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Folgender Text basiert auf einem auf dem Romanistentag 1999 gehaltenenen Vortrag. Eine Publikation in überarbeiteter schriftlicher Form (u.a. mit Abbildungen) ist vorgesehen.

 

Von der Wundergeschichte zum ‚Fait divers‘.

Untersuchungen zur Berichterstattung über Kometen in französischen 'Canards' an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert.

Martin Döring (Hamburg) [1]

 

1.    Einleitung

Berichte  über die Bedrohung des Menschen durch Naturkatastrophen haben eine lange Tradition. Seit der Antike sind Darstellungen über Naturkatastrophen und deren Management bekannt [2] . Naturkatastrophen waren und sind immer wieder Anlaß, die Beziehung von Mensch und Natur zu thematisieren. Massenmedien spielen in dieser Dichotomie eine entscheidende Rolle, da sie die vermittelnde und strukturierende Instanz zwischen dem eigentlichen Phänomen und seiner individuellen Wahrnehmung durch den Rezipienten sind. Betrachtet man Berichte über Natur und Naturkatastrophen genauer, so zeigt sich, daß gerade in dieser abstrakten Diskursdomäne [3] unterschiedlichste Aspekte zu einem kohärenten Ganzen zusammengefügt werden. Neben der Darstellung des eigentlichen Phänomens in Wort und Bild, werden mögliche Schäden beschrieben, historisch vergleichbare Fälle geschildert, Wissenschaftler oder Experten für eine (natur)wissenschaftliche Erklärung bemüht, und es kommen Augenzeugen zu Wort [4] . Essentieller Bestandteil dieser textlichen Segmentierung ist die Wundergeschichte, in der z.B. über die Rettung eines seit Tagen Vermißten berichtet wird. Dies geschieht zumeist in der speziellen Rubrik des fait divers, wo einem die NaturKultur [5] in ihrer gesamten Bandbreite vor Augen geführt wird. Setzt die Analyse bei den sprachlichen Strukturen an, so wird im besonderen Maße deren Beitrag bei der Erfassung von Naturphänomenen deutlich. Tempus, deiktische und referenzielle Prozesse oder Metaphern und Metonymien sind Ansatzpunkt ökolinguistischer Forschungen [6] . In diesem Froschungszweig steht der Umwelt- und Naturdiskurs mit seinen spezifischen linguistischen und medialen Prozessen der Naturkonstruktion und Katastrophenbewältigung im Vordergrund. Der vorliegende Beitrag setzt an diesem Punkt an, indem er sich dem Schwerpunkt der kulturellen Konstruktion von Natur durch Sprache - insbesondere in den Printmedien - in diachroner Perspektive widmet. Gegenstand der linguistischen Untersuchung sind Metaphern. Ihre Analyse erfolgt anhand eines Korpus von 14 Flugschriften und Flugblättern - sogenannten Canards - des 16. und 17. Jahrhunderts, die bisher in der sprach- und medienwissenschaftlichen Forschung kaum Beachtung gefunden haben [7] . Der thematische Fokus liegt auf der Berichterstattung über Kometen, denen in der zeitgenössischen Literatur eine zumeist katastrophenankündigende Kraft zugeschrieben wurde.

 

2.    Die Canards: Medienhistorische Aspekte ein problematischen Textsorte

Das Hauptproblem bei der Analyse des hier untersuchten Mediums Canard besteht in der Schwierigkeit seiner systematischen Erschließung. Die Quellenlage ist undurchsichtig und nicht selten verworren. Dies liegt darin begründet, daß nur wenige Exemplare erhalten sind, da sie vermutlich nach der Lektüre weder aufbewahrt noch katalogisiert wurden [8] . So ist man von Zufallsfunden zwischen den Blättern von Folianten abhängig und kann nur in den seltensten Fällen auf Verzeichnisse mit Standortangabe oder thematisch gegliederter Bibliographien zurückgreifen [9] . Diese Rahmenbedingungen haben sicherlich dazu beigetragen, daß den Canards bisher eine eher marginale Rolle zugeschrieben wurde [10] . Medienhistorisch betrachtet sind sie jedoch interessant, da sich von ihnen die Entwicklung einer Textsorte ableiten läßt, die heute in der Rubrik des fait divers unter dem Schlagwort Sensationsberichterstattung am ehesten erfaßt werden könnte. Der Canard ist also ein Typus von Presseerzeugnis, dessen thematischer Schwerpunkt eindeutig in den Bereich der Sensationsberichterstattung über Mißgeburten, Morde, Wunder und Naturkatastrophen fällt [11] . Hergestellt wurden sie in Druckwerkstätten größerer Städte in einer Auflage von bis zu 2500 Exemplaren [12] und sie scheinen einen lukrativen Nebenerwerb für Drucker dargestellt zu haben [13] . Der Vertrieb verlief auf Märkten oder Kirchplätzen über Gassenrufer, die die Druckerzeugnisse in einem Bauchladen vor sich anboten (Abb. 1). Das folgende Zitat aus Pierre de l’Estoiles Histoires Prodigieuses beschreibt zwei wesentliche Aspekte, den der Verkaufspraxis und den der Zusammenstellung von Sensationsberichten, wie sie für die Histoires Prodigieuses üblich waren:

Le lundi de ce mois ou croiroit par ceste ville, L’Histoire pitoiable des parricides par Jaques Gendet et sa femme envers leurs pères, Mères et soeurs, en la ville de Blaye, laquelle encore que je me defiasse avoir esté regratté et rechauffée par ces pauvres contreporteux morfondues, si est-ce que, pour n’être point parmi mes fadizes et cris de Paris de ce temps, je lay voulu avoir et en ay donné deux sols, pour ajouster à mes autres bagatelles [14] .

Eine weitere Form der Sensationsdarstellungen waren Prodigiensammlungen [15] . Diese Kompilationen von Wundergeschichten und Katastrophen verzeichneten in Form von kurzen Texten, teilweise versehen mit einer Abbildung, alle nur erdenklichen Geschehnisse „[...] plus mémorables depuis la nativité de Jesus Christ [...]“ [16] . Berühmte Autoren in Deutschland waren unter anderem Konrad Lycosthenes, dessen Prodigiorum ac Ostentatorum fast 1000 Seiten umfaßte, und in Frankreich Pierre Boaistuau mit seinen Histoires Prodigieuses. Kometen oder als Kometen erachtete Phänomene nahmen in der Themenvielfalt von Prodigiensammlung und Canards qualitativ eine besondere Rolle ein, da sie als drohender Fingerzeig Gottes (Digitus Die) an den sündigen Menschen galten [17] . Diese Ansicht hängt mit einer sehr alten astrologischen Tradition der Deutung von Kometen zusammen, in der sie in den meisten Fällen als Boten des Unheils interpretiert wurden [18] . Genau diese Muster der Interpretation, die zumeist mit einer Beschreibung des Phänomens und der entstandenen Schäden beginnen, dann Verweise auf Kometentheorien zur Deutung geben und schließlich mit einer Prognose sowie einem Gebet oder einer religiösen Ermahnung abschließen, wurden nicht nur in den Canards und den Prodigiensammlungen verwendet. Vielmehr gab es noch eine ganze Reihe anderer Publikationsformen wie Traktate, Gedichte, gedruckte Kometenpredigten und sogar Kometenbüchlein, die dem generellen Duktus der theologischen Ermahnung folgten und Topoi mittelalterlicher und antiker Kometentheorien vermischten [19] . So finden sich in dem hier untersuchten Korpus neben Ausführungen zur Meteorologie des Aristoteles immer wieder Darstellungen der ptolemäischen Kometenlehre [20] . Viele dieser Canards (Abb. 2) enthielten zudem Illustrationen, die das Geschehen am Himmel optisch wiedergeben sollten, motivgeschichtlich jedoch auf grundlegende Bildtypen zurückgeführt werden können, die sich aus dem Vergleich von Canard, Flugschrift und Prodigiensammlung ergeben [21] . Aus dieser Tatsache ergibt sich ein enges Zusammenwirken von Bild und Text, daß durch die Beziehung Sprachbild (Metapher) und Bildersprache (Ikonographie) gekennzeichnet ist. Diese Beziehung soll im Folgenden aus sprachwissenschaftlicher Sicht anhand der kognitiven Metapherntheorie untersucht und auf die bildlichen Darstellungen bezogen werden.

 

2. Metapher und Bild als Mittel der Erkenntnis

Die von George Lakoff und Mark Johnson 1980 erstmalig unter dem Titel Metaphors we live by [22] vorgestellte kognitive Metapherntheorie, zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie das Phänomen der Metapher ins Zentrum der linguistischen Forschung stellt. [23] Die Metapher sei ein zentraler Bestandteil der Sprache und des sprachlichen Handelns und nicht, wie im traditionellen Sinne verstanden, als rein rhetorisches Phänomen des poetischen Diskurses oder der ästhetischen Kreativität des Autors anzusehen. Vielmehr ist sie sowohl in der Alltagssprache wie im Expertendiskurs zu finden [24] , also allgegenwärtig, und damit augenscheinlich fester Bestandteil der Sprachkompetenz. "Metaphor is a tool so ordinary that we use it unconsciously and automatically, with so little effort that we hardly notice it" [25] . Eine der grundlegenden Annahmen Lakoffs und Johnsons ist, daß der Mensch keinen direkten Zugang zu abstrakten Bereichen des Wissens hat und daß er mit der Metapher ein Mittel besitzt, das ihn zur Erfassung abstrakter Sachverhalte befähigt. Die Metapher ist also eine konzeptuell verankerte Fähigkeit des Menschen, die durch die Verbindung einer abstrakten Domäne mit einer gegenständlichen Domäne ein Abstraktum kognitiv verfügbar macht. "The essence of metaphor is understanding and experiencing one kind of thing in terms of another" [26] . Bezugspunkt für jegliche Konzeptualisierung abstrakter Sachverhalte ist die kulturelle und körperliche Erfahrung des Menschen (embodiment), die in den Arbeiten von Lakoff [27] und Johnson [28] eingehend erörtert wird.

There are both collective and individual aspects of our selfhood. Collectively, we all share certain bodily and cognitive capacities, we inhabit a common cultural tradition [...], and we are individual selves, too. We each have our distinct bodies, our particular personal histories, and our unique interpersonal relations with other people. The self we develop is, therefore, both collective and individual in character. [29]

 

Olaf Jäkel unterstreicht die Rolle der Körperlichkeit für den Vorgang der sprachlichen Konzeptualisierung folgendermaßen:

Konzeptuelle Metaphern sorgen durch die Rückbindung des abstrakt-begrifflichen Denkens an die sinnliche Anschauung für die körperlich-biophysische Fundierung der Kognition und gewährleisten die Kohärenz und Einheit der Erfahrung. [30]

Der Mensch orientiert sich durch die Metapher in einer Welt, in der sie als Symbol das Unberechenbare bändigt. „Die Menschen finden ihre Welt nicht fertig vor, sondern stellen diese selbst her, indem sie ihre Bedürfnisse und Erfahrungen metaphorisch gestalten und verarbeiten“ [31] . Dieser Aspekt ist insofern wichtig, da die Bedrohung durch Kometen Anlaß zu Metaphern und bildlichen Darstellungen bot, die als Mittel der ‚Entängstigung‘ grundsätzlich konstruktiven Charakter besitzen. Der Wirklichkeitsbezug ist somit auf die Ebene einer subjektiven und sprachlichen Konstruktion verschoben, die anhand der Metaphern in zeitgenössischen Medien des 16. Jh. wie den Canards wiederzufinden ist [32] . „Not only did they [metaphors] guide people's everyday behavior, but they were systematized and formalized as theories and guiding principles for dealing with nature” [33] . Betrachtet man die zur Analyse herangezogenen Canards aus der B.N., so verdeutlicht sich schnell die grundlegende Bedeutung der von Reddy erstmals untersuchten und von Johnson überarbeiteten Containermetapher [34] . Sie ist das grundlegende Modell für die Art und Weise der Kommunikation, in der die Information in einem Container (Wort) encodiert und zum Empfänger geschickt wird. Dieser wiederum decodiert den Inhalt des Containers. Auch den Canards ist dieses metaphorisch geprägte Kommunikationsschema inhärent. Entsprechend der von Giesecke [35] dargestellten Kommunikationssituation, in der (nach Hugo St. Viktor) die Natur von Gott spricht, werden auch Kometen metaphorisiert [36] . Sie sind Träger einer Information, die von Gott ausgesendet wird [37] . Der Mensch nimmt diese Dinge wahr, setzt sie in Sprache um, aus der eine Interpretation und ein gottesfürchtiges Handeln resultiert, das von Gott wieder wahrgenommen wird. Dem Deutungskanon entsprechend bedeuten Kometen nichts Gutes, und folgerichtig sind sie negativ konnotiert. So werden sie als

(1)      [...] terrible et merveilleux signe [...]. (Rés.8 LK7 27224, S. 1)

oder als

(2)     la voix esclatante du dieu tout puissant, qui vous aduertit par ce signe [...]. (80 LK7 6545, S. 3)

 

bezeichnet. Das erste Beispiel hat noch abstrakten – zeichenhaften - Charakter, das zweite hingegen verdeutlicht die implizite Personifikation Gottes indem die Überblendung von voix und signe den Kometen als Container des göttlichen Sprechaktes kennzeichnet. In etwas abgemilderter Form können derartige Zeichen auch als

(3)    [...] plusieurs & diuers admonitions par signes tant celestes que terrestes, [...]. (Rés. PV 202, S. 9)

bezeichnet werden. Die Zurechtweisung des Menschen erfolgt also nicht nur durch Zeichen am Himmel, sondern auch durch irdische Zeichen wie Mißgeburten, Erdbeben etc. Doch wird durch die Verwendung der Konstruktion par signe zum einen der kommunikative Akt, und zum anderen implizit die Notwendigkeit einer Dekodierung durch einen Experten (Astrologen) unterstrichen, um die spezifische Bedeutung und die Relevanz des Zeichens für den Menschen zu erschließen. Neben diesen eher noch abgemilderten Formen der Zurechtweisung und des Hinweises auf zeichentheoretischer Basis verdeutlichen die folgenden Beispiele die Emotionalität der Konversation, wenn die Kometen als

(4)   [...] messagers auant-coureurs de son ire [...] (Rés. LK 7 6545, S. 6)

(5)    [...] et que ce sont des signes de courroux que Dieu vous enuoye [...] (Rés. (80 LK 7 6545, S.12)

(6)   [...] qu’ils sont messagiers & auant-courreurs de l’ire de Dieu .[...] (Rés. PV 202, S. 10)

bezeichnet werden. Die Korrelation zwischen dem emotionalen Erregungszustand und dem Kometen als Feuerzeichen göttlichen Zorns wird anhand der Beispiele deutlich. Grundlegend ist hier, daß Wut als eine Energie konzeptualisiert wird, die sich in einem Behältnis ausbreitet und mehr Platz beansprucht, als das Behältnis bieten kann. Der Effekt ist der Austritt der Energie [38] . So sind die Kometen erste Anzeichen einer göttlichen Wut, deren Ausmaß sich um ein Vielfaches im Falle eines Wutausbruchs steigert. Folgende Beispiele verdeutlichen dieses:

(7)    [..] que fut veu en l’air un feu [...] (V. 21093, S. 6)

(8)    [...] mais un flambeau du Ciel enflammé de cholere, & rouge de corroux pour marquer la sanglante punition sur vos chefs rebelles [...] (80 LK 7 6545, S. 7)

(9)   [...] que son ire ne peut plus arrester les boüillons de sa furie, & que son indignation surmontant les intercessions de sa Patience & de la misericorde qui le solicitent incessament, à la pitie, a leué son bras pour vous frapper, & et preste de lancer son foudre sur vos testes rebelles pour les escraser [...] (80 LK 7 6545, S. 1).

Handelt es sich im ersten Beispiel noch recht neutral um ein Feuer in der Luft, verdeutlicht das Folgende den Prozeß der Entzündung der Fackel durch die Wut, welche die Erläuterung der Farbe noch unterstreicht. Das letzte Beispiel ist sehr eindringlich: nicht nur der Zustand der furie, sondern auch die Konsequenzen werden drastisch als Schlag oder Blitzschleudern verdeutlicht. Der Übergang zu Kampfmetaphern ist dort fließend, wo Kometen als Waffen metaphorisch konzeptualisiert werden. Metallbearbeitung, zur Herstellung von Waffen, bedarf aber immer eines Schmiedes, wie im folgenden Fall:

(10)  [...] celle estre [la comète] oeuvre de dieu forgee expres pour demonstrer cas horribles à venir, [...] (V.21093, S. 10)

Dem Modell des Kometen entsprechend werden Metaphern der Schleudergeschosse verwendet.

(11)   [...] Delà [le ciel] sont sorties ces lances qu’on a vu ardre au ciel [...] (V.21093, S. 12)

(12) Vous en auez veu & leu beaucoup d‘histoires, des espees toutes ardantes sur la ville de Ierusalem, des lances [...] (80LK 7 6545, S. 12)

Diverse metaphorische Konzepte verbinden sich hier; sie fangen beim grundlegenden Containerkonzept an und reichen über die Metapher des Zorneszeichens bis zur Metaphorisierung des Kometen als Waffe. Wie schmal die Grenze zwischen verbaler Auseinandersetzung und kriegerischer Handlung ist, wird anhand der Beispiele nachvollziehbar und verdeutlicht das von Lakoff/Johnson beschriebene metaphorische Konzept ARGUMENT IS WAR [39] , das hier jedoch im Kontext einer klaren Machtbeziehung, und damit im Rahmen eines weiteren metaphorischen Konzepts gesehen werden muß. Der von Lakoff/Johnson dargestellten Orientierungsmetapher folgend gibt es eine der vertikalen Erfahrung des Menschen folgende Metapher des OBEN IST GUT und UNTEN IST SCHLECHT [40] . Die Beziehung von Gott/oben und Mensch/unten basiert in den analysierten Beispielen grundsätzlich auf dem metaphorischen Konzept DIE MORAL IST OBEN UND DIE SÜNDE IST UNTEN [41] . Den Ursprung und die politische Wirksamkeit dieser oben/unten-Opposition bezieht Carlo Ginzburg [42] u.a. auf ein Zitat aus den Briefen von Erasmus von Rotterdam: „Wir haben nicht über die Dinge zu richten, die über uns sind“ [43] , das in der Neuzeit auf die politische- und klerikale Machtausübung übertragen wurde [44] .

Dieser politisch motivierte Übertragungsprozeß steht zusätzlich vor dem Hintergrund einer zeitgenössisch weit verbreiteten ptolemäischen und aristotelischen Naturlehre, in der die Erde als veränderlich und der Kosmos als unveränderlich bestimmt waren. Speziell die aristotelische Meteorologie fand, wie schon erwähnt, in den untersuchten Canards eine starke, wenn auch vereinfachte Rezeption. Das Erscheinen eines Kometen im angeblich unveränderlichen Gefüge des Kosmos läßt dessen außerordentlichen Stellenwert erahnen. Seine Botschaft zu entschlüsseln, obliegt Fachleuten , die der wissenschaftlichen Vorgehensweise entsprechend eine Klassifizierung von Kometen vornehmen, wie sie sich seit der Antike überliefert hat. Einflußreich sind hier vor allem die Typisierungen von Aristoteles, Ptolemäus, Seneca und Plinius. So findet sich bei Seneca u.a. der Typus Balken- und des Fackelkometen Fax, dessen Bedeutung aber erst durch Licht, Größe und Farbe verifiziert werden kann [45] . Rote Kometen besitzen, so Seneca, die Vorbedeutung eines Blutvergießens. Der einflußreichen Lehre des Ptolemäus [46] entsprechend gibt es neun Kometentypen, die in enger Beziehung zu unterschiedlichen Planeten stehen, die wiederum deren Prognose bestimmen. So entstammt der Lanzenkomet Veru dem Mars oder dem Merkur und kündigt einen Königs- oder Herrschertod an. Allen Autoren eigen ist die Verifikation der Interpretation durch die Angabe historischer Beispiele [47] . Wichtigster Bestandteil der ptolemäischen Lehre war die Annahme, daß der Einfluß der Sterne und Kometen nicht unausweichlich sei, sondern ein der Deutung entsprechendes Verhalten die Wirkung verändern oder abschwächen könne. Erst vor diesem Hintergrund macht die in der Neuzeit zunehmende Publikation von Canards, illustrierten Kometentraktaten, Prodigiensammlungen, Gebetsbüchern, Prodigiensammlungen und Flugblättern Sinn.

Anlaß für eine solche Publikationstätigkeit boten die Kometen von 1577 und 1618. Diese medienhistorische Betrachtung wäre jedoch zu einseitig, denn das Erscheinen beider Kometen fällt in Phasen politischer Instabilität wie die der Religionskriege und Beginn des Dreißigjährigen Krieges [48] . Die Berichterstattung über Kometen steht somit im Kontext eines sensibilisierten Krisenbewußtseins und ordnet sie damit in ein schon vorhandenes und durch die Canards reaktiviertes Katastrophenschema ein [49] . Für kulturell bedingte Katastrophen wie Krieg [50] wird eine natürliche Erklärung – oder wie in diesem Fall ein Vorzeichen in Form eines Kometen– gesucht. Rudolf Schenda schreibt hierzu:

Dazu kommt aber das religiöse Elend, das Fehlen eines sicheren Haltes, die aufgelöste Bindung mit einem Gott. Wo das Volk den wahren Gott nicht mehr erkennt, sucht es sich einen neuen zu schaffen. Wer in der Religion keine Wahrheit mehr sieht, glaubt eine in Sternen [...] zu finden. [51]

Natur und Nation werden im Rahmen des Krisenbewußtseins durch Medien und die sprachliche wie bildliche Darstellung – auch heute noch - in eine konstruierte Beziehung gesetzt, mit deren Hilfe das Phänomen strukturiert und verständlich wird. Dies verdeutlicht sich durch die verwendete Metaphorik und durch die makrotextuelle Struktur der Canards, deren generelle Aussage zumeist theologisch-mahnend gehalten ist und Topoi antiken und mittelalterlichen Wissens aktiviert [52] . Wichtig ist jedoch festzuhalten, daß sich der Überlieferung entsprechend eine bildliche Typologie entwickelt [53] , in der die Schwert- oder Lanzenkometen als solche wiedergegeben werden [54] . Die gegenseitige Beeinflussung von Canards und Prodigiensammlung liegt zwar anhand der Provenienz beider Druckerzeugnisse, der bildlichen und teilweise auch sprachlichen Konvergenzen nahe, bedarf aber einer eingehenden Untersuchung, die bis jetzt noch aussteht. [55] Wagt man dennoch einen vorsichtigen Vergleich zwischen Canards und Prodigiensammlung, so lassen sich motivische Konvergenzen zwischen Sprachbild und Text aufspüren. So zeigt Abb. 3 deutlich einen Lanzenkometen, wie er unter anderem auch in der weit verbreiteten Prodigiensammlung von Konrad Lycosthenes zu finden ist. Ähnliches trifft auch für den Typus Caudata/Schweifkomet ohne Stern zu (Abb.4). Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, wie präsent das Thema Komet in der Zeit gewesen sein muß und wie weit selbst die Instrumentarien der Kometendeutung verbreitet waren, die immer wieder in den untersuchten Canards, wenn auch in stark vereinfachter Form, erwähnt werden. Solche Untersuchungen bedürfen jedoch einer weitaus genaueren und breiter angelegten Quellenanalyse, wie sie bis jetzt noch aussteht. Aus diesem Grund ist an dieser Stelle nur ein vorsichtiger Vergleich von Metapher und Bildbedeutung angebracht: sprachliche Metaphern und bildliche Darstellung verdeutlichen jeweils ein Konzept, dessen Bedeutung auch vom Leseunkundigen zu erschließen ist [56] . Bild und Metapher sind wesentlicher Bestandteil von Wissenseinführung, Wissensicherung und Wissenserweiterung für das Abstraktum Komet und dessen Bedeutung für den Menschen, die sich in kongruenten Schemata verbinden und eine schlüssige Argumentationen hervorbringen.

 

3. Die mediale Konstruktion der Natur

Wie die wenigen Beispiele gezeigt haben, entwickelte sich schon in den unregelmäßig erscheinenden Canards die Praxis einer ästhetischen Entängstigung durch die sprachlich-metaphorische und bildliche Klassifikation in unterschiedliche Kometentypen. Dies geschah im Rekurs auf die Historie der Kometendeutung, die Relevanz der Körperlichkeit bei der metaphorischen Konzeptualisierung und durch kurze Hinweise auf den medienhistorischen Kontext. Hier wäre es reizvoll, weiterführend die Rolle der Canards bei der Macht der Weltauslegung im Sinne Roger Chartiers [57] eingehend im mediengeschichtlichen und politischen Kontext zu untersuchen. Diese Analyse könnte durch die Untersuchung von Metaphern, Metonymien und Allegorien Aspekte des sprachbildlichen Weltbezugs zu Tage fördern. Auf diese Weise wäre eine Annäherung sowohl an den Mediengebrauch als auch an eine ästhetische Anthropologie in diachronischer Perspektive in Angriff genommen. Natur und Naturkatstrophen bieten sich hier immer wieder an, denn sie stellten und stellen immer wieder die Frage nach der Beziehung von Mensch und Natur, nach der Kultur der Natur und ihren Veränderungen. Auch die Deutung von Kometen unterlag einem Wandel. Die theologische Interpretation weicht während der Aufklärung langsam einem, erstmals von Joseph J. de Lalande 1773 vorgestellten, naturwissenschaftlich berechnetem Wissen über die Flugbahn von Kometen.

Am 21.April 1773 hielt der angesehene Astronom Joseph J. Lalande vor der Pariser Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über die äußerst geringe Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes von Kometen mit der Erde – Teil eines größeren Werkes, das demnächst erscheinen würde. Jedoch mußte sein Vortrag, noch ehe die Prämissen offengelegt waren, abgebrochen werden, da ein Zeitverzug eingetreten war. In den darauffolgenden Tagen verbreitete sich allerdings panikartig die Nachricht – und drang bis in die Provinzen -, daß diese Ausführungen von höchster Stelle verhindert wurden, weil der baldige Zusammenstoß eines Kometen mit der Erde verheimlicht werden sollte. [...] Und obwohl wenige Tage später eine dementierende Presseerklärung von Lalandes erschien, und obwohl auf energischen Druck des Hofes und der Behörden kurz darauf das betreffende Manuskript veröffentlicht wurde, klang den ganzen Mai über die Hysterie in Frankreich nicht ab. Todesfälle vor Schreck oder plötzliche Fehlgeburten waren ebenso die Folge wie Anstrengungen der Kirche, Buße zu befördern und Platzkarten für das Paradies auszugeben. [58]

Der potentiell mögliche worst case einer Kollision von Komet und Erde, wie er in den computeranimierten Spielfilmen Deep Impact und Armageddon antizipiert wird [59] , sorgte schon 1773 für Furore. Noch viel früher beschreibt Seneca das Verhalten der Menschen bei außergwöhnlichen Naturschauspielen am Himmel:

So verursacht jene Schar von Gestirnen, die den unermeßlichen, herrlichen Himmel schmücken, keinen Völkerauflauf. Ist aber etwas am gewohnten Gang verändert, richten sich alle Blicke zum Himmel empor. Kein Mensch sieht nach der Sonne, wenn sie sich nicht verfinstert, niemand blickt zum Mond empor, außer es gibt eine Mondfinsternis. Dann freilich herrscht großes Geschrei in den Städten, jeder lärmt abergläubisch fürchtend um sein Leben. [60]

Viel scheint sich auch heute nicht geändert zu haben [61] . Die Angst vor dem Einschlag eines Kometen besteht nach wie vor, auch wenn angebliche Kometen- oder Meteoriteneinschläge glücklicherweise meist mehr Schlagzeilen als wirklich Schlaglöcher hervorrufen ( Abb.5) [62] . Die Reaktion des Menschen hierauf verdeutlicht jedoch die nach wie vor bestehende Macht der Weltauslegung durch Medien.

 

4. Korpus

Anonym: La terrible et merveilleux signe..., Anonym 1530/1531, B.N. Rés, 80 Lk7.27224.

M.F. Junctini: Discours sur ce que menace devoir advenir la comete..., Paris: G. Mallot 1577, B.N. V.21093.

Anonym: Sommaire discours sur la vision..., Lyon: B. Rigaud 1577, B.N. Rés., p.V.202.

M. Francois Liberati: Sur la noble comette apparue..., Lyon: J. Patrasson 1578, B.N. V.21091 bis.

M.J. Maria Fiornouelli: Discours sur la comete apparue en l’an..., Lyon: J. Patrasson1578, B.N. V.21092 bis.

M. Francois Liberati: Discours de la comete commencee..., Lyon: B. Rigaud 1578, B.N. Rés. p.V.200.

M. Jaques Mazari: Discours de M. Iaques Mazari, Vicentino, touchant la comette..., Lyon: J. Patrasson 1578, B.N. V.21092.

Anonym: De Vraj discours des grandes proceßions...,Paris: Anonym 1583, B.N. Lb34.215.

Anonym: Defcription des signes merueilleux apparuz au ciel..., Paris: P. Menier 1583, B.N. 80 Lk7 313.

Anonym: Discours merveilleux et espouventable de nouveau..., Paris: H. Velu 1588, B.N. 80 Lb34 489.

Anonym: Le Portraict de la Comete..., Paris : Michel de Mathonniere 1618, B.N. Lk7 6544.

Anonym: Discours veritable d’une comete merveilleuse..., Rouen: D. Geoffroy 1618 (?), B.N. Rès. p.V. 203.

M Prouençal: Les predictions des signes et prodiges qu’on a vu..., Paris: N Ruffet 1618, B.N Rés. p.V. 212.

Anonym: Discours veritable de l’apparition de la commette..., Paris: J.de Freval 1618, B.N. 80 Lk7 6545.

Anonym: Discours sur la comete apparue fur la ville de Paris..., Paris: J. de Freval 1618, B.N. 80 Lk7 6546.

 

5. Literaturverzeichnis

 

5.1. Primärliteratur

Aristoteles: Meteorologie, hrsg. v. Paul Gohlke, Paderborn: Ferdinand Schöningh 1955.

Pierre Boaistuau: Histoires Prodigieuses (1560), hrsg. Club français du livre à Paris, Paris:

Club français du livre 1961.

Konrad Lycosthenes: Prodigiorum ac Ostentatorum Chronicon. Quae praeter naturae ordinem, motum et operationem, et in superioribus et his inferioribus mundi regionobus, ab exordio mundi usque ad heac nostra tempora, acciderunt. .adiectis etiam rerum omnium ueris imaginibus, conscrptum per Conradum Lycosthenem Rubeaquensem. Cum. Caesareae Maiest. Gratia et priuilego Basel: Heinrich Petri 1557.

Cajus Plinius Secundus: Naturgeschichte, hrsg. v. Max Ernst Dietrich Lebrecht Strack, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1968.

Lucius Anneaus Seneca: Naturwissenschaftliche Untersuchungen in acht Büchern, hrsg. v. Eva und Otto Schönberger, Würzburg: Könighausen und Neumann 1990.

 

5.2. Sekundärliteratur

Jean-Michel Adam: „Approche micro-linguistique d’une catastrophe naturelle“, in: Sciences de la Société Nr. 41 (1997), S. 125-143.

Max Black, „Die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S. 55-79.

Max Black: „Mehr über die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S. 379-413.

Olaf Briese: Die Macht der Metaphern. Blitz, Erdbeben und Kometen im Gefüge der Aufklärung, Stuttgart: Metzler 1998.

Roger Chartier: „Lectures populaires et stratégies éditoriales“, in: Henri-Jean Martin/Roger Chartier (Hrsg.): Histoire de l’édition française. Le livre conquérant. Du Moyen Age au milieu du XVII siècle, Paris: Promodis 1982, Seite 585-603.

Roger Chartier: „Die wunderbar errettete Gehenkte. Über eine Flugschrift des 16. Jahrhunderts“, in: Roger Chartier: Die unvollendete Vergangenheit. Geschichte und die Macht der Weltauslegung, Frankfurt am Main: Fischer 1992, S. 101-145.

Martin Döring: Historische Formen des Weltbezugs. Untersuchungen zu französischen Kometenflugschriften an der Wende vom 16. Zum 17. Jahrhundert, Hamburg: Unveröffentlichte Magisterarbeit 1995.

Alwin Fill (Hrsg.): Sprachökologie und Ökolinguistik, Tübingen: Stauffenberg 1996.

Michael Giesecke: „Sinnenwandel und Sprachwandel. Von den multisensoriellen Semantiken des Mittelalters zur visuellen Semantik der Neuzeit“, in: Michael Giesecke.: Sinnenwandel, Sprachwandel, Kulturwandel. Studien zur Vorgeschichte der Informationsgesellschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 209-243.

Deidre Genter/Michael Jeziorski: „The Shift from Metaphor to Analogy in Western Science“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge Ma.: Cambridge University Press, S. 447-480.

Carlo Ginzburg: „High and Low. The Theme of Forbidden Knowledge in the Sixteenth and Seventeenth Centuries“, in: Past and Present Nr. 73 (1976), S. 28-41.

Jürg Haefliger: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs, Frankfurt am Main u.a.: Lang.

Harms: Deutsche illustrierte Flugblätter: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Tübingen: Niemeyer 1985.

Rom Harré/Jens Brockmeier/Peter Mühlhäusler: Greenspeak. A Study of Environmental Discourse, London: Sage 1999.

Elisabeth Heitzer: Das Bild des Kometen in der Kunst. Untersuchungen zur ikonographischen und ikonologischen Tradition des Kometenmotivs in der Kunst vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin: Mann 1995 (Studien zur profanen Ikonographie 4).

Doris Hellmann: The Comet of 1577: Its Place in the History of Astronomy, New York: Faculty of Political Science 1944.

Doris Hellmann: „The Supernova of 1572 an the Comet of 1577 and the Alteration and Transmission of Ideas about Comets“, in: Actes du XIe Congrès international d’Histoire des Sciences, Varsovie-Torun-Kielce-Cracovie, 24-31 Août 1965, Wroclaw-Varsovie-Cracovie 1968 (Bd. 3), S. 24-30.

Gustav Hellmann: Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Meteorologie, Abhandlungen der preußischen Akademie der Wissenschaften, Physikalisch-Mathematische Klasse Nr. 1, Berlin: Verlag der Akdademie der Wissenschaften 1921.

Wilhelm Heß: Himmels- und Naturerscheinungen in Einblattdrucken des XV.-XVIII, Jahrhunderts, Leipzig: W. Druglin 1911.

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Wolf-Andreas Liebert: „Die transdiskursive Vorstellungswelt zum Aidsvirus: Heterogenität und Einheit von Textsorten im Übergang von Fachlichkeit und Nichtfachlichkeit“, in: Hartwig Kalverkämper/Klaus-Dieter Baumann (Hrsg.): Fachliche Textsorten, Tübingen: Narr (Forum für Fachsprachenforschung, 25), S. 789-811.

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Daniela Pirrazini: „Wie können wir schon etablierte Metaphern widerlegen?“, in: Alberto Gil/Christian Schmitt (Hrsg.): Kognitive und Kommunikative Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen. Akten der gleichnahmigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena (28.9.-2.10.1997), Bonn: Romanistischer Verlag 1998 (Romanistische Kongressberichte 5), S. 167-186, hier S. 169.

Michael J. Reddy: „The Conduit Metaphor: A Case of Frame Conflict in our Language about Language“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge: Cambridge University Press, S. 164-201.

Paul Robert: Le grand Robert de la langue Française. Dictionnaire alphabétique et analogique de la langue française, Paris: Le Robert 1985.

Rudolf Schenda: Die französische Prodigienliteratur in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, München: Max Hueber Verlag 1961.

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Johannes Schwitalla: Flugschrift, Tübingen: Niemeyer 1999.

Jean- Pierre Séguin: „Notes sur les feuilles d’information relatant des combats apparus dans le ciel 1575-1652“, in: Arts et Traditions Populaires 1959 (Nr. 3-4), S. 259-271.

Jean-Pierre Séguin: L’information en France avant le périodique. 517 canards imprimés entre 1529-1631, Paris: Edition G.-P. Maisonneuve et La Rose 1964.

Wolfgang Settekorn: „Wort, Bild und Zahl. Konzepte und Praktiken des Weltbezugs in historischen Wetterbeschreibungen“, in: Wolfgang Settekorn (Hrsg.): Weltbilder der Wetterberichte, Frankfurt am Main u.a.: Lang, S. 45-77.

Holger Sonnabend: Naturkatastrophen in der Antike. Wahrnehmung, Deutung, Management, Stuttgart: Metzler 1999.

Nico Stehr/Hans von Storch: Klima, Wetter, Mensch, München: Beck 1999.

W.J. Tucker: Ptolemic Astrology. A Complete Commentary on the Terabiblos of Claudius Ptolemy, Kent: Pythargorean Publications.

Bruno Weber: Wunderzeichen und Winkeldrucker 1543-1586. Einblattdrucke aus der Sammlung Wikiana in der Zentralbibliothek Zürich, Zürich: Urs Graf-Verlag Dietikon 1972.

Frauke Weber: Denken in Metaphern: Kognitive Semantik und französische Gefühlsmetaphorik, Frankfurt am Main u.a., Lang 1995 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 12, Französische Sprache und Literatur, Nr. 200).

Harald Weinrich: Sprache in Texten, Stuttgart: Klett 1976.

 

6. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Verkäufer von der Neuen Zeitung im 16. Jh., Jost Ammann zugeschrieben.

Abb. 2 La terrible et merveilleux signe..., Anonym, 1530/1531, B.N. Rés, 80 Lk7.27224

Abb. 3 Darstellung eines Lanzenkometen in Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum...

1557 und im Discours sur la comette..., Lyon: J. Patrasson1578, B.N. V.21092 bis.

Abb.4 Darstellung des Typus Caudata ohne Stern in Lycosthenes Prodigiorum ac

ostentatorum... 1557 und in M.F. Junctini: Discours sur ce que menace devoir advenir

la comete..., Paris: G. Mallot 1577, B.N. V.21093.

Abb. 5 Die Woche 10.3.1995.

 


[1] Mein großer Dank gilt Britta Huß (Hamburg), die mir während ihres Aufenthaltes in Paris 1995 die hier analysierten Kopien der Canards besorgte. Für Anmerkungen und Korrekturen bin ich (in alphabetischer Reihenfolge) Johannes Hartau, Dietmar Osthus (Bonn), Claudia Polzin (Bonn), Holger Spannbauer (Hamburg), Wolfgang Settekorn (Hamburg), Ulrike Steder (Rostock) und Steffi Weisener (Hamburg) sehr dankbar.

[2] Vgl. hierzu die z.B. Plinius‘ Geschichte der Natur Senecas Naturwissenschaftliche Untersuchungen, in denen Berichte über Naturkatastrophen ein zentraler Anlaß für die naturphilosophische Erörterungen darstellen. Zur Wahrnehmung und zum Management von Katastrophen in der Antike und der Neuzeit vgl. Holger Sonnabend: Naturkatastrophen in der Antike. Wahrnehmung, Deutung, Management, Stuttgart: Metzler 1999 und Manfred Jakubowski-Tiessen: Sturmflut 1717. Die Bewältigung einer Naturkatastrophe in der frühen Neuzeit, München: Oldenbourg 1990.

[3] Vgl. zum Begriff der abstrakten Diskursdomäne Olaf Jäkel: Metaphern in abstrakten Diskursdomänen. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1997, S. 284-286. Jäkel untersucht in seiner Arbeit die Diskursdomänen Geistestätigkeit, Wirtschaft und Wissenschaft.

[4] Vgl. hierzu Jean-Michel Adam: „Approche micro-linguistique d’une catastrophe naturelle“, in: Sciences de la Société Nr. 41 (1997), S. 125-143, hier Seite 126-127.

[5] Vgl. hierzu z.B. Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Fischer 1998, S.7-21.

[6] Vgl. hierzu Rom Harré/Jens Brockmeier/Peter Mühlhäusler: Greenspeak. A Study of Environmental Discourse, London: Sage 1999 und Alwin Fill (Hrsg.): Sprachökologie und Ökolinguistik, Tübingen: Stauffenberg 1996.

[7] Vgl. das nach Themen gegliederte Verzeichnis von Canards in Jean-Pierre Séguin: L’information en France avant le périodique. 517 canards imprimés entre 1529-1631, Paris: Edition G.-P. Maisonneuve et La Rose 1964 oder Maurice Lever: Canards sanglants. Naissance du fait divers, Paris: Fayard 1993. Für den deutschsprachigen Raum vgl. die immer noch aktuellen Arbeiten von Gustav Hellmann: Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Meteorologie, Abhandlungen der preußischen Akademie der Wissenschaften, Physikalisch-Mathematische Klasse Nr. 1, Berlin: Verlag der Akdademie der Wissenschaften 1921 und Wilhelm Heß: Himmels- und Naturerscheinungen in Einblattdrucken des XV.-XVIII, Jahrhunderts, Leipzig: W. Druglin 1911. Ein nicht thematisch gegliedertes Verzeichnis findet sich bei Wolfgang Harms: Deutsche illustrierte Flugblätter: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Tübingen: Niemeyer 1985.

[8] Bemerkenswert ist die Sammlung Wick in Zürich, die einen reichen Fundus an Kometenflugschriften dank der zeitgenössischen Sammeltätigkeit des nach ihr benannten Pastors Wick aufweist. Vgl. hierzu Bruno Weber: Wunderzeichen und Winkeldrucker 1543-1586. Einblattdrucke aus der Sammlung Wikiana in der Zentralbibliothek Zürich, Zürich: Urs Graf-Verlag Dietikon 1972.

[9] Séguin 1964 und Lever 1993 stellen hier die einzigen mir bekannten thematischen Verzeichnisse von Canards für den französischsprachigen Raum dar, wobei sich das Verzeichnis von Lever stark an Séguins Arbeit anlehnt.

[10] Vgl. hierzu Wolfgang Settekorn: „Wort, Bild und Zahl. Konzepte und Praktiken des Weltbezugs in historischen Wetterbeschreibungen“, in: Wolfgang Settekorn (Hrsg.): Weltbilder der Wetterberichte, Frankfurt am Main u.a.: Lang 1999, S. 45-77. Settekorn ist meines Wissens der Erste, der sich der medien- und sprachwissenschaftlichen Analyse solcher Flugschriften und Canards widmet.

[11] Einen äquivalenten Begriff wie den des Canard, der sich auf ein historisches Presseerzeugnis und dessen Textsorte bezieht, gibt es im Deutschen nicht. Der Begriff der Flugschrift oder des Flugblattes ist hier genereller Art und bezieht sich auf den materiellen Umfang, jedoch nicht auf das thematische Spektrum. Der Ausdruck Canard ist das erstemal um 1750 nachgewiesen und bezeichnet eine „Fausse nouvelle lancée dans la presse pour abuser le public.“ Es handelt sich also um eine nachträgliche und nicht um eine zeitgenössische Bezeichnung. Vgl. hierzu Paul Robert: Le grand Robert de la langue Française. Dictionnaire alphabétique et analogique de la langue française, Paris: Le Robert 1985, S. 309.

[12] Séguin 1964, vgl. Anm. 7. Séguin vermutet eine Auflage dieser Größenordnung, belegt sie aber nicht. Die Analyse für den deutschsprachigen Raum von Weber orientiert sich an Papierpreisen, Herstellungsaufwand und Vertrieb und bietet verläßlichere Daten. Vgl. hierzu Bruno Weber 1972, s. Anm. 8. Für eine präzise Darstellung von Auflage, Preis und Vertrieb für den deutschsprachigen Raum vgl. Johannes Schwitalla: Flugschrift, Tübingen: Niemeyer 1999, S. 30-33.

[13] Ein oft anzutreffender Drucker von Canards in Lyon ist Benoît Rigaud, bei dem auch einige Canards des vorliegenden Corpus aus der B.N erschienen. Roger Chartier schreibt hierzu: „ A Lyon, le marché des canards est dominé par un imprimeur, Benoît Rigaud, qui imprime près du quart des éditions faites dans la ville. Pour lui, la publication des occasionnels s’insère dans une activité centrée sur l’édition de livrets bon marché – [...] –: almanacs et prédictions, chansons et poésies, actes officielles.“ Vgl. Roger Chartier: „Lectures populaires et stratégies éditoriales“, in: Henri-Jean Martin/Roger Chartier (Hrsg.): Histoire de l’édition française. Le livre conquérant. Du Moyen Age au milieu du XVII siècle, Paris: Promodis 1982, Seite 585-603, hier: S. 597.

[14] Zitiert nach Séguin, vgl. Anm. 7, hier S. 16.

[15] Vgl. zur Gattung der Prodiegienliteratur in Deutschland und Frankreich Rudolf Schenda: Die französische

Prodigienliteratur in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, München: Max Hueber Verlag 1961 und Rudolf Schenda: „Die deutschen Prodigiensammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts“, in: Archiv für die Geschichte des Buchwesens Nr. IV (1963), Spalte 637-710.

[16] Vgl. den Titel von Pierre Boaistuau: Histoires Prodigieuses (1560), hrsg. Club français du livre à Paris, Paris:

Club français du livre 1961.

[17] Vgl. hierzu Schenda 1961, Anm. 15, hier S. 123-124.

[18] Es ist wichtig sich zu verdeutlichen, daß es nicht eine Methode für die astrologische Deutung von Kometen gab. Vielmehr existierten die unterschiedlichsten antiken und mittelalterlichen Theorien, die permanent mit neuen Deutungstraditionen vermischt wurden. Für eine Übersicht zu den unterschiedlichsten Theorien vgl. Doris Hellmann: The Comet of 1577: Ist Place in the History of Astronomy, New York: Faculty of Political Science 1944 und Eduard Hoffmann-Krayer/Hanns Bächthold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin: Walter de Gruyter 1932/1933 (Bd.5), Spalte 89-170, hier Spalte 165-170.

[19] Vgl. hierzu z.B. den folgenden Auszug aus einem Sternen- und Kometenbuch J. G. Schinbains: „Je größer sich der Stern erstreckt, je grausamer sein Effect, je größer gesehen wird sein Schein, je schädlicher der Stern wird sein (..).“ Zitiert nach Schenda 1963, s. Anm. 15, hier Spalte 677. Elaboriertere Druckerzeugnisse wie Traktate finden sich auch in französischer Sprache und sind teilweise aufwendig bebildert. Der Kometentypologie folgend sind in diesem Traktat mit dem Titel Des comettes et de leurs signifiances [...] selon Ptolemée, Albumasar [...] et autres astrologues die unterschiedlichen Kometen und deren Folgen jeweils in einer bildlichen Darstellung wiedergegeben. Vgl. hierzu Jean-Michel Massing: „A Sixteenth-Century Illustrated Treatise on Comets“, in: Journal of the Warburg and Courthauld Institutes, Nr. 40 (1977), S. 318-322.

[20] Die unterschiedlichsten Kometentheorien übernehmen bis 1400 in den meisten Fällen die ptolemäische oder aristotelische Lehre. Beide Autoren deuteten den Komet als meteorologisches Phänomen, der Sturm und Regen auslöst. Später entwickelt sich ein wahrer Methodenpluralismus, in dem die ptolemäische und aristotelische Lehre weiterhin bestehen bleiben. Vgl. hierzu Martin Döring: Historische Formen des Weltbezugs. Untersuchungen zu französischen Kometenflugschriften an der Wende vom 16. Zum 17. Jahrhundert, Hamburg: Unveröffentlichte Magisterarbeit 1995, S. 86-111.

[21] Bruno Weber, s. Anm. 8, vergleicht Motive deutscher Flugschriften und Flugblätter mit den Abbildungen in Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum chronicon... und weist motivische Ähnlichkeit nach. Vergleicht man die Darstellungen in Lycosthenes mit denen in Boaistuau, lassen sich auch hier Motivähnlichkeiten feststellen. Welche Richtung jedoch die motivische Beeinflussung genommen hat – ob wie weiter oben im Zitat de l’Estoiles beschrieben von der Flugschrift zur Prodigiensammlung oder umgekehrt – bedarf einer umfassenden Analyse unterschiedlichster Korpora. Einen ersten Hinweis stellt die Nennung von Lycosthenes Prodigiorum ac ostentatorum...in der Flugschrift V21093, S. 5-6, dar. Dort heißt es: „Defquelles voulant donner quelques exemples, ie n’irray chercher dés le commencement du monde, car ie feroy trop long&ennuieux, mefme que Conrad Licosftene en a fuffufamen efcript en son luire de prodigiis[...].

[22] George Lakoff/Mark Johnson: Metaphors We Live By. Chicago: Chicago University Press 1980. Vgl. auch George Lakoff: Women, Fire, and Dangerous Things. What Categories Reveal About the Mind, Chicago: Chicago University Press 1987 und Mark Johnson: The Body in the Mind. The Bodily Basis of Meaning, Imagination, and Reason, Chicago: Chicago University Press 1987.

[23] Dies ist allerdings schon vor den Arbeiten von Lakoff und Johnson geschehen und nicht als genuine Leistung der kognitiven Metapherntheorie anzusehen. Vgl. hierzu die besonders auffälligen terminologischen Analogien zu Arbeiten von Harald Weinrich: Sprache in Texten, Stuttgart: Klett 1976, S. 295-316, Max Black, „Die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S. 55-79, Max Black: „Mehr über die Metapher“, in: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie der Metapher, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S. 379-413. Einen guten Einblick in die umfangreiche Literatur zur Metapher gewähren Jean Pierre van Noppen/Susanne de Knop/René Jongen (Hrsg.): Metaphor. A Bibliography of post 1970 Publications, Amsterdam/Philadelphia: Benjamins 1985 und Jean Pierre van Noppen (Hrsg.): Metaphor II. A Classified Bibliography of Publications 1985 to 1990, Amsterdam/Philadelphia: Benjamins 1990. Zu einem guten Überblick über die unterschiedlichsten Metaphermtheorien des amerikanischen und englischsprachigen Raums vgl. Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge MA.: University of Cambridge Press 1995.

[24] Vgl. zur metaphorisch wissenschaftlichen Modellbildung Wolf-Andreas Liebert: „Die transdiskursive Vorstellungswelt zum Aidsvirus: Heterogenität und Einheit von Textsorten im Übergang von Fachlichkeit und Nichtfachlichkeit“, in: Hartwig Kalverkämper/Klaus-Dieter Baumann (Hrsg.): Fachliche Textsorten, Tübingen: Narr (Forum für Fachsprachenforschung, 25), S. 789-811, hier S. 798-801 und Deidre Genter/Michael Jeziorski: „The Shift from Metaphor to Analogy in Western Science“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge Ma.: Cambridge University Press, S. 447-480, hier S. 462-464.

[25] George Lakoff/Mark Turner: Moore than Cool Reason. A Field Guide to Poetic Metaphor, Chicago: University of Chocago Press 1989, S. XI

[26] Lakoff/Johnson 1980, s. Anm. 22, S. 5.

[27] Lakoff 1987, s. Anm. 22,  S. 260-266 und 269 f.

[28] Johnson 1987, s. Anm. 22, S. xxxvi-xxxviii und 12-17.

[29] Vgl. Mark Johnson: “Philosophical Implications of Cognitive Semantics”, in: Cognitive Linguistics Nr.3-4 (1992), S. 345-366, hier S. 357

[30] Vgl. Olaf Jäkel 1997, s. Anm. 3, S. 33.

[31] Vgl. Jürg Haefliger: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs, Frankfurt am Main u.a.: Lang, S. 141.

[32] Vgl. Rom Harré, Peter Mühlhäusler/Jens Brockmeier 1999, s. Anm. 6, S. 91. Rom Harré/Peter Mühlhäusler/Jens Brockmeier schreiben in ihrem Kapitel The Power of Metaphor: „Language, of course, is a tool both for talking about what is already known and for exploring the unknown.

[33] Vgl. Rom Harré/Peter Mühlhäusler/Jens Brockmeier 1999, s. Anm. 6, S. 93.

[34] Vgl. Michael J. Reddy: „The Conduit Metaphor:A Case of Frame Conflict in our Language about Language“, in: Andrew Ortony (Hrsg.): Metaphor and Thought. Second Edition, Cambridge: Cambridge University Press, S. 164-201. Zur Ausdifferenzierung  von Reddys Conduit Metaphor vgl. Johnson 1987, s. Anm. 22, S. 18f. und 100 f.

[35] Vgl. hierzu Michael Giesecke: „Sinnenwandel und Sprachwandel. Von den multisensoriellen Semantiken des Mittelalters zur visuellen Semantik der Neuzeit“, in: Michael Giesecke: Sinnenwandel, Sprachwandel, Kulturwandel. Studien zur Vorgeschichte der Informationsgesellschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 209-243, hier S. 228-229.

[36] Vgl. die Flugschrift Rés.p.V.200, B.N. Paris, von Rigaud in Lyon gedruckt, die mit den folgenden Worten eingeleitet wird:  [...] que d’entendre & scauoir les occultes secrets de la Nature, nostre mere, & que rien ne peut estre estimé plus exellent & magnifique que d’avoir la cognoiffance des oeuvres du grand Dieu [...], S. 1.

[37] Metaphorische Paradigmen der Metaphorisierung oder metaphorische Denkmodelle für Natur wie sie – stark vereinfacht - bei Mills dargestellt werden, sind auch anhand der vorliegenden Quellen zu erkennen. Hierzu bedürfte es jedoch einer umfangreicheren Analyse. Mills konstatiert grob drei metaphorische Paradigmen: Natur ist im mittelalterlichen Denken als ein von Gott geschriebenes Buch, in der Renaissance wird Natur als makrokosmische Spiegelung des Mikrokosmos Körpers angesehen und die Aufklärung ist von unterschiedlichsten Maschinenmetaphern bestimmt. Vgl. hierzu Warren T. Mills: „Metaphorical Vision: Changes in Western Attitudes to the environment“, in: Annals of the Association of American Geographers Nr. 72 (1982), S. 237-253. Die Buchmetapher findet sich auch im vorliegenden Korpus in Rés P.V. 200, S. A 3. Dort heißt es: „[...]& de plus grand entretenement pour refiouir son esprit, que de lire toutes les nuicts une fois le luire du ciel, [...].“

[38] Vgl. hierzu Lakoff 1987, s. Anm. 22, S. 380-415 und Zoltan Kövecses: Metaphors of Anger, Pride and Love. A Lexical Approach to the Structure of Concepts, Amsterdam: Benjamins 1986, S. 20-28 sowie Frauke Weber: Denken in Metaphern: Kognitive Semantik und französische Gefühlsmetaphorik, Frankfurt am Main u.a., Lang 1995 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 12, Französische Sprache und Literatur, Nr. 200).

[39] Vgl. hierzu Lakoff/Johnson 1980, s. Anm. 22, S. 63f.

[40] Vgl. hierzu Lakoff/Johnson 1980, s. Anm. 22, S. 22-24.

[41] Vgl. hierzu auch Mark Johnson: Moral Imagination. Implications of Cognitive Science for Ethics, Chicago: University of Chicago Press 1993, S. 32f.

[42] Vgl. hierzu Carlo Ginzburg: „High and Low. The Theme of Forbidden Knowledge in the Sixteenth and Seventeenth Centuries“, in: Past and Present Nr. 73 (1976), S. 28-41.

[43] Das Orginalzitat lautet „Quae supra nos, ea nihil ad nos“, in: Erasmus von Rotterdam: Opus Epistolarum , V, S. 176-177, hrsg. und übers. von P.S. und H.M. Allen. Zitiert nach Ginzburg 1976, s. Anm. 43, hier S. 33.

[44] Auf sprachliche Daten bezogen schreibt Ginzburg: „Moreover, the symbolism of ‚highness‘ is deeply connected to secular power – as Indoeuropean languages still show.“ Vgl. Ginzburg 1976, s. Anm. 43, hier S. 32.

[45] Seneca schreibt zu den Balken- und Fackelkometen: „Die Feuerbalken aber eilen und fliegen nicht vorüber wie die Himmelsfackeln, sondern verweilen und leuchten nur an derselben Stelle des Himmels.“ Vgl. hierzu Lucius Anneaus Seneca: Naturwissenschaftliche Untersuchungen in acht Büchern, hrsg. von Eva und Otto Schönberger, Würzburg: Könighausen und Neumann, S. 182-183.

[46] Vgl. hierzu W.J. Tucker: Ptolemic Astrology. A Complete Commentary on the Terabiblos of Claudius Ptolemy, Kent: Pythargorean Publications.

[47] So wird in den vielen Fällen der Komet, der zu Caesars Begräbnis erschien, als Legitimation für die Unanfechtbarkeit der Klassifizierung angeführt und damit zum Topos.

[48] Der Komet von 1618 wurde als Ankündigung des dreißigjährigen Krieges in der zeitgenössischen Literatur angesehen und erfuhr eine entsprechend große Beachtung.

[49] Vgl. z.B. das Flugblatt Fol. Lk7.6544 et Est.Qb.1. Der Text wird mit einem Gedicht abgeschlossen, das folgendermaßen lautet: „Ceste Comete ne menace les Francais, mais les Estrangers, Sous nostre Roy, Dieu par sa grace, Garde nos Lys de tous les dangers.“

[50] Zur Überblendung von Krieg und Wetter – insbesondere Gewitter und Unwetter – vgl. die Bibliographie von Jean- Pierre Séguin: „Notes sur les feuilles d’information relatant des combats apparus dans le ciel 1575-1652“, in Arts et Traditions Populaires 1959 (Nr. 3-4), S. 259-271.

[51] Vgl. Rudolf Schenda 1961, s. Anm. 15, S. 137.

[52] Daniela Pirrazini 1998 untersucht inwiefern „etablierten Metapher der Status des argumentativen Sprechaktes zu verleihen ist:“ Ihr Ansatz ist reizvoll und könnte zu einer Pragmatik des Toposbegriffs beitragen. Vgl. hierzu Daniela Pirrazini: „Wie können wir schon etablierte Metaphern widerlegen?“, in: Alberto Gil/Christian Schmitt (Hrsg.): Kognitive und Kommunikative Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen. Akten der gleichnahmigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena (28.9.-2.10.1997), Bonn: Romanistischer Verlag 1998 (Romanistische Kongressberichte 5), S. 167-186, hier S. 169.

[53] Vgl. zur Typologie der heutigen Pressephotographie Martine Joly: L’image et les signes. Approche sémiologique de l’image fixe, Tours: Nathan 1994, S. 142f.

[54] Hier läge eine bildlichen Antizipation von kriegerischen Auseinandersetzung in Krisenzeiten nahe. Diese Vermutung ist jedoch mit äußerster Vorsicht zu behandeln und bedarf einer umfangreichen Untersuchung des Materials.

[55] Hierzu ist anzumerken, daß sowohl Prodigiensammlungen als auch Flugschriften und Flugblätter in den gleichen Druckereien hergestellt wurden. Vgl. hierzu vor allem Weber 1972, s. Anm. 8. Weber verdeutlicht anhand des Vergleichs von Motiven, wie stark dieses gegenseitige Beeinflussung gewesen sein muß. Die Beeinflussung zwischen unterschiedlichen Prodigienssammlungen stellt Hellmann 1968 fest. Sie schreibt: „The source of most of Boaistuau’s chapter was Lycosthenes, 1557 chronicle, which similarly described three suns [...].“ Vgl. hierzu Doris Hellmann: „The Supernova of 1572 an the Comet of 1577 and the Alteration and Transmission of Ideas about Comets“, in: Actes du XIe Congrès international d’Histoire des Sciences, Varsovie-Torun-Kielce-Cracovie, 24-31 Août 1965, Wroclaw-Varsovie-Cracovie 1968 (Bd. 3), S. 24-30, hier Seite 26.

Erste Ansätze zu einer Kometenikonographie – u.a. in Flugschriften und Prodigiensammlungen - finden sich bei Elisabeth Heitzer: Das Bild des Kometen in der Kunst. Untersuchungen zur ikonographischen und ikonologischen Tradition des Kometenmotivs in der Kunst vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin: Mann 1995 (Studien zur profanen Ikonographie 4).

[56] Roger Chartier 1982, s.Anm.13, hier S. 589 schreibt: „Dans le peuple urbain, l’usage de l’écrit imprimé peut à l’occasion [...] être médiatisé par une lecture à haute voix.“ Vgl. zur Textproduktion und –rezeption auch Johannes Schwitalla 1999, s. Anm. 12, S. 27-30.

[57] Vgl. Roger Chartier: „Die wunderbar errettete Gehenkte. Über eine Flugschrift des 16. Jahrhunderts“, in: Roger Chartier: Die unvollendete Vergangenheit. Geschichte und die Macht der Weltauslegung, Frankfurt am Main: Fischer 1992, S. 101-145.

[58] Vgl. hierzu Olaf Briese: Die Macht der Metaphern. Blitz, Erdbeben und Kometen im Gefüge der Aufklärung, Stuttgart: Metzler 1998, S. 179.

[59] Vgl. hierzu auch die computeranimierten Filme über Naturkatstrophen wie Twister, Dantes Peak und Volcano.

[60] Lucius Anneaus Seneca, s. Anm. 46, VII, I 2, S. 180.

[61] Die Versuchung läge hier nahe, von einer anthropologischen Konstante zu sprechen. Diese Argumentation vernachlässigt jedoch den wichtigen Aspekt der kulturellen Prägung, der durch die Hintertür anhand von biologischen Determinismen erklärt und somit an biologische Prozesse rückgebunden würde. Vgl. z.B. zur Problematik der Klimadeterminismen Nico Stehr/Hans von Storch: Klima, Wetter, Mensch, München: Beck 1999, S. 45-58.

[62] Das Wortspiel von Schlagloch und Schlagzeile verdanke ich Dietmar Osthus (Bonn).

 

 

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ISSN 1618-2006 (für das Journal)

zuletzt bearbeitet am 20.12.11