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Der folgende Text ist die überarbeitete Version eines Beitrags, der auf dem Romanistentag 1997 in Jena gehalten wurde. In gedruckter Fassung ist er erschienen unter Gabriel, Klaus: "Zur Metaphorik in der italienischen Fußballberichterstattung", in: Gil, Alberto / Schmitt, Christian (edd.) Kognitive und kommunikative Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen (Akten der gleichnamigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena, 28.09.-02.10.1997), Bonn 1998, 57-85.

 

Zur Metaphorik in der italienischen Fußballberichterstattung

 

(Klaus Gabriel, Bonn)

 

 

1         Zum Untersuchungsgegenstand

 

Es darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, daß der Fußballsport besonders in Italien einen herausragenden Stellenwert genießt. Als ein eindrucksvolles Indiz für die große Beliebtheit dieses Sports kann u.a. neben der Existenz von drei großen, täglich erscheinenden Sporttageszeitungen die sehr ausführliche Presseberichterstattung in diesen Zeitungen sowie in den Montagsausgaben der allgemeinen Tageszeitungen angesehen werden. Daß letztere nicht erst seit kurzem Aufmerksamkeit bei Lesern und Linguisten erregt haben, illustriert das aus dem Jahre 1939 stammende Zitat von Giacomo Devoto, der dem bereits zu jener Zeit immensen Umfang der italienischen Fußballberichterstattung allerdings mehr als skeptisch gegenübersteht:

 

„Il giornale del lunedì ha la sua fisionomia. Le notizie di carattere politico, singolarmente succinte, fanno da prefazione alla parte interna del giornale in cui le cronache sportive, e specialmente calcistiche, si diffondono senza preoccupazione per lo spazio, intorno ai particolari delle partite“ (Devoto 1939:17).

 

Wenn es auch gewiß heute noch jene Kritiker geben wird, die, wie Devoto an gleicher Stelle anführt, „schwermütig die Verschwendung von Papier und Adjektiven beweinen“ [1] , so lassen die Zahlen zur Auflagenstärke der Sporttageszeitungen und zum Umfang der Berichterstattung in der italienischen Tagespresse jedoch eindeutig auf eine breite Akzeptanz der Fußballberichterstattung in der italienischen Bevölkerung schließen [2] .

Die linguistische Beschäftigung mit diesem Phänomen erscheint also bereits aus rein quantitiven Gründen logisch und verspricht - wie zahlreiche Studien  bereits zeigen konnten (cf. z.B. Schweickard 1987) - wertvolle Erkenntnisse zu verschiedensten Aspekten der italienischen Sprache, aus welchen hier die in den bisher vorliegenden Arbeiten zur italienischen Fußball- bzw. Sportberichterstattung nur unzulänglich untersuchte Verwendung von Metaphern ausgewählt wurde.

            Nach einleitenden Ausführungen zum Wesen der Metapher sowie einem kurzen Überblick über grundlegende linguistische Merkmale der zugrunde liegenden Textsorte sollen die unter besonderer Berücksichtigung der kognitiven und kommunikativen Dimensionen der Metaphorik ausgewählten Typen und Leistungen von Metaphern mit Korpusbeispielen belegt und analysiert werden. Dabei sollen diese dahingehend untersucht werden, in welchen Maße sie die drei Grundfunktionen mediensprachlicher Texte, Informationsvermittlung, Meinungsbildung und Unterhaltung (cf. z.B. Lüger 21995), widerspiegeln.

Eine abschließende, über die italienische Sprache hinausgehende Betrachtung der Internationalität und Omnipräsenz von Metaphern in der, aber auch aus der Fußballsprache soll weitere interessante, der Vielfältigkeit der Metaphorik gerecht werdende Forschungsmöglichkeiten skizzieren.

 

 

2       Charakteristika, Typen und Leistungen von Metaphern

 

Die vor allem in den neueren Untersuchungen immer wieder betonte Abkehr von der eindimensionalen Auffassung der Metapher als rhetorisches Stilmittel und schmückendes Element in der ‘Schönen Literatur’ sowie die damit einhergehende Charakterisierung der Metapher als ein das menschliche Denken und Handeln umfassende Phänomen (cf. z.B. Lakoff/Johnson 1980, Weydt 1988) führt zu einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise. So werden der Metaphorik u.a. kognitive, kommunikative, argumentative und soziokulturelle Dimensionen zugeschrieben, die sich anhand bestimmter Typen und Leistungen von Metaphern aufzeigen lassen. Dabei wird die Metapher als ein konterdeterminiertes Wort betrachtet, dessen unerwartete, außerhalb des Bedeutungsumkreises liegende Meinung erst durch den Kontext bestimmt wird (Weinrich 1976:320). Dies impliziert seitens des Rezipienten eine heuristische Leistung, da er die auf Analogien zwischen zwei eigentlich nicht zusammengehörenden Sinnbereichen basierende Bedeutungsübertragung nachvollziehen muß (Schmitt 1988:114). Auf semantischer Ebene können vier Typen dieser Übertragung (dynamisierende, konkretisierende, personifizierende und sensorische) unterschieden werden (Reger 1977:259ff.). Eine Klassifizierung anhand dieses Kriteriums darf sich freilich nicht auf rein quantitative Aspekte beschränken, sondern muß insbesondere die vielschichtigen und sich häufig überschneidenden Leistungen (Funktionen und Wirkungen) aufzeigen. Die  folgende Auflistung zeigt eine Kategorisierung der wichtigsten, in zahlreichen neueren Arbeiten zur Metaphorik immer wieder aufgegriffenen Funktionen und Wirkungen, wobei hier die drei Hauptaspekte pressesprachlicher Texte als Gliederungspunkte gewählt wurden [3] :

 

1. INFORMATION (heuristische bzw. erkenntnisfördernde Leistungen):

-Benennung neuer Gegenstände oder Sachverhalte, für die es kein verbum proprium gibt (Weydt 1988:305ff.),

-Explanativität und Prädikativität (Keller 1995:190f.),

-Veranschaulichung der Darstellung durch Vereinfachung und somit leichteres Textverständnis (Reger 1979:263ff.) [4] ,

-Bedürfnisorientierung (Schmitt 1984:124).

 

2. MEINUNG (meinungsbildende wie ideologische Leistungen):

-Emotionalisierung (Reger 1979:263) und Affektuierung (Schmitt 1984:121),

-Akzentuierung und Pointierung von Information und Stellungnahme (Reger 1979:271),

-Manipulation (Schmitt 1988:116f.) und Verschleierung (ebd.:123; Lüger 21995:38),

-Interessenorientierung (Schmitt 1984:124).

 

3. UNTERHALTUNG:

-Leseanreiz bieten (Reger 1979:263),

-komische, ironisierende und satirische Effekte hervorrufen (Lüger 21995:35; Reger 1979:268),

-auflockern (Lüger 21995:38) und überraschen (Keller 1995:190f.).

 

Neben den bereits angeführten Arten der Übertragung stehen weitere Kriterien zur Verfügung, mit denen die hier genannten Leistungen näher bestimmt werden können.

Anhand einer Gegenüberstellung der mit Hilfe von Analogie in Verbindung gebrachten Sinnbereiche des Bildspenders und -empfängers lassen sich zunächst einmal Erkenntnisse hinsichtlich der Informationsleistung der Metaphorik gewinnen. Es kann so gezeigt werden, welche Sinnbereiche zur Bildung fußballsprachlicher Termini herangezogen werden. Hiermit eng verbunden sind zwei weitere Charakteristika:

            - Aus argumentatorischer Sicht ist dies nach Pielenz die selbstverständliche und somit mit meinungsbildenden Intentionen verbundene Verwendung einzelner tokens (Vorkommnisse) zu bereits bekannten Bildtypen, die zuvor erfolgreich als types eingeführt wurden (Pielenz 1983:71ff.). Auch spielt der Transfer von Klischees und Stereotypen von der Bildspenderebene zu dem Bildempfängerbereich hinsichtlich der meinungsbildenden Leistung eine beachtliche Rolle.

- Aus textlinguistischer Sicht ist dies die Bildung von Isotopieebenen durch Metaphern gleicher Bildspenderbereiche (cf. Ricœur 1975).

            Die Unterhaltungsleistung von Metaphern hängt sehr stark ab von ihrer Kreativität bzw. Habitualisierung. Metaphern mit hohem Kreativitäts- und niedrigem Habitualisierungsgrad wird grundsätzlich eine hohe Unterhaltungsleistung zugesprochen. Allerdings ist die ideologische Leistung bereits verbreiteter und wenig überraschender Metaphern nicht zu unterschätzen (Schmitt 1994:512).

Die Metapher darf jedoch nie als isoliertes Element in den ausgewählten Texten betrachtet werden (cf. u.a. Weinrich 1976). Stets muß die Kontextabhängigkeit und somit auch das Zusammenspiel mit weiteren sprachlichen Phänomenen betont werden. Daher  sei der Analyse eine kurze Zusammenfassung der grundlegenden linguistischen Merkmale der fußballsprachlichen Pressetexte des Italienischen sowie der Forschungsergebnisse zum Stellenwert der Metaphorik in dieser Textsorte vorangestellt.

 

 

3       Zur Sprache der italienischen Fußballberichterstattung

3.1       Grundlegende linguistische Merkmale

 

Betrachtet man die vorliegenden Studien zur Sprache der italienischen Fußballberichterstattung, so lassen sich auf textueller, syntaktischer, lexikalischer und stilistischer Ebene folgende Hauptmerkmale herausfiltern, die, das bisherige Forschungsinteresse widerspiegelnd, sich weitgehend auf die Bereiche Lexik und Stilistik beziehen [5] .

Was die Textebene betrifft, so lassen sich als grundlegende Charakteristika eine deduktive Gedankenführung, Tempusvariationen, häufige Rückgriffe auf den zeitlichen Rahmen des Spiels als Strukturgrundlage sowie explizite Hinweise des Autors zum Aufbau des Berichtes feststellen (Schweickard 1987:168).

Auf syntaktischer Ebene fällt „die Dominanz einer logisch linearen und additiven Strukturierung" (ebd.) auf. Des weiteren dominieren nominale Strukturen, die, dem Prinzip der syntaktischen Ökonomie folgend, eine hohe semantische Dichte aufweisen und zur Steigerung der Expressivität beitragen (ebd.). 

Das Lexikon zeichnet sich vor allem durch einen starken Einfluß des Englischen aus [6] .

Eine hohe Rekurrenz weisen Technizismen auf, die, da sie häufig aus der Gemeinsprache kommen, erst durch den Kontext als solche erkennbar sind (Stella 1973:145) [7] . Hinsichtlich der Wortbildungsverfahren spiegelt die cronaca calcistica aktuelle Tendenzen des Italienischen wieder, so z.B. häufige Bildung von Komposita und Abkürzungen sowie attributiver und auch substantivischer Gebrauch von ursprünglichen Präfixen (Schweickard 1987:168f.).

Die Verwendung von Metaphern, Metonymien, Synekdochen bei der Synonymbildung zum Zwecke der stilistischen Variation wurde ebenso wie der häufige Einsatz von Hyperbeln und Ellipsen sowohl als lexikalisches als auch gleichzeitig als stilistisches Merkmal der italienischen Fußballberichterstattung ermittelt (Nascimbeni 1992:111ff.; Schweickard 1987:169).

Hinsichtlich des Stils können neben dem allgemeinen Trend zur Bildhaftigkeit, der sich u.a. in der starken Verbreitung von Tierbezeichnungen für Mannschaften zeigt (cf. Nascimbeni 1992:109), insbesondere individuelle Eigenschaften der einzelnen Berichterstatter festgestellt werden (ebd.:108ff.).

            Die häufig angeführte Bezeichnung il calcese (cf. z.B. Nascimbeni 1992:112ff; De Fiore u.a. 1990:VII ff.) ist ein Indiz dafür, daß sich die Sprache der italienischen Fußballberichterstattung aufgrund der bisher herausgearbeiteten individualisierenden Charakteristika von anderen Systemen der italienischen Sprache abgrenzen läßt. Die zuvor referierten Merkmale lassen es angemessen erscheinen, die Sprache der Fußballberichterstattung als “Subklasse der Textsorte Printmedien“ (Gil 1998:273) anzusehen.

 

 

3.2       Fußballberichterstattung und Metaphorik

 

In den vorliegenden Arbeiten zur italienischen Fußballberichterstattung wird die Metaphorik stets als ein das Lexikon und den Stil betreffendes Phänomen erfaßt. [8] Der textlinguistische Ansatz bleibt ebenso wie die kognitive und kommunikative Dimension weitgehend unberücksichtigt. Auch werden keine systematische Typologie und keine umfassenden Aussagen zur Funktionalität beabsichtigt.

Die Metapher wird - gemäß der aristotelischen Metaphernauffassung - primär als rhetorisches Stilelement betrachtet, das zumeist als Synonym für einen bereits bestehenden Terminus gewählt wird. Sie kann jedoch auch, der "economia semantica“ (Stella 1973:145) folgend, bei der Bildung der Fußballterminologie herangezogen werden [9] .

Als primärer Bildspenderbereich wird das Militär- bzw. Kriegswesen angegeben (Nascimbeni 1992:113; Schweickard 1987:145f.), das aufgrund der "strukturellen Entsprechungen zwischen dem militärischen und sportlichen Bereich“ (ebd.:145) besonders für die Bildübertragungen geeignet erscheint (cf. auch Reger 1979:269) [10] . Dieser, wie auch die anderen rekurrenten Bereiche erlauben "Rückschlüsse auf tragende Prinzipien des Fußballspiels“ (ebd.). 

Wie auch schon bei der Betrachtung der allgemeinen stilistischen Merkmale erwähnt wurde, ist der Gebrauch der Metaphern ebenfalls stark von dem jeweiligen Berichterstatter abhängig [11] . Des weiteren soll darauf hingewiesen werden, daß bestimmte zu Stereotypen gewordene und immer wiederkehrende Metaphern und Floskeln nach einer bestimmten Zeit keine Verwendung mehr finden (Nascimbeni 1992:111). Da eine sicherlich lohnenswerte Behandlung der sich hieraus ergebenden Frage nach einem "Lebenzyklus" von Metaphern und der Isolierung seiner einzelnen Phasen den Rahmen dieser Studie jedoch übersteigen würde, beschränken wir uns in der nun folgenden Korpusanalyse auf die zuvor dargelegten Fragestellungen.

 

 

4       Korpusanalyse

4.1       Das Korpusmaterial: Fußballsprachliche Pressetexte aus           italienischen Tageszeitungen

 

Die Grundlage dieser Analyse bildet ein 320 Metaphern umfassendes Pressekorpus, das bei einer Analyse von Fußballberichten dreier italienischer Tageszeitungen zusammengestellt wurde [12] . Insgesamt wurden 37 Artikel (36 Spielberichte und 1 Kommentar) aus dem Zeitraum 12.05. - 29.05.97 untersucht. Die Angabe des Zeitraumes ist - wie die Analyse zeigen wird - nicht unerheblich, da es sich um die Endphase der Saison 96/97 der Serie A (Entscheidungen um Meisterschaft, UEFA-Cup-Qualifikation und Abstieg) sowie um die entscheidende Phase der internationalen Wettbewerbe (Champions-League und UEFA-Cup) handelt.

 

 

4.2       Bildspender und Bildempfänger

 

Eine Kategorisierung der ermittelten Metaphern nach der Herkunft des Bildes ergibt eine breitgefächerte Palette an unterschiedlich rekurrenten Bildspenderbereichen:

 

Rang

Bildspenderbereich

Anz. abs.

Anz. %

1

Militär- und Kriegswesen

37

11,5   

2

Mensch

29

9,0

3

Schauspiel/Theater/Film/TV

15

4,6

4

Kunst und Literatur

13

4,0

 

Spiel/Glücksspiel/Kartenspiel

13

4,0

6

Technik und Wissenschaft

10

3,1

7

Geometrie

9

2,8

8

Medizin und Gesundheit

8

2,5

 

Wirtschaft/Handel/Geschäftswelt

8

2,5

10

Geräte und Behälter

7

2,2

 

Handwerk

7

2,2

 

Haus und Gebäude

7

2,2

 

Landwirtschaft und Natur

7

2,2

 

Tierwelt

7

2,2

15

Leben und Tod

6

1,9

 

Rechtswesen

6

1,9

 

Reise und Verkehr (allgemein)

6

1,9

 

Religion

6

1,9

 

Sprache

6

1,9

 

Wetter

6

1,9

--

Sonstige Bildspenderbereiche

107

33,4

Insg.

 

320

-

 

Tab. 1a: Bildspenderbereiche (1-20) [13]

 

Hinsichtlich der Bildspenderbereiche lassen sich zwei Hauptergebnisse festhalten. Sie betreffen die hohe Rekurrenz der traditionellen Bereiche sowie die immense Vielfalt der bildspendenden Sinnbereiche.

            Zunächst bestätigt diese Auflistung die Rekurrenz der für die Fußballberichterstattung generell als traditionell angesehenen Sinnbereiche, wobei auch im Italienischen die Bilder aus dem Militär- und Kriegswesen eindeutig zahlenmäßig herausragen [14] ; neben den die Grundstruktur des Fußballspiels bestimmenden Metaphern wie etwa difesa ‘Abwehr’ (GS 29.05. 3) [15] , attacco ‘Angriff’ (GS 29.05. 3), truppa ‘Mannschaft’ (GS 26.05. 10) und vittoria ‘Sieg’ (RE 12.05. 41) werden die Bilder aus diesem Sinnbereich auch auf einzelne Spielsituationen, Personen und deren Handlungen übertragen:

 

(1)   piomba in picchiata ‘einen Angriff nach dem anderen durchführen’ (CO 12.05. 29), sconfitta con le sue stesse armi ‘mit den eigenen Waffen geschlagen’ (GS 29.05. 3), il bomber ‘Torschütze, torgefährlicher Spieler’ (CO 12.05. 29), il siluro ‘sehr fester Schuß’ (RE 12.05. 39), una dignitosa contraerea ‘gekonnte Abwehraktion‘ (CO 12.05. 29).

           

Einen breiten Raum nehmen ebenfalls die Metaphern aus dem Sinnbereich „Mensch“ ein. Dabei werden für den Menschen typische Tätigkeiten, Charakteristika und Fähigkeiten auf zumeist die Mannschaft als Ganzes betreffende Handlungen und Eigenschaften übertragen [16] .

            Fußball wird jedoch in der italienischen Presse nicht nur als kämpferische Auseinandersetzung zweier zumeist personifizierter Teams dargestellt, sondern auch als Show und Unterhaltung mit künstlerischen und kreativen Momenten. Davon zeugen die Metaphern aus den Bereichen „Schauspiel/Theater/Film/TV“ und „Kunst und Literatur“: Der Verlauf eines Spieltages ist Il film della [...] giornata (RE 19.05. 41), der beste Spieler il protagonista della partita (RE 12.05. 43) [17] , die gute Leistung eines Spielers wird als spettacolo (RE 12.05. 43) und die 34 Spieltage umfassende Saison als romanzo di 34 capitoli (GS 26.05. 7) bezeichnet.

            Der allgemeine Trend der Verwissenschaftlichung von Sportereignissen zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Hintergrundinformationen und Analysen, deren Umfang besonders bei der TV-Berichterstattung stetig zugenommen hat und die Dauer der Spiele selbst nicht selten übertrifft, sondern auch in dem in der Pressesprache nachzuvollziehenden Versuch, die Geschehnisse als wissenschaftlich fundierte Tatsachen erscheinen zu lassen und - als gegenläufige Tendenz zur zuvor festgestellten Anthropomorphisierung - den menschlichen Aspekt der Anstrengungen und Leistungen der Spieler durch die Benennung mit einem technischen Terminus zu mechanisieren. Zur Veranschaulichung dienen die folgenden Korpusbelege:

 

(2)   clonare lo splendido primo tempo ‘die Leistungen der hervorragenden 1. Halbzeit wiederholen’ (GS 22.05. 3), esaurito il rodaggio ‘nach Beendigung der Gewöhnungszeit (CO 12.05. 27), verrá riciclato nel ruolo di centrale ‘wird [diesmal] eingesetzt in der zentralen Position’ (CO 12.05. 28).

 

Wie hier angedeutet wurde, dienen Metaphern dazu, das Geschehen auf dem Platz mit menschlichen oder wissenschaftlich-technischen Attributen zu erfassen. Dennoch bleibt ein recht großer Komplex, der den Fußballsport bewußt als vom Schicksal gelenktes Glücksspiel umschreibt, dessen Ausgang - allen taktischen Überlegungen vor dem und praktischen Anstrengungen in dem Spiel zum Trotz - angeblich nicht durch den Menschen (hier: Trainer, Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer) beeinflußt werden kann. Hier finden sich vor allem Bilder aus dem überdurchschnittlich rekurrenten Bereich „Spiel/Glücksspiel/Kartenspiel“ wie z.B.

 

(3)   mischiare le carte ‘die Aufstellung ändern’ (RE 19.05. 42), della famosa lotteria dei rigori ‘der berühmten Lotterie des Elfmeterschießens’ (RE 22.05. 46) und il poker ‘vier Tore in einem Spiel’ (GS 26.05. 20),

 

aber auch aus den weniger häufig im Korpus belegten Sinnbereichen „Gewalt/Katastrophe/Unglück“, z.B.

 

(4)   poi ai rigori il disastro ‘dann das schwere Unglück beim Elfmeterschießen’ (RE 22.05. 46),

 

und Mythologie/Fabel/Zauberei, z.B.

 

(5)   una magia ‘hervorragende Leistung, die zu einem sehr schönen Tor führt’ (CO 29.05. 29).

 

Anhand der Beispiele wird deutlich, daß mit Hilfe von Metaphern dieser Bereiche zum einen Verantwortung für Mißerfolg verleugnet werden kann, indem negative Ergebnisse auf das Schicksal oder auf andere höhere Gewalten zurückgeführt werden [18] . Zum anderen werden die Leistungen von Spielern und Trainern durch unangemessene Reduktion ihrer von mehreren Faktoren abhängigen Handlungen nicht adäquat beschrieben [19] . Auch können die Metaphern dieser Bereiche überspitzt wirken (z.B. il disastro) und somit einen gewissen Leseanreiz darstellen.

            Als zweites Hauptergebnis soll festgehalten werden, daß zusätzlich zu den in Tab. 1a aufgeführten und zuvor zum Teil mit Beispielen belegten Sinnbereichen, aus denen zwei Drittel aller Korpusbelege stammen, weitere vierzig Sinnbereiche ermittelt werden konnten (cf. Anhang Tab. 1b).

Diese Vielfalt der Bildspender, die in der Fachliteratur oft zugunsten der rekurrenteren traditionellen Bereiche zu kurz kommt, zeugt zunächst einmal von dem Bestreben der Berichterstatter, die Ereignisse möglichst abwechslungsreich zu schildern. So entsteht aber auch ein Bild von dieser Sportart, das geprägt ist von Abwechslungsreichtum und Vielfältigkeit, obwohl diese in der Realität aufgrund des relativ unkomplizierten Regelwerks und der wenig komplexen Grundstruktur (Ziel und Ablauf des Spieles) eher recht beschränkt sind.

            Die folgenden Überlegungen zu den Bildspenderbereichen beschäftigen sich mit der Metaphorik aus textlinguistischer und argumentatorischer Sicht.

Die mehrfache Verwendung von Metaphern des gleichen Bildspenderbereichs führt zur Bildung von Isotopien. Sie dient dem Berichterstatter zur durchdachten Textstrukturierung und somit dem Rezipienten zum leichteren Textverständnis. Insgesamt konnten 73 (21,8 %) isotopiebildende Metaphern im Korpus ermittelt werden. Dies zeugt von einem durchaus bewußten Einsatz der Metaphern als textstrukturierendes Element.

Die mehrfache Verwendung von Bildern des gleichen Bildspenderbereichs kann jedoch auch aus argumentatorischen Gründen geschehen: Da die Bilder aus den traditionellen Bildspenderbereichen bereits fest in der Sprache der Fußballberichterstattung verankert sind, kann der selbstverständlich erscheinende und dem Leser nicht direkt bewußt werdende Einsatz weiterer Metaphern aus diesen Bereichen dazu vorgenommen werden, zum einen weitere Strukturen und tatsächliche Charakteristika, zum anderen aber auch allgemein verbreitete Vorstellungen und Klischees von dem entsprechenden Bereich auf das Fußballspiel zu übertragen. Hiermit verbunden sind häufig Verschleierung und überspitzte, inadäquate Darstellung der tatsächlichen Ereignisse (cf. Beispiele Fußnote 19).

            Auch die umgekehrte Perspektive - d.h. der vom Bildempfänger ausgehende Blick - ermöglicht weitere Aussagen zur Funktionalität der Metaphorik in den italienischen Fußballberichten. Eine Einteilung des zugrunde liegenden Korpusmaterials nach Bildempfängerbereichen ergab folgendes Ergebnis:

 

Nr.

Bildempfängerbereich

Anz. abs.

Anz.%

RANG

0

SPIEL

(60)

18,8

(2)

01

Allgemein

29

9,1

3

02

Phasen und Verlauf

17

5,3

5

03

Ende und Ergebnis

8

2,5

14

04

Feld

6

1,9

16

1

SPIELSZENEN

(18)

5,6

(5)

11

Abwehrszenen

0

0

(36)

12

Angriffszenen

10

3,1

10

13

Torwartaktion

3

0,9

23

14

Abseitsszenen

0

0

(36)

15

Ruhende Bälle (Elfmeter, Ecke, Freistoß)

1

0,3

31

16

Zweikampf

4

1,3

20

2

MANNSCHAFT

(62)

19,4

(1)

21

Allgemein

50

15,6

1

22

Abwehr

10

3,1

10

23

Mittelfeld

1

0,3

31

24

Angriff

1

0,3

31

3

SPIELER

(43)

13,4

(5)

31

Allgemein

27

8,4

4

32

Torwart

3

0,9

23

33

Abwehrspieler

5

1,6

18

34

Mittelfeldspieler

6

1,9

16

35

Angriffspieler

2

0,6

26

4

TORE

(44)

13,8

(4)

41

Allgemein

17

5,3

5

42

Torschuß

14

4,4

7

43

Torschütze

4

1,3

20

44

Vorbereitung (Flanke, Vorlage)

9

2,8

13

5

SCHIEDSRICHTER

(2)

0,6

(10)

51

Person

2

0,6

26

6

SIEG UND NIEDERLAGE

(49)

15,3

(3)

61

Allgemein

30

9,4

2

62

Tabelle

3

0,9

23

63

Meisterschaft + Champions-League Qualifikation

1

0,3

31

64

UEFA-CUP Qualifikation

11

3,4

9

65

Abstieg

4

1,3

20

7

TRAINER

(24)

7,5

(6)

71

Person

10

3,1

10

72

Taktik

12

3,8

8

73

Ein- und Auswechseln

2

0,6

26

8

UMFELD

(11)

3,4

(8)

81

Funktionäre

2

0,6

26

82

Zuschauer

8

2,5

14

83

Verein

1

0,3

31

9

SONSTIGES

(7)

2,2

(9)

91

Saison

5

1,6

18

92

Ball

2

0,6

26

Insg.

 

320

-

-

 

Tab. 2: Bildempfängerbereiche

 

Die bei Gil (1998: 275ff.) für das Französische, Spanische und Katalanische ermittelten Ergebnisse können anhand dieser Tabelle für das Italienische grundsätzlich bestätigt werden: Die empfangenden Sinnbereiche stellen zu 80 % gar keine oder zumindest keine konkrete Handlung dar. Die verwendeten Bilder betreffen vorwiegend die Mannschaften als Einheit (15,6 %), Grundelemente des Fußballsports wie Sieg und Niederlage (9,4 %), allgemeine Aspekte des Spieles (9,1 %) sowie generelle Aussagen zu Spielern (8,4 %).

            Diese Ergebnisse lassen sich auf drei Hauptgründe zurückführen:

- In den drei untersuchten Zeitungen geht der Schilderung der wichtigsten Spielszenen zumeist ein sehr allgemein gehaltener einleitender Teil voraus, der sich mit den Mannschaften und dem Spiel als Ganzes befaßt.

- Der hohe Anteil der Metaphern im Bereich „Sieg und Niederlage“ ist zum großen Teil auf die schon eingangs erwähnte Auswahl der Pressetexte (Endphase der Saison) zurückzuführen.

- Neben diesen rein faktischen Gegebenheiten spielt der sprachfunktionale Aspekt jedoch eine gewichtige Rolle: Metaphern werden in den o.g. Bild-empfängerbereichen verwendet, um grundlegende Elemente und abstrakte Sachverhalte möglichst plastisch und somit für den Leser leicht verständlich und interessant darzustellen.

            Die Resultate der Makroanalyse lassen sich hinsichtlich der Rekurrenz der Bildspenderbereiche auch mikroanalytisch darstellen:

 

 

Bildempfängerbereiche (SCHLÜSSEL) [20]

 

Bildspenderbereiche

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Insg.

Militär- und

Kriegswesen

3

6

9

6

4

-

8

-

1

-

37

Mensch

1

2

13

3

3

-

4

2

1

-

29

Schauspiel/Theater/

Film/TV

8

-

1

3

-

1

-

1

-

1

15

Kunst und Literatur

5

-

-

1

4

-

-

-

1

2

13

Spiel/Glücksspiel/

Kartenspiel

4

-

4

-

-

-

1

4

-

-

13

Technik und

Wissenschaft

3

-

1

4

-

-

1

1

-

-

10

 

Tab. 3: Mikroanalyse Bildspender-Bildempfänger          

 

Aus den Bereichen „Militär- und Kriegswesen“ und „Mensch“ werden zahlreiche Bilder auf die Mannschaft übertragen. Während bei dem ersten Sinnbereich die aufgrund ähnlicher struktureller Grundlagen naheliegende Verknüpfung Kriegspartei-Fußballmannschaft im Vordergrund steht, soll mit den Übertragungen aus dem Bildspenderbereich „Mensch“ die Mannschaft (bzw. ein Mannschaftsteil) als ein mit menschlichen Eigenschaften und Handlungen  ausgestattetes Individuum dargestellt werden.

Die Personifizierung führt einerseits zur leichteren Identifikation des Lesers mit der Mannschaft und dem Verein. Andererseits kann sie auch für stark vereinfachende bzw. verallgemeinernde und somit Verantwortung verschweigende Benennungen verwendet werden. Die folgenden Beispiele illustrieren diese beiden meinungsbildenden Aspekte:

 

(6)   La Juve prende [...] in mano la partita ‘Juve nimmt das Spiel in die Hand’ (GS 29.05. 3), dorme la difesa ‘die Abwehr schläft’ (RE 19.05. 37), Il Verona dà l’addio alla A ‘Verona verabschiedet sich aus der Serie A’ (RE 19.05.42), non ha più nemmeno carattere ‘sie [die Mannschaft von Napoli] hat nicht einmal mehr Charakter’ (RE 12.05. 43).

 

Metaphern aus den Bereichen „Schauspiel/Theater/Film/TV“ und „Kunst und Literatur“ beziehen sich zum größten Teil auf das Spiel und seine Phasen. Dabei werden allgemein bekannte Formen und Elemente von künstlerisch-literarischen Werken zur Charakterisierung (prova generale ‘Generalprobe [letztes Spiel vor UEFA-Cup Endspiel]’ RE 19.05. 37) und Strukturierung (scena ‘Spielszene’ GS 26.05. 10) des Fußballspiels herangezogen.

 

Die bereits in diesem Abschnitt skizzierten Leistungen der Metaphorik in der italienischen Fußballberichterstattung sollen in dem nun folgenden Teil dieser Studie anhand ausgewählter Typen von Metaphern präzisiert werden.

 

 

4.3       Typen und Leistungen von Metaphern

 

Das Wesen der Metapher ist bestimmt durch die durch den Kontext determinierte Bedeutungsübertragung (cf. Kap. 2; Weinrich 1976). Nach der Art der Übertragung lassen sich vier Typen von Metaphern bestimmen, deren zahlenmäßige Verteilung im untersuchten Korpus wie folgt aussieht: [21]

 

Rang

Metapherntyp

Anz. abs.

Anz. %

1

Konkretisierende Metaphern

170

53,1

2

Personifizierende Metaphern

77

24,1

3

Dynamisierende Metaphern

68

21,3

4

Sensorisierende Metaphern

5

1,5

Insg.

 

320

100,0

 

Tab. 4: Übertragungsarten

 

Die Leistungen der konkretisierenden Metaphern als rekurrentester Typ [22] sollen anhand der folgenden Korpusbeispiele aufgezeigt werden:

 

(7)   le montagne russe ‘Achterbahn, Unbeständigkeit einer Mannschaft’ (CO 12.05. 39), Il gol [...] è l’apriscatole ‘Das Tor ist der Dosenöffner, die Spielentscheidung zugunsten einer Mannschaft’ (GS 26.05. 12), la sua cassaforte ‘ihr Panzerschrank, sichere Abwehr’ (GS 29.05. 3), il preludio ‘Präludium, Anzeichen‘ (RE 12.05. 42).

 

Mit Hilfe der konkretisierenden Metaphern gelingt es dem Berichterstatter, Begriffe und Sachverhalte präzise wiederzugeben, ohne jedoch verkürzend oder verallgemeinernd zu wirken. Im Vordergrund steht die adäquate, verständliche und somit lesemotivierende Schilderung der Ereignisse. Lediglich vorangestellte Adjektive verleihen den Metaphern dieses Typs auch affirmativen oder wertenden Charakter, wie z.B. bei

 

(8)   il triste capolinea dell’Inter ‘die traurige Endstation von Inter, Endspielniederlage’ (GS 22.05. 3).

 

Auch bei den personifizierenden und dynamisierenden Metaphern steht Veranschaulichung durch den Textproduzenten und leichteres Verständnis seitens des Rezipienten im Mittelpunkt.

            Dynamisierende Metaphern, wie z.B.

 

(9)   rimettendo in pista ‘auf die Siegerstraße zurückbringend’ (Co 12.05. 29), i tifosi juventini esplodono di gioia ’die Juve-Fans explodieren vor Freude’ (GS 29.05.3) und la Juve prende il largo ‘Juve sticht in See, entscheidet das Spiel für sich’ (RE 12.05. 39),

 

übernehmen die Funktion, die Dynamik des Spiels als den besonders für den heutigen Fußball zentralen Aspekt zu vermitteln. Auch spitzen sie die Geschehnisse - häufig übertreibend - zu und bieten so eine Auflockerung der Berichte.

            Wie die bereits angeführten Beispiele zur Anthropomorphisierung zeigen (cf. Kap. 4.2), können personifizierende Metaphern auch unzulässige Vereinfachungen beinhalten. Zudem sind vor allem die folgenden, die Spieler umbenennenden Metaphern dieses Typs wie etwa

 

(10) cerbero ‘Zerberus, Torhüter’ (Co 12.05.28), i „baby“ ‘junge Spieler’ (GS 26.05. 12), controllore ‘Kontrolleur, direkter Gegenspieler’ (RE 19.05. 42) und il piccolo principe ‘der kleine Prinz, Roberto Baggio’ (RE 12.05. 42)

 

semantisch aufwertend bzw. komisch/amüsant-unterhaltend.

            Die selten belegten sensorischen Metaphern werten die Aussage, wobei sie zuspitzend und bisweilen auch ironisierend wirken können, z.B.:

 

(11) passata indietro dolcemente ‘vorsichtig zurückgepaßt’ (RE 19.05. 36).

 

Eine nun noch vorzunehmende Unterscheidung der Metaphern hinsichtlich der Kreativität und des Habitualisierungsgrades verspricht weitere Erkenntnisse zu Funktionen und Wirkungen der Metaphorik.

Da die häufig vorzufindende Klassifizierung in kreative (lebendige), konventionelle und lexikalisierte (tote) Metaphern (cf. z.B. Ickler 1993:96; Reger 1979:261) allerdings stark von dem Sprachbewußtsein und von der Sprachkenntnis des Rezipienten abhängt und diese Klassen zudem fließende Übergänge aufweisen (ebd.), beschränken wir uns in dieser Studie auf die von Gil (1998:274ff.) vorgeschlagene vereinfachende Einteilung in kreative und konventionelle Metaphern, wobei bei den letzteren die relativ objektiven, wenn auch durchaus problematischen Kriterien der Lexikalisierung und hohen Rekurrenz herangezogen werden [23] .

Die Korpusanalyse ergab die folgende Verteilung [24] :

 

Metaphernart

Anz. abs.

Anz. %

Kreative Metaphern

133

41,6

Konventionelle Metaphern

187

58,4

Insg.

320

100,0

 

Tab. 5: Kreativität und Habitualisierung

 

Die relative Häufigkeit der kreativen Metaphern mit neuen und somit überraschenden Bildern zeigt bereits das offenkundige Bestreben der Berichterstatter, die Schilderung der im Prinzip immer wiederkehrenden Situationen möglichst interessant und unterhaltend zu gestalten. Den qualitativen Aspekt der Bildhaftigkeit kreativer Metaphern illustrieren eindrucksvoll die folgenden, ausgewählten Korpusbeispiele:

 

(12) Ferrara prende l’ascensore ‘Ferrara nimmt den Aufzug, steigt zum Kopfball hoch’ (RE 12.05. 39), una di queste amnesie ‘eine von diesen Gedächtnisschwächen, Abwehrfehlern’ (CO 12.05. 30), la cavatina di ‘der Sologesang von, das Solo von’ (RE 12.05. 39), due tennista di domenica contro Sampras e Becker ‘zwei Hobby-Tennisspieler gegen Sampras und Becker, zwei eindeutig unterlegene Manndecker gegen zwei sehr gute Stürmer’ (GS 26.05. 7).

 

Da konventionelle Metaphern dem Leser aufgrund des hohen Habitualisierungsgrades weniger auffallen und somit auch weniger reflektiert werden, eignet sich dieser Typ grundsätzlich dazu, Interessen und Meinungen der Reporter bzw. der Zeitung in verkleideter Form weiterzugeben. In den zugrunde liegenden Spielberichten geschieht dies vor allem bei den Spielen auf internationaler Ebene: Die dort übliche Parteinahme für italienische Mannschaften wird angedeutet durch Metaphern, welche die Sichtweise des Reporters erkennen lassen, wie z.B.

 

(13) la prima mazzata ‘der erste Schlag, Tor gegen Juve’ (RE 29.05. 42) und i tedeschi strappano la Coppa alla Juve ‘die Deutschen entreißen Juve den Cup’ (CO 29.05. 1). 

 

Ein bisher in der Fachliteratur kaum berücksichtigter Aspekt, der hier lediglich exemplarisch vorgestellt werden soll, ist das Zusammenspiel der Metaphorik mit weiteren sprachlichen Elementen.

Wie bereits in diesem Kapitel angedeutet wurde, können vorangestellte Adjektive den metaphorischen Ausdrücken wertenden Charakter verleihen. Ebenfalls können sie hyperbolische Bilder weiter verstärken:

 

(14) autentiche autostrade ‘echte Autobahnen, weite Räume’ (RE 19.05. 40), un vero e proprio ciclone ‘ein wahrhaft regelrechter Wirbelsturm, Kauf/Verkauf mehrerer Spieler’ (CO 12.05. 30) [25] .

 

Besonders auffallend sind Metaphern dort, wo sie als Element eines rhetorischen Stilmittels (z.B. bei Alliterationen) eingesetzt werden:

 

(15) Una zampata di Zamorano ‘ein [erfolgreicher] Torschuß von Zamorano’ (GS 22.05. 1).

 

Die in der Korpusanalyse ermittelten Ergebnisse zum Italienischen bilden im nun folgenden Kapitel die Grundlage für eine übereinzelsprachliche Betrachtung der Metaphorik in der Fußballberichterstattung. Anhand ausgewählter Beispiele aus Presseberichten und TV-Reportagen sollen sprachvergleichende, weitgehend noch zu erforschende Aspekte der Metaphorik skizziert werden.

 

 

5       „Die La-Ola Welle schwappte durch das Rund“ -     Ausgewählte Aspekte zur Internationalität und          Omnipräsenz von Metaphern in und aus der    Fußballsprache

 

Trotz national (und z.T. auch regional) unterschiedlicher Spielauffassungen und Spielsysteme läßt vor allem das international gültige Regelwerk der FIFA (Fédération Internationale de Football Association) den Fußballsport in aller Welt grundsätzlich einheitlich erscheinen. Ist aber auch das Sprechen mit Bildern über das weitgehend „genormte“ Spiel ebenso homogen? Ein Vergleich der zuvor referierten Ergebnisse mit denen der Studie von Gil (1998) soll grundlegende Aspekte dieser Fragestellung für den südwesteuropäischen Sprachraum beantworten [26] . Zudem sollen unter Berücksichtigung der deutschen Fußballberichterstattung Perspektiven der ‘Eurometaphorik’ dargelegt werden.

            Ein Sprachenvergleich des Italienischen mit dem Spanischen, Französischen und Katalanischen ergibt eine weitgehende Konvergenz der Bildspender- und Bildempfängerbereiche [27] .

Hinsichtlich Kreativität und Isotopiebildung der Metaphern weichen die für das Italienische ermittelten Werte nur unerheblich von denen des Spanischen ab.

Generell läßt sich sagen, daß sich diese romanischen Sprachen weitgehend gemeinsamer, wenn auch unterschiedlich rekurrenter types bedienen. Hinsichtlich der tokens ist jedoch - abgesehen von international verbreiteten und durchweg konventionellen Metaphern, welche zumeist die Grundstruktur des Spiels erfassen - eher von einer sprachspezifischen Verwendung auszugehen (cf. auch Gil 1998:282).

            Als ein spezielles Phänomen der Eurometaphorik, die - wie zuvor angedeutet  wurde - für die Sprache(n) der Fußballberichterstattung nur in beschränktem Maße zutrifft,  kann die Bildung von Metaphern durch lexikalische Entlehnung angesehen werden.

In einem Vergleich der italienischen und deutschen Fußballsprache stößt man auf folgende Belege:

 

-Italienisch > Deutsch: catenaccio ‘Abwehrriegel, Abwehrtaktik’,

-Deutsch > Italienisch: il bomber ‘Torschütze, torgefährlicher Spieler’, il bunker ‘sehr defensive Abwehrtaktik’, il panzer ‘robuster Spieler mit Durchsetzungsvermögen’.

 

Im Gegensatz zu Bunker und Panzer ist Bomber durchaus auch in deutschsprachigen Fußballberichten geläufig. Wähend panzer in italienischen Berichten hauptsächlich auf deutsche Spieler bezogen verwendet wird (cf. De Fiore u.a.  1990:91), wird catenaccio in deutschen Texten fast ausschließlich für die Beschreibung des Abwehrverhaltens italienischer Mannschaften herangezogen [28] .

Was die Verbreitung lexikalisch entlehnter Metaphern in den europäischen Sprachen betrifft, so ist auch hier die Sonderstellung des Englischen hervorzuheben [29] . Eine in den europäischen Kultursprachen verbreitete Metapher stammt jedoch aus dem Spanischen: Span. la ola als das wellenähnliche Auf und Ab der Zuschauer auf den Rängen konnte zumindest für das Italienische und Deutsche belegt werden [30] . Die Verbreitung des Phänomens [31] umfaßte hier auch gleichzeitig das in dem Ursprungsland zu dessen Bezeichnung verwendete Bild.

Wenn auch lexikalische Entlehnungen sowie Lehnprägungen durchaus häufig ermittelt werden konnten, bringt die Übersetzung von Bildern der Fußballsprache erhebliche, auch für andere Bereiche immer wieder betonte Probleme mit sich [32] . Diese zeigen sich beispielsweise eindrucksvoll bei den internationalen Pressestimmen in den deutschen Tageszeitungen [33] .

Lösungen für die Übersetzungsproblematik bei Fußballmetaphern können aber  wohl erst dann erfolgversprechend angegangen werden, wenn auf der Grundlage umfangreicher Korpora das Wesen und die Leistungen der Metaphorik allgemein sowie in der jeweiligen Textsorte (hier: Fußballberichte) für Ausgangs- und Zielsprache bestimmt worden sind. Dabei werden gewiß Paralleltexte (z.B. mehrere italienische und deutsche Spielberichte zu einem bestimmten Spiel) behilflich sein.

            Die Metaphorik der Fußballsprache stellt allerdings nicht nur ein international verbreitetes und somit für den Sprachvergleich interessantes Phänomen dar, sondern ist auch innerhalb einer Sprache omnipräsent. Der Massensport Fußball ist ein zumindest im Profibereich durch die Massenmedien bestimmter Sport geworden. Die stets zunehmende Anzahl der Fußballspiele auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene geht einher mit der stetigen Zunahme der Live-Übertragungen, Fußballsendungen,  Berichterstattungen in der Tages- und Sportpresse sowie mit der damit verbundenen enormen Produktion und Rezeption fußballsprachlicher Texte [34] . Der Zuschauer bzw. Leser wird sich bei der stets wachsenden Anzahl der konkurrierenden Anbieter vor allem für das Medium entscheiden, das die Fußballberichte möglichst interessant und unterhaltsam gestaltet, wobei - so wurde hier für die italienische Sportpresse gezeigt - den Berichterstattern die Bildhaftigkeit der Sprache als ein bedeutendes Mittel  der Unterhaltung zur Verfügung steht.

Daß die ständige Präsenz der Sprache der Fußballberichterstattung nicht spurlos an der jeweiligen (Gemein-)Sprache vorbeigeht, sieht man u.a. an der hohen Frequenz von Bildern, die, aus der Fußballsprache kommend, in andere Bereiche übertragen wurden. Im Deutschen kann eine Lösung eines politischen Problems als Befreiungsschlag (WDR Hörfunk, 20.05.97) und  die Einführung des EURO als ein Steilpass in das nächste Jahrhundert (Westfälische Rundschau, 18.04.97) bezeichnet werden. Im Italienischen findet sich die Fußballterminologie vor allem im Bereich der Werbung wieder: So wird z.B. das zur Abdichtung von Balkonen und Terassen verwendbare Produkt PLASTIVO der Firma VOLTECO als squadra antiacqua (GS 10.04. 32) angepriesen [35] .

 

 

6       Ergebnisse und Forschungsperspektiven

 

Metaphern beschreiben den Fußballsport als Kampf- und Glücksspiel. Sie vermitteln gegenläufig erscheinende Phänomene dieses Massen(medien)sports: Einerseits wird die Mannschaft und nicht der einzelne Mensch (Spieler) in den Mittelpunkt gestellt, andererseits werden dem Team wiederum menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten zugesprochen, die Leistungen einzelner Spieler aber werden mechanisiert dargestellt.

Aus kognitiv-kommunikativer Sicht kann für die Metaphorik in der italienischen Fußballberichterstattung von einer Multifunktionalität gesprochen werden. Metaphern stellen die Geschehnisse auf dem Platz präzise, leicht verständlich und somit lesemotivierend dar. Sie können jedoch auch Information verschleiern und Komplexität und Verantwortung verschweigen. Die große Anzahl an kreativen Metaphern aus verschiedensten Bildspenderbereichen betont den hohen Unterhaltungswert der metaphorischen Ausdrücke. Auch soll nochmals auf die Textfunktion (Bildung von Isotopien) sowie auf die sprachökonomische Dimension aufmerksam gemacht werden.

Der Blick über die Grenze des Italienischen hinaus legt zentrale Perspektiven für die moderne Metaphernforschung offen. Auf der Grundlage einzelsprachlicher Analysen versprechen sprachvergleichende, vor allem auch soziokulturelle Aspekte der Metaphernverwendung berücksichtigende Studien wichtige Erkenntnisse zu Wesen und Leistungen dieses sprachlichen Phänomens, dessen Vielschichtigkeit hier anhand italienischer Fußballberichte aufgezeigt werden sollte. Für diese Textsorte ist die Metapher das, was die Tore für das Fußballspiel sind, nämlich: Das Salz in der Suppe.

 

 

7       Bibliographie

7.1       Korpus

 

CO = Corriere della Sera (Ausgaben vom 12.05.97 und 29.05.97).

 

GS = La Gazetta dello Sport (Ausgaben vom 22.05.97, 26.05.97 und 29.05.97).

 

RE = La Repubblica (Ausgaben vom 12.05.97, 19.05.97, 22.05.97 und

29.05.97).

 

 

7.2       Sekundärliteratur (in Auswahl)

 

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ZINGARELLI = Dogliotti, Miro/Rosiello, Luigi (edd.) (121996), Vocabolario della Lingua Italiana di Nicola Zingarelli, Bologna.

 

 

8          Anhang: Tabelle

 

Rang

Bildspenderbereich

Anz. abs.

Anz. %

1

Militär- und Kriegswesen

37

11,6

2

Mensch

29

9,1

3

Schauspiel/Theater/Film/TV

15

4,7

4

Spiel/Glücksspiel/Kartenspiel

12

3,8

5

Kunst und Literatur

11

3,4

6

Technik und Wissenschaft

10

3,1

7

Geometrie

9

2,8

8

Medizin und Gesundheit

8

2,5

 

Wirtschaft/Handel/Geschäfts-welt

8

2,5

10

Geräte und Behälter

7

2,2

 

Handwerk

7

2,2

 

Haus und Gebäude

7

2,2

 

Landwirtschaft und Natur

7

2,2

 

Tierwelt

7

2,2

15

Jagd und Waffen

6

1,9

 

Leben und Tod

6

1,9

 

Rechtswesen

6

1,9

 

Reise und Verkehr (allgemein)

6

1,9

 

Religion

6

1,9

 

Sprache

6

1,9

 

Wetter

6

1,9

22

Arbeitswelt

5

1,6

 

Boxsport

5

1,6

 

Elektronik

5

1,6

 

Musik und Tanz

5

1,6

 

Regierung

5

1,6

 

Weg

5

1,6

28

Denkmal und Monument

4

1,3

 

Gewalt/Katastrophe/Unglück

4

1,3

 

Mythologie/Fabel/Zauberei

4

1,3

 

Schiffahrt

4

1,3

 

Wasser

4

1,3

33

Auto

3

0,9

 

Bahn

3

0,9

 

Geschenk

3

0,9

 

Küche und Essen

3

0,9

 

Pyrotechnik

3

0,9

 

Schloß und Sicherheit

3

0,9

 

Schmuck

3

0,9

40

Eishockey

2

0,6

 

Farben

2

0,6

 

Feuer und Licht

2

0,6

 

Fischerei

2

0,6

 

Geschichte

2

0,6

 

Kunst

2

0,6

 

Luftfahrt

2

0,6

 

Pferdesport

2

0,6

 

Schule

2

0,6

 

Sport (allgemein)

2

0,6

 

Tennis

2

0,6

51

Astronomie

1

0,3

 

Billiard

1

0,3

 

Geographie

1

0,3

 

Kleidung

1

0,3

 

Leichtathletik

1

0,3

 

Mathematik

1

0,3

 

Mineralogie

1

0,3

 

Politik

1

0,3

 

Schach

1

0,3

 

Skisport

1

0,3

 

Zeit

1

0,3

Insg.

61 Bereiche

320

-

 

Tabelle 1b: Bildspenderbereiche (1-61)

 

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[1] Cf. Devoto (1939:17): „persone malinconicamente deploranti lo sciupio di carta e di aggettivi“.

[2] Die folgenden Zahlen belegen diese Tatsache: Die Gazzetta dello Sport ist als reine Sporttageszeitung die italienische Tageszeitung mit der drittgrößten Auflage (cf. Brütting 1995:774). Dem Champions-League Endspiel zwischen Juventus Turin und Borussia Dortmund am 28.05.97 widmet sie am 27.05.97 insgesamt 3,5 Seiten und am 29.05.97 sogar 5,5 Seiten (Werbung jeweils abgezogen).

Die hohen Auflagen der italienischen Zeitungen sowie die ausgiebige Berichterstattung der  Medien widerlegen eindeutig die von Angelo Stella (1973:147) aufgestellte Prognose: „Oggi (1971) il baccano sportivo - in singolare contrasto con approssimazioni e silenzi su altri argomenti - ha toccato limiti di assordamento esperante: più che sperabile, una riduzione di volume è certa.“

[3] Es sei darauf hingewiesen, daß die hier vorgestellten Leistungen sowie die in diesem Kapitel angeführten Dimensionen und Typen nur jene Teilaspekte der Metaphorik abdecken, die für diese pressesprachliche Untersuchung als relevant erachtet wurden und in der Korpusanalyse untersucht werden.

[4] Inhaltliche Verkürzung und Vereinfachung (cf. Reger 1979:275) kann jedoch auch zu Ungenauigkeit oder Oberflächlichkeit führen und somit - häufig bewußt - zur Meinungsbildung herangezogen werden (cf. Schmitt 1994:510).

[5] Die der Fachliteratur entnommenen Charakteristika konnten tendenziell bei einer stichprobenartigen Kontrolle der zugrunde liegenden Zeitungstexte bestätigt werden.

[6] Cf. hierzu u.a. Devoto (1939:18ff.), Stella (1973:141ff.), Schweickard (1987:62ff). Der Einfluß aus dem Englischen beruht auf den Tatsachen, daß England der Ausgangspunkt der Verbreitung des Fußballsports in Europa ist und das Englische nicht nur, aber vor allem im Sport als internationale Verkehrssprache dient (Schweickard 1987:168). Dieser Einfluß könnte sich in den kommenden Jahren weiter verstärken, da der englische Fußball mittlerweile wieder in Europa einen äußerst hohen Stellenwert genießt. Dagegen könnte jedoch sprechen, daß der sprachliche Einfluß des Italienischen auf andere europäische Sprachen während der großen Zeit des italienischen Fußballs in den 80er Jahren sehr gering war. Lediglich der berühmte italienische Abwehrriegel catenaccio sowie tifosi als Bezeichnung für die Fans finden sich beispielsweise in der deutschsprachigen Berichterstattung wieder.

[7] Zu einzelnen Technizismen und zur Terminologie cf. Devoto (1939), Graziuso (1973 a, b), Marri (1983), De Fiore u.a. (1990).

[8] So verwundert es auch nicht, wenn bei Schweickard (1987:127ff.) die Metaphorik als Unterpunkt zum Kapitel "Stilistische Besonderheiten der «cronaca calcistica»" abgehandelt wird.

[9] Schmitt (1988:114) betont ebenfalls diesen sprachökonomischen Aspekt der Metaphern, wenn er feststellt, daß durch ihre Vewendung die Produktion unmotivierter Zeichen entscheidend eingegrenzt wird.

[10] Schweickard (1987:147ff.) spricht von Herkunftsbereichen und führt neben dem Militärwesen die folgenden Hauptbereiche an, die er ohne Aussagen zu deren  Frequenz mit Beispielen belegt: Andere Sportarten und Spiele; Theater, Film, Artistik, Musik und Tanz; Technik, Verkehr und Kommunikation.  

[11] Stella (1973:147ff.) hebt die Präferenzen einzelner Berichterstatter hinsichtlich bestimmer Bildspenderbereiche hervor.

[12] Es handelt sich dabei um die allgemeinen Tageszeitungen Corriere della Sera (CO) und La Repubblica  (RE) sowie um die Sporttageszeitung La Gazzetta dello Sport (GS). Die im einzelnen untersuchten Ausgaben sind im bibliographischen Teil dieser Studie aufgelistet.

[13] Tab. 1a zeigt lediglich die ersten zwanzig Ränge der Bildspenderbereiche. Die Anzahl der unter „sonstige Bildspenderbereiche“ subsumierten Sinnbereiche beläuft sich auf 40 (cf. Anhang, Tab. 1b).

[14] Da der metaphorische Gehalt eines Ausdrucks graduell ist und von mehreren Faktoren bestimmt wird, sollen die in dieser Studie dargelegten statistischen Angaben zur Rekurrenz bestimmter Metapherntypen lediglich als ein erster, rein quantitativer Anhaltspunkt verstanden werden (cf. auch Weydt 1988:304).

[15] (GS 29.95. 3): La Gazzetta dello Sport vom 29.05.97, Seite 3.

[16] Weitere Ausführungen und Beispiele zur Anthropomorphisierung cf . Kap. 4.3.

[17] Mit protagonista wird auch eine überragende Mannschaft (GS 26.05. 11) bezeichnet.

[18] Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß harte Kritiken und persönliche Schuldzuweisungen dennoch überaus häufig in der italienischen Sportpresse zu finden sind.

[19] Cf. die angeführten Korpusbeispiele: Bei der Aufstellung einer Mannschaft (hier sehr reduzierend als ‘Kartenmischen’ bezeichnet) spielen Aspekte wie z.B. Fitness und Form der Spieler, Spielsystem des Gegners, eigene Taktik und Zielsetzung etc. eine entscheidende Rolle.

Auch ist das Elfmeterschießen wesentlich realistischer als eine ‘Lotterie’: trainierbare Fähigkeiten von Schütze und Torwart (z.B. Balltechnik/Schußgenauigkeit u. Konzentrationsfähigkeit des Schützen sowie Reaktionsfähigkeit des Torwarts) minimieren die zur stets wiederholten Stereotype gewordene Glücks- oder Zufallskomponente des Elfmeterschießens doch erheblich.

[20] Zur Aufschlüsselung cf. Tab 2, Spalte 1.

[21] Zur Definition der einzelnen Typen cf. Reger (1973:262ff.)

[22] Auch Reger (1973:264) betont die hohe Rekurrenz dieses Metapherntyps in der Pressesprache und insbesondere in der Sportberichterstattung.

[23] Auf die Problematik der Lexikalisierung von Metaphern macht insbesondere Schmitt (1995:321) aufmerksam.

[24] Als Kriterien wurden die Hinweise zur möglichen figurativen Verwendung der Korpusbelege im relativ aktuellen Wörterbuch LO ZINGARELLI (121996) herangezogen.

[25] Eine Abschwächung von hyperbolischen Bildern liegt vor bei la mini-revoluzione ‘Mini-Revolution, Einwechslung von drei Spielern‘ (CO 12.05. 30) und la sua piccola guerra ‘seine kleine Auseinandersetzung’ (RE 19.05. 41).

[26] Da die vorliegende Studie sowie auch jene von Gil auf einem recht begrenzten Korpusmaterial basiert, können die folgenden Ergebnisse lediglich als vorläufig angesehen werden.

[27] Bildspender- und Bildempfängerbereiche unterscheiden sich in diesen Sprachen lediglich hinsichtlich ihrer Rekurrenz.

[28] Cf. auch die sehr verbreiteten Metaphern Abwehrriegel, Abwehrkette, die das gleiche Bild wie itl. catenaccio vermitteln.

[29] Cf. z.B. derby und k