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Folgender Text
basiert auf einem auf dem Romanistentag 1999 gehaltenenen Vortrag. Eine
Publikation in überarbeiteter schriftlicher Form (u.a. mit Abbildungen) ist
vorgesehen.
Von der Wundergeschichte zum ‚Fait divers‘. Untersuchungen zur Berichterstattung über Kometen in französischen 'Canards'
an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Martin Döring (Hamburg)
[1]
1.
Einleitung Berichte
über die Bedrohung des Menschen durch Naturkatastrophen haben eine
lange Tradition. Seit der Antike sind Darstellungen über Naturkatastrophen
und deren Management bekannt
[2]
. Naturkatastrophen waren und sind immer wieder Anlaß, die
Beziehung von Mensch und Natur zu thematisieren. Massenmedien spielen in
dieser Dichotomie eine entscheidende Rolle, da sie die vermittelnde und
strukturierende Instanz zwischen dem eigentlichen Phänomen und seiner
individuellen Wahrnehmung durch den Rezipienten sind. Betrachtet man Berichte
über Natur und Naturkatastrophen genauer, so zeigt sich, daß gerade in
dieser abstrakten Diskursdomäne
[3]
unterschiedlichste Aspekte zu einem kohärenten Ganzen
zusammengefügt werden. Neben der Darstellung des eigentlichen Phänomens in
Wort und Bild, werden mögliche Schäden beschrieben, historisch vergleichbare
Fälle geschildert, Wissenschaftler oder Experten für eine (natur)wissenschaftliche
Erklärung bemüht, und es kommen Augenzeugen
zu Wort
[4]
. Essentieller Bestandteil dieser
textlichen Segmentierung ist die Wundergeschichte, in der z.B. über die
Rettung eines seit Tagen Vermißten berichtet wird. Dies geschieht zumeist in
der speziellen Rubrik des fait divers,
wo einem die NaturKultur
[5]
in ihrer gesamten Bandbreite vor Augen geführt wird. Setzt die
Analyse bei den sprachlichen Strukturen an, so wird im besonderen Maße deren
Beitrag bei der Erfassung von Naturphänomenen deutlich. Tempus, deiktische
und referenzielle Prozesse oder Metaphern und Metonymien sind Ansatzpunkt
ökolinguistischer Forschungen
[6]
. In diesem Froschungszweig steht der Umwelt- und Naturdiskurs mit
seinen spezifischen linguistischen und medialen Prozessen der
Naturkonstruktion und Katastrophenbewältigung im Vordergrund. Der vorliegende
Beitrag setzt an diesem Punkt an, indem er sich dem Schwerpunkt der
kulturellen Konstruktion von Natur durch Sprache -
insbesondere in den Printmedien - in
diachroner Perspektive widmet. Gegenstand der linguistischen Untersuchung sind
Metaphern. Ihre Analyse erfolgt anhand eines Korpus von 14 Flugschriften und
Flugblättern - sogenannten Canards
- des 16. und 17. Jahrhunderts, die bisher in der sprach- und
medienwissenschaftlichen Forschung kaum Beachtung gefunden haben
[7]
. Der thematische Fokus liegt auf der Berichterstattung über
Kometen, denen in der zeitgenössischen Literatur eine zumeist
katastrophenankündigende Kraft zugeschrieben wurde.
2.
Die
Canards: Medienhistorische Aspekte
ein problematischen Textsorte Das
Hauptproblem bei der Analyse des hier
untersuchten Mediums Canard besteht
in der Schwierigkeit seiner systematischen
Erschließung. Die Quellenlage ist undurchsichtig und nicht selten
verworren. Dies liegt darin begründet, daß nur wenige Exemplare erhalten
sind, da sie vermutlich nach der Lektüre weder aufbewahrt noch katalogisiert
wurden
[8]
. So ist man von Zufallsfunden zwischen den Blättern von Folianten
abhängig und kann nur in den seltensten Fällen auf Verzeichnisse mit
Standortangabe oder thematisch gegliederter Bibliographien zurückgreifen
[9]
. Diese Rahmenbedingungen haben sicherlich dazu beigetragen, daß
den Canards bisher eine eher
marginale Rolle zugeschrieben wurde
[10]
. Medienhistorisch betrachtet sind sie jedoch interessant, da sich
von ihnen die Entwicklung einer Textsorte ableiten läßt, die heute in der
Rubrik des fait divers unter dem
Schlagwort Sensationsberichterstattung am ehesten erfaßt werden könnte. Der
Canard ist also ein Typus von
Presseerzeugnis, dessen thematischer Schwerpunkt eindeutig in den Bereich der
Sensationsberichterstattung über Mißgeburten, Morde, Wunder und
Naturkatastrophen fällt
[11]
. Hergestellt wurden sie in Druckwerkstätten größerer Städte in
einer Auflage von bis zu 2500 Exemplaren
[12]
und sie scheinen einen lukrativen Nebenerwerb für Drucker
dargestellt zu haben
[13]
. Der Vertrieb verlief auf Märkten oder Kirchplätzen über
Gassenrufer, die die Druckerzeugnisse in einem Bauchladen vor sich anboten
(Abb. 1). Das folgende Zitat aus Pierre de l’Estoiles Histoires
Prodigieuses beschreibt zwei wesentliche Aspekte, den der Verkaufspraxis
und den der Zusammenstellung von Sensationsberichten, wie sie für die Histoires
Prodigieuses üblich waren: Le
lundi de ce mois ou croiroit par ceste ville, L’Histoire
pitoiable des parricides par Jaques Gendet et sa femme envers leurs pères,
Mères et soeurs, en la ville de Blaye, laquelle encore que je me defiasse
avoir esté regratté et rechauffée par ces pauvres contreporteux morfondues,
si est-ce que, pour n’être point parmi mes fadizes et cris de Paris de ce
temps, je lay voulu avoir et en ay donné deux sols, pour ajouster à mes
autres bagatelles
[14]
. Eine
weitere Form der Sensationsdarstellungen waren Prodigiensammlungen
[15]
. Diese Kompilationen von Wundergeschichten und Katastrophen
verzeichneten in Form von kurzen Texten, teilweise versehen mit einer
Abbildung, alle nur erdenklichen Geschehnisse „[...] plus mémorables depuis
la nativité de Jesus Christ [...]“
[16]
. Berühmte Autoren in Deutschland waren unter anderem Konrad
Lycosthenes, dessen Prodigiorum ac
Ostentatorum fast 1000 Seiten umfaßte, und in Frankreich Pierre Boaistuau
mit seinen Histoires Prodigieuses.
Kometen oder als Kometen erachtete Phänomene nahmen in der Themenvielfalt von
Prodigiensammlung und Canards
qualitativ eine besondere Rolle ein, da sie als drohender Fingerzeig
Gottes (Digitus Die) an den sündigen Menschen galten
[17]
. Diese Ansicht hängt mit einer sehr alten astrologischen
Tradition der Deutung von Kometen zusammen, in der sie in den meisten Fällen
als Boten des Unheils interpretiert wurden
[18]
. Genau diese Muster der Interpretation, die zumeist mit einer
Beschreibung des Phänomens und der entstandenen Schäden beginnen, dann
Verweise auf Kometentheorien zur Deutung geben und schließlich mit einer
Prognose sowie einem Gebet oder einer religiösen Ermahnung abschließen,
wurden nicht nur in den Canards und den Prodigiensammlungen verwendet.
Vielmehr gab es noch eine ganze Reihe anderer Publikationsformen wie Traktate,
Gedichte, gedruckte Kometenpredigten und sogar Kometenbüchlein, die dem
generellen Duktus der theologischen Ermahnung folgten und Topoi
mittelalterlicher und antiker Kometentheorien vermischten
[19]
. So finden sich in dem hier untersuchten Korpus neben
Ausführungen zur Meteorologie des Aristoteles immer wieder Darstellungen der
ptolemäischen Kometenlehre
[20]
. Viele dieser Canards
(Abb. 2) enthielten zudem Illustrationen, die das Geschehen am Himmel optisch
wiedergeben sollten, motivgeschichtlich jedoch auf grundlegende Bildtypen
zurückgeführt werden können, die sich aus dem Vergleich von Canard,
Flugschrift und Prodigiensammlung ergeben
[21]
. Aus dieser Tatsache ergibt sich ein enges Zusammenwirken von Bild
und Text, daß durch die Beziehung Sprachbild (Metapher) und Bildersprache (Ikonographie)
gekennzeichnet ist. Diese Beziehung soll im Folgenden aus
sprachwissenschaftlicher Sicht anhand der kognitiven Metapherntheorie
untersucht und auf die bildlichen Darstellungen bezogen werden.
2.
Metapher und Bild als Mittel der Erkenntnis Die
von George Lakoff und Mark Johnson 1980 erstmalig unter dem Titel Metaphors
we live by
[22]
vorgestellte
kognitive Metapherntheorie, zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie das
Phänomen der Metapher ins Zentrum der linguistischen Forschung stellt.
[23]
Die Metapher sei ein zentraler Bestandteil der Sprache und des
sprachlichen Handelns und nicht, wie im traditionellen Sinne verstanden, als
rein rhetorisches Phänomen des poetischen Diskurses oder der ästhetischen
Kreativität des Autors anzusehen. Vielmehr ist sie sowohl in der
Alltagssprache wie im Expertendiskurs zu finden
[24]
, also allgegenwärtig, und damit augenscheinlich fester
Bestandteil der Sprachkompetenz. "Metaphor
is a tool so ordinary that we use it unconsciously and automatically, with so
little effort that we hardly notice it"
[25]
. Eine der
grundlegenden Annahmen Lakoffs und Johnsons ist, daß der Mensch keinen
direkten Zugang zu abstrakten Bereichen des Wissens hat und daß er mit der
Metapher ein Mittel besitzt, das ihn zur Erfassung abstrakter Sachverhalte
befähigt. Die Metapher ist also eine konzeptuell verankerte Fähigkeit des
Menschen, die durch die Verbindung einer abstrakten Domäne mit einer
gegenständlichen Domäne ein Abstraktum kognitiv verfügbar macht. "The
essence of metaphor is understanding and experiencing one kind of thing in
terms of another"
[26]
. Bezugspunkt für
jegliche Konzeptualisierung abstrakter Sachverhalte ist die kulturelle und
körperliche Erfahrung des Menschen (embodiment),
die in den Arbeiten von Lakoff
[27]
und Johnson
[28]
eingehend erörtert wird. There
are both collective and individual aspects of our selfhood. Collectively, we
all share certain bodily and cognitive capacities, we inhabit a common
cultural tradition [...], and we are individual selves, too. We each have our
distinct bodies, our particular personal histories, and our unique
interpersonal relations with other people. The self we develop is, therefore,
both collective and individual in character.
[29]
Olaf
Jäkel unterstreicht die Rolle der Körperlichkeit für den Vorgang der
sprachlichen Konzeptualisierung folgendermaßen: Konzeptuelle
Metaphern sorgen durch die Rückbindung des abstrakt-begrifflichen Denkens an
die sinnliche Anschauung für die körperlich-biophysische Fundierung der
Kognition und gewährleisten die Kohärenz und Einheit der Erfahrung.
[30]
Der Mensch orientiert sich durch die Metapher in einer Welt, in der sie als Symbol das Unberechenbare bändigt. „Die Menschen finden ihre Welt nicht fertig vor, sondern stellen diese selbst her, indem sie ihre Bedürfnisse und Erfahrungen metaphorisch gestalten und verarbeiten“ [31] . Dieser Aspekt ist insofern wichtig, da die Bedrohung durch Kometen Anlaß zu Metaphern und bildlichen Darstellungen bot, die als Mittel der ‚Entängstigung‘ grundsätzlich konstruktiven Charakter besitzen. Der Wirklichkeitsbezug ist somit auf die Ebene einer subjektiven und sprachlichen Konstruktion verschoben, die anhand der Metaphern in zeitgenössischen Medien des 16. Jh. wie den Canards wiederzufinden ist [32] . „Not only did they [metaphors] guide people's everyday behavior, but they were systematized and formalized as theories and guiding principles for dealing with nature” [33] . Betrachtet man die zur Analyse herangezogenen Canards aus der B.N., so verdeutlicht sich schnell die grundlegende Bedeutung der von Reddy erstmals untersuchten und von Johnson überarbeiteten Containermetapher [34] . Sie ist das grundlegende Modell für die Art und Weise der Kommunikation, in der die Information in einem Container (Wort) encodiert und zum Empfänger geschickt wird. Dieser wiederum decodiert den Inhalt des Containers. Auch den Canards ist dieses metaphorisch geprägte Kommunikationsschema inhärent. Entsprechend der von Giesecke [35] dargestellten Kommunikationssituation, in der (nach Hugo St. Viktor) die Natur von Gott spricht, werden auch Kometen metaphorisiert [36] . Sie sind Träger einer Information, die von Gott ausgesendet wird [37] . Der Mensch nimmt diese Dinge wahr, setzt sie in Sprache um, aus der eine Interpretation und ein gottesfürchtiges Handeln resultiert, das von Gott wieder wahrgenommen wird. Dem Deutungskanon entsprechend bedeuten Kometen nichts Gutes, und folgerichtig sind sie negativ konnotiert. So werden sie als
(1)
[...] terrible
et merveilleux signe [...]. (Rés.8 LK7
27224, S. 1) oder
als (2) la voix esclatante du dieu tout puissant, qui vous aduertit par ce signe [...]. (80 LK7 6545, S. 3)
bezeichnet. Das erste Beispiel hat noch abstrakten – zeichenhaften - Charakter, das zweite hingegen verdeutlicht die implizite Personifikation Gottes indem die Überblendung von voix und signe den Kometen als Container des göttlichen Sprechaktes kennzeichnet. In etwas abgemilderter Form können derartige Zeichen auch als
(3)
[...]
plusieurs & diuers admonitions
par signes tant celestes que
terrestes, [...]. (Rés. PV 202, S. 9) bezeichnet werden. Die Zurechtweisung des Menschen erfolgt also nicht nur durch Zeichen am Himmel, sondern auch durch irdische Zeichen wie Mißgeburten, Erdbeben etc. Doch wird durch die Verwendung der Konstruktion par signe zum einen der kommunikative Akt, und zum anderen implizit die Notwendigkeit einer Dekodierung durch einen Experten (Astrologen) unterstrichen, um die spezifische Bedeutung und die Relevanz des Zeichens für den Menschen zu erschließen. Neben diesen eher noch abgemilderten Formen der Zurechtweisung und des Hinweises auf zeichentheoretischer Basis verdeutlichen die folgenden Beispiele die Emotionalität der Konversation, wenn die Kometen als (4)
[...] messagers auant-coureurs de son
ire
[...] (Rés. LK 7 6545, S. 6)
(5)
[...] et que
ce sont des signes
de courroux que Dieu vous enuoye [...] (Rés. (80 LK 7
6545, S.12)
(6)
[...] qu’ils
sont messagiers & auant-courreurs
de l’ire de Dieu .[...] (Rés. PV 202, S. 10) bezeichnet werden. Die Korrelation zwischen dem emotionalen Erregungszustand und dem Kometen als Feuerzeichen göttlichen Zorns wird anhand der Beispiele deutlich. Grundlegend ist hier, daß Wut als eine Energie konzeptualisiert wird, die sich in einem Behältnis ausbreitet und mehr Platz beansprucht, als das Behältnis bieten kann. Der Effekt ist der Austritt der Energie [38] . So sind die Kometen erste Anzeichen einer göttlichen Wut, deren Ausmaß sich um ein Vielfaches im Falle eines Wutausbruchs steigert. Folgende Beispiele verdeutlichen dieses:
(7)
[..] que fut
veu en l’air un
feu [...] (V. 21093, S. 6)
(8)
[...] mais un flambeau du Ciel enflammé
de cholere, & rouge
de corroux pour marquer la sanglante punition sur vos chefs rebelles
[...] (80 LK 7 6545, S. 7) (9) [...] que son ire ne peut plus arrester les boüillons de sa furie, & que son indignation surmontant les intercessions de sa Patience & de la misericorde qui le solicitent incessament, à la pitie, a leué son bras pour vous frapper, & et preste de lancer son foudre sur vos testes rebelles pour les escraser [...] (80 LK 7 6545, S. 1). Handelt
es sich im ersten Beispiel noch recht neutral um ein Feuer in der Luft,
verdeutlicht das Folgende den Prozeß der Entzündung der Fackel durch die
Wut, welche die Erläuterung der Farbe noch unterstreicht. Das letzte Beispiel
ist sehr eindringlich: nicht nur der Zustand der furie,
sondern auch die Konsequenzen werden drastisch als Schlag oder Blitzschleudern
verdeutlicht. Der Übergang zu Kampfmetaphern ist dort fließend, wo Kometen
als Waffen metaphorisch konzeptualisiert werden. Metallbearbeitung, zur
Herstellung von Waffen, bedarf aber immer eines Schmiedes, wie im folgenden
Fall:
(10)
[...] celle
estre [la comète] oeuvre
de dieu forgee expres pour demonstrer cas horribles à venir, [...] (V.21093,
S. 10) Dem Modell des Kometen entsprechend werden Metaphern der Schleudergeschosse verwendet.
(11)
[...]
Delà [le ciel] sont sorties ces
lances qu’on a vu ardre au ciel [...] (V.21093, S. 12) (12) Vous en auez veu & leu beaucoup d‘histoires, des espees toutes ardantes sur la ville de Ierusalem, des lances [...] (80LK 7 6545, S. 12) Diverse metaphorische Konzepte verbinden sich hier; sie fangen beim grundlegenden Containerkonzept an und reichen über die Metapher des Zorneszeichens bis zur Metaphorisierung des Kometen als Waffe. Wie schmal die Grenze zwischen verbaler Auseinandersetzung und kriegerischer Handlung ist, wird anhand der Beispiele nachvollziehbar und verdeutlicht das von Lakoff/Johnson beschriebene metaphorische Konzept ARGUMENT IS WAR [39] , das hier jedoch im Kontext einer klaren Machtbeziehung, und damit im Rahmen eines weiteren metaphorischen Konzepts gesehen werden muß. Der von Lakoff/Johnson dargestellten Orientierungsmetapher folgend gibt es eine der vertikalen Erfahrung des Menschen folgende Metapher des OBEN IST GUT und UNTEN IST SCHLECHT [40] . Die Beziehung von Gott/oben und Mensch/unten basiert in den analysierten Beispielen grundsätzlich auf dem metaphorischen Konzept DIE MORAL IST OBEN UND DIE SÜNDE IST UNTEN [41] . Den Ursprung und die politische Wirksamkeit dieser oben/unten-Opposition bezieht Carlo Ginzburg [42] u.a. auf ein Zitat aus den Briefen von Erasmus von Rotterdam: „Wir haben nicht über die Dinge zu richten, die über uns sind“ [43] , das in der Neuzeit auf die politische- und klerikale Machtausübung übertragen wurde [44] . Dieser
politisch motivierte Übertragungsprozeß steht zusätzlich vor dem
Hintergrund einer zeitgenössisch weit verbreiteten ptolemäischen und
aristotelischen Naturlehre, in der die Erde als veränderlich und der Kosmos
als unveränderlich bestimmt waren. Speziell die aristotelische Meteorologie
fand, wie schon erwähnt, in den untersuchten Canards eine starke, wenn auch vereinfachte Rezeption. Das
Erscheinen eines Kometen im angeblich unveränderlichen Gefüge des Kosmos
läßt dessen außerordentlichen Stellenwert erahnen. Seine Botschaft zu
entschlüsseln, obliegt Fachleuten , die der wissenschaftlichen Vorgehensweise
entsprechend eine Klassifizierung von Kometen vornehmen, wie sie sich seit der
Antike überliefert hat. Einflußreich sind hier vor allem die Typisierungen
von Aristoteles, Ptolemäus, Seneca und Plinius. So findet sich bei Seneca
u.a. der Typus Balken- und des Fackelkometen Fax,
dessen Bedeutung aber erst durch Licht, Größe und Farbe verifiziert werden
kann
[45]
. Rote Kometen besitzen, so Seneca, die Vorbedeutung eines
Blutvergießens. Der einflußreichen Lehre des Ptolemäus
[46]
entsprechend gibt es neun Kometentypen, die in enger Beziehung zu
unterschiedlichen Planeten stehen, die wiederum deren Prognose bestimmen. So
entstammt der Lanzenkomet Veru dem
Mars oder dem Merkur und kündigt einen Königs- oder Herrschertod an. Allen
Autoren eigen ist die Verifikation der Interpretation durch die Angabe
historischer Beispiele
[47]
. Wichtigster Bestandteil der ptolemäischen Lehre war die Annahme,
daß der Einfluß der Sterne und Kometen nicht unausweichlich sei, sondern ein
der Deutung entsprechendes Verhalten die Wirkung verändern oder abschwächen
könne. Erst vor diesem Hintergrund macht die in der Neuzeit zunehmende
Publikation von Canards,
illustrierten Kometentraktaten, Prodigiensammlungen, Gebetsbüchern,
Prodigiensammlungen und Flugblättern Sinn. Anlaß für eine solche Publikationstätigkeit boten die Kometen von 1577 und 1618. Diese medienhistorische Betrachtung wäre jedoch zu einseitig, denn das Erscheinen beider Kometen fällt in Phasen politischer Instabilität wie die der Religionskriege und Beginn des Dreißigjährigen Krieges [48] . Die Berichterstattung über Kometen steht somit im Kontext eines sensibilisierten Krisenbewußtseins und ordnet sie damit in ein schon vorhandenes und durch die Canards reaktiviertes Katastrophenschema ein [49] . Für kulturell bedingte Katastrophen wie Krieg [50] wird eine natürliche Erklärung – oder wie in diesem Fall ein Vorzeichen in Form eines Kometen– gesucht. Rudolf Schenda schreibt hierzu: Dazu
kommt aber das religiöse Elend, das Fehlen eines sicheren Haltes, die
aufgelöste Bindung mit einem Gott. Wo das Volk den wahren Gott nicht mehr
erkennt, sucht es sich einen neuen zu schaffen. Wer in der Religion keine
Wahrheit mehr sieht, glaubt eine in Sternen [...] zu finden.
[51]
Natur und Nation werden im Rahmen des Krisenbewußtseins durch Medien und die sprachliche wie bildliche Darstellung – auch heute noch - in eine konstruierte Beziehung gesetzt, mit deren Hilfe das Phänomen strukturiert und verständlich wird. Dies verdeutlicht sich durch die verwendete Metaphorik und durch die makrotextuelle Struktur der Canards, deren generelle Aussage zumeist theologisch-mahnend gehalten ist und Topoi antiken und mittelalterlichen Wissens aktiviert [52] . Wichtig ist jedoch festzuhalten, daß sich der Überlieferung entsprechend eine bildliche Typologie entwickelt [53] , in der die Schwert- oder Lanzenkometen als solche wiedergegeben werden [54] . Die gegenseitige Beeinflussung von Canards und Prodigiensammlung liegt zwar anhand der Provenienz beider Druckerzeugnisse, der bildlichen und teilweise auch sprachlichen Konvergenzen nahe, bedarf aber einer eingehenden Untersuchung, die bis jetzt noch aussteht. [55] Wagt man dennoch einen vorsichtigen Vergleich zwischen Canards und Prodigiensammlung, so lassen sich motivische Konvergenzen zwischen Sprachbild und Text aufspüren. So zeigt Abb. 3 deutlich einen Lanzenkometen, wie er unter anderem auch in der weit verbreiteten Prodigiensammlung von Konrad Lycosthenes zu finden ist. Ähnliches trifft auch für den Typus Caudata/Schweifkomet ohne Stern zu (Abb.4). Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, wie präsent das Thema Komet in der Zeit gewesen sein muß und wie weit selbst die Instrumentarien der Kometendeutung verbreitet waren, die immer wieder in den untersuchten Canards, wenn auch in stark vereinfachter Form, erwähnt werden. Solche Untersuchungen bedürfen jedoch einer weitaus genaueren und breiter angelegten Quellenanalyse, wie sie bis jetzt noch aussteht. Aus diesem Grund ist an dieser Stelle nur ein vorsichtiger Vergleich von Metapher und Bildbedeutung angebracht: sprachliche Metaphern und bildliche Darstellung verdeutlichen jeweils ein Konzept, dessen Bedeutung auch vom Leseunkundigen zu erschließen ist [56] . Bild und Metapher sind wesentlicher Bestandteil von Wissenseinführung, Wissensicherung und Wissenserweiterung für das Abstraktum Komet und dessen Bedeutung für den Menschen, die sich in kongruenten Schemata verbinden und eine schlüssige Argumentationen hervorbringen.
3.
Die mediale Konstruktion der Natur Wie die wenigen Beispiele gezeigt haben, entwickelte sich schon in den unregelmäßig erscheinenden Canards die Praxis einer ästhetischen Entängstigung durch die sprachlich-metaphorische und bildliche Klassifikation in unterschiedliche Kometentypen. Dies geschah im Rekurs auf die Historie der Kometendeutung, die Relevanz der Körperlichkeit bei der metaphorischen Konzeptualisierung und durch kurze Hinweise auf den medienhistorischen Kontext. Hier wäre es reizvoll, weiterführend die Rolle der Canards bei der Macht der Weltauslegung im Sinne Roger Chartiers [57] eingehend im mediengeschichtlichen und politischen Kontext zu untersuchen. Diese Analyse könnte durch die Untersuchung von Metaphern, Metonymien und Allegorien Aspekte des sprachbildlichen Weltbezugs zu Tage fördern. Auf diese Weise wäre eine Annäherung sowohl an den Mediengebrauch als auch an eine ästhetische Anthropologie in diachronischer Perspektive in Angriff genommen. Natur und Naturkatstrophen bieten sich hier immer wieder an, denn sie stellten und stellen immer wieder die Frage nach der Beziehung von Mensch und Natur, nach der Kultur der Natur und ihren Veränderungen. Auch die Deutung von Kometen unterlag einem Wandel. Die theologische Interpretation weicht während der Aufklärung langsam einem, erstmals von Joseph J. de Lalande 1773 vorgestellten, naturwissenschaftlich berechnetem Wissen über die Flugbahn von Kometen. Am
21.April 1773 hielt der angesehene Astronom Joseph J. Lalande vor der Pariser
Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über die äußerst geringe
Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes von Kometen mit der Erde – Teil
eines größeren Werkes, das demnächst erscheinen würde. Jedoch mußte sein
Vortrag, noch ehe die Prämissen offengelegt waren, abgebrochen werden, da ein
Zeitverzug eingetreten war. In den darauffolgenden Tagen verbreitete sich
allerdings panikartig die Nachricht – und drang bis in die Provinzen -, daß
diese Ausführungen von höchster Stelle verhindert wurden, weil der baldige
Zusammenstoß eines Kometen mit der Erde verheimlicht werden sollte. [...] Und
obwohl wenige Tage später eine dementierende Presseerklärung von Lalandes
erschien, und obwohl auf energischen Druck des Hofes und der Behörden kurz
darauf das betreffende Manuskript veröffentlicht wurde, klang den ganzen Mai
über die Hysterie in Frankreich nicht ab. Todesfälle vor Schreck oder
plötzliche Fehlgeburten waren ebenso die Folge wie Anstrengungen der Kirche,
Buße zu befördern und Platzkarten für das Paradies auszugeben.
[58]
Der potentiell mögliche worst case einer Kollision von Komet und Erde, wie er in den computeranimierten Spielfilmen Deep Impact und Armageddon antizipiert wird [59] , sorgte schon 1773 für Furore. Noch viel früher beschreibt Seneca das Verhalten der Menschen bei außergwöhnlichen Naturschauspielen am Himmel: So
verursacht jene Schar von Gestirnen, die den unermeßlichen, herrlichen Himmel
schmücken, keinen Völkerauflauf. Ist aber etwas am gewohnten Gang
verändert, richten sich alle Blicke zum Himmel empor. Kein Mensch sieht nach
der Sonne, wenn sie sich nicht verfinstert, niemand blickt zum Mond empor,
außer es gibt eine Mondfinsternis. Dann freilich herrscht großes Geschrei in
den Städten, jeder lärmt abergläubisch fürchtend um sein Leben.
[60]
Viel scheint sich auch heute nicht geändert zu haben [61] . Die Angst vor dem Einschlag eines Kometen besteht nach wie vor, auch wenn angebliche Kometen- oder Meteoriteneinschläge glücklicherweise meist mehr Schlagzeilen als wirklich Schlaglöcher hervorrufen ( Abb.5) [62] . Die Reaktion des Menschen hierauf verdeutlicht jedoch die nach wie vor bestehende Macht der Weltauslegung durch Medien.
4.
Korpus Anonym:
La terrible et merveilleux signe...,
Anonym 1530/1531, B.N. Rés, 80
Lk7.27224. M.F.
Junctini: Discours sur ce que menace
devoir advenir la comete..., Paris: G. Mallot 1577, B.N. V.21093. Anonym:
Sommaire discours sur la vision...,
Lyon: B. Rigaud 1577, B.N. Rés., p.V.202. M.
Francois Liberati: Sur la noble comette
apparue..., Lyon: J. Patrasson 1578, B.N. V.21091 bis. M.J.
Maria Fiornouelli: Discours sur la
comete apparue en l’an..., Lyon: J. Patrasson1578, B.N. V.21092 bis. M.
Francois Liberati: Discours de la comete commencee..., Lyon: B. Rigaud 1578,
B.N. Rés. p.V.200. M.
Jaques Mazari: Discours de M. Iaques Mazari, Vicentino, touchant la comette...,
Lyon: J. Patrasson 1578, B.N. V.21092. Anonym:
De Vraj discours des grandes proceßions...,Paris:
Anonym 1583, B.N. Lb34.215. Anonym:
Defcription des signes merueilleux
apparuz au ciel..., Paris: P. Menier 1583, B.N. 80
Lk7
313. Anonym:
Discours merveilleux et espouventable de nouveau..., Paris: H. Velu 1588, B.N.
80 Lb34
489. Anonym:
Le Portraict de la Comete..., Paris : Michel de Mathonniere 1618, B.N. Lk7
6544. Anonym:
Discours veritable d’une comete
merveilleuse..., Rouen: D. Geoffroy 1618 (?), B.N. Rès. p.V. 203. M
Prouençal: Les predictions des signes
et prodiges qu’on a vu..., Paris: N Ruffet 1618, B.N Rés. p.V. 212. Anonym:
Discours veritable de l’apparition de
la commette..., Paris: J.de Freval 1618, B.N. 80
Lk7
6545. Anonym:
Discours sur la comete apparue fur la
ville de Paris..., Paris: J. de Freval 1618, B.N. 80
Lk7
6546.
5. Literaturverzeichnis
5.1.
Primärliteratur Aristoteles:
Meteorologie, hrsg. v. Paul Gohlke,
Paderborn: Ferdinand Schöningh 1955. Pierre
Boaistuau: Histoires Prodigieuses
(1560), hrsg. Club français du livre à Paris, Paris: Club
français du livre 1961. Konrad
Lycosthenes: Prodigiorum ac Ostentatorum
Chronicon. Quae praeter naturae ordinem, motum et operationem, et in
superioribus et his inferioribus mundi regionobus, ab exordio mundi usque ad
heac nostra tempora, acciderunt. .adiectis etiam rerum omnium ueris imaginibus,
conscrptum per Conradum Lycosthenem Rubeaquensem. Cum.
Caesareae Maiest. Gratia et
priuilego Basel: Heinrich Petri 1557. Cajus
Plinius Secundus: Naturgeschichte,
hrsg. v. Max Ernst Dietrich Lebrecht Strack, Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft 1968. Lucius
Anneaus Seneca: Naturwissenschaftliche
Untersuchungen in acht Büchern, hrsg. v. Eva und Otto Schönberger,
Würzburg: Könighausen und Neumann 1990.
5.2.
Sekundärliteratur
Jean-Michel
Adam: „Approche micro-linguistique d’une catastrophe naturelle“, in: Sciences
de la Société Nr. 41 (1997), S. 125-143. Max
Black, „Die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie
der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S.
55-79. Max
Black: „Mehr über die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie
der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S.
379-413. Olaf
Briese: Die Macht der Metaphern.
Blitz, Erdbeben und Kometen im Gefüge der Aufklärung, Stuttgart: Metzler
1998. Roger
Chartier: „Lectures populaires et stratégies éditoriales“, in:
Henri-Jean Martin/Roger Chartier (Hrsg.): Histoire
de l’édition française. Le livre conquérant. Du Moyen Age au milieu
du XVII siècle, Paris: Promodis 1982, Seite 585-603. Roger
Chartier: „Die wunderbar errettete Gehenkte. Über eine Flugschrift des 16.
Jahrhunderts“, in: Roger Chartier: Die
unvollendete Vergangenheit. Geschichte und die Macht der Weltauslegung,
Frankfurt am Main: Fischer 1992, S. 101-145. Martin
Döring: Historische Formen des
Weltbezugs. Untersuchungen zu französischen Kometenflugschriften an der
Wende vom 16. Zum 17. Jahrhundert, Hamburg: Unveröffentlichte Magisterarbeit
1995. Alwin
Fill (Hrsg.): Sprachökologie und
Ökolinguistik, Tübingen: Stauffenberg 1996. Michael
Giesecke: „Sinnenwandel und Sprachwandel. Von den multisensoriellen
Semantiken des Mittelalters zur visuellen Semantik der Neuzeit“, in: Michael
Giesecke.: Sinnenwandel, Sprachwandel,
Kulturwandel. Studien zur Vorgeschichte der Informationsgesellschaft,
Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 209-243. Deidre
Genter/Michael Jeziorski: „The Shift from Metaphor to Analogy in Western
Science“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge Ma.: Cambridge
University Press, S. 447-480. Carlo
Ginzburg: „High and Low. The Theme of Forbidden Knowledge in the Sixteenth
and Seventeenth Centuries“, in: Past
and Present Nr. 73 (1976), S. 28-41. Jürg
Haefliger: Imaginationssysteme.
Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte
der Metaphorologie Hans Blumenbergs, Frankfurt am Main u.a.: Lang. Harms:
Deutsche illustrierte Flugblätter: Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel, Tübingen: Niemeyer 1985. Rom
Harré/Jens Brockmeier/Peter Mühlhäusler: Greenspeak.
A
Study of Environmental Discourse, London: Sage 1999. Elisabeth
Heitzer: Das Bild des Kometen in der
Kunst. Untersuchungen zur ikonographischen und ikonologischen Tradition
des Kometenmotivs in der Kunst vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin: Mann
1995 (Studien zur profanen Ikonographie 4). Doris
Hellmann: The Comet of 1577: Its Place
in the History of Astronomy, New York: Faculty of Political Science 1944. Doris
Hellmann: „The Supernova of 1572 an the Comet of 1577 and the Alteration and
Transmission of Ideas about Comets“, in: Actes du XIe
Congrès international d’Histoire des Sciences,
Varsovie-Torun-Kielce-Cracovie, 24-31 Août 1965, Wroclaw-Varsovie-Cracovie
1968 (Bd. 3), S. 24-30. Gustav
Hellmann: Die Meteorologie in den
deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrhunderts. Ein
Beitrag zur Geschichte der Meteorologie, Abhandlungen der preußischen
Akademie der Wissenschaften, Physikalisch-Mathematische Klasse Nr. 1, Berlin:
Verlag der Akdademie der Wissenschaften 1921. Wilhelm
Heß: Himmels- und Naturerscheinungen in
Einblattdrucken des XV.-XVIII, Jahrhunderts, Leipzig: W. Druglin 1911. Eduard Hoffmann-Krayer/Hanns Bächthold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Artikel Komet, Berlin: Walter de Gruyter 1932/1933 (Bd. 5), Spalte 89-170. Manfred
Jakubowski-Tiessen: Sturmflut 1717.
Die Bewältigung einer Naturkatastrophe in der frühen Neuzeit, München:
Oldenbourg 1990. Olaf
Jäkel: Metaphern in abstrakten
Diskursdomänen. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1997. Mark
Johnson: The Body in the Mind. The
Bodily Basis of Meaning, Imagination, and Reason, Chicago University Press
1987. Mark
Johnson: “Philosphical Implications of Cognitive Semantics”, in: Cognitive
Linguistics Nr. 3-4 (1992), S. 345-366. Mark
Johnson: Moral Imagination.
Implications of Cognitive Science for Ethics, Chicago: University of Chicago
Press 1993. Martine
Joly: L’image et les signes.
Approche sémiologique de l’image fixe, Tours: Nathan 1994. Zoltan
Kövecses: Metaphors of Anger, Pride and
Love. A Lexical Approach to the Structure of Concepts, Amsterdam:
Benjamins 1986. George
Lakoff: Women, Fire, and Dangerous
Things. What Categories Reveal About the Mind, Chicago: Chicago University
Press 1987. George
Lakoff/Mark Johnson: Metaphors We Live By. Chicago: Chicago University Press 1980. Bruno
Latour: Wir sind nie modern gewesen.
Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Fischer 1998. Maurice
Lever: Canards sanglants. Naissance
du fait divers, Paris: Fayard 1993. Wolf-Andreas
Liebert: „Die transdiskursive Vorstellungswelt zum Aidsvirus: Heterogenität
und Einheit von Textsorten im Übergang von Fachlichkeit und Nichtfachlichkeit“,
in: Hartwig Kalverkämper/Klaus-Dieter Baumann (Hrsg.): Fachliche
Textsorten, Tübingen: Narr (Forum für Fachsprachenforschung, 25), S.
789-811. Jean-Michel
Massing: „A Sixteenth-Century Illustrated Treatise on Comets“, in: Journal
of the Warburg and Courthauld Institutes, Nr. 40 (1977), S. 318-322. Warren
T. Mills: „Metaphorical Vision: Changes in Western Attitudes to the
environment“, in: Annals of the
Association of American Geographers Nr. 72 (1982), S. 237-253. Jean
Pierre van Noppen/Susanne de Knop/René Jongen (Hrsg.): Metaphor.
A
Bibliography of post 1970 Publications, Amsterdam: Benjamins 1985. Jean
Pierre van Noppen (Hrsg.): Metaphor II.
A Classified Bibliography of Publications 1985 to 1990, Amsterdam: Benjamins
1990. Andrew
Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought.
Second Edition, Cambridge Ma.: University of Cambridge Press 1995. Daniela
Pirrazini: „Wie können wir schon etablierte Metaphern widerlegen?“, in:
Alberto Gil/Christian Schmitt (Hrsg.): Kognitive
und Kommunikative Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen.
Akten der gleichnahmigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena
(28.9.-2.10.1997), Bonn: Romanistischer Verlag 1998 (Romanistische
Kongressberichte 5), S. 167-186, hier S. 169. Michael
J. Reddy: „The Conduit Metaphor: A Case of Frame Conflict in our Language
about Language“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge: Cambridge
University Press, S. 164-201. Paul
Robert: Le grand Robert de la langue
Française. Dictionnaire alphabétique et analogique de la langue
française, Paris: Le Robert 1985. Rudolf
Schenda: Die französische
Prodigienliteratur in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, München:
Max Hueber Verlag 1961. Rudolf
Schenda: „Die deutschen Prodigiensammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts“,
in: Archiv für die Geschichte des
Buchwesens Nr. IV (1963), Spalte 637-710. Johannes
Schwitalla: Flugschrift, Tübingen:
Niemeyer 1999. Jean-
Pierre Séguin: „Notes sur les feuilles d’information relatant des combats
apparus dans le ciel 1575-1652“, in: Arts et Traditions Populaires 1959 (Nr.
3-4), S. 259-271. Jean-Pierre
Séguin: L’information en France avant
le périodique. 517 canards imprimés entre 1529-1631, Paris: Edition G.-P.
Maisonneuve et La Rose 1964. Wolfgang
Settekorn: „Wort, Bild und Zahl. Konzepte und Praktiken des Weltbezugs in
historischen Wetterbeschreibungen“, in: Wolfgang Settekorn (Hrsg.): Weltbilder der Wetterberichte, Frankfurt am Main u.a.: Lang, S.
45-77. Holger
Sonnabend: Naturkatastrophen in der
Antike. Wahrnehmung, Deutung, Management, Stuttgart: Metzler 1999. Nico
Stehr/Hans von Storch: Klima, Wetter,
Mensch, München: Beck 1999. W.J.
Tucker: Ptolemic Astrology. A Complete Commentary on the Terabiblos of
Claudius Ptolemy, Kent: Pythargorean Publications. Bruno
Weber: Wunderzeichen und Winkeldrucker
1543-1586. Einblattdrucke aus der Sammlung Wikiana in der
Zentralbibliothek Zürich, Zürich: Urs Graf-Verlag Dietikon 1972. Frauke
Weber: Denken in Metaphern:
Kognitive Semantik und französische Gefühlsmetaphorik, Frankfurt am Main
u.a., Lang 1995 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 12, Französische
Sprache und Literatur, Nr. 200). Harald
Weinrich: Sprache in Texten,
Stuttgart: Klett 1976.
6.
Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Verkäufer von der Neuen Zeitung im 16. Jh., Jost Ammann zugeschrieben. Abb.
2 La terrible et merveilleux signe...,
Anonym, 1530/1531, B.N. Rés, 80 Lk7.27224 Abb. 3 Darstellung eines Lanzenkometen in Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum... 1557
und im Discours sur la comette...,
Lyon: J. Patrasson1578, B.N. V.21092 bis. Abb.4
Darstellung des Typus Caudata ohne Stern in Lycosthenes Prodigiorum
ac ostentatorum...
1557 und in M.F. Junctini: Discours sur
ce que menace devoir advenir la
comete..., Paris: G.
Mallot 1577, B.N. V.21093. Abb. 5 Die Woche 10.3.1995.
[1] Mein großer Dank gilt Britta Huß (Hamburg), die mir während ihres Aufenthaltes in Paris 1995 die hier analysierten Kopien der Canards besorgte. Für Anmerkungen und Korrekturen bin ich (in alphabetischer Reihenfolge) Johannes Hartau, Dietmar Osthus (Bonn), Claudia Polzin (Bonn), Holger Spannbauer (Hamburg), Wolfgang Settekorn (Hamburg), Ulrike Steder (Rostock) und Steffi Weisener (Hamburg) sehr dankbar. [2] Vgl. hierzu die z.B. Plinius‘ Geschichte der Natur Senecas Naturwissenschaftliche Untersuchungen, in denen Berichte über Naturkatastrophen ein zentraler Anlaß für die naturphilosophische Erörterungen darstellen. Zur Wahrnehmung und zum Management von Katastrophen in der Antike und der Neuzeit vgl. Holger Sonnabend: Naturkatastrophen in der Antike. Wahrnehmung, Deutung, Management, Stuttgart: Metzler 1999 und Manfred Jakubowski-Tiessen: Sturmflut 1717. Die Bewältigung einer Naturkatastrophe in der frühen Neuzeit, München: Oldenbourg 1990. [3] Vgl. zum Begriff der abstrakten Diskursdomäne Olaf Jäkel: Metaphern in abstrakten Diskursdomänen. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1997, S. 284-286. Jäkel untersucht in seiner Arbeit die Diskursdomänen Geistestätigkeit, Wirtschaft und Wissenschaft.
[4]
Vgl. hierzu
Jean-Michel Adam: „Approche micro-linguistique d’une catastrophe
naturelle“, in: Sciences de la Société Nr. 41 (1997), S. 125-143, hier Seite
126-127. [5] Vgl. hierzu z.B. Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Fischer 1998, S.7-21. [6] Vgl. hierzu Rom Harré/Jens Brockmeier/Peter Mühlhäusler: Greenspeak. A Study of Environmental Discourse, London: Sage 1999 und Alwin Fill (Hrsg.): Sprachökologie und Ökolinguistik, Tübingen: Stauffenberg 1996. [7] Vgl. das nach Themen gegliederte Verzeichnis von Canards in Jean-Pierre Séguin: L’information en France avant le périodique. 517 canards imprimés entre 1529-1631, Paris: Edition G.-P. Maisonneuve et La Rose 1964 oder Maurice Lever: Canards sanglants. Naissance du fait divers, Paris: Fayard 1993. Für den deutschsprachigen Raum vgl. die immer noch aktuellen Arbeiten von Gustav Hellmann: Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Meteorologie, Abhandlungen der preußischen Akademie der Wissenschaften, Physikalisch-Mathematische Klasse Nr. 1, Berlin: Verlag der Akdademie der Wissenschaften 1921 und Wilhelm Heß: Himmels- und Naturerscheinungen in Einblattdrucken des XV.-XVIII, Jahrhunderts, Leipzig: W. Druglin 1911. Ein nicht thematisch gegliedertes Verzeichnis findet sich bei Wolfgang Harms: Deutsche illustrierte Flugblätter: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Tübingen: Niemeyer 1985. [8] Bemerkenswert ist die Sammlung Wick in Zürich, die einen reichen Fundus an Kometenflugschriften dank der zeitgenössischen Sammeltätigkeit des nach ihr benannten Pastors Wick aufweist. Vgl. hierzu Bruno Weber: Wunderzeichen und Winkeldrucker 1543-1586. Einblattdrucke aus der Sammlung Wikiana in der Zentralbibliothek Zürich, Zürich: Urs Graf-Verlag Dietikon 1972. [9] Séguin 1964 und Lever 1993 stellen hier die einzigen mir bekannten thematischen Verzeichnisse von Canards für den französischsprachigen Raum dar, wobei sich das Verzeichnis von Lever stark an Séguins Arbeit anlehnt. [10] Vgl. hierzu Wolfgang Settekorn: „Wort, Bild und Zahl. Konzepte und Praktiken des Weltbezugs in historischen Wetterbeschreibungen“, in: Wolfgang Settekorn (Hrsg.): Weltbilder der Wetterberichte, Frankfurt am Main u.a.: Lang 1999, S. 45-77. Settekorn ist meines Wissens der Erste, der sich der medien- und sprachwissenschaftlichen Analyse solcher Flugschriften und Canards widmet.
[11]
Einen äquivalenten Begriff wie den des
Canard, der sich auf ein historisches Presseerzeugnis und dessen
Textsorte bezieht, gibt es im Deutschen nicht. Der Begriff der Flugschrift
oder des Flugblattes ist hier genereller Art und bezieht sich auf den
materiellen Umfang, jedoch nicht auf das thematische Spektrum. Der Ausdruck
Canard ist das erstemal um 1750 nachgewiesen und bezeichnet eine „Fausse
nouvelle lancée dans la presse pour abuser le public.“ Es handelt sich
also um eine nachträgliche und nicht um eine zeitgenössische Bezeichnung. Vgl. hierzu Paul Robert: Le grand
Robert de la langue Française. Dictionnaire alphabétique et analogique
de la langue française, Paris: Le Robert 1985, S. 309. [12] Séguin 1964, vgl. Anm. 7. Séguin vermutet eine Auflage dieser Größenordnung, belegt sie aber nicht. Die Analyse für den deutschsprachigen Raum von Weber orientiert sich an Papierpreisen, Herstellungsaufwand und Vertrieb und bietet verläßlichere Daten. Vgl. hierzu Bruno Weber 1972, s. Anm. 8. Für eine präzise Darstellung von Auflage, Preis und Vertrieb für den deutschsprachigen Raum vgl. Johannes Schwitalla: Flugschrift, Tübingen: Niemeyer 1999, S. 30-33.
[13]
Ein oft anzutreffender Drucker von Canards
in Lyon ist Benoît Rigaud, bei dem auch einige Canards
des vorliegenden Corpus aus der B.N erschienen. Roger
Chartier schreibt hierzu: „ A Lyon, le marché des canards est dominé par
un imprimeur, Benoît Rigaud, qui imprime près du quart des éditions
faites dans la ville. Pour lui, la publication des occasionnels s’insère
dans une activité centrée sur l’édition de livrets bon marché –
[...] –: almanacs et prédictions, chansons et poésies, actes officielles.“
Vgl. Roger Chartier: „Lectures populaires et stratégies éditoriales“,
in: Henri-Jean Martin/Roger Chartier (Hrsg.): Histoire
de l’édition française. Le livre conquérant. Du Moyen Age au milieu
du XVII siècle, Paris: Promodis 1982, Seite 585-603, hier: S. 597. [14] Zitiert nach Séguin, vgl. Anm. 7, hier S. 16.
[15]
Vgl. zur Gattung der Prodiegienliteratur in Deutschland und
Frankreich Rudolf Schenda: Die
französische Prodigienliteratur
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, München: Max Hueber Verlag
1961 und Rudolf Schenda: „Die deutschen Prodigiensammlungen des 16. und
17. Jahrhunderts“, in: Archiv für
die Geschichte des Buchwesens Nr. IV
(1963), Spalte 637-710.
[16]
Vgl. den Titel von
Pierre Boaistuau: Histoires
Prodigieuses (1560), hrsg. Club français du livre à Paris, Paris:
Club
français du livre 1961. [17] Vgl. hierzu Schenda 1961, Anm. 15, hier S. 123-124.
[18]
Es ist wichtig sich zu verdeutlichen, daß es nicht eine Methode für die astrologische Deutung von Kometen gab.
Vielmehr existierten die unterschiedlichsten antiken und mittelalterlichen
Theorien, die permanent mit neuen Deutungstraditionen vermischt wurden. Für
eine Übersicht zu den unterschiedlichsten Theorien vgl. Doris Hellmann: The
Comet of 1577: Ist Place in the History of Astronomy, New York: Faculty
of Political Science 1944 und Eduard Hoffmann-Krayer/Hanns
Bächthold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.
Berlin: Walter de Gruyter 1932/1933 (Bd.5), Spalte 89-170, hier Spalte
165-170.
[19]
Vgl. hierzu z.B. den folgenden Auszug aus einem Sternen-
und Kometenbuch J. G. Schinbains: „Je größer sich der Stern
erstreckt, je grausamer sein Effect, je größer gesehen wird sein Schein,
je schädlicher der Stern wird sein (..).“ Zitiert nach Schenda 1963, s.
Anm. 15, hier Spalte 677. Elaboriertere Druckerzeugnisse wie Traktate finden
sich auch in französischer Sprache und sind teilweise aufwendig bebildert.
Der Kometentypologie folgend sind in diesem Traktat mit dem Titel Des
comettes et de leurs signifiances [...] selon Ptolemée, Albumasar [...] et
autres astrologues die unterschiedlichen Kometen und deren Folgen
jeweils in einer bildlichen Darstellung wiedergegeben. Vgl.
hierzu Jean-Michel Massing: „A Sixteenth-Century Illustrated Treatise on
Comets“, in: Journal of the Warburg
and Courthauld Institutes, Nr. 40 (1977), S. 318-322. [20] Die unterschiedlichsten Kometentheorien übernehmen bis 1400 in den meisten Fällen die ptolemäische oder aristotelische Lehre. Beide Autoren deuteten den Komet als meteorologisches Phänomen, der Sturm und Regen auslöst. Später entwickelt sich ein wahrer Methodenpluralismus, in dem die ptolemäische und aristotelische Lehre weiterhin bestehen bleiben. Vgl. hierzu Martin Döring: Historische Formen des Weltbezugs. Untersuchungen zu französischen Kometenflugschriften an der Wende vom 16. Zum 17. Jahrhundert, Hamburg: Unveröffentlichte Magisterarbeit 1995, S. 86-111.
[21]
Bruno Weber, s. Anm. 8, vergleicht Motive deutscher
Flugschriften und Flugblätter mit den Abbildungen in Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum chronicon... und weist motivische
Ähnlichkeit nach. Vergleicht man die Darstellungen in Lycosthenes mit denen
in Boaistuau, lassen sich auch hier Motivähnlichkeiten feststellen. Welche
Richtung jedoch die motivische Beeinflussung genommen hat – ob wie weiter
oben im Zitat de l’Estoiles beschrieben von der Flugschrift zur
Prodigiensammlung oder umgekehrt – bedarf einer umfassenden Analyse
unterschiedlichster Korpora. Einen ersten Hinweis stellt die Nennung von
Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum...in der Flugschrift V21093, S. 5-6,
dar. Dort heißt es: „Defquelles voulant donner quelques exemples, ie n’irray
chercher dés le commencement du monde, car ie feroy trop long&ennuieux,
mefme que Conrad Licosftene en a fuffufamen efcript en son luire de
prodigiis[...].
[22]
George Lakoff/Mark
Johnson: Metaphors We Live By. Chicago:
Chicago University Press 1980. Vgl. auch George Lakoff: Women, Fire, and Dangerous Things. What Categories Reveal About the
Mind, Chicago: Chicago University Press 1987 und Mark Johnson: The
Body in the Mind. The Bodily Basis of Meaning, Imagination, and Reason,
Chicago: Chicago University Press 1987.
[23]
Dies ist allerdings schon vor den Arbeiten von Lakoff und
Johnson geschehen und nicht als genuine Leistung der kognitiven
Metapherntheorie anzusehen. Vgl. hierzu die besonders auffälligen
terminologischen Analogien zu Arbeiten von Harald Weinrich: Sprache
in Texten, Stuttgart: Klett 1976, S. 295-316, Max Black, „Die Metapher“,
in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie
der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S.
55-79, Max Black: „Mehr über die Metapher“, in: Anselm Haverkamp
(Hrsg.): Theorie der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
1996, S. 379-413. Einen guten Einblick in die umfangreiche Literatur zur
Metapher gewähren Jean Pierre van Noppen/Susanne de Knop/René Jongen
(Hrsg.): Metaphor. A
Bibliography of post 1970 Publications, Amsterdam/Philadelphia: Benjamins
1985 und Jean Pierre van Noppen (Hrsg.): Metaphor
II. A Classified Bibliography of Publications 1985 to 1990,
Amsterdam/Philadelphia: Benjamins 1990. Zu einem guten Überblick
über die unterschiedlichsten Metaphermtheorien des amerikanischen und
englischsprachigen Raums vgl. Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor
and Thought. Second
Edition, Cambridge MA.: University of Cambridge Press 1995.
[24]
Vgl. zur metaphorisch wissenschaftlichen Modellbildung
Wolf-Andreas Liebert: „Die transdiskursive Vorstellungswelt zum Aidsvirus:
Heterogenität und Einheit von Textsorten im Übergang von Fachlichkeit und
Nichtfachlichkeit“, in: Hartwig Kalverkämper/Klaus-Dieter Baumann
(Hrsg.): Fachliche Textsorten, Tübingen:
Narr (Forum für Fachsprachenforschung, 25), S. 789-811, hier S. 798-801 und
Deidre Genter/Michael Jeziorski: „The Shift from Metaphor to Analogy in
Western Science“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor
and Thought. Second
Edition, Cambridge Ma.: Cambridge University Press, S. 447-480, hier S.
462-464.
[25]
George Lakoff/Mark
Turner: Moore than Cool Reason. A
Field Guide to Poetic Metaphor, Chicago: University of Chocago Press 1989,
S. XI
[26]
Lakoff/Johnson
1980, s. Anm. 22, S. 5.
[27]
Lakoff 1987, s. Anm. 22, S.
260-266 und 269 f.
[28]
Johnson 1987, s. Anm. 22, S. xxxvi-xxxviii und 12-17.
[29]
Vgl. Mark
Johnson: “Philosophical Implications of Cognitive Semantics”, in:
Cognitive Linguistics Nr.3-4 (1992), S. 345-366, hier S. 357 [30] Vgl. Olaf Jäkel 1997, s. Anm. 3, S. 33. [31] Vgl. Jürg Haefliger: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs, Frankfurt am Main u.a.: Lang, S. 141.
[32]
Vgl. Rom Harré, Peter Mühlhäusler/Jens Brockmeier 1999, s.
Anm. 6, S. 91. Rom Harré/Peter
Mühlhäusler/Jens Brockmeier schreiben in ihrem Kapitel
The Power of Metaphor: „Language, of course, is a tool both for
talking about what is already known and for exploring the unknown. [33] Vgl. Rom Harré/Peter Mühlhäusler/Jens Brockmeier 1999, s. Anm. 6, S. 93. [34] Vgl. Michael J. Reddy: „The Conduit Metaphor:A Case of Frame Conflict in our Language about Language“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge: Cambridge University Press, S. 164-201. Zur Ausdifferenzierung von Reddys Conduit Metaphor vgl. Johnson 1987, s. Anm. 22, S. 18f. und 100 f. [35] Vgl. hierzu Michael Giesecke: „Sinnenwandel und Sprachwandel. Von den multisensoriellen Semantiken des Mittelalters zur visuellen Semantik der Neuzeit“, in: Michael Giesecke: Sinnenwandel, Sprachwandel, Kulturwandel. Studien zur Vorgeschichte der Informationsgesellschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 209-243, hier S. 228-229.
[36]
Vgl.
die Flugschrift Rés.p.V.200, B.N. Paris, von Rigaud in Lyon gedruckt, die
mit den folgenden Worten eingeleitet wird:
[...] que d’entendre & scauoir les occultes secrets de la
Nature, nostre mere, & que rien ne peut estre estimé plus exellent
& magnifique que d’avoir la cognoiffance des oeuvres du grand Dieu
[...], S. 1.
[37]
Metaphorische Paradigmen der Metaphorisierung oder metaphorische
Denkmodelle für Natur wie sie – stark vereinfacht - bei Mills dargestellt
werden, sind auch anhand der vorliegenden Quellen zu erkennen. Hierzu
bedürfte es jedoch einer umfangreicheren Analyse. Mills konstatiert grob
drei metaphorische Paradigmen: Natur ist im mittelalterlichen Denken als ein
von Gott geschriebenes Buch, in der Renaissance wird Natur als
makrokosmische Spiegelung des Mikrokosmos Körpers angesehen und die
Aufklärung ist von unterschiedlichsten Maschinenmetaphern bestimmt. Vgl.
hierzu Warren T. Mills: „Metaphorical Vision: Changes in Western Attitudes
to the environment“, in: Annals of
the Association of American Geographers Nr. 72 (1982), S. 237-253. Die
Buchmetapher findet sich auch im vorliegenden Korpus in Rés P.V. 200, S. A
3. Dort heißt es: „[...]&
de plus grand entretenement pour refiouir son esprit, que de lire toutes les
nuicts une fois le luire du ciel, [...].“
[38]
Vgl. hierzu Lakoff
1987, s. Anm. 22, S. 380-415 und Zoltan Kövecses: Metaphors
of Anger, Pride and Love. A Lexical Approach to the Structure of
Concepts, Amsterdam: Benjamins 1986, S. 20-28 sowie Frauke Weber: Denken in Metaphern: Kognitive Semantik und französische
Gefühlsmetaphorik, Frankfurt am Main u.a., Lang 1995 (Europäische
Hochschulschriften: Reihe 12, Französische Sprache und Literatur, Nr. 200). [39] Vgl. hierzu Lakoff/Johnson 1980, s. Anm. 22, S. 63f. [40] Vgl. hierzu Lakoff/Johnson 1980, s. Anm. 22, S. 22-24.
[41]
Vgl. hierzu auch Mark Johnson: Moral
Imagination. Implications
of Cognitive Science for Ethics, Chicago: University of Chicago Press 1993,
S. 32f.
[42]
Vgl. hierzu
Carlo Ginzburg: „High and Low. The Theme of Forbidden Knowledge in the
Sixteenth and Seventeenth Centuries“, in: Past
and Present Nr. 73 (1976), S. 28-41. [43] Das Orginalzitat lautet „Quae supra nos, ea nihil ad nos“, in: Erasmus von Rotterdam: Opus Epistolarum , V, S. 176-177, hrsg. und übers. von P.S. und H.M. Allen. Zitiert nach Ginzburg 1976, s. Anm. 43, hier S. 33.
[44]
Auf
sprachliche Daten bezogen schreibt Ginzburg: „Moreover, the symbolism of
‚highness‘ is deeply connected to secular power – as Indoeuropean
languages still show.“ Vgl. Ginzburg 1976, s. Anm. 43, hier S. 32. [45] Seneca schreibt zu den Balken- und Fackelkometen: „Die Feuerbalken aber eilen und fliegen nicht vorüber wie die Himmelsfackeln, sondern verweilen und leuchten nur an derselben Stelle des Himmels.“ Vgl. hierzu Lucius Anneaus Seneca: Naturwissenschaftliche Untersuchungen in acht Büchern, hrsg. von Eva und Otto Schönberger, Würzburg: Könighausen und Neumann, S. 182-183.
[46]
Vgl. hierzu W.J. Tucker: Ptolemic
Astrology. A Complete
Commentary on the Terabiblos of Claudius Ptolemy, Kent: Pythargorean
Publications. [47] So wird in den vielen Fällen der Komet, der zu Caesars Begräbnis erschien, als Legitimation für die Unanfechtbarkeit der Klassifizierung angeführt und damit zum Topos.
[48]
Der Komet von 1618 wurde als Ankündigung des dreißigjährigen
Krieges in der zeitgenössischen Literatur angesehen und erfuhr eine
entsprechend große Beachtung.
[49]
Vgl. z.B. das Flugblatt Fol. Lk7.6544
et Est.Qb.1. Der Text wird mit einem Gedicht abgeschlossen, das
folgendermaßen lautet: „Ceste Comete ne menace les Francais, mais les
Estrangers, Sous nostre Roy, Dieu par sa grace, Garde nos Lys de tous les
dangers.“
[50]
Zur Überblendung
von Krieg und Wetter – insbesondere Gewitter und Unwetter – vgl. die
Bibliographie von Jean- Pierre Séguin: „Notes sur les feuilles d’information
relatant des combats apparus dans le ciel 1575-1652“, in Arts et
Traditions Populaires 1959 (Nr. 3-4), S. 259-271. [51] Vgl. Rudolf Schenda 1961, s. Anm. 15, S. 137.
[52]
Daniela Pirrazini 1998 untersucht inwiefern „etablierten
Metapher der Status des argumentativen Sprechaktes zu verleihen ist:“ Ihr
Ansatz ist reizvoll und könnte zu einer Pragmatik des Toposbegriffs
beitragen. Vgl. hierzu Daniela Pirrazini: „Wie können wir schon
etablierte Metaphern widerlegen?“, in: Alberto Gil/Christian Schmitt
(Hrsg.): Kognitive und Kommunikative
Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen. Akten der
gleichnahmigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena
(28.9.-2.10.1997), Bonn: Romanistischer Verlag 1998 (Romanistische
Kongressberichte 5), S. 167-186, hier S. 169.
[53]
Vgl. zur Typologie
der heutigen Pressephotographie Martine Joly: L’image
et les signes. Approche sémiologique de l’image fixe, Tours: Nathan
1994, S. 142f. [54] Hier läge eine bildlichen Antizipation von kriegerischen Auseinandersetzung in Krisenzeiten nahe. Diese Vermutung ist jedoch mit äußerster Vorsicht zu behandeln und bedarf einer umfangreichen Untersuchung des Materials.
[55]
Hierzu ist anzumerken, daß sowohl Prodigiensammlungen als auch
Flugschriften und Flugblätter in den gleichen Druckereien hergestellt
wurden. Vgl. hierzu vor allem Weber 1972, s. Anm. 8. Weber verdeutlicht
anhand des Vergleichs von Motiven, wie stark dieses gegenseitige
Beeinflussung gewesen sein muß. Die Beeinflussung zwischen
unterschiedlichen Prodigienssammlungen stellt Hellmann 1968 fest. Sie
schreibt: „The source of most of Boaistuau’s chapter was Lycosthenes,
1557 chronicle, which similarly described three suns [...].“ Vgl. hierzu
Doris Hellmann: „The Supernova of 1572 an the Comet of 1577 and the
Alteration and Transmission of Ideas about Comets“, in: Actes du XIe
Congrès international d’Histoire des Sciences,
Varsovie-Torun-Kielce-Cracovie, 24-31 Août 1965, Wroclaw-Varsovie-Cracovie
1968 (Bd. 3), S. 24-30, hier Seite 26. Erste Ansätze zu einer Kometenikonographie – u.a. in Flugschriften und Prodigiensammlungen - finden sich bei Elisabeth Heitzer: Das Bild des Kometen in der Kunst. Untersuchungen zur ikonographischen und ikonologischen Tradition des Kometenmotivs in der Kunst vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin: Mann 1995 (Studien zur profanen Ikonographie 4).
[56]
Roger Chartier 1982,
s.Anm.13, hier S. 589 schreibt: „Dans le peuple urbain, l’usage de l’écrit
imprimé peut à l’occasion [...] être médiatisé par une lecture à
haute voix.“ Vgl. zur Textproduktion und –rezeption auch Johannes
Schwitalla 1999, s. Anm. 12, S. 27-30. [57] Vgl. Roger Chartier: „Die wunderbar errettete Gehenkte. Über eine Flugschrift des 16. Jahrhunderts“, in: Roger Chartier: Die unvollendete Vergangenheit. Geschichte und die Macht der Weltauslegung, Frankfurt am Main: Fischer 1992, S. 101-145. [58] Vgl. hierzu Olaf Briese: Die Macht der Metaphern. Blitz, Erdbeben und Kometen im Gefüge der Aufklärung, Stuttgart: Metzler 1998, S. 179. [59] Vgl. hierzu auch die computeranimierten Filme über Naturkatstrophen wie Twister, Dantes Peak und Volcano.
[60]
Lucius Anneaus
Seneca, s. Anm. 46, VII, I 2, S. 180. [61] Die Versuchung läge hier nahe, von einer anthropologischen Konstante zu sprechen. Diese Argumentation vernachlässigt jedoch den wichtigen Aspekt der kulturellen Prägung, der durch die Hintertür anhand von biologischen Determinismen erklärt und somit an biologische Prozesse rückgebunden würde. Vgl. z.B. zur Problematik der Klimadeterminismen Nico Stehr/Hans von Storch: Klima, Wetter, Mensch, München: Beck 1999, S. 45-58. [62] Das Wortspiel von Schlagloch und Schlagzeile verdanke ich Dietmar Osthus (Bonn). |
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ISSN 1618-2006 (für das Journal) zuletzt bearbeitet am 20.12.11 |