Vorwort 15/2008

Wenn die vorliegende Ausgabe von metaphorik.de eines zeigt, dann gewiss dies: Die Metaphernforschung hat ihren Sitz im Leben; in vielen Fällen ist die Metapher das Phänomen, an dem sich die Verankerung sprachlicher Handlungen, aber auch psychologischer und philosophischer Kategorien im Alltag in ganz besonderer Weise zeigt.
Wir freuen uns, in dieser Ausgabe wieder unterschiedlichste Beiträge nicht nur aus verschiedenen Sprachen und Kulturen, sondern aus mehreren Fächern und methodischen Perspektiven versammelt zu sehen. Dies ist für uns nicht nur ein Zeichen für die seit sieben Jahren bestehende breite internationale Rezeption von metaphorik.de, sondern auch für die anhaltende Vitalität des weit gefassten Forschungsbereichs der Metaphern und Metonymien in Sprache, Literatur und Medien.
Zwei Beiträge stehen in einem fremdsprachendidaktischen Kontext: zum einen die Studie von Georgia Andreou und Ioannis Galantomos, die sich mit den Bedingungen des Lehrens fremdsprachlicher Metaphern und Redewendungen auseinandersetzen, zum anderen der Beitrag von Larisa Nikitina und Fumitaka Furuoka, die – basierend auf metaphorischen Bewertungen durch Studierende – Typen von Fremdsprachenlehrern differenzieren. Weitere zwei Beiträge gehen der Metaphorik in politischen Texten nach: Lisa-Malin Harms untersucht in sprachenvergleichender Perspektive die Verwendung von Kriegsmetaphorik in der deutschen und französischen Tagespresse und diskutiert dabei kritisch die Funktionen des Bildspenders 'Krieg' für die sprachliche Darstellung. Stéphanie Bonnefille analysiert mit kognitiv-linguistischer und diskursanalytischer Methodik kurz vor der Amtsübergabe an Barack Obama die umweltpolitischen Aussagen der State of the Union Adresses in der Amtszeit von George W. Bush. Veronika Koller, Andrew Hardie, Paul Rayson und Elena Semino wiederum greifen in ihrer Studie die in der Metaphernforschung verstärkt anvisierte Verbindung zur Korpuslinguistik auf, indem sie die Möglichkeit eines semantischen Annotationsprogramms zur Erfassung und Bearbeitung von Metaphern beschreiben. Henrik Jäger widmet sich der Metapher in der chinesischen Philosophie. Dabei geht er der Frage nach, inwiefern Ergebnisse der Metaphernforschung beim Verständnis chinesischer philosphischer Texte dienlich sind. Philosophisch mutet auch die von Jörg Jost gestellte Frage an, wann von einem Verständnis und wann von einer Interpretation von Metaphern zu sprechen ist. Der Beitrag leistet einen ideengeschichtlichen Überblick. Neben diesen Forschungsbeiträgen spiegelt sich die bestehende Forschungsdynamik auch in der von Benedikt Gilich verfassten Rezension eines aktuellen Überblickwerks.
Allen Beiträgern, Lesern, kritischen Kommentatoren, Freunden und Wegbegleitern sei ganz herzlich für die Mitwirkung an dieser Ausgabe gedankt. Unser besonderer Dank gilt den Saarbrücker Mitarbeiterinnen Katharina Leonhardt und Tanja Oberhauser, ganz besonders aber Kerstin Sterkel, die sich durch die Widrigkeiten des Layouts gekämpft haben. Mögliche verbleibende optische Verbesserungsmöglichkeiten werden selbstverständlich von der Redaktion verantwortet. Unseren Lesern wünschen wir einen gelingenden Jahreswechsel und ein glückliches Jahr 2009!


Bonn, im Dezember 2008
Hildegard Clarenz-Löhnert
Martin Döring
Klaus Gabriel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Judith Visser
 

English

 

The present issue of metaphorik.de clearly shows – again – that research on metaphor is and should be based in everyday life. Metaphorical categorisation represents in many cases a basic phenomenon which has a huge impact on quotidian linguistic acting and on psychological and philosophical categorisation.
We are happy to announce that the present volume displays a variety of articles stemming from different cultural backgrounds and disciplines comprising an interesting diversity of methodological perspectives. This indicates on the one hand that metaphorik.de attracts international attention and it points on the other hand to the sustaining vitality of research on metaphor and metonymy in language, literature and the media.
The first two articles are situated in a didactic context: Georgia Andreou and Ioannis Galantomos raise questions about the situation of teaching foreign metaphors and figures of speech while Larisa Nikitina und Fumitaka Furuoka employ metaphors used by students to develop a typology for different kinds of foreign language teachers. The next two papers are situated in the area of metaphor and policy: Lisa-Malin Harms investigates the use of war metaphors in the German and French Press. She critically comments on WAR as source domain while Stéphanie Bonnefille combines cognitive linguistics with a discourse analytical approach to analyse aspects of environmental policy in the State of the Union Addresses right at the end of George W. Bush’s mandate. Veronika Koller, Andrew Hardie, Paul Rayson and Elena Semino offer a possibility to merge corpus linguistics and research on metaphor by depicting possibilities and limits of a semantic annotation programme – a recent development which might have a considerable and practical methodological impact research and applying metaphors. Henrik Jäger’s article examines the role of metaphor in Chinese philosophy. He asks whether research on metaphor might be useful for understanding Chinese philosophies while Jörg Jost discusses the difference between understanding or construing metaphors –which leads him to a history of ideas on metaphor. Finally, a review of the most recent summary on metaphor written by Benedikt Gilich concludes this issue.
We would like to thank all authors, our readership and some critical commentators for putting much effort and time into issue 15/2008. Special thanks to our colleagues Katharina Leonhardt and Tanja Oberhauser (both Saarbrücken) for their help and a big THANK YOU to Kerstin Sterkel (Saarbrücken) for her tremendous work on the layout! All remaining errors are ours. Last but not least, we also would like to thank our readership for their continuing encouragement: Merry Christmas and a prosperous year 2009!


Bonn, December 2008
Hildegard Clarenz-Löhnert
Martin Döring
Klaus Gabriel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Judith Visser
 

Download kompletter Artikel (PDF): 

Ausgabe: 

Jahrgang: 

Seite 3