr abgenommen, dass er allein die CDU auf altem Kurs halten kann." (BILD.de 28.1.2008) Unsere Laudatio: Da ist die BILD-Zeitung offensichtlich auf ihre eigene Kampagne zugunsten des hessischen Ministerpräsidenten hereingefallen. Wenn der alte Kurs die CDU in Richtung Sonnenuntergang führt und zudem von einem einsamen Reiter vorgegeben wird, war er dann der richtige? Aber vielleicht erlebt ja sogar die BILD-Zeitung noch ihre metaphorische Morgendämmerung... [tk/do] Kandidat 3Fußballer, gerade die sehr bekannten, werden gerne als Bildspender für mehr oder weniger kreative Metaphern herangezogen, man erinnere sich an den Vergleich Papst Benedikts mit Beckenbauer. Doch es geht auch ein paar Ligen tiefer, wie Friedrich Küppersbusch in seinem wöchentlichen Kolumneninterview beweist. Auf die Frage, ob Michael Naumann Recht mit der Behauptung habe, Kurt Beck habe durch die angedeutete Kooperation mit der Linkspartei seinen Wahlsieg in Hamburg verhindert, antwortet er folgendermaßen: "Das ist in etwa so spekulativ wie die Frage, ob ein besserer Wahlkampf Naumanns die Linkspartei knapp unter 5 Prozent hätte halten können. Der Platz war unbespielbar, der Schiri korrupt, und das Wetter, na ja. Wenn er der Andi Möller der SPD werden möchte, nur zu" (taz 3.3.2008, S.12) Unsere Laudatio: Küppersbuschs Sprachbild birgt zahlreiche Fragen, z.B. die: Hat Naumann am Ende die Hamburger Wahlen gar nicht verloren? War das schlechte Abschneiden der SPD lediglich eine 'Schutzschwalbe', um gar nicht in Gefahr zu geraten, regieren zu müssen? Hatte Michael Naumann vor den Wahlen noch 'Vom Feeling her ein gutes Gefühl'? Doch inspiriert der Vergleich auch. Andreas Möller hat dem nicht uneitlen Polit-Intellektuellen eines immerhin klar voraus: 'Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber'. Also, Herr Naumann: Alles Möller, oder was? [do] Kandidat 4Wir können nicht anders, als angesichts der Fußball-Europameisterschaft mal wieder die nationalen Körperteile zu bestaunen und kurz darauf hinzuweisen, dass solche Sprachbilder bei jedem großen Turnier wieder kommen: "Jetzt bangen wir wieder um die Wade der Nation, jetzt hängt unsere Hoffnung wieder an genau denselben Muskelfasern." (Berliner Kurier 29.6.2008) Unsere Laudatio: Die Hoffnung vor dem Finale hängt an der seidenen (bzw. der nicht verhärteten) Faser. Ballacks Ballkunst und Bedeutung wird durch dieses fast schon konventionalisierte Sprachbild klar zum Ausdruck gebracht. Bis der Bart des Metzelder zum nationalen Gut erklärt wird, dürften noch einige Finalspiele ins Land gehen. [do] weitere Kandidaten sind herzlich willkommen
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ISSN 1618-2006 (für das Journal) zuletzt bearbeitet am 19.12.09 |