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Folgender Text ist die überarbeitete Fassung eines auf dem Romanistentag 1997 in Jena gehaltenen Vortrags. Die Druckfassung ist erschienen unter: Polzin, Claudia: Metaphernfreundliche Textproduzenten - metaphernfeindliche Lexikographen? Zur Problematik metaphorisch gebrauchter Wortgebildetheiten, untersucht am Sprachenpaar Spanisch-Deutsch", in: GIL, Alberto/SCHMITT, Christian (Hgg.): Kognitive und kommunikative Dimensionen der Metaphorik in den romanischen Sprachen. Akten der gleichnamigen Sektion des XXV. Deutschen Romanistentages, Jena (28.9.-2.10.1997), Bonn 1998, 233-259.

 

METAPHERNFREUNDLICHE TEXTPRODUZENTEN -

METAPHERNFEINDLICHE LEXIKOGRAPHEN?

Zur Problematik metaphorisch gebrauchter Wortgebildetheiten,

untersucht am Sprachenpaar Spanisch-Deutsch

 

(Claudia Polzin, Bonn)

 

 

1          Einführung

 

Die zahlreichen Formen und Funktionen der Metaphorik sind besonders in den letzten Jahren für viele Sprachbereiche bzw. Textsorten untersucht worden [1] . Bei den Analysen stehen im allgemeinen lexikalische und syntaktische Aspekte im Vordergrund; es geht, sehr verkürzt gesagt, um die Fragen ‘Welche Lexeme werden mit welchem Effekt metaphorisch gebraucht?’ bzw. ‘Wie konstituieren sich auf Satzebene Äußerungen, die als metaphorisch aufzufassen sind?’. Im Zusammenhang hiermit liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Analyse der Bildspender- und Bildempfänger-Regularitäten.

            Zugleich hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, daß Metaphern ein Phänomen sind, das die gesamte Sprache durchzieht (vgl. z.B. Lakoff/Johnson 1980; Dirven/Paprotté 1985: viii [2] ), das also auf allen Ebenen der Sprache wirksam ist. Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf den bisher insgesamt weniger bearbeiteten letztgenannten Bereich. Zwei Hauptfragen sollen beantwortet werden:

* Wie lassen sich metaphorische Prozesse als ‘ubiquitäre’ Erscheinungen auf der Ebene der Wortbildung nachweisen, und welche Funktionen erbringen metaphorische Wortgebildetheiten in der Kommunikation?

* Handelt es sich hierbei um ein primär einzelsprachlich gebundenes Prinzip oder bestehen übereinzelsprachliche Regelmäßigkeiten? [3] In welcher Form lassen sich zwischensprachliche Relationen am besten beschreiben? Dies beinhaltet auch die Frage nach den Aufgaben der zweisprachigen Lexikographie.

Hierzu wird, nach einigen allgemeinen Ausführungen zur kognitiv-kommunikativen Dimension der Metapher (Kap.2), zunächst die sog. ‘Kompositionsmetapher’ einer genaueren Betrachtung unterzogen. Dabei soll insbesondere anhand von Beispielen die Frage nach der charakteristischen Art und Weise geklärt werden, in der sich der metaphorische Prozeß auf dieser Ebene der Sprache entfaltet (Kap.3). In der sich hieran anschließenden Analyse geht es darum, zwischensprachliche Relationen aufzudecken, die exemplarisch den Metapherngebrauch in den verglichenen Sprachen verdeutlichen sollen. Auf dieser Grundlage können erste Schlußfolgerungen für die Behandlung dieser Metaphern in der zweisprachigen Lexikographie gezogen werden (Kap.4). Die Untersuchung bezieht sich zunächst auf das Spanische; auf der Grundlage ähnlicher Untersuchungen für weitere romanische Sprachen könnte so auf lange Sicht ebenso ein deutsch-romanischer wie auch ein innerromanischer Sprachvergleich ermöglicht werden.

 

 

2          Metaphern als kognitiv-kommunikative Phänomene

 

Geht man der Frage des Metaphern gebrauchs nach, ist eine Metapher weder als (impliziter oder verkürzter) Vergleich noch als reine Substitutionserscheinung hinreichend beschrieben. “[...]Metaphern bilden, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewußt sind, den Hintergrund, den Bildungshintergrund unseres Handelns [...]” (Buchholz 1993: 7); sie sind damit weit mehr als “fröhliche Wortspielerei” (Richards 1936/1983: 32). Will man also den vielfältigen Leistungen und Funktionen von Metaphern im sprachlichen Handeln gerecht werden, so scheint der interaktionistische Ansatz der geeignete Hintergrund: Entscheidend ist, daß hier keine statische Erscheinung, sondern vielmehr ein Prozeß vorliegt, der dadurch angeregt wird, daß zwischen zwei verschiedenen Konzepten eine Relation konstruiert wird.

            Dieser dynamische Aspekt zeigt sich bereits in den früheren Arbeiten, die der Interaktionstheorie zugeordnet werden können. Richards z.B. spricht von einer “Transaktion zwischen Kontexten” (1936/1983: 35), Black (1955: 288) [4] seinerseits verwendet das Bild eines Projektionsvorgangs von einem “principal subject” auf ein “subsidiary subject”, und letztlich beinhaltet auch Weinrichs bekannte Charakterisierung der Metapher als “Konterdetermination” (1976: 320) [5] dieses prozeßhafte Element. Werden die verschiedenen kommunikativen Definitionsansätze unter dem Aspekt dieses ‘gemeinsamen Nenners’ betrachtet, so zeigt sich, daß hier keineswegs ein Ausschlußverhältnis besteht, sondern daß für eine funktional orientierte Fragestellung durchaus mehrere Ansätze genutzt werden können, ja sogar sollten.

            Die Bestimmung von Metaphern als ‘konterdeterminierte Phänomene’ impliziert einen weiteren in diesem Zusammenhang wichtigen Faktor: den Kontext. Grundsätzlich handelt es sich hier nicht um feste Eigenschaften der betreffenden Ausdrücke, sondern um eine Verwendungsfunktion in einer konkreten Situation sprachlichen Handelns (Nieraad 1977: 74, Kurz 31993: 13). Es geht also nicht um das Aufdecken von langue-Merkmalen sprachlicher Zeichen, sondern um ihr parole-Potential, um die Möglichkeit, sie innerhalb eines spezifischen Ko(n)texts in einer von ihrem regelmäßigen Gebrauch abweichenden Weise zu verwenden. Diese semantische Abweichung muß allerdings für den Rezipienten erkennbar bleiben, d.h. es muß sich um eine “sinnvolle und aufschlußreiche Abweichung” (Kurz 31993: 14) handeln. Eine gewisse Transparenz ist also wichtig; der Rezipient benötigt grundsätzlich einen Ansatzpunkt, an dem sein Verstehensprozeß beginnen kann. Metaphern ohne eine solche “Auflösungsanweisung” (Drosdowski 1979: 87) werden häufig als ‘tote’Metaphern bezeichnet [6] .

            In diesem Prozeß findet zugleich eine Zuschreibung statt; einem Objekt werden die Eigenschaften eines anderen zugeschrieben oder, wie Black (1955: 286-288) es metaphorisch ausdrückt, es findet eine ‘Projektion’ der Eigenschaften statt.  Lakoff/Johnson (1980: 5) formulieren noch pointierter, daß “the essence of metaphor is understanding and experiencing one kind of thing in terms of another”. Jeder Metapher liegt also eine Prädikationsstruktur zugrunde; zwei Elemente, oder, allgemeiner formuliert, zwei Konzepte, werden dadurch zusammengebracht, daß ein Teil der Eigenschaften des einen auf das andere bezogen wird (Strauß 1991: 133f.). Dabei müssen jedoch beide Bereiche noch erkennbar bleiben, je nach Art der Metapher (vgl. unten Kap.3) allerdings unterschiedlich stark.

            Insgesamt dürfte hiermit deutlich geworden sein, daß die (vermeintlich) verschiedenen Ansätze der Metapherndefinition in durchaus fruchtbarer Weise miteinander verbunden werden können, wenn sie unter dem Gesichtspunkt des Prozesses betrachtet werden, der bei metaphorischer Kommunikation stattfindet. Metaphern gelten damit im vorliegenden Beitrag als Prädikationen, die zustande kommen, wenn in einem bestimmten Kontext eine für den Rezipienten sinntragende Abweichungvom “dominanten, prototypischen Gebrauch eines Wortes” (Kurz 31993: 17) stattfindet, d.h. eine auf der Gebrauchsnorm beruhende Erwartung  konterdeterminiert wird.

            Für die kognitiven Aspekte dieses Phänomens ist insbesondere die Arbeit von Lakoff/Johnson (1980) [7] wegweisend. Metaphern stellen danach kein rein sprachliches Phänomen dar, sondern umfassen auch menschliches Denken und Handeln, da sie schon in der menschlichen Wahrnehmung verwurzelt sind (1980: 5-7). Besonders nicht-gegenständliche Erscheinungen sind nur metaphorisch ‘faßbar’; der Mensch strukturiert sie nach dem Muster seiner eigenen Beschaffenheit, z.B. mit Prinzipien der räumlichen Erfahrung aus der Körperbewegung oder -haltung (1980: 34). Burkhardt (1987: 52) faßt dies treffend zusammen:

 

“Wir projizieren unsere nicht zuletzt sprachlich überlieferte Lebens- und Erfahrungswelt modellhaft in die von der Natur für unsere Wahrnehmung und Erkenntnis eigentlich nicht vorgesehenen Bereiche und denken uns so das Unvertraute im Sinne des uns Vertrauten.”

 

Diese grundlegende Funktion metaphorischen Sprachgebrauchs nennt de Knop (1987: 13) die ‘Identitätsprädikation’: Indem einem Referenten X die Eigenschaften von Y zugeschrieben werden, wird X in einer spezifischen Art und Weise gekennzeichnet, nämlich anhand der Merkmale, die gemeinhin mit der Klasse von Y verknüpft werden [8] . Zwei Objekte oder Konzepte werden also so verbunden, daß sie in irgendeiner Weise als zusammenhängend wahrgenommen werden. Dies kann, wie auch die zahlreichen Arbeiten zu diesem Themenkomplex unterstreichen, je nach Textsorte und Intention des Senders in der Kommunikation unterschiedlich genutzt werden. Metaphern können bekanntermaßen ebenso verständniserleichternd wie verständnishemmend wirken (Brünner 1987: 111), sie können Analogien stiften und damit in fachlichen Zusammenhängen erkenntnissteuernde Funktion übernehmen (Kupsch-Losereit 1987: 209), ihre Leistung kann aber auch in der Realitätsverschleierung bestehen (Köller 1975: 281), was insbesondere in den Massenmedien auch mit manipulativen Absichten genutzt wird (vgl. Schmitt 1988: bes. 124).

            Eine solche Strukturierung eines Konzepts mithilfe eines anderen trägt also dazu bei, eine ganz bestimmte Vorstellung von diesem Konzept  aufzubauen und zu  perpetuieren(Lakoff/Johnson 1980: 4). Gerade die üblicherweise von den neuen oder kreativen Metaphern geschiedenen konventionellen oder lexikalisierten Metaphern (z.B. Kurz 31993: 19, Reger 1977: 261, Ickler 1993: 96) erscheinen so in einem neuen Licht: Es handelt sich um “eingeübte Denkmuster” (Gil: im Druck), die als so selbstverständlich gelten, daß sie gar nicht mehr hinterfragt werden. Gerade deshalb können sie das alltägliche Denken und (sprachliche) Handeln entscheidend prägen. Ihre nachhaltige Wirkung beruht nicht zuletzt darauf, daß die Vorstellungen und die konnotativen Werte, die sie transportieren, meist ungefragt übernommen werden (Pielenz 1993: 115, Gil: im Druck; vgl. auch oben FN 6).

            Dieses konstitutive Prinzip läßt sich auch in kondensierten deutschen Metaphern auf Wortbildungsebene nachweisen [9] .

 

3          Metaphorische Prädikationen auf Wortbildungsebene

3.1       ‘Grenzüberschreitungen’ auf syntagmainterner und syntagmaexterner Ebene

 

Metaphernbildung und -funktion in diesem sprachlichen Teilbereich sind bisher verhältnismäßig selten untersucht worden; einzelne Bemerkungen hierzu finden sich meist innerhalb größerer Zusammenhänge (z.B. Burkhardt 1987: 57f., vgl. hierzu Ickler 1993: 98f.; Müller 1982: 168f.; de Knop 1987: 42-46; Köller 1977: 177f.; ausführlicher  jedoch Oksaar 1971) [10] .

            Grundsätzlich gelten die obigen Ausführungen zum Wesen und zu den Funktionen metaphorischen sprachlichen Handelns auch für die Wortbildungsmetapher [11] . Als metaphorische Wortgebildetheit gilt dabei in Anlehnung an Strauß (1991: 138) in diesem Beitrag jede Wortgebildetheit mit mindestens einer metaphorisch gebrauchten Konstituente. Hierzu zunächst einige Beispiele:

 

(1)        In Zusammenarbeit mit polnischen Architekten, deren Pläne beigelegt seien, wolle man die Region behutsam erschließen und nur dort, wo die Landwirtschaft ohnehin keine Zukunft habe, den umweltfreundlichen Golfsport fördern [...]. (U-D: 233f.) [12]

(2)        Explorer-Jeans [...]. Trägt sich super und ist hautfreundlich [...]. (QU-D: 6)

(3)        Jersey-Kleid [...]. Figurfreundlich geschnitten mit Wiener Nähten. (QU-D: 41)

(4)        Kniestrümpfe und Söckchen [...]; strapazierfähig und fußfreundlich. (QU-D: 409)

(5)        Die Richter hielten sich beinahe ausschließlich an die Papiere und zerstörten mit ihren brutalen geistlosen und völlig gefühllosen, ja geistfeindlichen und gefühlsfeindlichen Gesetzen den Menschen, der ihnen vorgeführt wurde. (KE-D: 17)

(6)        Elastic-Spannbettücher. Fein-Frottier. [...]. Fühlbar hautsympathisch. (QU-D: 864)

(7)        “Zufuß [sic] zwischen Radfahrern, die sich in Haltung, Kleidung unendlich wiederholen, mitten im Radfahrerdschungel von Shanghai [...].” (K-D: 5)

 

Allen Beispielen ist gemein, daß die zweite Konstituente eine metaphorische Funktion übernimmt. Diese wird deutlich, wenn man, wie dies z.B. Köller (1975: 172) vertritt, eine Explizierung der in der Metapher implizit vorliegenden Prädikation versucht. Man erhält etwa

 

(1a)      *Der Golfsport ist zu der Umwelt freundlich.

(2a)        *Die Jeans ist zu der Haut freundlich.

(6a)      *Die Spannbettücher sind der Haut sympathisch.

(7a)      *Die Radfahrer sind ein/bilden einen Dschungel.

 

Daraus ist zu schließen, daß es einen Unterschied geben muß zwischen freundlich und ‑freundlich, zwischen Dschungel und -dschungel, zwischen sympathisch und -sympathisch etc., also zwischen der freien und der in der Wortgebildetheit gebundenen Variante. Dieser Unterschied läßt sich zunächst beschreiben als eine ‘Kollokationserweiterung’, d.h. die zweite Konstituente tritt mit einer von dem vorherrschenden Gebrauch abweichenden Größe auf, denn z.B.

 

“die Gebrauchsnorm von freundlich setzt einen bestimmten, von der Umgebung (dem Empfänger) als positiv bewerteten Gemütszustand eines Lebewesens voraus. Sie setzt gleichzeitig eine Umgebung (einen Empfänger) voraus, die (der) diesen Zustand als solchen interpretieren kann.” (Oksaar 1971:258)

 

Die metaphorische Verwendung z.B. des Adjektivs freundlich in den obigen Beispielen beruht auf der Erweiterung seines ‘Einsatzbereichs’, auf seiner “Anwendung auf neue Gegebenheiten” (Ickler 1993: 98). Die bestehende ‘Selektionsregel’ (Burkhardt 1987: 49), der zufolge diese Eigenschaft in der Regel menschlichen Bezugsgrößen prädiziert wird, wird verletzt; an den Rezipienten ergeht die Anweisung, eine neue, sinnvolle Relation zu konstruieren (zum konventionalisierten Charakter von -freundlich vgl. aber unten Kap.4.1).

            Neben diesem Prozeß, der das interne Verhältnis zwischen den beiden Konstituenten betrifft, läßt sich in einigen Fällen auch auf wortbildungsexterner Ebene ein “punktueller Konventionsverstoß” (Kurz 31993: 17) feststellen: Auch die Wortgebildetheit als ganze kann, wenn sie (z.B. attributiv) mit nicht-usuellen Bezugsgrößen auftritt, die “konventionelle semantische Kongruenz verletzen” (Oksaar 1971: 256). In den Beispielen (1) - (6) liegen diese ‘Grenzüberschreitungen’ sowohl auf syntagmainterner als auch auf syntagmaexterner Ebene vor; dagegen ist im folgenden Beispiel die syntagmainterne Ebene nicht betroffen:

 

(8)        “Allen drei Projekten ist eins gemein. Sie dienen den Menschen, insbesondere älteren Menschen. Sie sind sozusagen seniorenfreundlich.” (U-D: 58f.).

 

 

3.2       Der metaphorische Prozeß: Selektion und Prädikation

 

Wie läßt sich nun der metaphorische Prozeß genau beschreiben? Es zeigt sich, daß letztlich auch hier auf der Ebene der Wortbildung dieselben Prinzipien wirken, wie sie oben für die Metapher allgemein diskutiert wurden. Untersucht man die Beispiele eingehender, so stellt man fest, daß die ‘semantische Inkongruenz’ bestimmten Regeln folgt: Stets existiert eine Relation zwischen freier und metaphorisch gebrauchter Variante dergestalt, daß in letzterer jeweils ein einzelnes Merkmal oder ein Merkmalskomplex herausgegriffen wird, auf dessen Grundlage die ‘Konterdetermination’ erfolgt. Dies bedeutet, daß das Potential zur Bedeutungsextension des betreffenden Lexems bereits systematisch angelegt ist, jedoch erst ab einem bestimmten Zeitpunkt auf der parole-Ebene mit einer gewissen Regelmäßigkeit aktualisiert wird. Es handelt sich aber nicht um ein völlig neu hinzugefügtes Sem, sondern vielmehr um ein aus der Gesamtbedeutung herausgegriffenes ‘Stück Bedeutung’, das dann zur (metaphorischen) Charakterisierung eines Objekts herangezogen wird. Insgesamt gilt also auch für die hier untersuchten Metaphern das treffende Bild von Black (1955: 286, 291f.) - in der Folge z.B. von Pielenz (1993: 100-104) wieder aufgenommen -, daß die Metapher einen Filter darstellt, der ausgewählte Aspekte des metaphorisch charakterisierten Objekts/Konzepts stärker betont, andere unterdrückt und damit ein bestimmtes Bild von diesem zeichnet. Sind die Metaphern zu größeren Einheiten organisiert, wird diese so entstehende spezifische Perspektive (Brünner 1987: 107) besonders deutlich [13] .

            Dieses Wirkungsprinzip läßt sich exemplarisch veranschaulichen anhand des produktiven deutschen ‘Metaphernfelds’ aus adjektivischen Zweitgliedern [14] , die aus dem Bereich grundlegender menschlicher Eigenschaften bzw. Gefühlsregungen stammen. Neben ‑freundlich, ‑feindlich und ‑sympathisch (vgl. oben die Beispiele 1 - 6) sind dies im wesentlichen Bildungen auf ‑freudig, ‑tüchtig, ‑aktiv, ‑stark und ‑arm. In allen Fällen werden in der metaphorischen Verwendung bestimmte Merkmale oder Merkmalsbündel selektiert und dadurch fokussiert. Als Ursprung oder Anknüpfungspunkt der Übertragung kann dabei sicher ein Anthropomorphisierungsprozeß angesetzt werden. In den Wortbildungsprodukten wird jedoch das Merkmal [+menschlich] weitgehend ausgeblendet [15] ; im Vordergrund steht bei den reihenhaft eingesetzten Zweitgliedern der positive Konnotationseffekt, ihre Hauptleistung kann mit Oksaar (1971: 263) als in meliorative Richtung tendierend gewertet werden. Einen interessanten Fall stellt -arm dar: Eigentlich tendenziell negativ konnotiert (vgl. Du 1: 254 a, b), vermittelt es in metaphorischen Prädikationen die Bedeutung ‘nur wenig’ und transportiert damit zumeist positive Konnotationen; vgl. z.B. ermüdungsarm, vibrationsarm, wartungsarm (Schmitt 1997: 23) oder das folgende Beispiel, das exemplarisch den Gebrauch von -arm in der modernen (Diät-)Nahrungsmittelindustrie verdeutlicht:

 

(9)        [...] - dreimal in der Woche gab es Kartoffelflinsen, die niemand so dünn, so fettarm und dennoch knusprig wie Mutter Truczinski backen konnte - [...]. (BT-D: 144)

 

In diesem Fall ist die semantische Inkongruenz noch deutlicher spürbar.

Festzuhalten bleibt insgesamt, daß das hier exemplarisch vorgestellte ‘Metaphernfeld’ die Beobachtungen von Lakoff/Johnson (1980) bestätigt: Grundlegende menschliche Eigenschaften und Gefühlsregungen werden zur Charakterisierung aktueller Objekte/Gegebenheiten herangezogen. Hierzu werden bestimmte Aspekte aus den bekannten Grundkonzepten selektiert und auf die zu charakterisierenden Größen übertragen. Damit erscheinen diese in einem bestimmten Licht.

 

 

3.3       Konventionalisierte vs. kreative metaphorische Wortgebildetheiten

 

Es ist allgemein üblich, verschiedene “Grade des metaphorischen Effekts” (Kurz 31993: 19; vgl. z.B. auch de Knop 1987: 72) zu unterscheiden. Allerdings ist zum einen davon auszugehen, daß mehr oder weniger breite Übergangszonen zwischen den einzelnen Kategorien bestehen, insgesamt also eher von einem Kontinuum gesprochen werden sollte; zum zweiten muß sicher für Einzelfälle mit abweichenden Beurteilungen durch verschiedene Sprecher gerechnet werden: Was für den einen Sprecher bereits usualisiert ist, mag für einen anderen, der z.B. mit der betreffenden Textsorte weniger vertraut ist, neu und kreativ wirken. Im Bereich der Wortbildung kommt die Problematik hinzu, daß zusätzlich zwischen einem durchaus konventionalisierten Muster und einer neuen, kreativen Wortgebildetheit im Text zu unterscheiden ist. Im vorliegenden Beitrag soll, um einem ‘Kategoriendschungel’ vorzubeugen, daher lediglich eine grobe Unterscheidung zwischen ‘kreativen’ und ‘konventionalisierten’ (Kurz 31993: 19) Metaphernmustern vorgenommen werden; während bei ersteren der metaphorische Prozeß noch deutlicher nachvollzogen werden kann, sind letztere bereits weitgehend im Sprachgebrauch verankert. Als Kriterium kann die Tatsache herangezogen werden, ob im Duden ein Eintrag zur gebundenen Variante vorliegt oder nicht.

 

 

4          Kontrastiv-textuelle Analyse

4.1       Zum Korpus

 

Das Korpus wurde teils aus literarischen Texten, teils aus Werbetexten zusammengestellt [16] ;  die kontrastive Analyse kann sich damit methodisch sowohl auf einen Übersetzungsvergleich als auch auf eine Paralleltextuntersuchung stützen. Insgesamt wurden rund 120 Belege ausgewertet. Diese Zahl ließe sich zwar leicht erhöhen, weil z.B. ‑freundlich in Werbetexten äußerst rekurrent auftritt, doch wurden für die vorliegende Analyse lediglich die unterschiedlichen Konstruktionsmöglichkeiten dieser Bildungen berücksichtigt; quantitative Aspekte bleiben zunächst nachgeordnet. Entsprechend lag auch im Spanischen der Schwerpunkt auf der Vielfalt der Konstruktionen. Die Belege wurden zu größeren Einheiten zusammengefaßt (vgl. oben Kap.3.2) und möglichst einem Oberbegriff zugeordnet. Neben dem bereits erläuterten adjektivischen Bereich wurden drei weitere substantivische Bereiche herausgearbeitet: a) ‘Natur’ (-dschungel, -wüste, -wald, ‑park), b) ‘Technik’ (‑fabrik, ‑maschine) und c) ‘menschliche Gesellschaft’ (Organisation/Hierarchie, soz. Sanktionen; ‑könig, -gefängnis, ‑kerker). Einzelne Belege wurden in der Kategorie ‘Verschiedenes’ zusammengefaßt (z.B. Geistesmüll, KO-D: 84f.; Nordsüdgefälle, K-D: 168).

            Der überwiegende Teil der Belege ist zu den konventionalisierten metaphorischen Wortgebildetheiten zu zählen. Für das oben erörterte ‘Metaphernfeld’ der menschlichen Grundeigenschaften und -empfindungen gilt dies nahezu durchgängig, d.h. im Duden finden sich Einträge zu freundlich wie zu -freundlich, zu feindlich wie zu ‑feindlich etc. Einzig sympathisch und aktiv bilden hier Ausnahmen, wobei im ersten Fall allerdings ein Beispiel für einen übertragenen Gebrauch im Sinne von ‘angenehm’ angegeben ist (Du 7: 3329a, Du 1: 134b u. c). Die Verwendung dieser Elemente in der Wortbildung scheint damit weitgehend usualisiert. Hieraus ist zu schließen, daß nicht der Gebrauch von z.B. ‑freundlich metaphorisch-kreativ ist, sondern eventuelle konkrete neue Wortgebildetheiten. Das Bildungsmuster mit diesen Zweitelementen ist dagegen alles in allem als konventionalisiert einzustufen. Gerade hieraus ergibt sich jedoch, wie oben bei der Diskussion des Konzepts von Lakoff/Johnson verdeutlicht wurde, seine Bedeutung für die Kommunikation und für die Realisierung spezifischer kommunikativer Interessen.

            Die im Korpus nachgewiesenen metaphorisch gebrauchten Zweitglieder, die dem Bereich ‘Natur’ zugeordnet werden können, bieten demgegenüber ein anderes Bild: Der Duden führt weder Dschungel, noch Wüste, noch Wald, noch Park in gebundener Form an (Du 2: 775b, Du 8: 3965c, Du 8: 3833a, Du 5: 2489b). Die Wortbildungsmuster mit diesen Zweitelementen sind offenbar noch nicht so fest im deutschen Wortbildungssystem verankert; sie können damit auf der Grundlage des hier herangezogenen Kriteriums als kreativ bezeichnet werden. Anders als bei den adjektivischen Zweitgliedern entsteht der metaphorische Prozeß hier aktuell über die Selektion eines Merkmalbündels aus dem Gesamtkomplex der Seme des jeweiligen Begriffs. Für Radfahrerdschungel beispielsweise (vgl. oben Bsp.7) können die Merkmale [+undurchdringlich/unübersichtlich] und [+unheimlich/bedrohlich] angesetzt werden.

 

 

4.2       Kontrastive Analyse ausgewählter ‘Metaphernfelder’

 

Die kontrastive Analyse soll nun eine Antwort auf die Frage geben, ob, und wenn ja, in welcher Form auch im Spanischen eine metaphorische bzw. meliorativ-anthropomorphisierende Strukturierung vorliegt. Dabei ist selbstverständlich zu beachten, daß hier die im deutschen System verankerte Möglichkeit, Adjektive in gebundener Form zur Wortbildung zu nutzen, nicht gegeben ist, Eins-zu-Eins-Entsprechungen also nicht erwartet werden dürfen.

            Zunächst soll der adjektivische Bereich betrachtet werden. Das im Deutschen äußerst produktive Feld ‘menschliche Gefühle, Empfindungen, Eigenschaften’ dient besonders in der Werbesprache dazu, die präsentierten Waren in diffuser Weise positiv zu konnotieren, wobei die eigentliche Aussage verschwommen bleibt. Was genau bedeutet etwa hautfreundlich? Diese Charakterisierung eines Kleidungsstücks kann sich ebenso darauf beziehen, daß das Material keine Allergien auslöst, wie auf die Tatsache, daß das Kleidungsstück sich angenehm auf der Haut anfühlt (d.h. nicht ‘kratzt’), daß man darin nicht schwitzt etc. Es kann also kein eigentlicher Aussagenkern festgestellt werden. In den spanischen Paralleltextsegmenten ist eine ähnliche Kommunikationsstrategie belegt:

 

(10)      Hautfreundlich, weil schadstoffgeprüft (QU-D: 51),

Explorer-Jeans [...].Trägt sich super und ist hautfreundlich [...] (QU-D: 6),

Söckchen mit Häkelmuster in hautfreundlicher Qualität (QU-D: 409);

(10-1)  Calidad Quelle Plus (QU-S1: 15; u. passim),

(10-2)  Distinción Quelle Plus por su satén [...] (QU-S1: 18),

(10-3)  [...] que ha merecido la distinción calidad Quelle Plus (QU-S1: 26).

 

Auffällig ist hier die hohe Rekurrenz des Syntagmas ‘distinción (calidad) Quelle Plus’ bzw. ‘Calidad Quelle Plus’, das in einer den deutschen Bildungen vergleichbaren Variationsbreite an verschiedenen Konstruktionen belegt ist. Zwar kann hier nicht von metaphorischem Sprachgebrauch gesprochen werden, doch ist dieses Syntagma, zumal an keiner Stelle genauere Angaben zu den Kriterien für dieses Prädikat gegeben werden, in seiner Aussage ähnlich verschwommen und unbestimmt wie die deutschen metaphorischen Wortgebildetheiten. Ebenso wie diese vermittelt es lediglich einen unscharfen Komplex positiver Eigenschaften, der aber nicht durch im Text genannte Tatsachen gestützt wird. Dies wird auch in den folgenden Beispielen deutlich:

 

(11)      Jersey-Kleid [...]. Figurfreundlich geschnitten [...] (QU-D: 41);

 

(11-1)  Bonita figura con este pantalón elástico [...] (QU-S1: 18),

(11-2)  Tu figura en primer lugar. Jersey con [...] (QU-S1: 26),

(11-3)  Chaqueta larga, para estilizar tu figura (QU-S2: 50),

(11-4)  ¡Se adapta perfectamente a tu cuerpo! (QU-S1: 238),

(11-5)  [...] una forma discreta y cómoda de reducir la línea (QU-S1: 235),

(11-6)  Un largo tan favorecedor ... (QU-S1: 156),

(11-7)  Siempre se adaptan a ti: Falda y pantalón de punto a rayas (QU-S1: 159),

(11-8)  Agradables y ceñidos a tu figura: Leggings de rayas [...] (QU-S1: 33),

(11-9)  [...] para sentirte bien vestida todo el verano (QU-S1: 32),

 

in denen gerade die Gegenüberstellung mit den spanischen Textsegmenten die Unbestimmtheit  der deutschen metaphorischen Wortgebildetheit vor Augen führt, da sie die Vielfalt an möglichen Aussagen zeigt, die diese in sich vereinigt. Im Spanischen spielen dabei neben größeren Einheiten (z.B. 11-1, 11-2, 11-3) bestimmte Adjektive eine wichtige Rolle (z.B. 11-6, 11-8). Sehr rekurrent sind auch suave und cómodo in verschiedenen Konstruktionen, vgl. etwa:

 

(12)      Kniestrümpfe und Söckchen [...]; strapazierfähig und fußfreundlich (QU-D: 409)

 

(12-1)  Mocasines super suaves y ligeros [...] (QU-S1: 88),

(12-2)  Mocasines muy suaves [...] (QU-S1: 305),

(12-3)  Zapatos muy cómodos [...] (QU-S1: 149),

(12-4)  Cómodas en verano...Manoletinas con [...] (QU-S1: 202),

(12-5)  La suavidad y la comodidad del algodón [...] (QU-S1: 232).

 

Beide Adjektive sind positiv konnotiert und in ihrer Semantik so weitgefaßt, daß sie ebenso mit belebten wie auch mit unbelebten textuellen Bezugsgrößen auftreten können (vgl. MM II, 1213b/1214a s.v. suave: 'liso; se aplica a cosas, materiales o inmateriales [...]; aplicado a personas y, correspondientemente, a su carácter, maneras, etc.'/MM I, 685a s.v. cómodo: 'aplicado a cosas: manejable, realizable, desempeñable, etc., con facilidad o sin esfuerzo o molestia; aplicado a personas: a gusto, descansado o sin molestias físicas'); ein metaphorischer Übertragungsprozeß kann also auch hier nicht festgestellt werden, wohl aber eine vergleichbare textuell-kommunikative Dimension.

            Etwas anders liegen die Dinge im folgenden Fall:

 

(13-1)  Simpáticos zuecos de tela (QU-S1: 243),

(13-2)  Simpáticas zapatillas con plataforma (QU-S1: 159).

 

Liegt hier im Spanischen eine ähnliche Entwicklung vor wie beim deutschen sympathisch, beispielsweise in

 

(13)      Elastic-Spannbettücher. Fein-Frottier. Fühlbar hautsympathisch (QU-D: 864)?

 

Dies ließe zumindest der Eintrag in María Moliner zu simpático vermuten (MM II, 1169b: 'se aplica a la persona que inspira simpatía en general').

            Der deutsch-spanische Übersetzungsvergleich macht darüber hinaus auf einen bedeutsamen Unterschied zwischen dem Deutschen und dem Spanischen als romanischer Sprache mit griechisch-lateinischer Überdachungstradition aufmerksam. Betrachten wir etwa die folgenden Beispiele

 

(14)      An jenem Oktobernachmittag des Jahres neunundneunzig, während in Südafrika Ohm Krüger seine buschig englandfeindlichen Augenbrauen bürstete [...]. (BT-D: 17)

Aquella tarde de octubre del año noventa y nueve, mientras en el Africa del Sur el tío Kruger [sic] se limpiaba las hirsutas cejas anglófobas [...]. (BT-S: 28)

(15)      Die Richter hielten sich beinahe ausschließlich an die Papiere und zerstörten mit ihren brutalen geistlosen und völlig gefühllosen, ja geistfeindlichen und gefühlsfeindlichen Gesetzen den Menschen, der ihnen vorgeführt wurde. (KE-D: 17)

Los jueces se atenían casi siempre exclusivamente a los papeles y, con sus leyes brutales, sin inteligencia y totalmente sin sentimiento, incluso enemigas de la inteligencia y de los sentimientos, destruían al hombre conducido ante ellos. (KE-S: 18)

(16)      [...], Auswüchse unserer geistlosen und geistfeindlichen und phantasielosen und phantasiefeindlichen Zeit [...]. (KE-D: 37)

[...], tumores de nuestra época sin espíritu y enemiga del espíritu y sin fantasía y enemiga de la fantasía [...]. (KE-S: 34),

 

so zeigt sich, daß dem deutschen -feindlich zwei spanische Formen funktional entsprechen können: zum einen das Wortbildungsmorphem -fobo, zum anderen das Adjektiv enemigo, das in Syntagmen ähnlich flexibel und praktisch unbegrenzt kombinierbar sein dürfte wie das deutsche ‑feindlich. Zumindest im letzten Fall ist damit von einem vergleichbaren metaphorischen Potential auszugehen (vgl. auch MM I, 1114b, deren Angaben sich nur auf Personen beziehen). Das gelehrte -fobo ist Thiele (1992: 106) zufolge "sehr produktiv". Die Faktoren, die die Wahl des einen oder anderen Mittels bestimmen, können hier nicht im einzelnen erörtert werden [17] . Festzuhalten bleibt aber, daß im Spanischen zwei Möglichkeiten koexistieren und damit eine gewisse formale Dissoziation besteht. Als gelehrtes Suffix ist ‑fobo zudem deutlich abstrakter [18] .

            Hinsichtlich des Felds ‘Technik’ lassen sich in den deutschen und spanischen Textsegmenten Konvergenzen im Metapherngebrauch erkennen, d.h. grundsätzlich besitzen fábrica und máquina offenbar ein ähnliches metaphorisches Potential wie -fabrik und ‑maschine, wie etwa aus den folgenden Beispielen hervorgeht:

 

(17)      Ich war jahrelang in eine Lernfabrik gegangen und war an einer Lernmaschine gesessen, die meine Ohren taub und meinen Verstand zu einem verrückten gemacht hatten [...] (KE-D: 11)

Durante años había ido a una fábrica de aprender y había sentado ante una máquina de aprender, que me había dejado sordos los oídos y había hecho de mi razón una razón demente [...] (KE-S: 12f.);

 

vgl. auch MM I, 1269b: ‘edificio con las instalaciones adecuadas para hacer un producto industrial’ bzw. II, 343b: ‘conjunto de piezas con movimientos combinados con el que se aprovecha una fuerza para producir un trabajo’. Ähnlich wie das deutsche Fabrik ‘Betrieb, in dem auf industriellem Wege durch Be- u. Verarbeitung von Werkstoffen unter Einsatz mechanischer u. maschineller Hilfsmittel bestimmte Waren, Produkte (od. Teile davon) in großer Stückzahl hergestellt werden’; ‘Fabrikgebäude, Fabrikanlage’ (Du 2: 1015c/1016a) metaphorisch gebraucht werden kann [19] , existieren also auch im Spanischen zwei parole-Varianten von fábrica. Wie im Deutschen kann aber zur Unterscheidung zwischen dem konventionellen (‘wörtlichen’) und dem metaphorischem Gebrauch letztlich nur der Ko- bzw. der Kontext herangezogen werden; dieser “Folgerungszusammenhang” (Berg 1978: 61) ist unerläßlich, denn das gebundene -fabrik signalisiert, für sich genommen, nicht automatisch, daß hier ein metaphorischer Prozeß vorliegt (vgl. z.B. Möbelfabrik - fábrica de muebles). Normativ restringiert scheint allein die Tatsache, daß eine metaphorische Übertragung im Deutschen nicht anhand eines Syntagmas aus freien Formen zustande kommt (z.B. ?Fabrik zum Lernen). Im übrigen sind auch hier in den spanischen Texten zwei verschiedene Formen festzustellen; neben máquina de aprender steht máquina docente (vgl. K-D: 27; K-S: 25f.), was die bereits am Beispiel von -feindlich diskutierten Beobachtungen stützt (vgl. oben).

            Konvergenzen bestehen auch im Bereich ‘menschliche Gesellschaft’, wie hier exemplarisch  am Beispiel von König vorgeführt werden soll:

 

(18)      [...], bemerkte ich, daß das Volk an meinem Walzer Spaß fand [...]: Schon neun Pärchen und noch ein Pärchen tanzten, wurden vom Walzerkönig gekuppelt. (BT-D: 97)

[...] pude apreciar que el pueblo gozaba con mi vals [...]: había ya nueve parejas, y una más, bailando, aparejados por el rey del vals. (BT-S: 136)

 

(vgl. auch Baukastenkönig, BT-D: 387f. - rey de una caja de construcciones, BT-S: 518).

Anders als bei funktional ähnlichem Papst und -papst (Du 5: 2481b u. c)  nennt Du 4: 1938a zwar einige Beispiele für einen übertragenen Gebrauch von König, gibt jedoch keine gebundene Variante an. Offenbar ist auch im Spanischen eine metaphorische Anwendung von rey auf andere Zusammenhänge konventionalisiert (MM II, 1037b/1038a: 'monarca, soberano; se aplica a una persona, un animal o una cosa del género masculino que sobresale o tiene la supremacía entre las de su género o en un sitio o campo de actividad'); damit kann von einer funktionalen Gleichwertigkeit zwischen -könig und Syntagmen mit dem Zentrum rey gesprochen werden.

            Abschließend sei noch kurz auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die die deutschen metaphorischen Wortgebildetheiten in der interkulturellen Kommunikation verursachen können. Diese lassen sich exemplarisch an den beiden folgenden Textsegmenten aufzeigen:

 

(19)      “So”, sagt Harm Peters, “genau so habe ich mir das vorgestellt. Plakatwälder. Der Steuermann Schmitt. Der Staatsmann Strauß. (K-D: 149)

“Así exactamente me lo he imaginado”, dice Harm Peters. Carteles y vallas. El timonel, Schmidt. El hombre de estado, Strauss. (K-S: 136)

(20)      An jeder Ecke steht ein Schild in der Gropiusstadt. Die sogenannten Parkanlagen zwischen den Häusern, das sind Schilderparks. (WK-D: 23)

En cada esquina había un cartel prohibitivo; los aparcamientos entre los altos edificios estaban llenos de ellos. (WK-S: 20)

 

Die Bildungen Plakatwälder und Schilderparks sind ähnlich konnotiert; die metaphorische Übertragung basiert auf den Merkmalsbündeln [+viel] und [+unübersichtlich]. In Beispiel (20) besteht zudem eine Isotopieachse zwischen Parkanlagen und Schilderparks, die auf der Relation zwischen der konventionellen (‘wörtlichen’) und der metaphorischen Bedeutung von Park beruht. Hier kann der oben in Kap.3.2 diskutierte metaphorische Prozeß noch deutlich nachvollzogen werden; es ist erkennbar, daß die ‘semantische Inkongruenz’ zustandekommt, indem aus dem Gesamtkomplex der Merkmale des Objekts ‘Park’ eine Selektion bestimmter Merkmale stattfindet, um anhand dieser Merkmale einen gegebenen Sachverhalt aus einer bestimmten Perspektive heraus zu charakterisieren. Die negative Konnotation dürfte im allgemeinen bei -park etwas weniger stark ausgeprägt sein - Parks werden in der Regel von Menschen angelegt oder zumindest gepflegt -, doch wird hier in beiden Fällen eine (mehr oder weniger bedrohliche) Umgebung beschrieben, in der man sich nicht oder nur schlecht zurechtfindet. Sowohl bei Plakatwälder als auch bei Schilderparks sind Schwierigkeiten bei der zielsprachlichen Wiedergabe erkennbar, die möglicherweise darauf beruhen, daß der Übersetzer den metaphorischen Prozeß in den Wortgebildetheiten nicht erkannt hat. In Bsp. (20) wird dadurch sogar im spanischen Text die semantische Inkongruenz, die innerhalb der deutschen Wortgebildetheit besteht, aufgehoben, denn aparcamientos (‘Parkplätze’) und carteles prohibitivos bilden keine konterdeterminierende Prädikation; vielmehr liegen beide Begriffe auf einer ‘semantischen Ebene’.

 

 

4.3       Zweisprachige Lexikographie und metaphorischer Sprachgebrauch

 

Das Grundproblem in diesem Zusammenhang liegt sicher in der Tatsache, daß Metaphern grundsätzlich ein Phänomen des Sprachgebrauchs darstellen, die Lexikographie dem jedoch nur bis zu einem gewissen Grad Rechnung tragen kann. Zwar sind auch (zweisprachige) Wörterbücher stets eine - im besseren Fall am uso orientierte - Auswahl aus dem  langue-Potential einer Sprache, doch kann die lexikographische Darstellung die vielfältigen Faktoren, die den Sprachgebrauch in einer konkreten Situation determinieren (Sender und Rezipient mit ihrem je individuellen soziokulturellen Hintergrund, Bildungsgrad, Vorwissen etc.; situationelle Faktoren; Kommunikationszweck etc.) nicht in allen Einzelheiten berücksichtigen - ganz abgesehen von der zeitlichen Verzögerung, mit der (zweisprachige) Wörterbücher in der Regel auf den Markt kommen [20] . Darüber hinaus bereitet natürlich auch dem Lexikographen die Abgrenzung der ganz offensichtlich bestehenden unterschiedlichen Grade der Metaphorizität Schwierigkeiten (vgl. oben Kap.3.3). Gerade weil also Metaphern “Phänomene im Übergangsstadium” (Strauß 1991: 186) sind, tun sich Wörterbücher mit der Behandlung von Metaphern häufig schwer. Die Kritik bezieht sich u.a. darauf, daß Hinweise auf die Kriterien fehlen, nach denen metaphorischer Sprachgebrauch behandelt wird (Strauß 1991: 186f., Drosdowski 1979).

            Diese Problematik wird in der zweisprachigen Lexikographie noch durch die Tatsache verschärft, daß der Sprachgebrauch von je einem ausgangssprachlichen und einem zielsprachlichen System zu berücksichtigen ist. Im folgenden soll auf der Grundlage unserer Textarbeit skizziert werden, wie die zweisprachige Lexikographie mit diesem Phänomen umgehen könnte; unsere Überlegungen beziehen sich auf den hier herausgegriffenen Bereich sprachlichen Handelns und können daher keinen Diskussionsbeitrag zu prinzipiellen Fragen und Methoden der (Un‑)Übersetzbarkeit von Metaphern darstellen (vgl. hierzu z.B. Newmark 1985: 304-311, Dagut 1976 u. 1987, Walther 1986: 163-165).

            Wichtig ist im Zusammenhang mit den hier untersuchten Wortgebildetheiten zunächst, daß im zweisprachigen Wörterbuch der Unterschied zwischen der freien und der potentiell metaphorischen gebundenen Form herausgestellt wird. Dieses Aufführen der Wortbildungsmittel scheint wichtig, um auch nichtlexikalisierte Wortgebildetheiten für den Benutzer identifizierbar und verständlich zu machen (Müller 1982: 154). Ähnlich wie dies bereits in den meisten Fällen im Duden geschieht, sollte also jeweils ein Eintrag zu freundlich und zu ‑freundlich, zu feindlich und zu ‑feindlich, zu stark und zu ‑stark etc. erfolgen. Dabei sollte das grundsätzliche Leistungspotential des betreffenden Wortbildungselements beschrieben werden, damit das Zustandekommen des metaphorischen Prozesses nachvollziehbar wird. Es muß deutlich werden, daß die beiden Varianten über einen Selektionsvorgang miteinander verbunden sind, d.h. daß in der (potentiell) metaphorisch gebrauchten Variante jeweils bestimmte Merkmale bzw. Merkmalsbündel aus dem Gesamtmerkmalskomplex des Lexems ausgewählt werden, auf deren Grundlage die konterdeterminierende Prädikation erfolgen kann (vgl. oben Kap.3.2 u. 4) [21] . Im zweisprachigen Wörterbuch sollte dieser “Motivierungskommentar” (Strauß 1991: 192) in beiden betroffenen Sprachen erfolgen. Daran sollten sich die möglichst textlinguistisch überprüften tatsächlichen funktionalen und kommunikativen Äquivalente anschließen, wobei natürlich sowohl einfache Adjektive bzw. Substantive als auch - im gegebenen Fall - spanische Muster zur Syntagmenbildung zu berücksichtigen sind. Eventuell ist auch auf eine etwaige Textsortengebundenheit hinzuweisen.

            Neben dieser auf das einzelne Wortbildungselement bezogenen Verfahrensweise ist es zudem wichtig, dessen Eingebundensein in ein “Metaphernsystem” (Brünner 1987: 100) zu verdeutlichen. Es sollte vermittelt werden, daß ein metaphorisches Zweitelement wie z.B. ‑freundlich nicht isoliert besteht, sondern in ein Feld aus semantisch und funktional ähnlichen Elementen eingebunden ist (‑freudig, ‑tüchtig, ‑sympathisch etc.; im vorliegenden Beitrag bezeichnet als Feld der ‘menschlichen Gefühle, Empfindungen, Eigenschaften’; ebenso Feld ‘Natur’ etc; vgl. oben Kap.4.1). Die spezifische Leistung des einzelnen Wortbildungselements im metaphorischen Prozeß wird auf diese Weise deutlicher herausgestellt, u.a. auch mögliche Konnotationsunterschiede (vgl. z.B. oben Kap.4.2 ‑wald und ‑park). Um die genannten pragmatischen Aspekte ergänzt, besitzt damit insgesamt die Forderung von Strauß (1991: 191)

 

“Wörterbücher müssen Methoden entwickeln vor allem für die systematische Darstellung semantischer Zusammenhänge und zwar erstens in Bezug auf die innerlexikalische, semantische Motivierung (von ‘eigentlicher’ und ‘übertragener’ Bedeutung) beim Einzelwort [...]; zweitens in Bezug auf bestimmte Muster der Übertragung und die feldbezogene Motivierung des metaphorisch strukturierten Wortschatzes [...]”

 

durchaus auch in der zweisprachigen Lexikographie Geltung.

 

 

5          Ergebnisse und Ausblick

 

Die  herausgearbeiteten Divergenzen und Konvergenzen verdeutlichen, daß metaphorisches sprachliches Handeln als solches wohl ein übereinzelsprachliches Prinzip darstellt, das jedoch in je einzelsprachlich spezifischer Ausprägung vorliegt. Als weiterer Faktor ist in diesem Zusammenhang die Textsorte zu berücksichtigen. Der konzeptuelle Metaphernbegriff, dem zufolge “[...] metaphorischer Sprachgebrauch keine Störung, keine semantische Anomalie darstellt, sondern der sich vielmehr zur unentbehrlichen Bewältigungshilfe eines Kommunikationsgefüges entpuppt [...] “ (Pielenz 1993: 116f.), scheint in besonderer Weise geeignet, zwischensprachliche Relationen in diesem Bereich zu beschreiben. Er berücksichtigt, daß mithilfe von metaphorischen Übertragungsprozessen  (die in vielen Fällen bereits konventionalisiert sind und dann unbewußt ablaufen) unser sprachliches Handeln organisiert wird und auch unser Denken und unsere Wahrnehmung entscheidend beeinflußt werden; er trägt aber auch der Tatsache Rechnung, daß diese metaphorische Strukturierung von Sprachgemeinschaft zu Sprachgemeinschaft differieren kann.

            Ein den untersuchten deutschen metaphorischen Zweitgliedern vergleichbares, in feldartiger Weise ausgeprägtes System liegt im Spanischen offenbar grundsätzlich nicht vor. Wohl aber ließen sich auch hier für einzelne Bereiche metaphorische Prozesse feststellen, die eine spezifische sprachliche Form aufweisen (z.B. die doppelte Besetzung einiger Bereiche gegenüber einem einzelnen deutschen Zweitelement). Die Paralleltextanalyse ergab zudem, daß kommunikativ gleichwertiges sprachliches Handeln ebenso auf anderen Strategien aufbauen kann. Hervorzuheben ist auch die Tendenz des Spanischen zu ‘abstrakteren’ Ausdrucksweisen.

            In weiterführenden Arbeiten, so läßt sich abschließend festhalten, wären zunächst unter Einbeziehung quantitativer Aspekte, eventuell auch anderer Textsorten die hier ermittelten Tendenzen zu akzentuieren. Insbesondere für die Untersuchungen zu weiteren romanischen Sprachen scheint es angesichts dieses speziell deutschen Phänomens sinnvoll, auf der Grundlage von Paralleltextanalysen [22] den Schwerpunkt auf die je einzelsprachlichen (metaphorischen) Muster zu legen. Sind diese ermittelt, können die spezifisch einzelsprachlichen (metaphorischen) Strategien von den (teil-)romanischen geschieden werden. Auf dieser Grundlage wird langfristig auch ein innerromanischer Vergleich möglich.

            In jedem Fall aber hat sich auch hier wieder bestätigt, daß ganz offensichtlich “[ ...] die Metapher fester Bestandteil der Sprachregeln des Alltags [ist]” (Koch 1994: 216f.; ähnlich Brünner 1987: 100). Eine gewissenhafte Untersuchung und eine angemessene Berücksichtigung dieser Muster, die weit mehr als unser sprachliches Handeln so entscheidend prägen, scheint damit auch für die zweisprachige Lexikographie von großer Wichtigkeit.

 

 

6          Bibliographie

6.1       Korpustexte

 

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[1] Vgl. etwa Schmitt (1988) und (1990) zur französischen Wirtschaftsfachsprache; ders. (1995) zur spanischen Sprache der EDV; Hennet/Gil (1992) zur spanischen Wirtschaftssprache in der Tagespresse; Gil (im Druck) zur französischen,  katalanischen und spanischen Fußballberichterstattung; vgl. ferner  außerhalb der romanischen Sprachen z.B. Reger (1977) und (1978); zum fachsprachlichen Bereich etwa  Kupsch-Losereit (1987).

[2] Mehr zu diesem Komplex unten in Kap.2.

[3] Dies würde dann zu der These führen, daß die Metapher eine Art sprachliche Universalie darstellt, die in einem je spezifischen einzelsprachlichen ‘Gewand’ vorliegt.

[4] Eine ausführliche und kritische Diskussion dieser und weiterer wichtiger Ansätze liefert Hülzer (1987: 143-217).

[5] Die Auffassung einer Metapher als “Wort in einem konterdeterminierenden Kontext” (Weinrich 1976: 320) ist sowohl zur Erfassung der innerhalb von metaphorischen Wortgebildetheiten stattfindenden Prozesse geeignet als auch zur Beschreibung der Prozesse, die zwischen der metaphorischen Bildung und ihrem Bezugswort im Text ablaufen; vgl. hierzu unten Kap.3.

[6] Allerdings werden die sog. ‘toten’ Metaphern häufig in ihrer Wirkung unterschätzt. Gerade weil es sich hier um geläufige Ausdrucksweisen handelt, die uns im Alltag selbstverständlich sind, können sie  besonders nachhaltig unsere Wahrnehmung und unser sprachliches Handeln prägen:  “Sie sind [...] in dem Sinne sehr lebendig, als sie fester Bestandteil unseres alltäglichen Lebens sind” (Brünner 1987: 100; vgl. hierzu auch unten).

[7] Für weiterführende Überlegungen ausgehend von diesem Ansatz vgl. besonders Liebert (1992: 28-49).

[8] Dabei ist allerdings davon auszugehen, daß nicht in jedem Prädikationsakt auf alle Eigenschaften des betreffenden Objekts Bezug genommen wird; vielmehr bezieht sich die Prädikation jeweils nur auf bestimmte Teilbereiche.

[9] Wir gehen also von sprachlichen Mechanismen selbst aus im Unterschied zu der umgekehrten Fragestellung, wie in bestimmten ‘Sachbereichen’ (z.B. politische Sprache, verschiedene Fachsprachen etc.) metaphorisch sprachlich gehandelt wird.

[10] Rudzka-Ostyn (1985) befaßt sich zwar - anhand  präfigierter Verben - mit Metaphern in der Wortbildung, doch behandelt sie keine funktionalen und pragmatischen Aspekte.

[11] Im vorliegenden Beitrag wird dieser allgemeinere Begriff der Bezeichnung ‘Kompositionsmetaher’ vorgezogen, da der Ausdruck ‘Komposition’ eine indirekte Aussage über den Status der Wortbildungskonstituenten trifft. Diese formale Frage ist aber bezüglich einiger Elemente, z.B. auch -freundlich, durchaus nicht unumstritten und bedürfte einer ausführlicheren Erörterung; in diesem Beitrag soll sie zunächst ausgeklammert werden.

[12] Die Auflösung der Siglen erfolgt im Literaturverzeichnis in  Kap. 6.1.

[13] Bühler spricht im Zusammenhang mit diesem Typ der Metapher von “Untersummativität” und meint damit “Abdecken, Ausfall, Selektion, Differenzeffekt”  (1934/1965: 349; Hervorheb. im Orig.). Seine Formulierung vom “sphärenmischenden Komponieren” (1934/1965: 344) suggeriert allerdings andererseits, daß hier zwei Bereiche quasi verschmolzen werden (vgl. auch Tourangeau 1982: 33: “Metaphors join two incompatible subjects.”). In diesem Beitrag wird defintiv davon ausgegangen, daß nur  selektierte Eigenschaften prädiziert werden.

[14] Nähere Angaben zum Korpus werden unten in Kap.4.1 gegeben.

[15] Diese Unterscheidung zwischen Wortbildungsprozeß und Wortbildungsprodukt ist wichtig: In der Wortgebildetheit selbst tritt der menschliche Aspekt zugunsten des positiven Konnotationseffekts zurück; die beschriebenen Adjektive werden aber auf der Grundlage einer Anthropomorphisierung für Wortbildungszwecke herangezogen.

[16] Für die genauen Angaben zu den untersuchten Texten vgl. unten Kap.6.1.

[17] Zum einen dürfte dies von den Restriktionen bei der Verwendung von -fobo abhängen (z.B. ?fantasiáfobo), zum anderen sicher auch von der Textsorte; auch der Kotext spielt hier eine Rolle.

[18] Diese Tendenz zu abstrakteren Bildungen ist auch an weiteren Belegen erkennbar. In den beiden folgenden deutschen Wortgebildetheiten z.B. ist jeweils eine räumliche Wahrnehmung enthalten, während im Spanischen abstrakt-gelehrte Begriffe verwendet werden: Stimmungstief (K-D: 148) - depresión (K-S: 135); Nordsüdgefälle (K-D: 168) - las diferencias norte-sur (K-S: 153).

[19] Vgl. -fabrik ‘(oft abwertend) mit Substantiven oder Verben (Verbstämmen): Ort, Einrichtung, wo fließbandmäßig und in hohem Maß etw. getan wird, wo in großen Mengen etw. hergestellt wird oder wo jmd. unpersönlich, mechanisch und ohne individuelle Betreuung behandelt wird’ (Du 2: 1016a).

[20] Insofern hat Henne (1977: 12) sicher Recht, wenn er bei seinen Überlegungen feststellt, “[...] daß Unvollkommenheit und Notwendigkeit sich gegenseitig bedingen, das eine ohne das andere nicht denkbar ist. Denn ohne die Notwendigkeit würde man die Unvollkommenheit der Wörterbücher nicht akzeptieren und umgekehrt.”

[21] Auf diese Weise werden auch die unterschiedlichen semantischen Kongruenznormen deutlich (z.B. hinsichtlich des Merkmals [+menschlich]).

[22] Übersetzungstexte können hier sicher nicht in allen Fällen eine optimale Grundlage bieten. Andererseits besitzen sie den unbestreitbaren Vorteil, daß sie in großem Umfang zur Verfügung stehen.

 

 

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ISSN 1618-2006 (für das Journal)

zuletzt bearbeitet am 20.12.11