Vorwort 11/2006

Den interdisziplinären Zugang zur Metapher und Metonymie zu befördern, ist seit fünf Jahren das wichtigste Ziel von metaphorik.de. Seit der ersten Ausgabe im Dezember 2001 sind zahlreiche Ansätze in unserer Fachzeitschrift zu Wort gekommen. Ursprünglich aus primär sprach- und literaturwissenschaftlichem Interesse geboren, wurde durch die eingesandten Diskussionsbeiträge deutlich, dass auch in Disziplinen wie Psychologie, Kognitionsforschung und v.a. an den zahlreichen Schnittstellen zwischen Natur- und Kulturwissenschaften ein großes Interesse an Fragen der Metaphorik besteht.

Die jetzt vorliegende elfte Ausgabe zeichnet sich durch ein besonders breites Spektrum der vertretenen Fächer, aber auch durch ausgeprägte interdisziplinäre Berührungspunkte aus. Fragen der Sprach- und Wissenschaftsgeschichte werden in der Studie von Isabelle Collombat und Ginette Demers miteinander verbunden. Die Autorinnen analysieren Entwicklungen in Québecer wissenschaftlichen Fachzeitschriften über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren. Die Veränderungen im Gebrauch v.a. kreativer Metaphern zeugen von einem Wandel sowohl im Wissenschaftsverständnis als auch in den jeweiligen Versprachlichungsstrategien. Christine Cuet verdeutlicht durch eine kognitiv-metaphorische Analyse von grafischen Darstellungen didaktischer Beziehungen unterschiedliche Konzeptionen des Lernprozesses. Sprachliche und grafisch-ikonische Bildlichkeit werden in dieser Studie gleichermaßen untersucht. Alexander Košenina verbindet in seiner Studie der Guckkasten- und Mikroskop-Metaphorik in literarisch-philosophischen Diskursen insbesondere des 18. Jahrhunderts technik- und geistesgeschichtliche Aspekte. Sein mit umfangreichen grafischen Darstellungen angereicherter Beitrag zeigt exemplarisch, wie stark technische und erkenntnisgeschichtliche Entwicklungen auf verbildlichte Vorstellungen von Erkenntnis und Erkennen zurückwirken. Dietmar Osthus und Claudia Polzin-Haumann gehen in einer Verbindung aus kognitiv-metaphorischer und wissenschaftstheoretischer Analyse der Frage nach, inwiefern sich die Verständigungsschwierigkeiten zwischen funktionalen bzw. angewandten Sprachwissenschaftlern und laienlinguistischen Sprachliebhabern in inkompatiblen, metaphorisch gestützten Konzeptionen von ‘Sprache’ spiegeln. Ansgar Thiele schließlich setzt in einer Analyse filmischer Metaphern in Jean-Luc Godards Film Notre musique die in metaphorik.de 10/2006 begonnene Diskussion zur theoretischen und praktischen Verankerung von Metaphern im Medium Film fort.

Die drei Buchbesprechungen verdeutlichen in anschaulicher Weise die Tendenzen der gegenwärtigen Metaphernforschung. Besonders fruchtbringend scheinen gerade solche Studien zu sein, die jenseits der rein metapherntheoretischen Diskussion die wichtigen praktischen Aspekte des Metapherngebrauchs z.B. in gesellschaftlich relevanten naturwissenschaftlichen Tätigkeitsfeldern behandeln.

Wir hoffen, mit dieser Ausgabe die Interessensgebiete unserer mittlerweile zahlreichen regelmäßigen und sporadischen Leser zu treffen. Für den breiten Zuspruch möchten wir uns herzlich bedanken. Weiteren thematischen Diskussionen sehen wir mit Vorfreude entgegen.

Nicht versäumen möchten wir schließlich, Dr. Sigrid Behrent, Annika Kerz und Kerstin Sterkel (alle Saarbrücken) für ihre tatkräftige Unterstützung beim redaktionellen Bearbeiten sowie bei der Durchsicht der Texte zu danken.

Bonn, im Dezember 2006
Hildegard Clarenz-Löhnert
Martin Döring
Klaus Gabriel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Nikola Roßbach

English

metaphorik.de has endorsed research on metaphor and metonymy for five years and the journal has since been successful in becoming and remaining a forum for a variety of theoretical and methodological approaches. It became apparent that the interest in metaphor does not stop at disciplinary boundaries as contributions from a variety of disciplines such as psychology, linguistics, cognitive science, science studies or the study of literature show that metaphor – stemming from the verb metapherein meaning to transfer – is an interdisciplinary interface.

The present 11th volume brings together a variety of disciplines and offers a wide range of interdisciplinary connections as Isabelle Collombat’s and Ginette Demers' article Évolution du discours imagé dans deux revues québécoises indicates. The contribution offers a productive combination of linguistics and science studies by investigating science journals from Québec over that last 100 years. The use of creative metaphors refers to conceptual changes in scientific theories at certain stages as well as to different strategies of a linguification of scientific knowledge. Christine Cuet analyses linguistic and visual metaphors used to conceptualise didactic relations and concepts of learning processes depicted in drawings of future teachers while Alexander Košenina traces metaphors of the raree show (an exhibition of pictures or objects viewed through a small hole or magnifying glass) and the microscope in philosophical and literary discourses of the 18th century. His study emphasises the relevance and repercussions of visual and linguistic images in the area of epistemic and technical innovation. Dietmar Osthus and Claudia Polzin-Haumann use a cognitive linguistics perspective on metaphor to investigate metaphorical concepts of language in current disputes between applied linguists and lay linguists. They try to tackle the question of whether disputes over the assessment of language change between conflicting groups of linguists and language enthusiasts in France, Spain and Germany rely on differing metaphorical concepts of language. Ansgar Thiele provides the second part of his study on metaphor in film in his analysis of Jean-Luc Godards “Notre musique” which he started in metaphorik.de 10/2006. Finally, three reviews indicate current directions of research on metaphor: practical studies on metaphor in science, which go well beyond a pure linguistic interest in linguistic tropes, seem to gain more and more attention.

We hope that the current issue provides a good insight into the changing landscape of research on metaphor and meets the expectations of our readership. We would like to thank our readers for their continuing encouragement and look forward to the forthcoming issues. Finally, we would like to take the opportunity to thank Dr. Sigrid Behrent, Annika Kerz und Kerstin Sterkel (all Saarbrücken) for their valuable help and editorial efforts.
 

Bonn, December 2006

Hildegard Clarenz-Löhnert
Martin Döring
Klaus Gabriel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Nikola Roßbach

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