Genetic information as part of the “Great Chain of Being”

Abstract

The article investigates discourse traditions of key-metaphors in popular accounts of genetics, such as those of genes or cells as selfish replicators, or of selection as a self-propelling agent or prime mover of evolution. Such agentive metaphors recall folk theories of heredity in terms of blood relations and blood lineage, which informed racist Nazi ideology in the 20th century but which can be traced back further to the theory of blood as one of the four “humours” in pre-modern thought. It is argued that, like the “blood myth” of heredity, the agentive metaphors of modern popular genetics have their origins in the ancient theory tradition of the “Great Chain of Being”, which helped to shape Western philosophy and which has been found by cognitive researchers to be still present today in the form of idioms and public language use.

Gegenstand dieses Artikels sind die Diskurstraditionen, auf welchen Schlüsselmetaphern populärwissenschaftlicher Darstellungen zur Genetik und ‚Gentechnologie’ beruhen, z.B. Beschreibungen von Genen als egoistisch handelnden Wesen oder der natürlichen Auslese insgesamt als Akteur oder Beweger der Evolution. Diese Metaphern erinnern stark an vorwissenschaftliche Vorstellungen von Vererbung als Blutsverwandtschaft. Die Theorie von Blut als Erbträger spielte eine prominente Funktion in der NS-Ideologie, sie lässt sich aber bis hin zur antiken „Säfte“-Lehre zurückverfolgen. Es wird die Hypothese entwickelt, dass sowohl der „Blut“-Mythos der Vererbung als auch die Handlungs-Metaphern populärerer Genetik-Darstellungen dem Kontext der Theorien einer „Kette des Seins“ (Great Chain of Being) zuzuordnen sind. Dieser bis in die Antike zurück gehende Theoriekomplex war nicht nur von enormer Bedeutung in der westlichen Philosophiegeschichte, sondern liegt auch, wie kognitive Forschungen gezeigt haben, in Form von Idiomen und konzeptuellen Metaphern modernem Sprachgebrauch zugrunde.

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Seite 52