Metaphern im Sprachenkontrast. Kriegsmetaphorik in der politischen Berichterstattung deutscher und französischer Tageszeitungen

Lisa-Malin Harms

Abstract


Der semantische Bereich des Krieges gilt als ein ausgesprochen vitaler und produktiver Metaphernlieferant, für den sich insbesondere das Gebiet der Politik empfänglich zeigt. Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, den Gebrauch von Kriegsmetaphorik in deutschen und französischen Tageszeitungen zu untersuchen und stützt sich dabei auf die Analyse eines Korpus, das auf elektronischen Datenträgern erschienene Ausgaben der Zeitungen Le Monde und die tageszeitung umfasst. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Frage nach der Weinrichschen Konvergenzhypothese, die anhand des genannten Bereiches für das Sprachenpaar Deutsch/ Französisch empirisch überprüft und deren Grenzen ermittelt werden sollen. Sind die in den Korpusbelegen festgestellten Unterschiede auf Ebene der Sprache zu begründen oder auf Divergenzen zwischen redaktionsspezifischen Traditionen der untersuchten Publikationen zurückzuführen? Auch soll die Pragmatik der Kriegsmetaphorik berücksichtigt werden. Neben den grundlegenden Funktionen, die Metaphern wahrnehmen können, soll vor allem die denkbare manipulatorische Funktion Beachtung finden und die Frage erörtert werden, ob die mitunter ideologisch belastete Militärlexik eine solche erfüllt.

War as metaphor represents a vital and productive source domain for the discourse on politics. The present paper analyses the use of war metaphors in German and French newspapers based on a corpus taken from electronic versions of Le Monde and die tageszeitung. Firstly, emphasis is put on an empirical proof of Weinrich’s convergence hypothesis for German and French in order to show its advantages and limits while, secondly, the ideological and manipulative aspects of war metaphors  are revealed.
 

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Metaphern im Sprachenkontrast Kriegsmetaphorik in der politischen Berichterstattung deutscher und französischer Tageszeitungen

Lisa-Malin Harms, Bochum (Lisa-Malin.Harms@ruhr-uni-bochum.de)

Abstract

Der semantische Bereich des Krieges gilt als ein ausgesprochen vitaler und produktiver Metaphernlieferant, für den sich insbesondere das Gebiet der Politik empfänglich zeigt. Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, den Gebrauch von Kriegsmetaphorik in deutschen und französischen Tageszeitungen zu untersuchen und stützt sich dabei auf die Analyse eines Korpus, das auf elektronischen Datenträgern erschienene Ausgaben der Zeitungen Le Monde und die tageszeitung umfasst. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Frage nach der Weinrichschen Konvergenzhypothese, die anhand des genannten Bereiches für das Sprachenpaar Deutsch/ Französisch empirisch überprüft und deren Grenzen ermittelt werden sollen. Sind die in den Korpusbelegen festgestellten Unterschiede auf Ebene der Sprache zu begründen oder auf Divergenzen zwischen redaktionsspezifischen Traditionen der untersuchten Publikationen zurückzuführen? Auch soll die Pragmatik der Kriegsmetaphorik berücksichtigt werden. Neben den grundlegenden Funktionen, die Metaphern wahrnehmen können, soll vor allem die denkbare manipulatorische Funktion Beachtung finden und die Frage erörtert werden, ob die mitunter ideologisch belastete Militärlexik eine solche erfüllt.

War as metaphor represents a vital and productive source domain for the discourse on politics. The present paper analyses the use of war metaphors in German and French newspapers based on a corpus taken from electronic versions of Le Monde and die tageszeitung. Firstly, emphasis is put on an empirical proof of Weinrich’s convergence hypothesis for German and French in order to show its advantages and limits while, secondly, the ideological and manipulative aspects of war metaphors are revealed.

1. Problemstellung und Methodik der Analyse

„Politik ist unblutiger Krieg, und Krieg ist blutige Politik.“ (Mao Tse-tung)1
„Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ (Carl von Clausewitz)2
Die oben genannten Zitate des preußischen Generals Carl von Clausewitz und des chinesischen Politikers Mao Tse-tung reihen sich in eine lange Liste von Kommentaren ein, welche die Parallelen zwischen den Erfahrungsbereichen

1 Zitiert nach Schandl (2000: 20).

2 Clausewitz’ berühmt gewordenes Postulat, welches i.d.R. in der oben angeführten, verkürzten Form wiedergegeben wird, wird hier nach Ulucan (2000: 52) zitiert.

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Krieg und Politik hervorheben. So vermitteln sie den Eindruck, als unterlägen politische Geschehnisse denselben Regularitäten wie kriegerische Ausein- andersetzungen. Auch in der Presse wird die Möglichkeit, Analogieschlüsse zwischen diesen beiden Bereichen zu ziehen, unablässig genutzt. In Zeitung- sartikeln, die über das politische Leben informieren, ist daher nicht selten eine Fülle von Kriegsmetaphern festzustellen.
Eben jener Gebrauch von Kriegsmetaphorik in der politischen Presseberichterstattung deutscher und französischer Tageszeitungen ist Gegenstand dieser Untersuchung, die sich auf einen systematischen Textvergleich der beiden Zeitungen Le Monde und die tageszeitung3 stützt und maßgeblich durch die folgenden Fragestellungen motiviert ist:
Zunächst geht es um eine linguistische Beschreibung des Einsatzes von Kriegsmetaphern in den deutschen und französischen Pressetexten des Korpus. Ausgegangen wird dabei von der textlinguistischen Metaphern- definition Harald Weinrichs, der zufolge „eine Metapher [...] nie ein einfaches Wort, immer ein – wenn auch kleines – Stück Text“ (1976: 319) ist. Es ist demnach unabdinglich, zur Identifikation und Interpretation einer Metapher ihren Kontext zu fokussieren, ermöglicht doch erst die „semantische Inkompatibilität“ (Zhu 1994: 245) zwischen einem Wort oder einer Wortfügung und ihrer sprachlichen Umgebung, dass eine metaphorische Bedeutung entsteht. So definiert Weinrich die Metapher als ein „Wort in einem konterdeterminierten Kontext“ (1976: 320).
Auch um dem sprachenvergleichenden Aspekt dieser Untersuchung Rechnung zu tragen, wird auf Harald Weinrichs theoretische Überlegungen zur Metapher zurückgegriffen. So ist es Ziel der Korpusuntersuchung, die von Weinrich aufgestellte Konvergenzhypothese anhand des Bereichs der Kriegsmetaphorik für das Sprachenpaar Deutsch/ Französisch zu überprüfen. Weinrich geht davon aus, dass Bildfelder4 kulturelle Konstanten sind, die das
„sprachliche Weltbild“ (1976: 287) weniger einer Sprechergemeinschaft als vielmehr das eines gesamten Kulturkreises prägen und folgert daraus die

3 Im Folgenden wird Le Monde durch LM und die tageszeitung durch taz abgekürzt.

4 Peil liefert eine schlüssige Definition des von Weinrich geprägten Begriffs des Bildfeldes, wenn er dieses als die „Summe aller möglichen metaphorischen Äußerungen im Umkreis der jeweiligen Zentralmetapher oder metaphorischen Leitvorstellung“ (1993: 190) bezeichnet.

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Existenz einer „abendländischen Bildfeldgemeinschaft“ (1976: 287). Anhand des Korpusmaterials soll im Rahmen dieser Untersuchung nicht nur das grundsätzliche Vorhandensein und der frequente Einsatz von Metaphern des Bildspenderfeldes ‚Krieg’ in deutschen und französischen Pressetexten empirisch überprüft werden, sondern es soll vor allem eine vergleichende Analyse der Strukturiertheit der Bildfelder in den untersuchten Einzel- sprachen vorgenommen werden, um mögliche Differenzen und Abweichungen feststellen zu können.
Darüber hinaus wird die Frage nach der Pragmatik der metaphorischen Verwendung im Vordergrund stehen. Es soll ermittelt werden, welche textuellen Funktionen die vom Bildspender ‚Krieg’ ausgehenden meta- phorischen Projektionen in den deutschen und französischen Artikeln des Korpus einnehmen. Um die Frage nach den kommunikativ-pragmatischen Aspekten der Kriegsmetaphern in den Zeitungsartikeln angemessen erörtern zu können, wird unter Punkt 2.1 vorab der Stellenwert der Metaphorik in der Pressesprache betrachtet und die drei wichtigsten Funktionen, die metaphorische Ausdrücke in dieser Textsorte erfüllen können, charakterisiert.
Des Weiteren soll im Zuge der Analyse stets versucht werden, die im Korpus belegten Metaphern sinnvoll zu kategorisieren. Zugrunde gelegt wird diesem semantischen Kategorisierungsversuch die Unterscheidung zwischen konventionellen und nicht-konventionellen Metaphern nach Lakoff und Johnson5. Während unter konventionellen Metaphern lexikalische Prägungen verstanden werden, „[...] that structure the ordinary conceptual system of our culture, which is reflected in our every day language“ (1980: 96), so sind nicht- konventionelle Metaphern in der Lage, uns “a new understandig of our experience” (1980: 139) zu geben und gelten somit als kreativ. Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades von Kriegsmetaphern (Küster 1978: 79ff) ist davon auszugehen, dass insbesondere der konventionelle Typ das Korpus dominieren wird. Daher wird im Zuge der Untersuchung auch die Frage relevant sein, mittels welcher formaler Verfahren es in den Zeitungsartikeln gelingt, allzu konventionalisierte Metaphern, die aufgrund ihrer frequenten Verwendung kaum mehr als sprachliche Bilder auffallen, zu
‚remetaphorisieren’.

5 Weitere Kategorisierungsversuche, die in dieser Untersuchung jedoch keine Anwendung finden, liegen u.a. von U. Oomen (1973), F. Keller-Bauer (1984) und C. Baldauf (1997) vor.

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2. Pressesprache und ihre Metaphorik

2.1 Bedeutung und Leistung pressesprachlicher Metaphorik

Die gewichtige Bedeutung pressesprachlicher Metaphorik ist in theoretischen Arbeiten ebenso hervorgehoben worden6, wie ihre Omnipräsenz in zahlreichen textfunktionalen Studien eindeutig nachgewiesen werden konnte7.
Reger und Gil machen auf die verfassungsrechtliche Aufgabe der Presse aufmerksam, im Zuge der Berichterstattung „meinungsbildend“ und
„willensbildend“ (Reger 1977: 259) auf ihre Leserklientel einzuwirken. Wird nun davon ausgegangen, dass es den Presseorganen westlicher Demokratien tatsächlich obliegt, „mehr oder weniger offen Partei [zu] ergreifen“ (Gil 1998:
87), so stellt sich die Frage, inwiefern der metaphorische Sprachgebrauch in pressesprachlichen Texten eben jener Funktion der Meinungsbildung nach- kommt. Zur Erörterung dieser Frage erscheint es unverzichtbar, eine Kategorisierung der Funktionen von Metaphern in Presseberichten vorzu- nehmen. Laut Gil ist die Pressesprache „par excellence rhetorisch“, ist sie doch nach den ciceronianischen Prinzipien des delectare, docere und movere konzipiert (1998: 88). Übertragen auf die Funktionen der pressesprachlichen Metaphorik bedeutet dies, dass eine Trias von Informations-, Meinungsbildungs- und Unterhaltungsfunktion vorauszusetzen ist8:

Information: die heuristische oder erkenntnisfördernde Funktion

Laut Harald Weydt können Metaphern als „Erkenntnisinstrumente“ fungieren, indem sie Analogien zwischen einem vertrauten und einem noch unbekannten Bereich kenntlich machen und sich so positiv auf das Verständnis der Rezipienten auswirken (1986: 94). Hierin stimmt Weydt

6 Reger konstatiert z.B. die entscheidende Bedeutung der Metaphorik für die Pressesprache im Allgemeinen und für die Sprache der konventionellen Tagespresse im Besonderen (1977: 259). Beide Zeitungen des vorliegenden Korpus lassen sich aufgrund der von Reger angeführten Merkmale (1977: 259) eindeutig der konventionellen Tagespresse zuordnen .

7 Der Metaphorik der politischen Presseberichterstattung widmen sich u.a. A. Gil (1998), J. Langenbacher-Liebgott (1998) und S. Schreckenberg (1998). Eine Studie zum Gebrauch von Metaphern in der Sportberichterstattung liegt z.B. von K. Gabriel (1998) vor. R. Küster (1978) berücksichtigt in seiner Untersuchung von Militärmetaphern beide Themenbereiche.

8 Als Grundlage der folgenden Auflistung der Grundleistungen pressesprachlicher Metaphorik dienen maßgeblich die Darstellungen von Schreckenberg (1998: 188-189), der die wesentlichen Forschungspositionen im Hinblick auf diese Fragestellung zusammengetragen hat.

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grundsätzlich mit Weinrich überein, der Metaphern als „demiurgische Werkzeuge“ (1976: 309) und als „(hypothetische) Denkmodelle“ (1976: 294) bezeichnet. Reger weist jedoch darauf hin, dass eine solche Veranschaulichung nicht selten mit unzulässigen Vereinfachungen einhergehen und warnt vor einer Reduktion komplexer Sachverhalte auf eine „Summationsformel“, welche die Gefahr der „inhaltlichen Verkürzung“ berge (1977: 275)9.

Meinungsbildung: die emotiv-expressive oder ideologische Funktion

In ihrer Eigenschaft als „Zitat in atypischer Distribution“ (Küster 1978: 80) kann die Metapher bestimmte Vorstellungen und Klischees über den Bildspenderbereich auf das bildempfangende Feld übertragen und den Rezipienten auf diese Weise zu einer bestimmten Auslegung des geschilderten Sachverhaltes vereinnahmen (Schreckenberg 1998: 189). Die Grenzen zwischen Bewertung und Meinungsbildung auf der einen und Manipulation auf der anderen Seite können dabei fließend sein können. Von einer manipulativen Absicht kann jedoch erst dann die Rede sein werden, wenn die sprachlichen Bilder das „kognitive Bewusstsein ausschalten“ und „Einzelaspekte der Wirklichkeit [...] vernebeln“ (Gil 1998: 90). Liegt eine solche manipulative Absicht vor, sind die Metaphern im Sinne Rigottis nicht mehr bloße
„Instrumente der Reflexion“, sondern werden vielmehr zu „Instrumenten der
Aktion“ (1994: 27).

Unterhaltung: die ludische Funktion

Schließlich können Metaphern in Pressetexten auch eine ludische Funktion einnehmen und dem Bedürfnis des Lesers nach „amüsanter, origineller Darstellung“ (Lüger 1995: 35) entgegenkommen . In diesem Fall dienen die Metaphern vornehmlich dazu, „spielerisch [...] Lesevergnügen [zu] erzeug[en]“ (Osthus 1998: 150). Giampiccoli umschreibt die auflockernde Wirkung des ludischen Metapherngebrauchs treffend mit einer metaphorischen Formulierung, wenn sie von der intendierten Wirkung „[de] colorer le discours“ spricht (nach Schmitt 1994: 510).

9 In diesem Zusammenhang ist auch auf die von Schmitt angenommene Möglichkeit des Umschlagens der erkenntnisfördernden in die ideologische Funktion aufmerksam zu machen. Insbesondere sieht er diese Gefahr für wirtschaftliche Texte (1994: 511), erkennt sie jedoch durchaus auch für Pressetexte mit anderen thematischen Schwerpunkten (1994: 508/

510).

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2.2 Zum Gegenstand der Kriegsmetaphorik und ihrem Gebrauch in der politischen Berichterstattung

Den hier untersuchten Bildspender stellt der weite Bereich des Krieges mit seiner einschlägigen militärsprachlichen Lexik dar. Wahrig definiert den Begriff Krieg als „bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Staaten, Stämmen oder Völkern“ sowie als „ständige[n] Kampf“ oder „dauernde Feindschaft“ (2000: 780). Ergänzend kann zudem die Definition aus Le Petit Larousse Illustré angeführt werden, die eine Erweiterung um folgenden Aspekt enthält:
„La guerre est le recours à la force armée pour dénouer une situation conflictuelle entre deux ou plusieurs collectivités organisées: clans, factions, États. Elle consiste pour chacun à contraindre l’autre à se soumettre à sa volonté“ (2002: 494).
Diese Ausführungen zweier lexikographischer Standardwerke der französischen und der deutschen Sprache genügen um zu verdeutlichen, wie weitläufig sich das Bedeutungsfeld des Krieges gestaltet und wie zahlreich die kleineren semantischen Felder sind, die sich in ihm überlagern. Es ist ein wesentliches Charakteristikum gängiger bildspendender Felder, dass sie sich in mehrere Teilfelder gliedern lassen (Peil 1993: 191). So wird auch in dieser Studie der Bildspender ‚Krieg’ unter Punkt 3.3 in die folgenden Bereiche unterteilt: (1) ‚Sortes de guerre’, (2) ‚Les hommes à la guerre’ und (3) ‚Faits de guerre’10.
Die allgemein anerkannte Beliebtheit der vom Bildspenderfeld ‚Krieg’ ausgehenden Metaphorisierungen ist sicherlich in erster Linie auf die gute bildliche Vorstellbarkeit des Konzepts ‚Krieg’ zurückzuführen, in dem sich
„die Elementarprinzipien von Gut und Böse archetypisch evozieren lassen“ (Küster 1978: 81). Harald Reger hebt darüber hinaus hervor, dass sich Militärmetaphorik „archetypisch und zugleich stereotyp als Analogieebene geradezu für die Darstellung politischer und gesellschaftlicher Sachverhalte“ anbietet (1977:269). Sicherlich ist Reger vorbehaltlos zuzustimmen, wenn er die Frage, wieso sich gerade die militärische Lexik als ein derart produktiver Metaphernlieferant in der politischen Presseberichterstattung erweist, aus onomasiologischer Perspektive beantwortet und anführt, dass zwischen dem

10 Diese dreiteilige Gliederung orientiert sich am Wörterbucheintrag des Lemmas guerre in: Maquet, Charles (1936): Dictionnaire analogique und wird daher – auch in der Gliederung dieser Arbeit – in französischer Sprache belassen.

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bildspendenden Feld des Krieges und dem bildempfangenden Feld der Politik zahlreiche Analogieschlüsse möglich sind, da beide maßgeblich „durch Kontroversen von Gruppen und Institutionen und ihrem Willen, sich durchzusetzen“ (1977: 269) bestimmt sind. Dieses strukturprägende Merkmal, das sich am deutlichsten in der beide Bereiche zumindest bisweilen dominierenden Aggressivität artikuliert (Ulucan 2000: 43), erklärt nun die automatisch und von Vornherein gegebene Verkettung der Felder ‚Krieg’ und
‚Politik’, die sich in den zahlreichen, von Journalisten frequent genutzten Analogieschlüssen und einem gemeinsamen Vokabular der beiden Bereiche äußert11. So spricht auch Küster von einer „längst traditionell gewordenen Analogie zwischen den Feldern des Krieges und der Politik“ (1978: 104).

3. Korpusanalyse

3.1 Kriegsmetaphorik in Zeitungsüberschriften

Zeitungsüberschriften12, die in der Regel ein „Kurzresümee“ (Lüger 1995: 28) der wichtigsten Textaspekte des Artikels darstellen, sind sowohl in der taz als auch in LM Orte für intensive Metaphorisierungen. So wird in folgender Überschrift eines Artikels aus der taz nicht an Kriegsmetaphern gespart:
(1) Wahlkampf ohne Wattestäbchen – Bürgerschaftliche Wahlschlacht zwischen Voscherau und Maier: Überraschendes rot-grünes Gefecht um den Euro (taz 21.08.1997, 17).
Und auch in LM kommt wird ein militärsprachlicher Begriff metaphorisch verwendet, wenn getitelt wird:
(2) John Major mène la bataille contre les eurosceptiques (LM 10.12.1996,
2).
Während beide Überschriften stellvertretend für zahlreiche weitere Belege aus dem Korpus grundsätzlich das Vorkommen von Kriegsmetaphorik in den Zeitungsüberschriften nachweisen, verdeutlichen sie zugleich einige Struktur- unterschiede, die bei der kontrastiven Analyse der Überschriften aus LM und der taz hervorgetreten sind. So fällt auf, dass bei den drei Substantiven aus

11 In dieser Studie wird untersucht, wie der Krieg sprachlich auf die Politik übertragen wird. Interessant ist darüber hinaus der umgekehrte Ansatz, den Lakoff wählt, wenn er in seinem Aufsatz Metaphor and War – The Metaphory System Used to Justify War in the Gulf (1991) die in der Kriegsberichterstattung gebräuchlichen Metaphorisierungen untersucht.

12 Titel und Untertitel eines Artikels werden in diesem Kapitel gemeinsam behandelt.

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dem Bereich des Krieges in der Überschrift der taz auf eine Verbindung mit Verben verzichtet wird, wohingegen der französische, militärsprachliche Begriff bataille von der finiten Form des Verbs mener begleitet wird. Im untersuchten Korpus konnten zahlreiche Belege ausfindig gemacht werden, welche die Tendenz zu Satzverkürzungen im Zusammenhang mit Kriegsmetaphern in den Zeitungsüberschriften der taz aufzeigen. In den französischen Überschriften hingegen waren solche elliptischen Satzmuster, die die Kriegsmetaphern isoliert erscheinen und somit betont hervortreten lassen, weniger frequent. Dies soll im Folgenden eine Gegenüberstellung ausgewählter Beispiele verdeutlichen. Während die taz im Hinblick auf ein Fernsehduell der israelischen Spitzenkandidaten kurz vor den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1996 kurz und bündig titelt:
(3) Duell ohne Sieger (taz 28.03.96, 8).
überschreibt LM einen Bericht über die Endphase des Wahlkampfes in den USA im selben Jahr mit einer inhaltlich wesentlich detailreicheren Überschrift, die den Begriff duels durch die vorgenommene syntaktische Einbettung mittels des Adjektivs télévisés in einen Kontext einordnet, der deutlich das bildempfangende Feld, die Politik, betont:
(4) Bob Dole compte sur ses duels télévisés contre Bill Clinton pour rallier les indécis (LM 07.10.1996, 3).
Eine ähnliche Schlussfolgerung lässt sich aus dem Vergleich folgender zweier
Überschriften aus der taz und LM ziehen:
(5) Kampf bis zum bitteren Ende (taz 17.12.1993, 4).
(6) Le gouvernement israélien durcit la lutte contre les islamistes (LM
07.03.1996, 2).
Die Überschrift aus Beispiel (5) gestaltet sich als Satzfragment und lässt die ohne Einbindung in einen explikativen Kontext verwendete Kriegsmetapher ihre Ausdrucksstärke voll entfalten13. Auf diese Weise fungiert die Überschrift mehr als „Lektüreanreiz“ (Lüger 1995: 29) denn als inhaltliche Orientierung, stellt sich doch erst bei der Lektüre des Fließtextes heraus, dass es sich mit der Kommentierung der Verhandlungen um den Kali-Fusionsvertrag um einen

13 Die Geschmacksmetapher bitter verstärkt in diesem Beispiel zusätzlich die Wirkung der Kriegsmetapher. Auf die Möglichkeit zur Steigerung der affektiven Geladenheit metaphorischer Ausdrücke mittels der Kombination mit „sensorischen Metaphern“ (Reger

1977: 275ff.) wird unter Punkt 3.3.3 ausführlicher eingegangen.

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„Kampf“ in der europäischen Politik handelt. Dass der Begriff lutte in Beispiel (6) metaphorisch für eine politische Auseinandersetzung verwendet wird, ist hingegen von Vornherein deutlich, da die Kampfesmetapher – anders als in der Überschrift (5) aus der taz – nicht isoliert vorkommt, sondern in ein umfangreicheres Satzgefüge eingebettet wird. In diesem werden die Hauptakteure des „Kampfes“ genannt, wodurch deutlich wird, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen der Regierung und einer religiös motivierten, gesellschaftspolitischen Gruppe handelt.
Die Kriegsmetaphern aus den vorhergehenden Beispielen dürfen aufgrund ihres häufigen Vorkommens als konventionelle Metaphern gelten. Innerhalb des untersuchten Korpus dominierte dieser Typ von Metaphern die Zeitungsüberschriften sowohl in der taz als auch in LM. Dennoch konnten im Korpus auch Belege für Überschriften gefunden werden, in denen weniger usuelle Metaphern aus dem Bereich des Krieges verwendet wurden, die als nicht-konventionelle Metaphern einzustufen sind. Metaphern dieses Typus waren jedoch nicht nur deutlich seltener zu belegen, sondern es stellte sich zudem bei näherer Betrachtung oftmals heraus, dass es sich bei diesen durch ihre ‚Kreativität’ auffallenden, metaphorischen Ausdrücke tatsächlich um Aussagen politischer Persönlichkeiten handelt, die anschließend im Fließtext des Artikels zitiert werden. Diese Beobachtung, die für LM und die taz gleichermaßen gilt, sei im Folgenden anhand eines Beispiels aus der taz belegt:
(7) Himmelfahrtskommando – CDU bietet sich als Retterin an (taz
27.05.1995, 25).
Dieser ausdrucksstarke oder – wie Küster es formuliert – „ideologisch belastete“ (1978: 105) Begriff aus der Militärsprache ist im deutschen Teil des Korpus insgesamt relativ selten belegt14. Wird dieser Ausdruck in der vorliegenden Überschrift der taz dennoch gebraucht, so handelt es sich weniger um einen außergewöhnlichen Stilgriff des Verfassers als vielmehr um ein Zitat Bernd Neumanns, des Landeschefs der CDU15. Dieser hat – was bereits in den ersten Zeilen des entsprechenden Artikels erläutert wird – die

14 Auch die französischen Entsprechungen, wie etwa „mission suicide“ oder „kamikaze“, kommen nur äußerst selten in den Artikeln aus LM vor.

15 Die politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland werden in dieser Arbeit mit ihren gängigen Abkürzungen bezeichnet, ohne dass diese näher erläutert werden.

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mögliche Koalition von SPD und Grünen als Himmelfahrtskommando für das
Bundesland Bremen bezeichnet.
Um den Effekt der in den folgenden Textbelegen gebrauchten Kriegsmetaphern angemessen nachzuvollziehen, muss vorab auf eine wichtige Erkenntnis Küsters hingewiesen werden. Dieser merkt an, dass es innerhalb der militärsprachlichen Lexik einige Begriffe gibt, die auch in ihrem Herkunftsgebiet ideologische Funktion haben (1978: 105). Wenn also CDU- Politiker Neumann im vorhergehenden Beispiel die Koalition der beiden linksgerichteten Parteien als ein „Himmelfahrtskommando“ bezeichnet, so impliziert diese Metapher bereits das Element des Scheiterns. Andererseits gibt es jedoch zahlreiche Militärmetaphern, die gleichermaßen positiv wie negativ konnotiert sein können. Ob sie in den Artikeln nun zur Darstellung negativer oder positiver Phänomene eingesetzt werden, kann allein durch die Einbeziehung des Kontexts geklärt werden. Eben jene Offenheit der semantischen Qualität einer Kriegsmetapher wird in den folgenden Beispielen für Überschriften aus der taz und aus LM genutzt:
(8) Le sommet mondial pour le développement social – L’homme d’une croisade (LM 07.03.1995, 4).
(9) Ein lautloser Kreuzzug für Moral und Ordnung (taz 19.06.1996, 9).
In Beispiel (8) erhält das Substantiv – wie sich bei der Lektüre des so betitelten Artikels herausstellt – eine positive Bewertung, indem lobend die Bemühungen eines chilenischen Botschafters der UNO geschildert werden, dessen Engagement gegen die Armut hier mit der Bezeichnung croisade als besonders unermüdlich herausgestellt wird. Anders verhält es sich hingegen in der Überschrift aus Beispiel (9), in welcher ebenfalls von einem Kreuzzug die Rede ist, nämlich von einem „Kreuzzug für Moral und Ordnung“. Eine solchermaßen gewählte Formulierung könnte zunächst die Vermutung nahelegen, dass die Militärmetapher auch hier zur Darstellung eines als positiv erachteten Phänomens eingesetzt wird. Doch überzeugen schon die ersten Zeilen des Artikels den Leser vom Gegenteil. So bezeichnet der
„lautlose Kreuzzug“ das vom Verfasser des Artikels scharf kritisierte Vorgehen des seit 1995 in der französischen Stadt Toulon regierenden Bürgermeisters, der es sich als Anhänger des rechtsextremen Front National zur Aufgabe gemacht hat, die ausländische Bevölkerung der Stadt zu
verdrängen. Gemeinsam ist den Zeitungsüberschriften aus der taz und LM,

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dass sie die semantische Offenheit des Lexems Kreuzzug bzw. croisade insofern nutzen, als dass allein aus der Überschrift noch nicht abzuleiten ist, ob es in positiver oder negativer Konnotation gebraucht wird. In beiden Zeitungen ließen sich in annähernd gleicher Verteilung Belege finden, die den Gebrauch des Ausdrucks Kreuzzug/ croisade in positiver oder negativer Verwendung aufzeigen, sodass nicht auf einen grundsätzlichen Unterschied im Verständnis des hinter dem Begriff stehenden Konzeptes zu schließen ist.
Die vergleichende Analyse des Gebrauchs von Kriegsmetaphorik in den Überschriften aus der taz und LM soll nun mit einer Feststellung enden, die einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Zeitungen aufzeigt und die es erfordert, noch einmal auf das erste Beispiel dieses Kapitels einzugehen. So ist es in dem Titel „Wahlkampf ohne Wattestäbchen“ zu einer sehr ungewöhnlichen Verbindung zweier Lexeme gekommen, deren Isotopie- ebenen einander nicht ferner sein könnten. So ungewöhnlich diese Formulierung, hinter der sich im Übrigen eine sehr eigenwillige Beschreibung der Wahlkampfstrategien von SPD, CDU und den Grünen verbirgt, auf den ersten Blick erscheinen mag, so deutlich gilt es hervorzuheben, dass sich im Untersuchungskorpus zahlreiche Belege für Überschriften aus der taz finden ließen, in denen Kriegsmetaphorik in recht ungewöhnlichen Kontexten verwendet wird, sodass nicht selten von einer geradezu ironischen Verwendung der Kriegsmetaphern zu sprechen ist. Dies ist – um nur ein weiteres Beispiel zu nennen – der Fall, wenn ein Bericht über das wenig angespannte politische Klima in der Endphase des Hessischen Wahlkampfes unter folgendem Titel erscheint:
(10) Der Wahlkampf der nassen Nudeln (taz 14.02.1995, 3).
Des Weiteren wissen die Journalisten der taz Kriegsmetaphern durch geschickte Wortspiele zu ironisieren, beispielsweise wenn die höchst konventionalisierte Kriegsmetapher Wahlkampf durch das Hinzufügen eines einzelnen weiteren Buchstaben eine neue, satirische Bedeutung bekommt:
(11) SPD-Kreuzzug gegen die PDS – SPD im Wahlkrampf (taz 27.04.1994,
17).
Diese ironisch verwendeten Kriegsmetaphern in den Überschriften der taz können nicht nur als „lesestimulierend“ (Reger 1977: 268) eingestuft werden, sondern sie vermitteln darüber hinaus konkrete inhaltliche Aussagen, die sich spätestens bei der Lektüre des entsprechenden Artikels erschließen und

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bleiben somit keine – wie Reger es formuliert – bloßen „Leerformeln“ (1977:
268). In den Überschriften aus LM ließen sich im Korpus keine Belege für metaphorisch verwendete Kriegsbegriffe in ironischen oder satirischen Kontexten oder Formulierungen finden. Hier dominiert vielmehr eindeutig der Gebrauch von konventionellen Metaphern in Kontexten, die nicht minder konventionalisiert sind. Diese Beobachtung ist auf eine Differenz der Stilnormen der sprachlich recht experimentierfreudigen taz und der sich offenkundig etwas seriöser gebenden LM zurückzuführen.

3.2 Zur Textfunktion der Kriegsmetaphern in Zeitungsüberschriften

Die Korpusauswertung hat eine deutliche Metaphernfreundlichkeit im Hinblick auf Zeitungsüberschriften sowohl für die deutsche taz als auch für die französische LM zweifelsfrei belegen können. Entsprechend den zwei Funktionen, die Lüger der Überschrift zuspricht (1995: 28ff.), zeigen auch die Korpusbelege, dass die in den Überschriften genutzten Kriegsmetaphern grundsätzlich zwei verschiedene Funktionen erfüllen können.
Zum einen entspricht die Verwendung von Kriegsmetaphern der Funktion von Überschriften, die inhaltlichen Aussagen des Artikels zu komprimieren. Insbesondere die – im Korpus in hohem Maße belegten – konventionellen Kriegsmetaphern scheinen geeignet, in solchen „Zusammenfassungs- schlagzeile“ (Lüger 1995: 28) zu fungieren, erzeugen sie doch aufgrund ihrer allgemeinen Bekanntheit und ihrer guten bildlichen Vorstellbarkeit augenblicklich ein sehr einprägsames Bild, das mit gewiss sehr einfachen und mitunter stereotypen Strukturen den Inhalt auf ein Minimum reduziert. Mehr als um die Vermittlung unbekannter Tatsachenzusammenhänge geht es demnach um einen ersten – natürlich stark vereinfachten – atmosphärischen Eindruck der in den Artikeln thematisierten politischen Geschehnisse, sodass von den Leistungen der Metaphorik in der Überschrift die emotiv-expressive gegenüber der heuristischen überwiegt.
Zum anderen nimmt die Überschrift laut Lüger eine Appellfunktion wahr und fungiert als „Attraktivmacher“ (Lüger 1995: 35). In den stilistisch variantenreichen Überschriften der taz gelingt dies nicht selten mittels der ludischen Funktion. So steigern die im Korpus belegten, ungewöhnlichen Kombinationen von Lexemen und die überraschenden Wortspiele das Lesevergnügen der Rezipienten und dienen somit in erster Linie der

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Unterhaltung. Sind einige Überschriften in der taz darüber hinaus durch ironisch verwendete Metaphern deutlich meinungsbetont gestaltet, kann ein Aufeinandertreffen der ideologischen und der ludischen Funktion konstatiert werden. Im französischen Teil des Korpus konnten hingegen keine vergleichbaren Belege für den ludischen Metapherneinsatz in Überschriften ausfindig gemacht werden. Der Anspruch der Seriosität scheint hier den möglichen Wunsch des Lesers nach Vergnüglichkeit zu dominieren. Diese Divergenz zwischen der deutschen und der französischen Zeitung ist vermutlich durch unterschiedliche Anforderungen an die Journalisten von der taz und LM zu erklären, die bestimmte Stilnormen erfüllen und gewisse Leserprofile bedienen müssen. Sie verweist somit nicht auf einen grundlegenden Unterschied zwischen der Kriegsmetaphorik und ihren funktionalen Möglichkeiten in den Vergleichssprachen.

3.3 Kriegsmetaphorik im Zeitungsartikel

3.3.1 Bildspendendes Feld ‘Les différentes sortes de guerre’

Die erste Gruppe innerhalb des bildspendenden Feldes der Kriegsmetaphorik, die an dieser Stelle analysiert werden soll, konstituiert sich um den Zentralbegriff Krieg und seine Synonyme.
Quantitativ dominiert eindeutig die metaphorische Verwendung des zentralen Lexems Krieg bzw. guerre, das sowohl im französischen als auch im deutschen Korpus in seinen für die jeweilige Einzelsprache typischen Funktionsverbindungen mit Verben ausgesprochen häufig vertreten ist. So sind weitgehend konventionalisierte Formulierungen wie die folgenden in den Artikeln beider Zeitungen keine Seltenheit:
(12) Les socialistes sont partis en guerre contre les privatisations du gouvernement […] (LM 25.10.1996, 6).
oder
(13) Christdemokrat Roland Sauer will keinen Krieg führen und den

Raucher nicht kriminalisieren oder stigmatisieren (taz 27.01.1998, 13).

Die deutsche und die französische Sprache weisen hier zahlreiche äquivalente
Ausdrücke auf, die in der politischen Berichterstattung von LM und taz
frequent genutzt werden.

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Aufschlussreich ist jedoch auch eine Analyse jener Synonyme des Lexems Krieg, die eine ganz bestimmte Kampf- oder Gefechtsart bezeichnen. Zwar ist ihr Gebrauch insgesamt weniger frequent als der des zentralen Lexems ihrer Gruppe, doch unterstreichen die Ergebnisse der Korpusauswertung dennoch die augenscheinliche Beliebtheit von Substantiven, die eine klar definierte Art der Kriegsführung charakterisieren. So konnten etwa die Lexeme Kreuzzug, Guerillakrieg, Blitzkrieg und Zermürbungskrieg oder auch lexikalisierte Verbindungen wie totaler Krieg immer wieder im Korpus belegt werden. Als besonders gelungen darf die metaphorische Verwendung dieser Begriffe gelten, wenn ihre jeweilig spezifischen Bedeutungsnuancen berücksichtigt und auf das bildempfangende Feld übertragen werden.
Der Ausdruck Kreuzzug, der ursprünglich den Kriegszug der Christen zur Eroberung Jerusalems aus den Händen der Mohammedaner im 12. und 13. Jahrhundert bezeichnet, ist längst in übertragener Bedeutung lexikalisiert. So trifft Wahrigs Definition des Terminus als „Unternehmung für eine gute oder als idealistisch betrachtete Sache“ auf die beiden folgenden Korpusbelege kulturpolitischer Berichte aus taz und LM voll zu:
(14) Die britische Band Rockbitch führt einen charmanten Kreuzzug für die befreite Sexualität aller Menschen (taz 11.08.1998, 19).
(15) Bouleversé en 1984 par le drame de la famine qui ravage l'Ethiopie, il [scil. le directeur de Reuters-TV] est le premier à diffuser pour le compte de la BBC les images des silhouettes squelettiques qui […] inciteront le chanteur Bob Geldorf à lancer une croisade contre la faim lors du concert de rock Live Aid (LM 27.11.1996, 12).
Wahlweise kann das Lexem Kreuzzug auch zur Bezeichnung der Bemühungen um ein zwar noch immer als ideologisch betrachtetes, jedoch eindeutig als negativ ausgewiesenes Ziel dienen, wie folgender Kommentar der taz über CSU-Politiker Edmund Stoiber deutlich macht:
(16) Sein Kreuzzug für eine Abschaffung des Asylrechts, gegen eine erleichterte Einbürgerung und für die Wanze in der Wohnung trugen ihm unlängst einen Titel ein: „Extremist im öffentlichen Dienst“ schimpfte ihn der FDP-Abgeordnete Burkhard Hirsch (taz, 15.05.1993,
11).
Viele Korpusbelege dokumentieren über den recht allgemein gehaltenen metaphorischen Gebrauch des Begriffs hinaus, dass dem historischen Hintergrund der Kreuzzüge bei der Verwendung dieses Wortes in der Presse

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heute durchaus noch Rechnung getragen wird, wenn auch – wie demonstriert werden soll – in sehr stereotyper Form. So deutet die auffällige Rekurrenz des Lexems in Berichten über politisch-religiöse Tatsachenzusammenhängen darauf hin, dass bei der Metaphorisierung des Wortes der Aspekt des religiös motivierten Fanatismus im Vordergrund steht, den der Begriff Kreuzzug aus den oben genannten Gründen automatisch evoziert. Als Beleg für diese Tendenz mögen Beispiele aus der taz und aus LM fungieren:
(17) […] les groupes protestantes traditionalistes de stricte obédience sont particulièrement actifs. Beaucoup poursuivent dans le cyberespace leur violente croisade contre l'avortement (LM 26.02.1996, 27).
Während in LM die Aktivitäten einer ganz offenbar als radikal eingestuften protestantischen Gruppe als Kreuzzug bezeichnet werden, dient die metaphorische Verwendung von Kreuzzug im nächsten Beispiel – ebenfalls in Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung des Lexems – in erster Linie der Anspielung auf einen Konflikt zwischen Vertretern der christlichen Kirche und der muslimischen Moschee:
(18) Kreuzzug gegen den Muezzinruf: Geradezu kreuzzugartig muten die Angriffe auf den Muezzinruf aus Teilen der evangelischen Kirche an (taz 05.08.1997, 5).
Auch die Situation eines Guerillakrieges, der als ein „Kleinkrieg oder Banden- oder Partisanenkrieg“ (Wahrig 2000: 584) definiert ist, wird häufig auf Zustände in der Politik übertragen. So wird der Hispanismus in folgendem Beispiel aus LM eingesetzt, um die Aktivitäten einer nicht zur Regierung gehörenden Interessensgemeinschaft zur Abwendung von Plänen der Staatsmacht zu charakterisieren:
(19) En progression de 1,7 %, les crédits accordés au système de soins n'ont jamais été aussi chichement comptés par le gouvernement, qui risque une crise sociale dans les hôpitaux, tout en affrontant une guérilla continue d'une partie des cent quinze mille médecins libéraux hostiles à la réforme de la Sécurité sociale (LM 28.12.1996, 6).
Des Weiteren finden sich Belege, in denen das militärsprachliche Lexem auf Situationen übertragen wird, in denen ein Ganzes, so z.B. die französische Nationalversammlung, durch innere Konflikte zerrissen wird:
(20) A l’Assemblée nationale, les centristes et les libéraux mènent une guérilla symbolique (LM 21.10.1996, 1).

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Auch in den Artikeln der taz wird gelegentlich von Guerillakriegen im metaphorischen Sinne berichtet. Es überwiegt jedoch bei weitem die Verwendung des offenbar sehr beliebten Kompositums Spaßguerilla, wie u.a. folgendes Beispiel zeigt:
(21) Die kritische Masse ist erreicht. Der Widerstand gegen die Belästigung durch Lärm und Abgase reicht von Spaßguerilla-Aktionen bis zum aufreibenden Windmühlenkampf gegen die Berliner Bürokratie (taz
18.10.92, 35).
Neben dem Hispanismus Guerilla hat das Wort Blitzkrieg aus der deutschen Militärsprache als Germanismus Eingang in die französische Sprache gefunden und wird in den Artikeln aus LM mit auffallender Häufigkeit metaphorisch verwendet. Während dieser fachlexikalische Terminus, der einen „rasch zum Sieg geführte[n] Feldzug“ (Wahrig 2000: 283) bezeichnet und wohl untrennbar mit dem Vorgehen der Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg verbunden ist, in den Artikeln der taz nur ein einziges Mal in übertragener Bedeutung genutzt wird16, häufen sich im französischen Korpus die Belege, in denen ein schnell errungener politischer Sieg mit jenem Germanismus benannt wird:
(22) [Les Républicains indépendants] avaient dû subir ensuite, pendant cinq ans, le bon vouloir des gaullistes et attendre que les déchirements de ces derniers procurent à Valéry Giscard d'Estaing l'opportunité d'un blitzkrieg victorieux à l'élection présidentielle de 1974. (LM 09.05.1995,
3)
(23) […] le Blitzkrieg électoral de Bill Clinton peut-il être arrêté ? (LM
18.05.1996, 1)
Von einem besonders gezielten Gebrauch dieser Metapher zeugt folgendes
Beispiel aus einem wirtschaftspolitischen Bericht, in dem – vermutlich kaum

16 Der entsprechende Beleg findet sich in einem ohnehin sehr stark von der Isotopie des

Krieges durchzogenen Artikel, in dem von dem geplanten Berliner Bundeswehrgelöbnis am

13. August 1998 berichtet wird: „Der Blitzkrieg des Möchtegern-Kanzlers gegen „die Linke“ wurde schon beim verbalen Aufmarschieren gebremst. [...] Beim wahltaktischen Sandkastenspiel hatten CDU und Hardthöhe übersehen, daß sich die Ostdeutschen am 13. August Aufmärsche von Kampftruppen ansehen mußten. Der brave Wolfgang Thierse, der dankeswert daran erinnert hatte, mußte sich zwar von den CDU-Stahlhelmen anpöbeln lassen. Aber da war schon klar, daß Studienrat Rühe im Klassenzimmer besser aufgehoben ist. Zusätzlich mißlang ihm gestern auch noch der geordnete Rückzug auf den 10. Juni (taz

11.06.1998, 1).

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zufällig – im Zusammenhang mit einem deutschen Unternehmen Gebrauch von dem Germanismus gemacht wird:
(24) Tout aussi mouvementé, le blitzkrieg lancé par la banque d'affaires Deutsche Morgan Grenfell (DMG) provoque irritations et colère dans le monde d'ordinaire feutré de la City à Londres et jusqu'aux Etats-Unis (LM 30.10.1996, 1).
Mag die Zurückhaltung der deutschen Journalisten im Hinblick auf die metaphorische Verwendung dieses ideologisch überaus belasteten Lexems mit der Vergangenheit des Landes zu begründen sein, so sind die Gründe für die unterschiedliche Frequenz der metaphorischen Verwendung des Ausdrucks guerre d’usure bzw. „Zermürbungskrieg“ sicherlich nicht kulturell bedingt. Es konnte festgestellt werden, dass sich die französische Bezeichnung für einen lang andauernden, die Kräfte des Gegners langsam aufzehrenden Krieg in den Artikeln von LM größter Beliebtheit erfreut, während eine Verwendung des deutschen Äquivalents im übertragenen Sinne in der taz nicht belegt werden konnte. Dabei wäre der Begriff Zermürbungskrieg sicherlich ebenso geeignet, in metaphorischen Zusammenhängen eingesetzt zu werden, die den folgenden Wendungen ähneln:
(25) Quelle guerre? La guerre d'usure contre le régime de Felipe González à coups de scandales répétés jusqu'à ce que démission s'ensuive (LM
17.06.1995).
(26) Encore faudrait-il, ensuite, que le gouvernement ne donne pas l'impression de mener une guerre d'usure contre cet impôt, à défaut de pouvoir le supprimer comme en 1986 (LM 12.12.1996, 6).
Wie viele weitere, hier nicht angeführte Korpusbelege hat auch das letztgenannte Beispiel einen monetären Hintergrund. Es kann vermutet werden, dass die größere Beliebtheit der metaphorischen Verwendung von guerre d’usure im Französischen gegenüber dem Deutschen auch in der Polysemie des französischen Lexems begründet sein mag. Da unter usure auch ein „intérêt perçu au-delà du taux licite“ oder ein „délit comis par celui qui prête à un taux d’intérêt excessif“ (Le Petit Larousse Illustré 2002: 1049) zu verstehen ist, gilt die metaphorische Verwendung von guerre d’usure im Sinne von Zermürbungskrieg in wirtschaftspolitischen und insbesondere monetären Zusammenhängen möglicherweise als besonders geschickt.
Als gleichermaßen in französischen wie in deutschen Pressetexten beliebt hat sich hingegen die feststehende Verbindung totaler Krieg bzw. guerre totale

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erwiesen, deren starke Affektivität in verschiedenen Kontexten sowohl in LM
als auch in der taz genutzt wird:
(27) [Les communistes] se contentent de parler de corriger les injustices commises au cours de la campagne de privatisation. […] Mais il est parfaitement évident qu'à redresser les torts on en viendrait rapidement à déclarer une guerre totale à la propriété privée (LM
21.06.1996, 14).
(28) Wenn es stimmt, „daß ein Krieg allgemein die Hemmschwelle senkt“ (Bayernkurier), dann muß sich die CSU zur Zeit im Zustand des totalen Krieges mit der zivilisierten Welt befinden. Denn anders ist wohl nicht zu erklären, daß sich die CSU so stürmisch völkisch gibt und [...] gegen die Ausstellung über die Wehrmachtsverbrechen polemisiert (taz
10.03.1997).

3.3.2 Bildspendendes Feld ‘Les hommes à la guerre’

Die Politik wird – wie gezeigt werden konnte – in der Presse häufig als Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen vermittelt, auf dem es natürlicherweise Sieger und Verlierer gibt. Hier sollen nun jene Metaphern untersucht werden, die sich auf das Verhältnis der Kriegführenden, respektive der politischen Persönlichkeiten und Parteien, beziehen. Dabei sollen neben der Dichotomie von Sieger und Verlierer zwei weitere komplementäre Begriffspaare im Vordergrund stehen, welche die wechselseitigen Be- ziehungen von Menschen im Krieg und in der Politik charakterisieren.
In beiden Vergleichssprachen werden die Begriffe Sieger und Verlierer beständig gebraucht, beispielsweise um über die Ergebnisse von Wahlen zu informieren, seien es nun Präsidentschaftswahlen in Südafrika oder aber die Wahlen für das Verwaltungsgremium der landesweiten Arbeitslosenkasse Frankreichs:
(29) Der Verlierer der Wahl mag zwar noch nicht feststehen, der Sieger allemal: Nelson Mandela wird Ende dieser Woche der erste schwarze Präsident Südafrikas (taz 26.04.1994, 3).
(30) Ce luxe de précautions avait été décidé pour prévenir le bavardage des membres du conseil et éviter de blesser inutilement soit le vaincu avec lequel il faudra continuer de travailler soit le vainqueur si le score avait été étriqué (LM 02.10.1996, 6).
In ähnlich konventionalisierten Kontexten treten in den Artikeln des deutschen und des französischen Korpus das Begriffspaar Gegner/ Verbündeter

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bzw. seine französische Entsprechung auf. Politische Bündnisse, die durch gegenseitige Unterstützung oder aber im Gegenteil durch Spannungen und Uneinigkeit markiert sind, werden häufig wie folgt umschrieben:
(31) Beistand erhält die Regierungskoalition dabei, etwas unverhofft, von der rechten Nationalen Allianz, die sich damit klar gegen ihren bisherigen Verbündeten Berlusconi stellt (taz 29.05.1998, 10).
(32) A quelques heures du scrutin présidentiel américain du 5 novembre, l'écart semble se resserrer entre le président sortant, le démocrate Bill Clinton, et son adversaire républicain, l'ancien sénateur du Kansas, Bob Dole (LM 05.11.1996, 1).
Der letzte Beleg ist sicher von besonderer Beispielhaftigkeit, wird das Lexem adversaire hier doch in einem Wahlkampfbericht verwendet. Da gegnerische Verhältnisse in Wahlkämpfen natürlich am stärksten nach außen getragen werden, kommt diese Metapher in den entsprechenden Presseberichten auffallend häufig vor.
Das dritte und letzte zu untersuchende komplementäre Begriffspaar ist jenes, das dem Verteidiger den Angreifer gegenüberstellt. Die Korpusbelege, in denen das Lexem Verteidiger in Bezug auf zu unterstützende politische Vorhaben oder zu fördernde Personen verwandt wurde, stammen sowohl aus der taz als auch aus LM:
(33) Heute ist der Zwist zwischen Clinton und dem linken Flügel weitgehend begraben. Denn gerade die Linke wurde zu Clintons entschlossenstem Verteidiger (taz 20.08.1998, 12).
(34) D'abord, il faut avoir à l'esprit que M. Giscard d'Estaing a figuré, dans les années récentes, parmi les plus fervents défenseurs de la politique du franc fort (LM 22.11.1996, 6).
In keiner der beiden Zeitungen konnten hingegen Belege ermittelt werden, in denen der Komplementärbegriff Angreifer in politischen Zusammenhängen vorlag. Vielmehr dominierte die Verwendung dieses Begriffs in anderen thematischen Kontexten, etwa der Sportberichterstattung.17
Gemeinsam ist den drei genannten Begriffspaaren nicht nur, dass sie stets in hochgradig konventionalisierter Form vorkommen und somit kaum mehr als

17 In verbalisierter Form kam das Lexem jedoch auch in der politischen Berichterstattung ausgesprochen häufig vor. Verben, die den Akt des Angreifens ausdrücken, sollen jedoch erst unter Punkt 3.3.3 behandelt werden, wenn die Metaphorisierung des Kriegsgeschehens im Vordergrund steht.

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Metaphern wahrgenommen werden, sondern auch, dass sie nicht ausschließlich militärsprachlich fixiert sind. So können Begriffe wie Sieger, Verlierer und Gegner verschiedenen Bereichen zugeordnet werden, etwa dem Sport, der Juristik oder aber doch dem Krieg.18 Durch ihre unmittelbare sprachliche Umgebung können diese Begriffe jedoch unschwer auf die militärische Herkunft festgelegt werden, was im Folgenden vorgeführt werden soll. Hierzu möge das Beispiel (32) erneut aufgegriffen und ein größerer Kontext des entsprechenden Artikels preisgegeben werden. Erweitert man die Belegstelle nur um einige wenige Sätze, ergibt sich folgendes Bild:
(34) A quelques heures du scrutin présidentiel américain du 5 novembre, l'écart semble se resserrer entre le président sortant, le démocrate Bill Clinton, et son adversaire républicain, l'ancien sénateur du Kansas, Bob Dole. Si la plupart des sondages donnaient encore, dimanche 3 novembre, une confortable avance plus de dix points à M. Clinton, tout se passe comme si les attaques lancées, par la presse et par les républicains, contre certaines irrégularités du financement de la campagne démocrate commençaient à porter.[…] Convaincus qu'aucune voix ne saurait être négligée, les deux principaux candidats terminent leur campagne en multipliant les apparitions publiques. Alors que Bob Dole attaque durement son adversaire sur sa morale personnelle, le président sortant fait mine d'être au-dessus de la mêlée et présente son bilan, riche de bons indices économiques (LM 05.11.1996,
1).
Die Kumulation mehrerer Begriffe aus dem Bereich des Krieges führt in diesem Beispiel dazu, dass auch Lexeme, deren Ursprünge nicht eindeutig auszumachen sind, auf die militärische Herkunft festgelegt werden und somit ebenfalls dazu beitragen, den militärsprachlichen Kontext zu konstituieren. Je stärker das bildspendende Feld angefüllt wird, desto nachdrücklicher sind die Rückbezüge zum Herkunftsbereich. Küster spricht daher auch von einer
„Remetaphorisierung der Nachbarelemente“ (1978: 64).

3.3.3 Bildspendendes Feld ‘Faits de guerre’

Wenn an dieser Stelle nun abschließend der bildspendende Bereich ‚Faits de guerre’ näher betrachtet werden soll, so ist es das Ziel, Metaphorisierungen

18 Es soll an dieser Stelle nicht zu ermitteln versucht werden, in welchem Feld dieses Vokabular nun tatsächlich entwickelt worden ist, denn die Bestimmung der Herkunft einer Metapher kann sich bisweilen als ausgesprochen schwierig herausstellen (Rigotti 1994: 52).

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des Kampfgeschehenes in den deutschen und französischen Pressetexten zu analysieren. Sowohl die deutsche als auch die französische Sprache kennen eine Vielfalt an Begriffen zur Bezeichnung kriegerischer Handlungen, die in den Artikeln des Korpus häufig als Teil hochkonventionalisierter Wendungen metaphorisch gebraucht werden:
(35) [...] bis zur Bundestagswahl vergeht noch ein ganzes Jahr. Aber spätestens morgen beginnt der Wahlkampf (taz, 11.05.1993, 7).
Dem deutschen Leser dieses Artikelfragmentes wird der Gedanke an einen tatsächlichen, gewaltsamen Kampf ebenso wenig naheliegen19, wie dem französischen Leser gegenwärtig sein wird, dass der Begriff campagne in einem Standardwerk der Lexikographie wie Le Petit Larousse Illustré zunächst als eine
„expédition militaire“ und als ein „ensemble d’opérations militaires menées sur un théâtre determiné“ (2002: 170) definiert ist, wenn er etwa folgenden Satz in einem Zeitungsartikel aus LM liest:
(36) La campagne électorale en vue du scrutin présidentiel et législatif, prévu le 27 janvier en Tchétchénie, a débuté mercredi 27 novembre (LM
29.11.1996, 3).
Der Begriff Wahlkampf und sein französisches Äquivalent campagne électorale sind in politischen Zeitungsartikeln also nur mehr als „verblaßte Konkretisierungen“ (Reger 1977: 268) zu bezeichnen. Dasselbe gilt auch für eine große Anzahl weiterer konventioneller Metaphern aus dem bildspendenden Bereich ‚Faits de guerre’. Dass die deutsche und die französische Sprache hier äquivalente konventionelle Metaphern ausbilden, soll im Folgenden anhand einer Gegenüberstellung von je einem Beleg aus der taz und einem weiteren aus LM nachgewiesen werden.
So werden sowohl im Französischen als auch im Deutschen Verben metaphorisiert, die gewaltsame Handlungen ausdrücken. So erfreuen sich u.a. attaquer bzw. attackieren steter Beliebtheit. Objekte des metaphorischen Angriffs können dabei, wie die folgenden Beispiele zeigen, sowohl ein geringgeschätzter Sachverhalt als auch ein politischer Gegner sein:

19 Auch die im Korpus zahlreich vorhandenen Komposita, die mit dem Terminus Wahlkampf gebildet werden können, rufen bei den deutschen Lesern vermutlich in den seltensten Fällen die Vorstellung eines tatsächlichen, gewaltsamen Kampfes hervor.

„Wahlkampfauftakt“ oder „Wahlkampfoutfit“ (31.08.1998, 22 und 24) stellen nur zwei

Beispiele aus den zahlreichen Belegen für derartige Komposita dar.

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(37) Schäuble soll hauptsächlich deswegen verbittert sein, weil Kohl und seine engsten Wahlkampfberater vor allem auf die PDS einschlagen, anstatt die SPD und ihren Spitzenkandidaten Schröder zu attackieren (taz 15.06.1998, 4).
(38) Si Bob Dole, le candidat républicain qui devrait affronter le président Clinton à l'élection présidentielle du 5 novembre, attaque volontiers le bilan présidentiel en matière de politique étrangère, c'est généralement à propos de la Russie, de la Bosnie ou de la Chine […] (LM 27.06.1996, 2).
Auch das militärsprachliche Lexem Schützengraben bzw. tranchée erfährt in deutschen und französischen politischen Artikeln eine analoge Metaphorisierung:
(39) Daß sie [scil. die Verhandlungen um die Steuerreform] geplatzt sind, hat nichts damit zu tun, daß sich die Unterhändler von CDU/CSU, FDP und SPD in irgendwelchen dogmatischen Schützengraben verschanzt hatten, sondern damit, daß gegensätzliche Konzepte und Interessen nicht auf einen Nenner gebracht werden konnten (taz 29.05.1997).
(40) En prévision du débat fiscal de 1997, la guerre de tranchées commence
(LM 24.12.1996, 10).
Identisch ist hier nicht nur der thematische Kontext der Artikel, die in beiden Fällen über Debatten um eine Steuerreform berichten, sondern gemeinsam ist den Beispielen darüber hinaus, dass mit Hilfe der Metapher eine Situation dargestellt wird, in der sich zwei Parteien gegenüber stehen, die einander diametral entgegengesetzte Ansichten beharrlich vertreten und von ihren absoluten Positionen nicht abzuweichen bereit sind. Zur Darstellung derart unverrückbarer Standpunkte zweier Parteien eignet sich das Bild des Schützengrabens begreiflicherweise besonders gut.
Eine ebenfalls in beiden Zeitungen gern genutzte Metapher ist die des Schlachtfeldes. Im folgenden Beleg aus der taz wird beispielsweise die zu Metaphorisierungen einladende Analogie zwischen einem Schlachtfeld und einem Parlament genutzt, auf die auch Küster (1978: 68) hinweist. So stehen sich sowohl in einem Parlament als auch auf einem Schlachtfeld Gruppen gegenüber, die für einander widersprechende Interessen eintreten oder kämpfen:

(41) Vor allem die Wünsche des Militärs versprechen das Parlament bei der nächsten Lesung des Gesetzes doch wieder in ein verbales Schlachtfeld zu verwandeln (taz 16.05.1994, 7).

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Genau wie in Beispiel (39) wird die Metapher hier durch die unmittelbare sprachliche Umgebung als eine solche identifizierbar. Das Adjektiv verbal und das Lexem Schlachtfeld stehen – genau wie die Wörter dogmatisch und Schützengraben in Beispiel (39) – in einer konterdeterminierten Relation, sodass deutlich wird, dass es sich um eine parlamentarische Auseinandersetzung handelt, auf deren „Schlachtfeld“ es natürlich keinerlei tätliche Gewaltanwendung gibt. Auch in nachstehendem Beispiel aus LM wird der Begriff champ de bataille metaphorisiert, um über die Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien vor den Wahlen in dem französischen Département Var zu berichten und einen Eindruck von der hitzigen Wahlkampfatmosphäre zu vermitteln:
(42) Faute d'avoir su ou voulu se renouveler à temps, le PR du Var pourrait donc voir ce département se transformer en champ de bataille interne à la majorité. Au risque d'ouvrir de nouveau la voie au Front national (LM 30.12.1996, 5).

3.4 Verfahren der ‘Remetaphorisierung’

Nachdem mit den letzten acht Beispielen der Gebrauch stark konventioneller Kriegsmetaphern aus dem – wie sich gezeigt hat – ausgesprochen produktiven Bildspenderbereich ‚Kriegsgeschehen’ behandelt worden ist, sollen nun drei unterschiedliche Verfahren der ‚Remetaphorisierung’ vorgestellt werden, die im Korpus belegt werden konnten.
Das mit Abstand am häufigsten angewandte Verfahren ist die bereits erwähnte Kumulation von Metaphern eines gemeinsamen Bildspenders. Viele militärische Fachlexeme, die in einem außermilitärischen Kontext metaphorisch verwendet werden, haben ihren Verweischarakter aufgrund der hohen Frequenz ihres Vorkommens fast gänzlich verloren. Dies kann mit Sicherheit für die Beispiele (35), (36) und (38) behauptet werden, in denen die militärische Herkunft der markierten Lexeme wohl kaum mehr reflektiert werden dürfte. Um das Bewusstsein für den militärischen Hintergrund der Lexeme zu reaktivieren, genügt es jedoch, die Begriffe nicht einzeln, sondern gemeinsam mit anderen Metaphern aus dem Militärbereich zu verwenden. Weinrich merkt in diesem Zusammenhang an, dass die „stärksten Stützen
einer Metapher“ stets die „metaphorischen Nachbarn“ sind, wenn sie aus dem

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gleichen Bildfeld stammen (1976: 313). Für folgende Beispiele gilt diese
Aussage sicherlich uneingeschränkt:
(43) Um diese geheimnisumwitterte Frage zu beantworten, fuhr die CDU das schwerste Geschütz auf, das der Opposition zur Verfügung steht – das konstruktive Mißtrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten –, und schickte ihren Chef Christoph Bergner ins Gefecht. […] Seit gestern wissen wir: Die PDS toleriert die rot-grüne Minderheitsregierung. […] Das alles spielt eine Rolle, aber man wird das Gefühl nicht los, daß die CDU diese Abstimmungsniederlage wollte (taz 27.11.1996, 10).
(44) Bob Dole a cependant saisi plusieurs occasions pour mettre en pratique la stratégie offensive qu'il semblait avoir abandonnée pour les trois dernières semaines de la campagne présidentielle. […] Cette stratégie a parfaitement fonctionné, M. Dole pâtissant du manque d'intérêt du public pour relancer son offensive (LM 07.10.1996, 3).
Schon diese beiden Ausschnitte illustrieren das Verfahren der Bilder- kumulation. Eine umfassendere Auswertung der Artikel, denen sie entnommen sind, hat darüber hinaus Folgendes ergeben: in dem 908 Wörter zählenden Artikel aus LM lässt sich der Gebrauch von Metaphern aus dem militärischen Bereich in 19 Textbelege nachweisen, wobei 12 unterschiedliche Kriegsmetaphern dokumentiert werden können20. In dem recht kurzen, lediglich 352 Wörter umfassenden Artikel der taz kommen immerhin 6 verschiedene Kriegsmetaphern vor21, die insgesamt achtmal eingesetzt werden. Diese Zahlen belegen zum einen, dass Kriegsmetaphorik in politischen Artikeln sehr usuell ist, zum anderen aber auch, dass eine durch ihren frequenten Gebrauch stark verblasste Metapher wie Wahlkampf oder campagne présidentielle durch ihre „metaphorische Umgebung“ (Weinrich 1976:
313) getragen und reaktiviert werden kann.
Ein weiteres Verfahren, das die Expressivität konventioneller Metaphern zu steigern vermag, ist die Verbindung von Kriegmetaphern mit der von Reger beschriebenen Kategorie der sensorischen Metapher (1977: 275 ff). Als geläufig

20 Die 12 Metaphern, die in diesem Artikel belegt und dem bildspendenden Feld des Krieges zugeordnet werden können, lauten in alphabetischer Reihenfolge: adversaire, attaque, attaquer, avance, campagne, challenger, face à face, gagner, offensive, stratégie, vainquer und victoire.

21 Die 6 vom Bildspenderbereich ‚Krieg’ ausgehenden Metaphern, die in diesem Artikel eingesetzt werden, sind in alphabetischer Reihenfolge: Abstimmungsniederlage, Gefecht, Geschütz, Rettung, Wahlkampf und verlieren.

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hat sich bei der Korpusanalyse beispielsweise die Verwendung von
Temperaturmetaphern herausgestellt:
(45) Bündnis 90/Die Grünen wollen in der heißen Wahlkampfphase noch

Jung- und Erstwähler für sich mobilisieren (taz 27.08.1998, 7).

Auch Tastmetaphern kommen häufig zum Einsatz, wie folgender Bericht über die polnischen Präsidentschaftswahlen zeigt:
(46) Mais les deux hommes se livrèrent ensuite un très dur combat lors de l'élection présidentielle de 1990 (LM 25.12.1995, 4).
Sofern diese sensorischen Metaphern keine allzu schablonenhafte Verwendung erfahren, können sie dazu beitragen, die affektive Geladenheit einer Kriegsmetapher mit eher verblasstem, konventionellen Charakter zu erhöhen. Selbiger Effekt wird auch im nächsten Beispiel erzielt, in dem die konventionalisierte Metapher Kampf erneut bildhafte Bedeutung erhält:
(47) Der Bau der Anlage, Ende der achtziger Jahre von der sowjetischen
Regierung beschlossen, ließ hermetische Kämpfe entbrennen (taz
11.08.1995, 11).
Die Remetaphorisierung vollzieht sich hier mittels eines Phänomens, das Gil als „Metapher 2. Grades“ (1998: 99) bezeichnet. Die Feuermetapher entbrennen, die durch den vorgegebenen Kontext ebenfalls zur Kriegsmetapher wird, lädt die von ihr begleitete Metapher auf. Die beiden Metaphern stützen sich also gegenseitig und bilden gemeinsam ein spannungsgeladenes militärsprachliches Metaphernfeld, das den Artikel prägt.
Abschließend soll auf zwei Besonderheiten aufmerksam gemacht werden, die im Rahmen der Untersuchung des Korpus auf die soeben dargestellten Verfahren der ‚Remetaphorisierung’ aufgefallen sind.
Es konnte ermittelt werden, dass das Prinzip der Bilderkumulation mit auffallender Häufigkeit in Artikeln angewandt wird, in denen ultrakonservative Parteien und Politiker behandelt werden. In LM war hierbei eine deutliche Fixierung auf die konservativ-rechtsextreme Partei Front national und ihren Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen zu konstatieren:
(48) L’exemple du combat poursuivi par le maire de Toulon pour littéralement détruire le Théatre national de la danse et de l’image de Châteauvallon est l’illustration de la stratégie du Front national (LM
24. 10.1996, 13).

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Ist die Anhäufung von Kriegsmetaphern hier sicherlich als Ausdruck einer von dieser rechts-orientierten Partei ausgehenden Aggressivität zu werten, fungiert das Adverb littéralement außerdem als Verstärker der metaphorischen Bedeutung des Verbs détruire.
Die aufsehenerregenden kommunalen Wahlerfolge, welche der Front national in den 90er Jahren in Südfrankreich erzielt hat, waren auch in deutschen Tageszeitungen Gegenstand teils stark emotionalisierender Kommentare, die an Kriegsmetaphorik nicht sparen. So wird in der taz dasselbe Bild genutzt wie in einem Artikel aus LM, wenn der Kommunalwahlsieg des Front national als eine Eroberung des Rathauses beschrieben wird:
(49) Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, daß die Front national die

Rathäuser von drei französischen Städten erobert hat (taz 16.09.1996,

9).
(50) Le Front national n'est pas ici pas plus que dans l'Ouest en général en mesure de troubler le jeu. La conquête de la mairie s'annoncerait donc plutôt comme une bonne vieille bataille droite-gauche (LM 13.05.1995,
7).
Auch andere ultrakonservative Parteien erfahren in beiden Tageszeitungen eine ähnliche Polarisierung. So heißt es in einem Artikel aus LM über Silvio Berlusconi, Italiens Medien und Macht verbindenden Vorsitzenden der dem rechten Flügel angehörenden Forza Italia:
(51) Silvio Berlusconi est vainqueur sur toute la ligne : il sauve ses télévisions et remporte une bataille décisive sur le plan politique où, depuis plusieurs semaines, on le donnait en perte de vitesse, y compris dans son propre camp (LM 13.06.1995, 24).
Und wenn in der taz von dem umstrittenen österreichischen Politiker Jörg Haider, dem ehemaligen Vorsitzenden der rechtspopulistisch-national- konservativen Partei FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) die Rede ist, begegnen dem Leser nicht selten Formulierungen wie:

(52) Haider auf dem Vormarsch (taz 15.10.1996, 3)

oder aber
(53) Bei seinem Kreuzzug gegen die Ungläubigen hat Haider im hohen Klerus schwergewichtige Verbündete: den erzreaktionären Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn (taz 15.04.1997, 9).

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Über Medienmagnat und Großunternehmer Berlusconi und seine heftige Kontroversen auslösende politische Führung wird in der taz unter anderem geschrieben:

(54) Berlusconi vor letztem Gefecht? (taz 06.10.1994, 8).

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Kumulation von Kriegsmetaphern in den letzten sieben Beispielen eine bewusste Polarisierung darstellt, welche sicherlich die Gefahr signalisieren soll, die nach Meinung der Journalisten von den Parteien oder politischen Persönlichkeiten mit ultra- konservativen Anschauungen ausgeht.
Das letzte Beispiel bringt jedoch einen weiteren Aspekt ins Spiel, der zur Erläuterung der zweiten, bei der Korpusanalyse ermittelten Besonderheit im Gebrauch von Kriegsmetaphorik führt. So bekommt Küsters Definition der Metapher als „Zitat in atypischer Distribution“ (1978: 80) in Beispiel (54) eine neue Dimension. Denn so handelt es sich bei dem Ausdruck letztes Gefecht tatsächlich um ein Zitat, das dem Kampflied der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung, der Internationalen, entnommen ist22. Die sich im Refrain wiederholende Formulierung „Auf zum letzten Gefecht!“23, die zu einer viel zitierten Redewendung im deutschen Sprachgebrauch geworden ist, konnte in den Artikeln der taz außerordentlich häufig belegt werden. Meist ist dies – aus evidenten historischen Gründen – der Fall, wenn von linken Parteien die Rede ist. So ist beispielsweise in einem Bericht über die SPD Folgendes zu lesen:

(55) Das letzte Gefecht einer roten Generation: [...] Verlieren die Sozialdemokraten die Bundestagswahl im September, geht die Welt nicht unter und die Partei nicht vor die Hunde. Aber die Genossen, die in der SPD einst zu einem langen Marsch durch die Institutionen angetreten sind, in den Ruhestand (taz 28.02.1998, 2-3).

Das Beispiel (54) stellt hingegen einen ungewöhnlichen Beleg dar, besteht hier doch eine unübersehbare semantische Inkongruenz zwischen Berlusconi, dem

22 Für nähere Informationen bezüglich der kommunistischen Bewegungen, mit denen die

Internationale für gewöhnlich assoziiert wird, vlg. Knaurs Illustrierte Weltgeschichte Bd. III (

2007: 369ff).

23 “ Der Liedtext der 1910 von Emil Luckhardt erstellten deutschen Fassung ist unter folgendem Link der Europa-Universität Viadrina abrufbar: http://viadrina.euv-frankfurt- o.de/~juso-hsg/lieder/internationale/de/internat.htm (04.08.2007).

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Vertreter einer ultrakonservativen Politik und dem berühmten, proletarisch- sozialistischen Schlachtruf aus der Internationalen.
Die äquivalente Formulierung aus der französischen Version der Internationalen nach E. Pottier („C’est la lutte finale, groupons-nous [...]“24) konnte in den Artikeln aus LM nicht belegt werden. Dies mag auf eine Divergenz zwischen den Traditionen und den daraus resultierenden unterschiedlichen Leserprofilen der beiden Tageszeitungen des deutsch- französischen Korpus hinweisen25. Prinzipiell ist das Verfahren, eine Formulierung aus dem Zitierwortschatz anzuführen und metaphorisch zu gebrauchen, jedoch auch in LM geläufig:
(56) Felipe González mobilise les socialistes aux cris de "No pasaran" (LM
02.03.1996, 2).
Die durch die Anführungszeichen als Zitat kenntlich gemachte Formulierung
„No pasarán“ ist als Schlachtruf der republikanischen und antifaschistischen Milizen berühmt geworden, denen es im Oktober/ November 1936 gelang, die Einnahme Madrids durch die Truppen Francos zu verhindern26. Der zu Deutsch „Sie werden nicht durchkommen!“ bedeutende Ausruf ist in der Folge zum Symbol der Siegesgewissheit der republikanischen Seite Spaniens geworden und wird in dem oben zitierten Artikel somit treffend und bedeutungsvoll im Zusammenhang mit dem Wahlkampf der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE (Partido Socialista Obrero Español) genutzt. Da es sich jedoch – im Vergleich zu der aus der Internationalen ent-

24 Der Liedtext der französischen Originalfassung ist unter folgendem Link der Europa- Universität Viadrina abrufbar: http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~juso- hsg/lieder/internationale/fr/inter_fr.htm (04.08.2007).

25 Osthus skizziert die verschiedenartigen Entstehungsbedingungen der beiden Tageszeitungen und weist darauf hin, dass die taz erst 1979 gegründet worden und im Kontext der Nachfolge der Studentenbewegung entstanden ist . LM kenne hingegen eine längere Tradition, ist sie doch bereits 1944 als Nachfolge der Zeitung Le Temps gegründet worden. Aus den unterschiedlichen Traditionen der beiden Zeitungen ergeben sich leicht voneinander abweichende Rollen, welche die taz und LM im öffentlichen Bewusstsein Deutschlands und Frankreichs einnehmen. (Osthus 2000: 184)

26 Einen Überblick über den Verlauf des Bürgerkriegs und die verschiedenen Versuche der franquistischen Truppen, die Hauptstadt zu erobern (Herbst 1936, Frühjahr 1937 sowie schließlich März 1939), bietet das Kapitel zum spanischen Bürgerkrieg in Schmidt, Peer (Hrsg. 2004): Kleine Geschichte Spaniens, Stuttgart.; hier wird erläutert, dass Madrid durch Freiwilligenverbände, sowjetische Hilfe, die Internationalen Brigaden und den Durchhaltewillen der Einwohnerschaft bis März 1939 in den Händen des republikanischen Spaniens gehalten werden konnte (S. 420).

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nommenen Redewendung – um ein weniger geläufiges Zitat aus der aus- ländischen Geschichte handelt, ist es im Korpus zum einen nur ein einziges Mal belegt, wobei es zudem durch die Anführungszeichen unmissverständlich als Zitat markiert wird. Zum anderen wird der historische Kontext, der sich hinter diesem Schlachtruf verbirgt, im Laufe des Artikels zumindest kurz erläutert, wenn es heißt: „Le mot d'ordre des Républicains pendant la guerre civile espagnole fut le leitmotiv de la soirée“ (LM 02.03.1996, 2).

3.5 Zur Textfunktion der Kriegsmetaphern im Zeitungsartikel

Beherrscht von den journalistischen Geboten der Informativität und der Seriosität ist der Fließtext des Artikels in seiner Funktionalität von der bereits unter Punkt 3.2 ausführlich behandelten Überschrift abzugrenzen. Beide haben sich jedoch im Zuge der Korpusuntersuchung im Hinblick auf den hier behandelten Bildspenderbereich als sehr metaphernfreudig erwiesen. Die Frage, die hier zentral interessiert, ist jene nach der kommunikativen Leistung und der Funktion der Kriegsmetaphern für die Argumentation und die politische Botschaft in den deutschen und französischen Zeitungsartikeln des Korpus.
Die Untersuchung des Pressekorpus hat deutlich gemacht, dass die erkenntnisfördernde Funktion der Metaphorik in den deutschen und französischen Zeitungsartikeln kaum hervortritt. In keinem der behandelten Beispiele geht es darum, mittels der Metaphern aus dem bildspendenden Bereich ‚Krieg’ neue Inhalte zu vermitteln und die Leser in mitunter komplizierte politische Kontexte einzuweihen.. Weydts grundsätzlich sicher richtige Beurteilung der Metaphern als „Erkenntnisinstrumente“ (1986: 94) soll an dieser Stelle nicht in Frage gestellt werden, doch hat sie sich für den Status der Kriegsmetaphorik in den analysierten Pressetexten als nicht bestimmend erwiesen.
Die Metaphern aus dem Bildspenderbereich Krieg werden vielmehr als affektives Mittel eingesetzt. In ihrer Fülle bestimmen sie vielfach den atmosphärischen Eindruck der Artikel, wozu sie – zumindest sofern sie nicht gänzlich konventionalisiert sind – durch die Evokation der elementaren Prinzipien von Gut und Böse (Küster 1978: 81) bestens geeignet sind. Diese werden auf den komplexen bildempfangenden Bereich der Politik übertragen und strukturieren ihn. Der dabei entstehende Eindruck ist in der Regel

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emotionalisierender Qualität. Die Hauptfunktion der Kriegsmetaphern ist demnach die Vermittlung von Wertungen und Emotionen und somit indirekt die der Meinungsbildung. Hierbei ist stets darauf geachtet worden, ob die Metaphern mit stark emotionalisierender Qualität mitunter manipulative Funktion erfüllen. Jedoch kann selbst in Beispielen, in denen eine unverkennbare, bewusst von Emotionen beförderte Polarisierung vorliegt, nicht von einer manipulativen Funktion im engeren Sinne gesprochen werden. Selbst in jenen Belegen, die ultrakonservative Parteien (Beispiele (48) bis (54)) behandeln und von einer starken Isotopie des Krieges durchzogen sind, ist das Ziel des Metapherneinsatzes darauf beschränkt, die journalistischen Wertungen gleichsam zu untermauern. Es geht um die Vermittlung einer bestimmten Einstellung des Textproduzenten, der durchaus in einigen Fällen meinungsbildend auf den Rezipienten einwirken will. Da es jedoch nicht um eine Verschleierung oder die Suggerierung falscher Tatsachenzusammen- hänge geht, kann eine intendierte Manipulation ausgeschlossen werden.
Die im Korpus belegten Metaphern aus dem Bereich des Krieges dienen also vornehmlich der Meinungsbildung, während der reine Informationswert stark beschränkt ist. Auch der ludischen Funktion kann für die analysierten Pressetexte nur eine marginale Funktion zugesprochen werden. Wenngleich die Metaphern sicherlich auch eingesetzt werden, um das alltägliche politische Geschäft ansprechend und ohne ermüdend zu wirken darzustellen, weist der Fließtext der Zeitungsartikel nicht dieselbe Offenheit für die Unterhaltungs- funktion der Metapher auf wie die Zeitungsüberschrift. Begründet liegt dies sicherlich in der zu Beginn dieses Kapitels angeführten Divergenz zwischen der Funktionalität des informativen Fließtextes und der Überschrift, welche die Aufmerksamkeit des Lesers wecken soll.

4. Ergebnisse und Perspektiven

Abschließend sollen nun die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Gebrauchs der Kriegsmetaphorik in der politischen Berichterstattung der Zeitungen des Korpus in einigen Feststellungen zusammengefasst werden.
In beiden Tageszeitungen bildet der Bereich ‚Krieg’ einen wichtigen und produktiven Bildspender. Die Fülle an Kriegsmetaphern, die sowohl für die deutschen als auch für die französischen Artikel im Korpus belegt werden konnte, zeigt auf, dass Metaphorisierungen im Bereich des Kriegs- und

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Militärwesens ein sehr gängiges Prinzip in der politischen Berichterstattung der Zeitungen darstellen. Ausgehend von der Auffassung, dass Pressesprache als ein Teil des sprachlichen Alltags zu werten ist (Lüger 1995: 23ff; Ulucan
2000: 7; Osthus 2000: 180), gilt es daher an erster Stelle, die Alltäglichkeit der
Kriegsmetaphorik herauszustreichen.
Des Weiteren kann aufgrund der hohen Frequenz der Kriegsmetaphern im Korpus davon ausgegangen werden, dass diese gleichsam Toposstatus genießen. So überrascht kaum, dass im Hinblick auf die semantische Kategorisierung der Metapher bei der Analyse des vorliegenden Pressekorpus vor allem der hohe Anteil an konventionalisierten Metaphern aufgefallen ist. Mit dem Prinzip der Bilderkumulation, der Verwendung Metaphern zweiten Grades und der Kombination mit sensorischen Metaphern sind jedoch die wichtigsten, in deutschen und französischen Pressetexten angewandten Verfahren der ‚Revitalisierung’ vorgestellt worden.
In vielen Fällen sind die Parallelen zwischen dem Bereich der Politik und dem des Krieges so anschaulich, dass Übertragungen geradezu zwingend scheinen. Sowohl in der taz als auch in LM haben sich Artikel, die der Darstellung politischer Sachverhalte dienen, als in hohem Maße aufnahmebereite bildempfangende Bereiche für Kriegsmetaphern erwiesen. Einen besonderen Stellenwert nimmt hierbei in beiden Zeitungen die Wahlkampf- berichterstattung ein, die als eine vom Siegeswillen zweier oder mehrerer widerstreitender Parteien gekennzeichnete politische Auseinandersetzung gewiss die augenscheinlichsten Parallelen zur Situation des Krieges hervortreten lässt. So konnte u.a. unter Punkt 3.2.2, der maßgeblich die komplementären Begriffspaare Sieger/ Verlierer, Gegner/ Verbündeter sowie Angreifer/ Verteidiger zum Gegenstand hat, gezeigt werden, dass die Felder
‚Krieg’ und ‚Politik’ mitunter sogar ein gemeinsames Vokabular teilen. Grundsätzlich hat die Korpusanalyse deutlich demonstriert, dass das Bildfeld
‚Krieg’ beiden Vergleichssprachen gemeinsam ist und hier äquivalente oder zumindest sehr ähnliche Metaphern ausbildet werden.
An dieser Stelle muss die Frage nach der von Weinrich postulierten abendländischen Bildfeldgemeinschaft noch einmal aufgeworfen werden. Da alle drei im Rahmen dieser Studie untersuchten Teilfelder – ‚Différentes sortes de guerre’, ‚Les hommes à la guerre’ sowie ‚Faits de guerre’ – in den verglichenen Sprachen analog strukturiert sind und in den deutschen und

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französischen Zeitungsartikeln in sehr ähnlichen Kontexten aktiviert werden, kann Weinrichs Konvergenzhypothese für das Sprachenpaar Deutsch/ Französisch bestätigt werden. Eine differenzierte kontrastive Betrachtung des deutsch-französischen Bildfeldes ‚Krieg’ ließ zwar einige Unterschiede bezüglich der Metaphernwahl in den Vergleichssprachen hervortreten, doch ziehen diese nicht die grundsätzliche Feststellung des konvergenten Metapherngebrauchs im Deutschen und im Französischen in Zweifel. So konnten beispielsweise Frequenzunterschiede einzelner metaphorischer Ausdrücke festgestellt werden, die sich in den Artikeln der beiden Vergleichssprachen nicht immer der gleichen Beliebtheit erfreuen. Ein Beispiel hierfür stellte das Lexem Blitzkrieg dar, das in den französischen Texten nachweislich häufiger in metaphorischer Bedeutung eingesetzt wird als in den Artikeln der taz. Der Unterschied in der Häufigkeit des Gebrauchs dieser Metapher mag – wie unter 3.2.1 ausführlicher erläutert wurde – kulturell bedingt sein. Doch trotz dieser geringfügigen Differenzen führt die räumliche und kulturelle Nähe der beiden verglichenen Sprachen zu einer weitgehend konvergenten Ausbildung von Metaphern in dem bildspendenden Feld
‚Krieg’, was die Mehrzahl der Korpusbelege eindeutig demonstriert.
Auch die Unterschiede auf der Ebene der Textfunktion der Metaphern sind nicht einzelsprachlich zu begründen. Zum einen stimmen sie mit den verschiedenen Textfunktionen von Überschrift und Fließtext des Artikels überein, zum anderen sind die Abweichungen im Grad der Expressivität, die eine Gegenüberstellung der Überschriften aus der taz und aus LM ergeben hat, weniger auf Unterschiede zwischen den Einzelsprachen als vielmehr auf Differenzen zwischen den untersuchten Publikationen zurückzuführen. Eine absolute Vergleichbarkeit der beiden Tageszeitungen ist – wie bereits angedeutet wurde – nicht gegeben, sodass die Divergenzen zwischen den Überschriften, die in der taz nicht selten meinungsbetonter und ironischer gestaltet sind als in LM, vermutlich eher mit redaktionsspezifischen Traditionen zu begründen sind.
Diese im Ganzen eher weniger gewichtigen Unterschiede zwischen der Kriegsmetaphorik in der taz und in LM berücksichtigend, bestätigen die Ergebnisse der Paralleltextanalyse die Existenz einer deutsch-französischen Bildfeldgemeinschaft für den Bereich ‚Krieg’. Da der Krieg als eine anthropologische Konstante gelten darf, der ein fester Platz nicht nur im

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deutsch-französischen, sondern ganz generell im menschlichen Konzeptsystem zugestanden werden kann, wird vermutet, dass über das Sprachenpaar Deutsch/Französisch hinaus eine grundsätzliche interlinguale Verstehbarkeit von Kriegsmetaphern gegeben ist. Die These Coserius, der von einem uniformierten metaphorischen Sprachgebrauch ausgeht27, wäre also für den Bildspenderbereich ‚Krieg’ in weiteren Teiluntersuchungen für andere Sprachenpaare nach und nach zu überprüfen.
Doch auch für den in dieser Studie untersuchten Bereich der Kriegsmetaphorik ergeben sich weitere Desiderata. Da laut Peil die Grenzen zwischen Bildfeldern und Teilfeldern stets fließend sind (Peil 1993: 191), wäre es wünschenswert, diverse angrenzende Bildfelder einzubeziehen. Im Deutschen sind Formulierungen wie „Die Wahlkampfmaschinerie läuft auf vollen Touren“ beispielsweise sehr geläufig, sodass es sicher aufschlussreich wäre, den Bereich der Technik und Mechanik in die Untersuchung zu integrieren.
Auch könnte ein stärker ideologiekritisch ausgerichteter Untersuchungsansatz durchaus interessante Ergebnisse erzielen. So schiene es durchaus lohnenswert, eine Untersuchung ausschließlich der Vermittlung politischer Anschauungen von verschiedenen Tageszeitungen mittels der in ihnen verwendeten Kriegsmetaphorik zu widmen. Angesichts der Ergebnisse der vorliegende Studie, die aufgezeigt haben, dass redaktionelle Traditionen der einzelnen Zeitungen Unterschiede im Metapherngebrauch bedingen, wäre es zudem sicherlich lohnenswert, weitere Presseorgane der deutschen und französischen Medienlandschaft in die Untersuchung einzubeziehen. So würde sich ein Vergleich mit Libération, die als besonders metaphernfreundlich gilt und der taz in dieser Hinsicht möglicherweise recht nahe steht, anbieten.
In jedem Fall ist der Gebrauch der Metapher in der Mediensprache ein Untersuchungsfeld, das es sich auch künftig zu betrachten lohnt, versprechen weitere Analysen doch einige weitere, interessante Seiten der Metapher ‚ans Licht zu bringen’.

27 Eugenio Coseriu geht einen Schritt über Weinrichs Konvergenzhypothese hinaus und vermutet die Existenz einer „universellen Einheit der menschlichen Phantasie“ (1970: 29 [1956]), die einen uniformierten metaphorischen Sprachgebrauch, unabhängig von allen sprachlichen und kulturellen Grenzen, hervorbringe (1970: 49 [1956]).

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5. Literaturverzeichnis

5.1 Das Korpus

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5.2 Lexika und Wörterbücher

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5.3 Aufsätze und Monographien

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Coseriu, Eugenio (1970): Sprache. Strukturen und Funktionen, Tübingen.
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Küster, Rainer (1978): Militärmetaphorik im Zeitungskommentar. Darstellung und

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Lakoff, George/ Johnson, Mark (1980): Metaphors we live by, Chicago. Langenbacher-Liebgott, Jutta (1998): „Metaphorik im europapolitischen
Kontext“, in: Gil, Alberto/ Schmitt, Christian (Hrsgg.), 113-131.

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Peil, Dietmar (1993): „Zum Problem des Bildfeldbegriffs“, in: Lutzeier, Peter Rolf (Hrsg.): Studien zur Wortfeldtheorie. Studies in Lexical Field Theory, Tübingen, 185-202.
Reger, Harald (1977): „Die Metaphorik in der konventionellen Tagespresse“, in: Muttersprache 87, 259-279.
Rigotti, Francesca (1994): Die Macht und ihre Metaphern: über die sprachlichen

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Roberts, John M. (Hrsg. 2001): Knaurs illustrierte Weltgeschichte.Bd.III: Die

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Schandl, Franz (2000): „Der postmoderne Kreuzzug. Schlaglichter und Zusätze einer modernen Kritik“, unter: http://buko.info/kongress/ buko26/texte/tx_ schaffen4.pdf (17.08.2007).
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