Sprache und Metapher in der Konzeption historischer Semiotik und psychologischer Ökologie

Abstract

In 1764 the philosopher and natural scientist Johann Heinrich Lambert described metaphor as an indispensable and constitutive element of any sophisticated language. Furthermore he emphasized a communicative function: communication and understanding of abstract matters depend on the use of metaphors in speaking and writing, which helps to avoid a superfluous “verbal battle” (Semiotik, §§ 342-344). Thus Lambert refers his distinction of the “corporal world” and the “intellectual world” implying the difference of “outer perception” or the perception of concrete things and “inner perceptions”, which induces the idea of abstract and unvisible things.

The problems of communication under these circumstances of inner and outer perceptions are being discussed further since. The relations of psyche and environment (Willy Hellpach), inner and outer experience (Max Scheler, Hellmuth Plessner) are explored in the conceptions of a psychologically committed ecology and in philosophical anthropology. The succeding reflection of conditions, opportunities and limits of verbal understanding replaces the speaker focussing perspective of expression by an analysis of the dimension of appeal concentrating on the hearer. The metaphor is here considered from the viewpoint of its function as guarantee of understanding (Gerold Ungeheuer). This is the historical and systematical background of this paper, which considers social and cultural aspects as environment of verbal behavior and verbal acting.

 

Bereits 1764 hat der Philosoph und Naturforscher Johann Heinrich Lambert nicht nur betont, dass die Metapher unverzichtbarer und konstitutiver Bestandteil einer hoch entwickelten Sprache sei, sondern auch deren kommunikative Leistung hervorgehoben: die Metapher erlaube es, in der Bezugnahme auf abstrakte Gegenstände einander verständlich zu bleiben und insofern überflüssige “Wortstreite” zu vermeiden (Semiotik, §§ 342-344). Grundlage dieser Einschätzung Lamberts ist sein Entwurf der Unterscheidung von “Körperwelt” und “Intellektualwelt”, demzufolge “äußerliche Empfindungen”, das heißt die Wahrnehmung des Konkreten, abzutrennen sind von “inneren Empfindungen”, die sich auf die Vorstellung abstrakter und unsichtbarer Dinge beziehen (Alethiologie, § 46).

Die Problematik von Kommunikation unter derartigen Innen- und Außenorientierungen bleibt im 20. Jahrhundert und bis in die unmittelbare Gegenwart thematisch. Im Horizont psychologisch orientierter Ökologie und philosophischer Anthropologie steht die Frage des Verhältnisses von Psyche und Umwelt (Willy Hellpach, Sozialpsychologie in erster Auflage 1933 und erneut 1946), inneren und äußeren Erfahrungen (Max Scheler, Helmuth Plessner) im Zentrum der Aufmerksamkeit. In der hier anknüpfenden Reflexion von Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen sprachlicher Verständigung wird die auf den Sprecher fokussierte Ausdrucksperspektive durch eine hörerseitig konzentrierte Eindrucksorientierung abgelöst und der Metapher wiederum verständigungssichernde Funktionen zuerkannt (Gerold Ungeheuer). Vor dem dargelegten theoretischen Hintergrund soll die Bedeutung skizziert werden, die sozialen und kulturellen Aspekten von Umwelt für das Sprachverhalten und ‑handeln zugewiesen werden kann.

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Seite 141