metaphorik.de 28/2018

Schwerpunkt: 

Metaphor and Migration I

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Vorwort / Preface

Redaktion

Vorwort ( jump to English)

Die öffentlichen wie politischen Debatten der letzten Jahre waren in vielen Ländern vom Thema Migration geprägt. Migration ist vielfältig und reicht von der Binnenmigration innerhalb der Europäischen Union über die Flucht vor Bürgerkriegen wie etwa die so genannte Flüchtlingskrise seit 2015 über die Auswanderung auf der Suche nach wirtschaftlichem Aufstieg bis zur Vertreibung durch die Verfolgung ethnischer oder religiöser Minderheiten.

Sowohl die Erscheinungsformen wie auch die Motivationen und Hintergründe von Migration sind dabei äußerst vielfältig und vielschichtig.
Vor diesem Hintergrund hat die Diskussion über Migration in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Insbesondere nationalistische und rechtspopulistische Kräfte zeichnen sich durch einen migrationsfeindlichen Duktus in ihren Diskursen aus, der wiederum in der öffentlichen Debatte und politischen Diskursen nicht unwidersprochen bleibt. Auch jenseits wissenschaftlich linguistischer Forschungen sind nicht nur Migration und Migrationspolitik, sondern auch das öffentliche Sprechen über Migration und Migranten Thema lebhafter und teilweise hitziger Auseinandersetzungen. Metaphorik.de möchte sich an dieser Diskussion beteiligen und widmet sich deswegen in dieser und der kommenden Ausgabe schwerpunktmäßig dem Thema Migrationsdiskurse. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, in welchem Maße Metaphern und Metonymien semantisch strukturierend und diskursbestimmend wirken, denn durch ihre Analyse lassen sich tiefgreifend Einsichten in die Wahrnehmung von und den Umgang mit Migration und Flucht gewinnen. Insofern waren und sind wir über die die Resonanz die umfangreichen Artikelvorschläge, die auf unsere öffentliche Einladung hin eingegangen sind, sehr erfreut. Von diesen Vorschlägen wurden nun einige ausgewählt, die im vorliegenden ersten Themenheft die europäischen Perspektiven auf Migration durchleuchten.

Der Band beginnt mit Marco Agnetta, der in seinem Beitrag auf die Dekonstruktion v.a. flüchtlingsfeindlicher und xenophober Metaphorik eingeht. Er zeigt auf, mit welchen Mitteln und argumentativen Strategien Bilder im menschenfeindlichen Sprechen als manipulativ entlarvt und wie Gegenstrategien entwickelt werden können. Sara Colombo und Daniela Pirazzini greifen im Kontext tödlicher Havarien von Flüchtlingsbooten die Metapher „Das Mittelmeer ist ein Friedhof“ auf und lenken den Blick auf die bis ins
 12. Jahrhundert zurückweisende Tradition dieses Sprachbildes. Der Artikel von Sandra Issel-Dombert und Aline Widers-Lohéac wiederum knüpft an diese Thematik an und beleuchtet die Metaphorik im öffentlichen Diskurs zur Flüchtlingskrise in Italien. Ebenfalls auf den südeuropäischen Kontext bezieht sich die Studie von Kathleen Plötner zu Funktion und Wirkweise von Metaphern im spanischen Flüchtlingsdiskurs. Mersina Mujagić beschreibt die metaphorische Durchdringung der bosnischen Berichterstattung zu den Fluchtbewegungen v.a. seit 2015, was insofern von Interesse ist, als dass ein großer Teil der bosnischen Bevölkerung selbst von Fluchterfahrungen und Vertreibungsverfahren geprägt ist. Máté Toth, Péter Csatár und Krisztián Majoros analysieren abschließend den ungarischen Flüchtlingsdiskurs der Jahre 2014 und 2015.

Die versammelten Beiträge verdeutlichen soziale, kulturelle und politische Kon- und Divergenzen im metaphorischen Sprechen über Flucht und Migration. Dieses Thema ist selbstverständlich nicht abgeschlossen, was sich auch daran zeigt, dass sich auch unsere kommende Ausgabe diesem thematischen Schwerpunkt befassen wird. Weitere Forschungsperspektiven werden durch den internationalen, die Grenzen von Sprachengemeinschaften überschreitenden Blick in jedem Fall eröffnet. Bedanken möchten wir uns ausdrücklich bei Kerstin Sterkel (Saarbrücken) für ihre großartige und äußerst hilfreiche Arbeit in der Erstellung des Drucksatzes. Allen Beiträgerinnen und Beiträgern danken wir für die konstruktive Zusammenarbeit und den Leserinnen und Lesern für Ihr bleibendes Interesse an metaphorik.de.


Bochum, Bremen, Essen, Flensburg, Hamburg und Saarbrücken im Mai 2018
Anke Beger
Martin Döring
Olaf Jäkel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Judith Visser


Preface

In the last years, public and political debate in many countries has been formed by the issue of migration. Migration is diverse, ranging from internal movement within the European Union to fleeing from civil wars, for instance as part of the so-called refugee crisis, and also covering the quest for economic improvement as well as displacement as a result of persecution of ethnic or religious minorities. Both the outward aspects and the motivation and background of migration are extremely diverse and complex.

In view of this, debates about migration have increased significantly in recent years. Especially nationalist and right-wing groupings show characteristic anti-migration leanings in their discourse, which in turn does not go without dissent in public discussion and political discourse. Besides scientific linguistic research, migration and immigration politics – but also how migration and migrants are publicly discussed – are at the heart of lively and sometimes contentious debate. Metaphorik.de would like become involved in this discussion and is dedicating both this and the forthcoming issue to the focus topic of migration. Articles will concentrate on the central question to which extent metaphor and metonymy shape semantic structures and govern discourse. Analysing them will let us gain deep insights into the perception
and treatment of migration and refugees. As such, we were and still are very pleased with the many submissions as a reaction to our public call for articles.
Some of these have been selected and more closely study the European perspective on migration in this themed issue.

Marco Agnetta’s article starts the issue, discussing the deconstruction of mainly anti-refugee and xenophobic metaphors. He explains which methods and argumentative strategies reveal images as manipulative in hate speech and how to develop counter-strategies. Sara Colombo and Daniela Pirazzini discuss the metaphor “The Mediterranean as a graveyard” in the context of deadly refugee shipwrecks, directing attention to the fact that this image has existed since the twelfth century. The article written by Sandra Issel-Dombert and Aline Widers-Lohéac takes another angle, analysing metaphors in public debate about the refugee crisis in Italy. Kathleen Plötner’s study of function and effect of metaphor in the Spanish discussion of refugees also looks at the Southern European context. Mersina Mujagić describes how metaphors have penetrated Bosnian reporting on refugee movements, particularly since 2015, which is interesting because a large part of the Bosnian people are themselves affected by refugee and displacement experiences. Finally, Máté Toth, Péter Csatár and Krisztián Majoros investigate the Hungarian discourse on refugees during 2014 and 2015.

These articles underline the social, cultural, political convergences and divergences in how metaphors are used to talk about refugees and migration.
It goes without saying that the topic has not been exhaustively treated, as is also evidenced by our forthcoming issue that continues this focus. Additiona  research perspectives are definitely offered thanks to the international perspective that transcends the boundaries of speech communities. We would like to explicitly thank Kerstin Sterkel (Saarbrücken) for her wonderful and extremely helpful work in creating the layout. Our gratitude goes to all contributors for the constructive collaboration and to our readers for their loyal interest in metaphorik.de.

Bochum, Bremen, Essen, Flensburg, Hamburg and Saarbrücken, May 2018
Anke Beger
Martin Döring
Olaf Jäkel
Katrin Mutz
Dietmar Osthus
Claudia Polzin-Haumann
Judith Visser

Ausgabe: 

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Jahrgang: 

Seite 8

Die Entmachtung der Metapher Zur Dekonstruktion sprachlich vermittelter Feindbilder im europäischen Flüchtlingsdiskurs

Marco Agnetta

Marco Agnetta, Saarbrücken (m.agnetta@mx.uni-saarland.de)

Abstract

Angesichts der erhöhten und manchmal als bedrohlich empfundenen Immigration in die europäischen Länder nähren wir alltäglich anhand von Sprachbildern die einseitig negative Vorstellung vom Immigranten als einer Gefahr: Eingebürgert hat sich mittlerweile die Rede vom Flüchtling als Naturkatastrophe, Parasit oder Krankheitserreger. Sie wird oft nicht einmal mehr als problematisch empfunden. Solche diskriminierenden und darüber hinaus nicht nur von Rechtspopulisten immer wieder zur Manipulation instrumentalisierten Metaphern werden allerdings im gesamtgesellschaftlichen Rahmen zunehmend in Zweifel gezogen und systematisch dekonstruiert. Der vorliegende Beitrag will u. a. auf der Grundlage der kognitiven Metapherntheorie aufzeigen, welche verschiedenen kommunikativen Strategien mit diesem Ziel zum Einsatz kommen. Herangezogen werden dafür deutsche, italienische und französische Primärtexte aus dem Web, darunter Blogs, Blogkommentare, Tweets, Facebookseiten und online-journalistische Beiträge.

In view of the increased immigration to European countries, which is often perceived as menacing, we daily fuel the notion of immigrants being a danger by means of metaphors: talk of the refugee as a natural disaster, parasite or pathogen has now become established.
And this is often not even held to be problematic. However, such discriminating metaphors, which are often exploited by right-wing populists, have over the last few years increasingly been questioned and systematically deconstructed. Based on the cognitive metaphor theory the present contribution aims to show which different communicative strategies are used for this purpose. It compiles German, Italian and French primary texts from the Web, including blogs, blog comments, tweets, Facebook pages and online journalistic articles.

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Seite 11

1.   Einführung

Die kognitive Metapherntheorie, wie sie Lakoff und Johnson in unter­schied­lichen Studien, vor allem aber in ihrer vielzitierten Abhandlung Metaphors we live by (1980) umrissen haben, leitet bekanntlich eine Wende im Denken über Metaphern ein. Hier ist nicht der Ort, um diese Theorie noch einmal in er­schöpfender Weise zu würdigen. (Die meisten der nachfolgend zitierten, für unser Thema einschlägigeren Studien fußen auf der in dieser Abhandlung dargelegten Theorie.) Vielmehr kann es an dieser Stelle bei der nachfolgenden Auf­zählung von einigen Hauptthesen des kognitiven Ansatzes belassen wer­den, die u. a. Pielenz zusammengetragen hat und auf die im Laufe des vor­liegenden Beitrags mehrfach Bezug genommen wird:

  1. Der Mensch ist konzeptuell strukturiert.
  2. Das konzeptuelle System des Menschen bestimmt seine Wahrnehmungen und seine Handlungen.
  3. Das konzeptuelle System des Menschen ist wesentlich metaphorisch.
  4. Die menschlichen Handlungen und Wahrnehmungen sind wesentlich metaphorischer Art (Pielenz 1993: 66).

Diese aufeinander aufbauenden Grundaussagen greift auch Wehling in ihrem unlängst erschienenen Buch Politisches Framing (2016) auf, das in seinem essayistischen Stil zwar für den interessierten Laien konzipiert, jedoch auch für den Erforscher kognitiver Metaphern ein bündiges, formgerecht belegtes und v. a. praxisnahes Kompendium zur Hand gibt. Der Tenor dieser Aus­führungen führt zur Formulierung einer fünften These, die auch von Pielenz zwar immer wieder berücksichtigt wird, in seinem oben zitierten Katalog allerdings nicht explizit Eingang gefunden hat:

  1. Aufgebaut und aktiviert werden Teile des menschlichen Systems durch einkommende – in vielen Fällen: sprachlich vermittelte – Informationen.

Dies ist eine eigene Formulierung. Bei Wehling ist lediglich die Rede von der Sprache als „Schaltzentrale unseres Denkens“ (2016: 82). In der These 5 schwingt vielmehr die Überzeugung mit, dass einkommende Informationen nicht nur sprachlich vermittelt sein müssen und dass auch andere semiotische Ressourcen wie Bilder und Musik als solche „Schaltzentralen“ fungieren können. Gerade im Diskurs um die Metapher – davon zeugen auch die fol­gen­den Ausführungen an einigen Stellen – kann ja die Nähe des „Sprachbildes“ (der Metapher) zum „materiellen Bild“ (welcher Materialität auch immer: Photographie, Gemälde etc.) nicht geleugnet werden (vgl. Stöckl 2004: vi). Nach Stöckl kann ein Rezipient bei der Verarbeitung von materiellen und sprachlichen Bildern auf konzeptuelle Strukturen zurückgreifen, „die für beide gleiche kognitive Leistungen und Funktionen bereitstellen“ (2004: 226). Das beschriebene Verhältnis von Bild und metaphorischem Ausdruck nennt er „funktionale Isomorphie“ (ebd.).

Und schließlich muss eine letzte These Erwähnung finden, die im Folgenden Wichtigkeit erlangt:

  1. Der Aufbau und die Aktivierung von Teilen des menschlichen Systems erfolgt stets nach kulturspezifischen Regeln.

Auch dieser Umstand ist von Pielenz eingehend beschrieben worden (vgl. 1993: 87ff., 161–171);[1] er sei hier lediglich in der bündigen Form einer These noch einmal angeführt.

Der genannte Thesenkatalog, der im Übrigen auch von Lakoff/Wehling (2007/42016) in monographischer Breite ausgeführt wird und sicher auch noch erweiterbar ist, soll im Folgenden dabei helfen, ein aktuelles Phänomen hoher gesellschaftlicher Relevanz näher zu betrachten, nämlich den Einsatz und die diskursiven Funktionen der Metaphern im gegenwärtigen Reden über die Immigration von Flüchtlingen. Wie andere nur schwer fassbare, weil abstrakte Konzepte wird die als ‚Flüchtlingskrise‘[2] bezeichnete und oft als Bedrohung empfundene Einreise zahlreicher Migranten unter Zuhilfenahme meta­phorischer Wendungen greifbar gemacht und bewertet. Eine synoptische Darstellung der gebräuchlichsten konzeptuellen Metaphern, die im Flücht­lings­diskurs seit 2010 immer wieder aktiviert werden, haben für den italienischen und spanischen Diskurs Saiz de Lobado/Bonomi (2015) und für den deutschen Raum Wehling (2016: 167–179) vorgelegt. Die konzeptuellen Metaphern sind bekannt: Bei weitem der beliebteste Bildspenderbereich ist der einer verheerenden Naturgewalt, gefolgt von kriegerischen und biblischen Allusionen (vgl. Saiz de Lobado/Bonomi 2015: 122–126). Konkret ist etwa – um an dieser Stelle nur ein paar nominale Metaphern zu nennen – die Rede vom Migrantenstrom, vom Zufluss der Flüchtlinge; die Asylsuchenden werden als Welle, Flut, Tsunami, Lawine u. ä. bezeichnet. Die ganzen Bildspender­bereiche, auf die im Reden über Flüchtlinge rekurriert wird, beschwören zum Großteil unaufhaltsame Katastrophenszenarien herauf.

Im Folgenden wird es in Abgrenzung hierzu allerdings nicht vorwiegend um die „Konstruktion und den Gebrauch von Sprachbildern“ (so der Untertitel der deutschen Fassung von Lakoff/Johnson 1980/2011) gehen, sondern viel­mehr um die Infragestellung bzw. die gezielte gesellschaftliche De­konstruktion solcher metaphorischer Wendungen. Der Akzent soll also nicht primär auf den diskursiven Einsatz von Metaphern durch die ursprüng­lichen Sender gesetzt werden, sondern rückt vielmehr den Rezipienten in den Vorder­grund, der dieses immer auch zur Manipulation missbrauchte Sprach­mittel bewusst infrage stellt. Insofern wird die Frage wieder auf­gegriffen, die Pirazzini (1998) zwar schon aufgeworfen, allerdings in anderer als der hier präsentierten Weise beantwortet hat: „Wie können wir schon etablierte Metaphern widerlegen?“ Dass viele der erwähnten Metaphern mitt­ler­weile „etabliert“ sind, ja fast schon zum „Common Sense“ (Lakoff/Wehling 2007/42016: 31) in bestimmten Gesellschaftsschichten avanciert sind, zeigt z. B. der simple Umstand, dass die meisten uns aktuell anmutenden Metaphern wie „Flüchtlingsstrom“ und „Das Boot ist voll!“ bereits in früheren Diskursen über den Zuzug von Ausländern Verwendung gefunden haben, etwa in der Zeit des Nationalsozialismus und in den 1990er Jahren (vgl. Hönigsperger 1991).

Der vorliegende Artikel rückt in Übereinstimmung mit der dargelegten Zielsetzung nicht primär jene oft negativ konnotierte Einschätzung der Migrationsbewegung durch Politiker[3] und Teilen der politischen Berichter­stattung[4] in den Fokus, sondern vielmehr die kommunikativen Strategien, die von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren verfolgt worden sind, um auf den u. U. problematischen Metapherngebrauch in ebenjenen Reden und Texten hinzuweisen. Das bedeutet allerdings nicht, dass mittler­weile nicht auch einige Politiker und Journalisten für das Thema sensibilisiert sind. Alle konsultierten Primärquellen stammen aus dem Web, das bekanntlich die herkömmliche Kommunikationspraxis revolutioniert, die Rolle der Bürger als bloße Rezipienten aufhebt und in dieser Hinsicht u. a. das Potenzial aufweist, zum effektiven demokratischen Instrument zu werden. Herangezogen wurden genauer gesagt journalistische Blogs und die jeweils auf sie Bezug nehmenden Blog- bzw. Leserkommentare, andere journalistische Webformate sowie online-Publikationen, Youtube-Videos, Tweets und Facebook-Seiten (vgl. 5.1). Verfolgt wird in diesem Rahmen ein theoretisch-systematischer Ansatz, weswegen die Analyse notwendigerweise kursorisch bleibt und sich auf einige wenige, aber aussagekräftige Exempla beschränkt. Es wird sich dabei zeigen, dass sich die meisten der von Debatin 1995 vorgestellten und 2011 nochmals synoptisch aufgegriffenen „Operationen“ (2011: 198ff.) zur kritischen Metaphernreflexion auch bei der Dekonstruktion der oben ge­nannten Metaphern ausfindig machen lassen. Andererseits kann Debatins Liste aber auch um weitere Strategien zur Metaphernkritik ergänzt werden.

2.   Zur Ausgangslage: Die metaphorische ‚Fabrikation des Feindes‘

Die Überschrift dieses Abschnitts bezieht sich auf einen Essay Umberto Ecos, der u. a. Folgendes konstatiert:

Einen Feind zu haben ist nicht nur wichtig, um die eigene Identität zu definieren, sondern auch, um sich ein Hindernis aufzubauen, an dem man das eigene Wertesystem demonstrieren und durch dessen Bekämpfung man den eigenen Wert beweisen kann. Deshalb muss man, wenn man keinen Feind hat, sich einen fabrizieren (Eco 2011/2016: 9).

Der Feind, das sind im gegenwärtigen europapolitischen Diskurs nicht zuletzt die Flüchtlinge, die in der täglichen Berichterstattung manchmal mehr, manch­mal weniger subtil als ein solcher beschrieben werden, indem ihr be­drohliches Anderssein in den Mittelpunkt gerückt wird:


 

Il discorso dominante sull’immigrazione e i suoi protagonisti, più che risaltare le affinità e i punti di contatto, tende a mettere in evidenza le differenze (spesso negative) rispetto a l’emittente della comunicazione (Saiz de Lobado/Bonomi 2015: 116).

Dies ist auch nach Eco (2011/2016: passim) die Hauptkomponente bei der Fabrikation des Feindes. Da Eco eine andere Akzentsetzung verfolgt, geht er in seinem lesenswerten Essay nicht näher darauf ein, dass die von ihm als unabdingbar beschriebene „Fabrikation“ des Feindes in vielen Fällen durch den Einsatz von Metaphern vollzogen wird.

Da Feindbilder in intersubjektiv plausibler Weise vermittelt werden sollen, werden sie in einen argumentativen Kontext eingebunden. In einem solchen fungiert die Metapher, wie spätestens mit Pielenz’ herausragender Studie Argumentation und Metapher deutlich geworden ist, als „ein Verfügungsraum oder Bündel von Schlußregeln“ (Pielenz 1993: 105; Hervorhebungen im Original). Auf diesen Gedanken soll im Folgenden eingegangen werden. Metaphern stellen nach Pielenz einen integralen Bestandteil alltäglicher und wissen­schaftlicher Argumentationen dar. Insofern weisen sie eine Parallele zur Aristotelischen Topik auf (vgl. 1993: 13 und insbes. 119–139). Die argumen­­tative Logik einer Metapher wie die von der Flüchtlingswelle, ‑flut oder ‑lawine könnte also durch den folgenden Syllogismus klassischer Form vereinfacht dargestellt werden:

Funktion im Syllogismus

Argumentationsschritte

Textpragmatische Funktion

Prämisse 1 (P1),
Obersatz

Wellen/Fluten/Lawinen sind gefährlich.

Vorausgesetztes und anhand der Textmetapher aktiviertes Welt- bzw. Erfahrungswissen

Prämisse 2 (P2),
Untersatz

Flüchtlinge sind Wellen/ Fluten/Lawinen.

Textuelle Metapher

Schlussfolgerung (S)

Ergo: Flüchtlinge sind gefährlich.

Explizierte oder implizierte Konklusion

(P = Prämisse; S = Schlussfolgerung)

Durch die Verwendung einer textuellen Metapher (z. B. „Flüchtlingsflut“) (P2), die sich als Aktualisierung einer konzeptuellen Metapher (Migrations­bewegung als Naturgewalt) beschreiben lässt, aktiviert der Sender beim Rezipienten die zur Interpretation relevanten Wissensbestände über den Bildspenderbereich (P1).[5] Diese senderseitige Inbezugsetzung zweier unter­schied­licher Konzepte veranlasst den Rezipienten zur Projektion von Merk­malen des Bildspenders auf den Bildempfänger und schließlich zu einer ent­sprechen­den Inferenzziehung (S). Der besprochene Syllogismus lässt sich in etwas ver­änderter Form anhand des auch von Pielenz (1993: 52) herange­zogenen Argumentationsmodells von Öhlschläger (1979: 99) folgendermaßen veran­schaulichen:

Abb. 1: Argumentationsmodell nach Öhlschläger (1979: 99) und Anwendung

Der Sender verwendet die Metapher der „Flüchtlingswelle“ als Argument zur Stützung der zu legitimierenden, also noch in Frage stehenden Konklusion „Flüchtlinge sind gefährlich“, indem er dem Rezipienten die Analogie zwischen einreisenden Menschen mit einer Naturbedrohung nahelegt.[6] Wenn nun Pielenz (1993: 105) die Metapher als „Verfügungsraum oder Bündel von Schlußregeln“ beschreibt, meint er damit die konzeptuelle Metapher – in diesem Fall: Migrationsbewegung als Naturkatastrophe –, die durch die textuelle Metapher als Argument evoziert wird und gleichzeitig auch das zur Konklusion führende Weltwissen aktiviert. Die Schlussregel bzw. Schluss­präsupposition, auf deren Grundlage der Inferenzprozess stattfindet, muss, wie Pielenz (1993: 30f.) weiter beobachtet, „nicht notwendig expliziert werden – implizit ist sie als Grundlage des Schrittes vom Datum [sc. Argument] zur Conclusion in jeder Argumentation enthalten“. Und auch kann gerade in der um correctness bemühten politischen Rede die in diesem Fall allzu eindeutige und daher sanktionswürdige Konklusion unausgesprochen bleiben. In diesem verkürzten und vom Rezipienten zu ergänzenden argumentativen Dreischritt liegt ja eben die suggestive Kraft der Metapher. Insofern fungiert die textuelle Metapher auch als Face-Saving-Strategie.

In argumentationstheoretischer Hinsicht sind Rezipienten dann anfällig für Manipulation, wenn sie die Gültigkeit eines Syllogismus mit dessen Wahr­heitsgehalt gleichsetzen. Die Gültigkeit bezeichnet dabei allein die logische Stringenz, mit der sich S aus P1 und P2 ableiten lässt. Der Wahrheitsgehalt hingegen ergibt sich aus der Übereinstimmung der Prämissen mit der gege­benen Realität. Auf diesen wesentlichen Unterschied geht Pielenz (1993: 18) mit folgendem Beispiel ein:

Funktion im Syllogismus

Argumentationsschritte

P1

Alle Fische haben Flügel.

P2

Wale sind Fische.

S

Wale haben Flügel.

 

 

Dieser Syllogismus kann Gültigkeit für sich beanspruchen, basiert aber auf unwahren Prämissen. Die Differenz zwischen Gültigkeit und Wahrheit ist hier leicht zu durchschauen, da der durchschnittliche Rezipient auf der Grundlage seines Weltwissens den Wahrheitsgehalt dieser Aussage – wenn sie nicht etwa in einem fiktionalen Rahmen zu verorten ist – richtig einzuschätzen weiß. Dies ist allerdings nicht immer der Fall bei einer metaphorischen Argumentation. Insofern die Metapher bestimmte Rezeptionswege zutage fördert und andere unterschlägt, fungiert sie als Legitimationsbasis für gewisse, auch verkürzende und daher problematische Konklusionen. Diese wiederum werden jedoch nicht als solche wahrgenommen, weil sie durchaus argumentative Gültigkeit und Plausibilität (nicht aber Wahrheitskonformität) für sich beanspruchen können.

3.   Strategien zur Dekonstruktion metaphorisch konstruierter Feindbilder

Die oben (s. Kap. 1) genannten Thesen (3) und (4) der kognitiven Metaphern­theorie heben hervor, dass der Mensch nur mithilfe metaphorischer Systeme Sach­­verhalte wahrnehmen, Gedanken fassen und letztlich sein Handeln steuern kann. Metaphern sind allerdings, wie Sprachwissenschaftler von Bühler (1934/1982: 179) bis Wehling (2016: 72, 80) immer wieder herausstellen, stark selektiv und eignen sich deshalb auch zur ideologischen Perspekti­vierung bestimmter Sachverhalte. Solche u. U. manipulative Metaphern finden im politischen Diskurs und der sich auf diesen beziehenden Berichterstattung tagtäglich Verwendung (vgl. Lakoff/Wehling 2007/42016). Dass Teile unserer Wahrnehmungen, Denkprozesse und Handlungen sprachlich fremdgesteuert sind und damit einem gewissen – auch dem Missbrauch durch Dritte offen­stehenden – Automatismus unterliegen, kann fatalistisch anmuten. Der politische Diskurs ist aber keine Einbahnstraße, sondern ist dialogisch angelegt. Und in jedem Dialog geht es um Aushandlung der Inhalte und der zu deren Übermittlung adäquaten Ausdrücke. Es obliegt also in erster Linie der Rezipientenschaft, manipulative Sprachverwendung zu durchschauen. Wo der Feind unter (oder auch ohne) Zuhilfenahme von Metaphern bereits ‚fabriziert‘ wurde, muss eine mündige, kritische und demokratische Gesell­schaft um die Dekonstruktion solcher Feindbilder bemüht sein. Diesem An­liegen kann in Form eines „bewussten Journalismus“ entsprochen werden, wie ihn Lakoff/Wehling (2007/42016: 176ff.) skizzieren. Aber es können auch institutionell organisierte gesellschaftliche Organe geschaffen werden, welche die Funktion einer um Objektivität und Perspektivenvielfalt bemühten Instanz übernehmen. Die öffentliche Beschreibung der Vielfalt der Meinungen und Gegen­meinungen fungiert dann als gesellschaftliches Korrektiv zu der Ver­mittlung einzelner Weltbilder durch Politiker und Parteien, die in Bezug auf die Realität oft und gewollt fragmentarisch bleiben.

In den folgenden Abschnitten wird es darum gehen, „gegenargumentative Techniken“ (Pirazzini 1998: 174) zu sammeln, die ihren Ausgang nehmen von einer gegebenen und als manipulativ empfundenen Argumentation durch Metaphern. Denn zwar kann man der Macht von Metaphern – hierin kann mit der kognitiven Metapherntheorie übereingestimmt werden – nicht prinzipiell entgehen, sehr wohl aber der manipulativen Macht einzelner und von einem Kollektiv als problematisch eingestuften Metaphern. Mit welchen kommuni­kativen Strategien dies von statten laufen kann, soll nachfolgend beschrieben werden.

Debatin hat bereits „sechs verschiedene Operationen“ (2011: 198) zur Me­taphern­kritik zusammengetragen. Die folgende Aufzählung stützt sich auf seine eigene synoptische Darstellung (vgl. 2011: 198–201). Exemplifiziert werden die einzelnen Arten der Metapherndekonstruktion am Beispiel der Metapher vom Flüchtlingsstrom. (1) Die erste Strategie besteht in der Wieder­belebung und (Re‑)Metaphorisierung verblasster Metaphern und weiterer lexika­lisierter Ausdrücke, um die dahinterstehende strukturierende konzeptuelle Metapher bzw. den Bildspenderbereich und seine diskursiven Implikationen aufzudecken. Die Rede vom Flüchtlingsstrom ist in vielen europäischen Ländern, wie einige der bisher bereits im Fußnotenapparat zitierten Beispiele gezeigt haben, eine mittlerweile lexikalisierte Metapher, die von ihren Ver­wendern oft sogar als unproblematisch angesehen wird. Dennoch gehört diese textuelle Metapher zur Konzeptmetapher Flüchtling als Naturgewalt und favorisiert in subtiler Weise die Beschreibung des Flüchtigen als dingliche Be­drohung. Durch die Remetaphorisierung soll dieses unbewusste Schlussver­fahren ins Bewusstsein gerückt werden. (2) Eine zweite Strategie besteht in der metaphorischen Erweiterung bzw. im kreativen Fortspinnen einer gegebenen konzeptuellen Metapher. Diese Strategie könnte im gegenwärtigen Flücht­lings­diskurs beispielsweise dann Anwendung finden, wenn man davon sprechen würde, dass Flüchtlingsströme letztlich auch die Mühlen westlicher Wirtschaften ankurbeln. (3) Weiterhin können gegebene Metaphern eine Veränderung und Transformation erfahren, d. h. die vormalige Intention hinter einer Metaphernverwendung wird durch eine Reinterpretation ins Gegenteil verkehrt. Es könnte in Bezug auf den Flüchtlingsstrom beispielsweise auch die positive Eigenschaft des Wassers als Lebensspender hervorgehoben werden, anstatt allein von der Bedrohlichkeit großer Wassermassen zu sprechen (das Beispiel in (2) beinhaltet bereits ansatzweise eine solche positive Reinter­pretation). (4) Eine Metapher kann auch durch gezieltes Wörtlichnehmen, also gewissermaßen von innen her dekonstruiert werden. Wasserströme etwa können verschiedensten Sportarten als Voraussetzung dienen. Solche Konnota­tionen werden allerdings mangels Relevanz in der gegenwärtigen Flücht­­lings­debatte nicht aktiviert. Würden sie es doch, könnten sie gegebenen­falls die gesamte konzeptuelle Metapher ad absurdum führen. (5) Wider­sprochen wird einer Metapher z. B. auch dadurch, dass der Sachverhalt, um den es geht, anhand einer anderen Metapher konzeptualisiert wird. Debatin nennt dieses Phänomen „Metaphernkonfrontation“ (vgl. ebd.: 200). Ein Beispiel hierfür ist die unten näher beschriebene Ergänzung der Metapher Flüchtling als Naturgewalt anhand derjenigen des Flüchtlings als willkommener Gast. (6) Als letzte Dekonstruktionsstrategie führt Debatin die Historisierung der gegebenen Metapher an, die auf einen bestimmten historisch-kulturellen Bedeutungshorizont zurückgeführt und dadurch in ihrem Geltungsbereich ein­gegrenzt wird.

Im vorliegenden Beitrag soll von den vorliegenden Korpustexten (vgl. 5.1) ausgegangen und die Strategien zur Entmachtung der negativ konnotierten Flücht­lings­metaphern zusammengetragen werden. Die beobachteten dis­kursiven Mittel decken sich zum Teil mit den von Debatin beschriebenen Operationen der Metaphernreflexion, können diese allerdings auch um weitere ergänzen. Dies sei nachfolgend in tabellarischer Form dargestellt, bevor die nachstehenden Kapitel die rechte Spalte detailliert wiederaufgreifen:

Debatin (2011: 198ff.)

Vorliegender Beitrag

(1) Wiederbelebung der Metapher

Die Paraphrase im Dienste der Metaphernkritik (3.1.2)

(2) Metaphorische Erweiterung

 

(3) Transformation der Metapher

 

(4) Erschöpfung der Metapher

 

(5) Metaphernkonfrontation

Vielfalt der Bildspender (3.1.1)

(6) Historisierung der Metapher

 

 

(7) Vielfalt der Bildempfänger; Bsp.: Metaphern­parodie (3.1.3)

 

(8) Globale gegen nationale Diskurse (3.1.4)

 

(9) Bild gegen Sprachbild (3.2)

 

Zunächst soll aber noch einmal auf die Selektionsmechanismen der Metapher eingegangen werden, die diese für Manipulation und Propaganda so wertvoll machen. Es wird sich nämlich zeigen, dass sämtliche Strategien zur Me­taphern­kritik u. a. darauf abzielen, der selektiven Arbeit von Metaphern entgegen­zuwirken.

3.1 Vielfalt gegen Selektion

„Wie man so sagt, nichts funktioniert so gut wie eine Kamera, wenn es darum geht, aus einem Berg einen Maulwurfshügel zu machen“, schreibt Goodman (1968/1973: 27) in seiner bekannten Monographie Sprachen der Kunst, wenn er daran geht, jegliches Sehen als selektives, weil stets von einer bestimmten Perspektive aus erfolgendes Erblicken zu definieren. Mit einem Bild, und hier ist genauer eine Photographie gemeint, lässt sich eine Perspektive fest- und jemand anderem vorhalten. Selten aber wird dieser selektive Charakter hinter­fragt, denn ein Photo fixiert scheinbar objektiv Gegebenes und Wahrhaftes (vgl. Barthes 1964/1993: 1424) und leistet deswegen ganze Überzeugungs­arbeit. Ähnlich geschieht dies auch bei sprachlichen Bildern.

Das von der kognitiven Metapherntheorie als unvermeidbar charakterisierte Denken in Sprachbildern (vgl. These 3 und 4 in Kap. 1), legt den Benutzer auf eine bestimmte Perspektive auf einen zu erfassenden Gegenstand bzw. Sachverhalt fest. Als Metaphern­rezipient muss man sich dieser Tatsache bewusst sein: Ein sprachlicher Input, in diesem Fall die im politischen Kontext geäußerte Metapher, reduziert unsere Wahrnehmungs-, Verarbeitungs-, Interpretations- und Handlungs­fähigkeit (vgl. Lakoff/Wehling 2007/42016: 13–31; Wehling 2016: 20–80). Dieser Mechanismus, der die Komplexität eines zu Erfassenden herabsetzt, ist eines der wichtigsten Merkmale der Metapher und er trägt dazu bei, dass wir uns Abstraktes oder gar Unbekanntes in ökonomischer Form erschließen und aneignen können. Aber wie genau lässt sich die Fähigkeit von Metaphern, „Wissen [zu] schaffen“ (vgl. Jäkel 2003), mit ihrer notwendigerweise immer selektiven Wirkung vereinbaren, wo doch ein Phänomen immer nur dann als vollumfänglich verstanden gilt, wenn es in seiner Ganzheit und nicht nur in Teilen beschrieben wurde? Ist wahre Erkenntnis durch notwendigerweise selektive Metaphern überhaupt möglich?

Um sich an einer Antwort auf die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug der Metapher zu versuchen, kann ein kleiner Exkurs zur epistemischen Funktion von Sprache im Allgemeinen vorgenommen werden. Für sich genommen ist nämlich bereits die Einzelsprache als Werkzeug zur Erkenntnis nichts anderes als das Ergebnis einer Selektion. Zur Veranschaulichung dieses Sachverhalts kann auf einen Vergleich eingegangen werden, den Mitte der siebziger Jahre Louis Hjelmslev geprägt hat: Sehr vereinfachend zusammengefasst bezeichnet der dänische Strukturalist einen gedanklichen Sachverhalt, auf den über Zeichen Bezug genommen wird, als zunächst sprachunabhängigen, unsicht­baren „Inhaltssinn“ (Hjelmslev 1974: 55) bzw. als „ein unanalysiertes amorphes Kontinuum“ (ebd.: 56). Dieser Inhaltssinn liegt im Verborgenen und ist eben allein durch die einzelsprachlichen Zeichen sichtbar, die zu seiner Beschreibung verwendet werden, die sog. „Inhaltsform“ (ebd.: 56). Sie macht die „amorphe ‚Gedankenmasse‘“ in dieser bestimmten Form als „Inhalts­substanz“ erfahrbar. Der Vergleich, den Hjelmslev bringt, ist nun folgender: Die Form wird auf den Gedanken bzw. die Sinnzone projiziert „wie ein ausgespanntes Netz seinen Schatten auf eine ungeteilte Fläche niederwirft“ (ebd.: 60). Die kontinuierliche Oberfläche des unsichtbaren dreidimensionalen Gegenstands wird durch die Projektion des Schattens auf sie also teilweise sichtbar gemacht.

Abb. 2: Eigene Darstellung der Erschließungsfunktion der Sprache nach Hjelmslev

Angewendet auf den hier interessierenden Gegenstand bedeutet dies: Auch der Gebrauch bestimmter Metaphern (als Zeichen bzw. Inhaltsform) verhält sich wie eine Netz, das seinen Schatten über den zu erklärenden Sachverhalt (Inhaltssinn) wirft. Sichtbar ist allerdings nur jener Teil des Inhaltssinns, der vom Schatten des Netzes erfasst wird (d. h. die Inhaltssubstanz). Die von der Projektion nicht erfassten, nur intuierbaren Zwischenräume liegen weiterhin im Verborgenen. Darin liegt ja gerade die selektive Funktion der Metapher begründet: Es wird eben nicht alles an einem Sachverhalt sichtbar gemacht, sondern nur jene Konstituenten, die von der eigenen Struktur erfasst werden. Und so kann auch der Rezipient der metaphorischen Rede den bezeichneten Sachverhalt nur so erkennen, wie die Metapher diesen präsentiert.

Wie die Kognitionsforschung bewiesen hat, bestimmen die in einem Diskurs ge­brauchten Metaphern, was wir in der durch sie beschriebenen Angelegenheit denken – und was nicht (vgl. These 5). Lakoff/Wehling (2007/42016: 28) bringen für diesen Umstand die bündige Formel ins Spiel: „Metaphors hide and highlight“. Analog hierzu sind schon für Black (1962: 34) Metaphern „half concealing, half revealing“. Für den Metaphernrezipienten kann dies nun mehrere Auswirkungen haben: Handelt es sich bei dem zu Verstehenden um eine unbekannte Größe, kann eine Metapher, so selektiv sie auch ist, eine nützliche Hilfestellung zu ersten Konzeptualisierung sein. Die Metapher ist damit ein höchst effektives Lerninstrument, denn durch die Analogie mit einem bereits bekannten Bildspenderbereich wird der bild­empfangende Bereich nach und nach erschlossen. Volle Erkenntnis dieses Gegenstands oder Sachverhalts erlangt ein Rezipient allerdings – Hjelmslevs Metapher aufgreifend –, wenn er versucht, das erschließende Netz immer eng­maschiger werden zu lassen, um das amorphe Kontinuum immer detaillierter abzubilden. An dieser Stelle muss aber darauf hingewiesen werden, dass auch Hjelmslevs metaphorischer Vergleich seine Grenzen aufweist, denn schließlich wirft ein immer engmaschigeres Netz einen immer dichteren und folglich auch die Sicht auf den Gegenstand erschwerenden Schatten. Man kann also eine andere, ähnliche Metapher heranziehen, um das abstrakte Phänomen des Metaphernwirkens zu beschreiben. Als eine solche Veranschaulichung kann die Vorstellung eines Drahtgittermodells helfen. Ein Drahtgittermodell ist ein v. a. in den Ingenieurswissenschaften verwendetes Instrument zur Darstellung dreidimensionaler Gegenstände, das die Kanten und Oberflächen­ver­än­derungen desselben anhand eines Netzes abbildet. Je engmaschiger dieses Netz ist, umso authentischer bildet das Drahtgittermodell den Gegenstand ab, auf den es verweist.

Eine Metapher wirkt wie ein solches Drahtgittermodell. Sie ist zwar selektiv-vereinfachend, vermag aber einen Gegenstand oder Sachverhalt abzubilden, d. h. erfahrbar zu machen. Aus der allgemeinen kognitionswissenschaftlichen Beobachtung, dass wir nur in Metaphern denken können, und der gleich­zeitigen Ambition eines reflektierten Menschen, die selektive Wirkung von Metaphern zu hinterfragen, ergibt sich nun die Frage danach, auf welche Weise man sein Erkenntnisspektrum in Bezug auf einen Sachverhalt erweitern kann. Ein mündiges Individuum und eine ebensolche Gesellschaft, der bzw. die eine Sachlage wirklich durchdringen will, begnügt sich nicht mit nur einer Perspektive auf denselben. Er konsultiert verschiede Redeweisen über den ihn interessierenden Sachverhalt, die auf den zu verstehenden Umstand ein anderes als das schon bekannte Netz projizieren, und dann wieder ein anderes etc. Nur durch die Überlagerung mehrerer – metaphorischer wie nicht-metaphorischer – Redeweisen wird das auf den zu erfahrenden Gegenstand projizierte Netzt immer engmaschiger, nur so werden die Zwischenräume des Nicht-Erkannten immer kleiner. Der Nach‑, ja, Mitvollzug mehrerer und unterschiedlicher metaphorischer und nicht-metaphorischer Reden über den gleichen Gegenstand wirken dem selektiven Mechanismus einer einzelnen konzeptuellen Metapher entgegen. In den folgenden Unterkapiteln sollen deswegen einige Strategien vorgestellt werden, die den Zweck haben, einer etablierten metaphorischen Redeweise zusätzliche Perspektiven zur Seite zu stellen.

3.1.1   Vielfalt der Bildspender

Eine Möglichkeit, das heuristische Netz, das zur Erklärung der gegenwärtigen Flüchtlingseinwanderung herangezogen wird, immer engmaschiger zu ge­stalten, ist die Superposition oder Pluralität unterschiedlicher und durchaus auch miteinander konkurrierender konzeptueller Metaphern. Im vorange­gan­genen Abschnitt zum Beispiel konnten wir dies bereits experimentieren: Das Verständnis von der Wirkungsweise der Metapher konnten wir nach einer ersten Annäherung über einen Vergleich von Hjelmslev (Schatten­projektion) noch weiter verfeinern, indem wir eine andere Metapher (Drahtgittermodell) hinzugezogen haben. Die Selektionsmechanismen einer Metapher werden dadurch aufgedeckt, dass zusätzliche und anders strukturierte Metaphern diese ergänzen oder gar anfechten. Für die wissen­schaftliche Metaphern­analyse muss hier ein onomasiologischer Ansatz zum Tragen kommen, der „von der Sache des Zielbereichs ausgehen und sämtliche Metaphern untersuchen“ (vgl. Jäkel 2003: 128; vgl. auch ebd.: 132) würde, die zur Beschreibung des einen Bildempfängers, in diesem Fall der Einwanderung flüchtiger Menschen, herangezogen werden. Der Rezipient, der mit unter­schied­lichen Metaphern für diesen einen Sachverhalt konfrontiert ist, versucht bei seiner Interpretation die nicht zusammenpassenden oder einander wider­sprechenden Aussagen miteinander zu vereinbaren und gelangt so zu neuer Erkenntnis. Die Pluralität der Metaphern bedeutet für den Rezipienten damit einen Zuwachs an Wahrnehmungs-, Deutungs- und letztlich auch Handlungs­rahmen.

Von Nahem betrachtet gehört die konzeptuelle Metapher vom Flüchtling als Naturkatastrophe zu einer einseitigen Beschreibung. Stefanowitsch bringt es auf den Punkt, wenn er in seinem Blog schreibt: „mit der Flut­me­tapher lässt sich nichts Positives über Flüchtlinge und den Umgang mit ihnen sagen“ (Stefanowitsch 19.01.2016).[7] Diese und ähnliche Metaphern lassen positive Assoziationen mit Flüchtlingen schlicht nicht zu, fördern statt­dessen Vorurteile zutage und stehen letzten Endes dem Aufbau jeglicher Empathie im Weg. Gegen diesen selektiven Sprachgebrauch wenden sich Initiativen von (auch prominenten) Einzelpersonen und Gruppen im Netz, die seit etwa 2013[8] unter dem erfolgreichen Motto „refugees welcome“ eine neue kon­zeptuelle Metapher immer weiter stärken, nämlich die vom Flüchtling als Gast. Die rege aktiven Facebook-Gruppen @RefugeesWelcome, @fluechtlingewillkommen und @refugeeswelcomeitalia zählen am 20.08.2017 rund 36.750, 58.540 bzw. 18.640 Mitglieder. Das Titelbild der letztgenannten Gruppe nennt das programma­tische Ziel in Form eines klaren Adhortativs: „Creiamo insieme una nuova cultura dell’accoglienza“. Das Bild der Gastfreundschaft („accoglienza“), das auch in Deutschland (vgl. z. B. Matuschek 01.09.2015; Löbbert 13.09.2015), Frankreich (vgl. Agier 14.10.2016) und jüngst noch einmal vom Papst Franziskus (vgl. Vatican Insider News 14.08.2017) evoziert wird, legt in radikaler Abgrenzung zu den oben genannten Metaphern neue Perspek­tiven auf die Migranteneinfuhr frei. Die Reifizierung der Einwanderer zur Naturkatastrophe wird aufgehoben. Der Fatalismus angesichts einer höheren Naturgewalt weicht einem Grundmuster zwischenmenschlichen Ver­haltens: Es handelt sich bei den Flüchtlingen nunmehr um ebenbürtige Menschen, wenn nicht gar um gern gesehene Freunde, die man sich ins Haus holt, um mit ihnen zu feiern und zusammenzuleben. Die aufnehmende Gesell­schaft besetzt nicht mehr die Rolle des Opfers, sondern ihre Mitglieder werden zu selbstbestimmten „Herbergseltern“ (Löbbert 13.09.2015).[9] Und obwohl die konzeptuelle Metapher von der Gastfreundschaft auch den logischen Schluss zulässt, dass Flüchtlinge eben nur auf Zeit geduldet werden, und dieser wiederum von Rechtspopulisten instrumentalisiert werden könnte (vgl. Stefanowitsch 19.01.2016), bestimmte dieses Sprachbild beispielsweise die Hand­­lungen jener Personen, die im September 2015 am Bahnhof München standen, um die ankommenden Flüchtlinge wärmstens willkommen zu heißen (vgl. SZ.de 05.09.2015).

Eine andere, primär positiv konnotierte Metapher wäre die vom Flüchtling als Bereicherung, wie sie etwa der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, im Oktober 2015 aufgegriffen hat (vgl. Welt N24 30.10.2015). Auch sie findet sich im gegenwärtigen Immigrations­diskurs, auf sie kann hier aber aus Platzgründen nicht nach­gegangen werden. Es sei hier nur die Bemerkung gestattet, dass auch diese Metapher leicht zu dekonstruieren wäre, wenn man z. B. Bereicherung als Aus­beutung interpretiert.

Der Flüchtling als Naturkatastrophe – der flüchtige Mensch als Gast. Das letztgenannte Sprachbild ersetzt nicht das erste, sondern gesellt sich zu ihm – vor allem nach den etlichen, über die Medien verbreiteten Aufrufen prominenter Deutscher (vgl. Welt 27.08.2015; Focus online 30.12.2015), die damit für viele als Vorbild wirkten. Die früheren und traditionellen Metaphern sind allerdings nicht apriorisch falsch, sondern beinhalten eben jenen ernstzunehmenden Verweis auf eine womöglich irrationale, aber dennoch deutlich spürbare und reale Angst vor dem Fremden. Ein neuer Bild­spenderbereich bietet Rezipienten aber eine konzeptuelle Alternative; und das bedeutet, um mit der kognitiven Metapherntheorie zu sprechen, dass andere Denk- und Handlungsschemata zur Verfügung gestellt werden. Durch die Überlagerung dieser zwei konkurrierender heuristischen Netze bzw. durch die „Metaphernkonfrontation“ (Debatin 2011: 200) kann die Gesellschaft ihre Erkenntnisse über einen Sachverhalt erhöhen. Weil zwei verschiedene Me­taphern unterschiedliche Selektionen vornehmen, unterschiedliche Größen mit unterschiedlichen Beziehungen zueinander abbilden, können sie ge­meinsam betrachtet bereits ein authentischeres Bild vom darzustellenden Sachverhalt abgeben als sie dies getrennt voneinander vermögen. Die Inbezug­setzung zweier unterschiedlicher metaphorischer Projektionen be­deutet für den Rezipienten eine differenziertere Sicht auf den jeweiligen Sach­verhalt, und diese eröffnet ihm in letzter Konsequenz ein breiteres Handlungs­spektrum.

3.1.2   Die Paraphrase im Dienste der Metaphernkritik

Die Vielfalt der Perspektiven, die bereits als heuristisch wertvoll beschrieben wurde, kann nicht nur durch die Hinzuziehung unterschiedlicher Metaphern für den gleichen Bildempfänger erzielt werden, sondern auch durch andere Mittel, etwa durch die um Wörtlichkeit bemühte Metaphernparaphrase. Die Metapher als Mittel zur Erkenntnis muss daher nicht alternativlos bleiben. Im Kontext der Metaphernkritik zielt die wörtliche Paraphrase darauf, die u. U. unbemerkt zirkulierenden Metaphern als solche ins Bewusstsein treten zu lassen. Dies beinhaltet auch Debatins erste „Operation“ zur Metaphern­reflexion, d. h. die (Re-)Metaphorisierung verblasster Metaphern und anderer Lexeme, die gemeinsam einen einheitlichen Bildspenderbereich konturieren (vgl. Debatin 2011: 198f.). Die Remetaphorisierung kann auf unterschiedlichen Wegen erzielt werden, etwa durch graphische Hilfsmittel wie An­führungszeichen („begreifen“), ein Bindestrich (be-greifen), die Kursivierung (‚begreifen‘) (vgl. Jäkel 2003: 51f.) sowie durch die Auflösung einer Metapher in Form eines Vergleichs, ist doch die Vergleichspartikel ‚wie‘ oder ‚als‘ bereits eine Abschwächung der mit der Metapher intendierten Gleichung (man beachte den pragmatischen Unterschied zwischen ‚Immigrantenstrom‘ und ‚Immigranten sind wie ein Strom‘).

Auch bei der Paraphrasierung der Metapher ist das Ziel die Aufdeckung der Selektion, die mit dem Sprachbild einhergeht. Allgemein wird das tertium comparationis zwischen Bildspender und Bildempfänger eruiert, um Aussagen darüber zu machen, inwiefern eine Metapher für die Beschreibung eines Sachverhalt legitimierbar ist und ob das zu Verstehende durch die verwendete Metapher erschöpfend oder eben nur fragmentarisch wiedergegeben ist. Zum Beispiel mag der Flüchtling insofern mit einer Flut verglichen werden, als sich einige Bürger durch ihn bedroht fühlen. Empfundene Bedrohlichkeit fungiert in einem solchen Argumentationszusammenhang als tertium comparationis zwischen wörtlicher und metaphorischer Rede. Der Flüchtling wird durch die Flutmetapher gleichzeitig aber auch reifiziert. Von denen, die ein Interesse an der Metapherndekonstruktion haben, kann diese Reifizierung deswegen kritisiert werden, weil hier unzulässigerweise ein tertium comparationis (nämlich ‚Unbelebtheit‘) eingeführt wird, das nicht auf beide Vergleichs­größen zutrifft. In den letzten Jahren weisen Beiträge im Netz vermehrt auf die Asymmetrie in solchen konstruierten und womöglich stillschweigend hinge­nommenen Gleichungen hin. Die hier mehrfach zitierte Sprach- und Metaphernforscherin Wehling (18.03.2016) z. B. meldet sich auf der Website von Spiegel Online selbst mit einem Gastbeitrag zu Wort. Und auch wird in einem Artikel auf evangelisch.de auf die einseitig negative Darstellung von Flüchtlingen durch Naturmetaphern hingewiesen (vgl. Klein 13.11.2015).

Gestützt wird die wörtliche Paraphrase und Erklärung einer Metapher durch Fakten. Zwar bemerkt Wehling zu Recht, dass im politischen Diskurs sehr oft die Aktivierung (metaphorischer) Frames und nicht die Darlegung von Fakten entscheidend ist (vgl. Wehling 2016: 17, 42, 45). Doch gerade die Bürger, auf die es bei der politischen Entscheidungsfindung nun einmal auch ankommt, muss dieser Umstand nahegebracht werden. Erst auf der Grundlage glaub­hafter Fakten, nicht subtil vermittelter Metaphern kann ein mündiger Bürger verantwortliche Handlungsentscheidungen treffen. Aus diesen Gründen hat etwa der gemeinnützige Verein Pro Asyl mittlerweile in der dritten Auflage die Broschüre Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile (32017) herausgegeben, in der er „Argumente und Fakten für eine sachliche Diskussion“ (Pro Menschen­rechte 2017: 3) rund um die Einwanderung von Flüchtlingen zusammen­getragen hat. Im letzten Abschnitt gibt die Broschüre den Lesern Tipps zur Hand, deren Befolgung „gegen Unkenntnis, Vorurteile und Rassismus“ (ebd.: 34) wirken sollen. Einer der Vorschläge lautet:

Achten Sie auf die Macht der Worte. Wenn Politiker*innen die Asylantragszahlen „alarmierend“ nennen oder Medien von „Flüchtlingswellen“ sprechen, löst das Ängste aus. Sachlich be­trachtet sind viele Begriffe unangemessen, sogar falsch. Machen Sie Medien und Ihr Umfeld darauf aufmerksam (Pro Menschenrechte 2017: 34).

Als Ersatz für die genannten Metaphern werden neutralere Begriffe wie „Flüchtlings-“ und „Migrationsbewegung“ empfohlen (vgl. Klein 13.11.2015). Scheuermann (23.01.2016) befürwortet u. a. den Begriff des „Zuzugs“.

Die wörtliche Paraphrase und Erklärung einer Metapher hat u. U. auch das Ziel, die mit der Metapher oft mitvollzogene Verallgemeinerung bzw. Stereo­typisierung rückgängig zu machen. Die textuelle Metapher der „Flücht­lingsflut“ beispielsweise lässt sich als Kondensierung der Aussage „Alle Flüchtlinge sind eine Flut“ auffassen. Sie stellt im oben angeführten syllogistischen Schema die Prämisse 2 bzw. den Untersatz und im Argumen­tations­modell die Behauptung bzw. das Argument dar. Was bei der Analyse einer solchen Metapher manchmal ausgeklammert wird, ist, dass diese Prämisse zwei Glieder hat und die zwei gegenläufigen Tendenzen Konkretion und Abstraktion in sich vereint: „Alle Flüchtlinge“ ist das Subjekt, „sind eine Flut“ stellt das Prädikat dar. Die kognitive Theorie geht vom Regelfall aus, dass mit der Metapher eine Konkretisierung einhergeht, dass also meistens ein abstraktes Explanandum durch ein alltagsnahes, konkreteres Explanans erfahrbar gemacht wird (vgl. Lakoff/Johnson 1980/2011: 128). Jäkel (2003: 28f., 41) spricht in diesem Kontext vom Normalfall der Unidirektionalitätsthese. Mit der Prädikation ist wie bereits gesagt eine Konkretisierung bzw. Rück­kopplung an eine beim Rezipienten als bekannt vorausgesetzte Erfahrung verbunden. Tatsächlich wird mit der Metapher von der Flüchtlingsflut (o. Ä.) die Einwanderung als abstraktes Konzept anhand eines nicht nur grund­sätzlich konkreteren Phänomens fassbar gemacht, sondern gleichzeitig auch eines solchen, das gerade in den letzten Jahren auf nationaler wie globaler Ebene von sich reden machte: Die Bilder der Flutkatastrophen in Deutschland (2002 und 2010) und die verheerenden Tsunamis im indischen (2004) bzw. pazifischen Ozean (2011) und deren Konsequenzen dürften viele Bürger noch vor Augen haben. Die hohe publizistische Wellen schlagende Rede des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seines Innenministers Roberto Maroni vom „tsunami umano“ datierte keine drei Wochen nach dem letztgenannten Naturereignis[10] und ist im eu­phe­mistischen Sinne von ihren Urhebern ‚bestens platziert‘ worden, um Ängste ähnlichen Ausmaßes auf die Flüchtlingsdebatte in Italien (und darüber hinaus) zu übertragen.

Gleichzeitig erfährt allerdings das Subjekt der Prämisse („alle Flüchtlinge“) eine Stereotypisierung, die immer eine Abstraktion vom individuellen Fall hin zu einem unterstellten Gleichverhalten ganzer Kollektive bedeutet. Eine solche Stereotypisierung ist, wie Eco (2011/2016) anhand etlicher Beispiele erläutert, eine der wichtigsten Komponenten bei der Fabrikation des Feindes. Die Metapher von den Immigranten als Wassermasse erfüllt auch diesen Zweck in probater Weise (vgl. Hönigsperger 1991: 238) und aktiviert höchst tendenziöse Frames (vgl. Saiz de Lobado/Bonomi 2015: 130), die keinen Platz für zwischen­menschliche Empathie vorsehen. Wehling schreibt: „Wassermassen lassen kaum Raum für Individualität: Niemand denkt bei einer Welle, einer Flut oder gar einem Tsunami als erstes an eine astronomisch hohe Zahl kleinster Wassermoleküle“ (Wehling 2016: 175). Mit den Flut-, Wellen- und Lawinen­metaphern eröffnet sich ihrem Sender also die Möglichkeit einer in vielen Fällen unzulässigen Verallgemeinerung unter dem Deckmantel einer kon­kreten und alltagsnahen Sprache.

Auch auf diese mit dem Metapherngebrauch intendierte Wirkung der Stereotypisierung will die paraphrasierende Metaphernkritik hinweisen. Das Ziel ist hier die Bewusst- und Rückgängigmachung der mit der Metapher vollzogenen Verallgemeinerung. Die Aufmerksamkeit eines bewussten Journalismus soll demnach vom Kollektiv der Einreisenden wieder weg- und auf die individuelle, und das bedeutet menschliche Seite der Migrations­bewegung, auf die Geschichten und Einzelschicksale hingelenkt werden. Diese Strategie kann deswegen auch als Humanisierungs- und – da die Metapher der Flüchtlingswelle eine Reifizierung der Betroffenen geltend machte – Rehumanisierungs­tendenz betrachtet werden. Der italienische Journalist Gad Lerner z. B. bemerkt in seinem Politblog, dass die von der da­maligen italienischen Regierung instrumentalisierte und durch die Tsunami-Metapher als bedrohlich charakterisierte Einwanderung eine dramatische menschliche Kehrseite hat („certamente drammatica per i suoi risvolti umani“; Lerner 01.04.2011). Und auch Scheuermann formuliert: „Die Katastrophen­metaphern verschleiern auch, für wen die Flucht eigentlich eine Katastrophe ist: für die Flüchtlinge“ (Scheuermann 23.01.2016). Ähnlich weist auch die oben genannte Broschüre mit dem Haupttitel „Pro Menschenrechte, gegen Vorurteile“ Formulierungen auf, die den flüchtigen Menschen in den Vorder­grund rücken und nicht seine vermeintliche Zugehörigkeit zu einem unüber­schaubar großen und als bedrohlich empfundenen Kollektiv – dies geschieht übrigens in gänzlicher Übereinstimmung mit dem Motto der herausgebenden Institution Pro Asyl: „Der Einzelfall zählt“ (ProAsyl).

3.1.3 Vielfalt der Bildempfänger

Kritik an einer zirkulierenden Metapher kann nicht nur durch die Hinzu­ziehung einer anderen Metapher (vgl. 3.1.1), sondern auch durch die (partielle) Wiederaufnahme desselben Sprachbilds geäußert werden. Der Unter­­schied zur oben besprochenen Dekonstruktion von Metaphern anhand der Fakten bzw. der wörtlichen Paraphrasierung derselben ist, dass sich die Kritik in diesem Fall diskursiv auf die von der Gegenseite geprägte Metapher einlässt, spielerisch mit ihr umgeht, um sie gewissermaßen von innen aus­zuhöhlen.

Von dieser Strategie raten Lakoff/Wehling (2007/42016: 76ff.) und Wehling (2016: 52, 55ff.) ab, würde doch durch die Wiederaufnahme der kritisierten Metapher, auch durch die bloße Negierung, auf das Weltbild der Gegenseite noch einmal eingegangen und dieses damit in den Köpfen der Rezipienten nur noch bestätigt und neuronal gefestigt werden. Durch die Rekapitulation des gegnerischen Diskurses würde man versäumen, die eigene Ideologie, geprägt von einem eigenen metaphorischen Netz, an die Öffentlichkeit zu tragen (vgl. Wehling 2016: 56, 64). Dies mag für Politik und Berichterstattung einen wert­vollen Ratschlag darstellen; eine reflektierende Metapherntheorie und ‑kritik kommt um die Nennung ihres zu kritisierenden Gegenstands nicht umhin. Gerade die Negierung der ursprünglich bemühten Metapher, z. B. „das Boot ist [eben] nicht voll“ (zit. nach Hönigsperger 1991: 231, Hinzufügung und Hervorhebung: M.A.), kann sich als effektives kritisches Instrument heraus­stellen, da sie der Gegenseite die Grundlage ihrer Argumentation, das hand­lungslegitimierende „Bündel von Schlußregeln“ (Pielenz 1993: 108), ent­zieht. Für einen Rezipienten ist es nämlich auch wichtig, im Rahmen eines Feedbacks den Sendern eines in seinen Augen unpassenden Sprachbildes mitzuteilen: „Ich lasse mich nicht auf die Metapher ein, ich akzeptiere nicht die argumentativen Implikationen eurer Metaphern.“ Von solchen Beispielen zur bloßen Negierung einer Metapher wird im Folgenden allerdings abgesehen. Stattdessen soll auf eine weitere Möglichkeit der Metaphernkritik, die Metaphernparodie, eingegangen werden.

Als besonders geistreich kann sich der Fall herausstellen, in dem eine zu ent­machtende Metapher im eigenen Diskurs wieder aufgegriffen wird, um sie diesmal allerdings in einer gegenläufigen Argumentationskette zu verwenden. Ein Beispiel hierfür findet sich in einem Leitartikel im Fluter, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Scheuermanns Beitrag vom 23.01.2016 trägt den Titel:

Mach mal nicht so ’ne Welle
Ja, es kommen viele Flüchtlinge. Aber was hat das mit Lawinen oder
Wellen [zu] [sic!] tun? Fabian Scheuermann über die Flut von Katastrophenmetaphern in der Aktuellen Debatte.

(Scheuermann 23.01.2016)

Sowohl mit dem saloppen Haupttitel „Mach nicht so ’ne Welle“, der trotz des für den Phraseologismus üblichen Singulars an alle Sender und Befürworter der Katastrophenmetaphern gerichtet zu sein scheint, als auch mit der Be­zeich­nung des beobachteten Metapherngebrauchs als Flut, greift der Autor des Artikels auf den prominentesten Bildspenderbereich in der Flüchtlings­debatte zurück. Damit überlistet er in gewisser Weise die Mechanismen des ‚Metaphernverstehens‘[11] und stützt damit gleichzeitig die eigene Argumen­tation. Zur Erklärung dieser Behauptung kann man sich Pielenz’ Beobachtung hinsichtlich der Wirkung von Metaphern beim Rezipienten ins Gedächtnis rufen: „Indem man eine Metapher annimmt, akzeptiert man das mit ihr verbundene Bündel von Schlußregeln“ (Pielenz 1993: 108). Der Bürger, der die Metaphern von der Flüchtlingswelle bzw. ‑flut in bewusster oder unbewusster Weise akzeptiert hat, geht von der Richtigkeit der Schlussregel „Wellen bzw. Fluten sind gefährlich“ aus. Indem nun Scheuermann den Gebrauch der Metaphern des Flüchtlings als Naturgewalt wiederum als Welle und Flut bezeichnet, bestätigt er die gleiche Schlussregel, ja macht sie sich zunutze, um zu einer analogen, und dennoch abweichenden Konklusion zu gelangen. Das ließe sich folgendermaßen darstellen:

 

Abb. 3: Argumentationsmodell nach Öhlschläger (1979: 99) und Metaphernparodie

Scheuermann nutzt die Bereitschaft von Bürgern, die Schlussregel „Fluten sind gefährlich“ zu akzeptieren, aus, um die eigene Metaphernkritik auf ihr aufzubauen. Wenn vom Rezipienten die Metapher „Immigranten sind eine Flut“ akzeptiert und zum Syllogismus „Eine Flut ist schlecht; ergo sind Immigranten schlecht“ ergänzt wird, so kann derselbe Rezipient dazu angehalten werden, sich zumindest kritisch mit dem Sprachbild Metaphern über den Immigrantendiskurs sind eine Flut auseinanderzusetzen, das ja mit der erstgenannten Metapher die gleiche argumentative Basis teilt. Ange­sichts der Pluralität der Konklusionen (bei gleichbleibender Schlussregel) wird der Rezipient dazu aufgefordert, den Widerspruch zwischen ihnen irgendwie auf­zulösen. Mit seiner Titelwahl reitet hier der Metaphernkritiker also sou­verän auf der von seinen Gegnern gemachten Welle.

Einen ähnlichen Fall kann man an einer Aussage des Geschäftsführers von Pro Asyl, Günter Burkhardt, festmachen, der Wolfgang Schäubles Vergleich der Flüchtlingseinwanderung mit einer Lawine ebenso mit einem Sprachbild kommentiert: Metaphern, wie sie der amtierende Finanzminister gebraucht, seien „Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten“ (n-tv.de 12.11.2015). Auch dieses Statement macht sich die bekannte Wassermetaphorik zunutze, um davor zu warnen, welche Auswirkungen dieses metapherndurchzogene Reden über Flüchtlinge gesamtgesellschaftlich haben kann, nämlich die Stärkung und Mobilisierung rechtspopulistischer Bevölkerungsschichten.

3.2 Globale gegen nationale Diskurse

Jede Kultur definiert sich u. a. über ihr eigenes Metaphernnetz (vgl. Pielenz 1993: 174). Welche Metaphern zur Erklärung bestimmter lebensweltlicher Sach­verhalte herangezogen werde, hängt somit von kulturspezifischen Regeln ab (s. o., These 6). Das Bild der Flüchtlinge als bedrohliche Naturgewalt scheint, wie nun mehrfach angeklungen ist, in Europa eine gewisse Uni­versalität zu verbuchen. Es gibt allerdings kreative textuelle Metaphern, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dadurch wecken, dass sie sich zwar in diese konzeptuelle Metapher einfügen lassen, durch ihre Anschau­lichkeit allerdings den sich bisher eigentlich zurückhaltenden und fast unbemerkt strukturierenden Bildspender schlagartig entlarven. Dies ist etwa der Fall bei Berlusconis Rede vom „tsunami umano“ und Schäubles Vergleich der Flüchtlinge mit einer Lawine. Diese Metaphern blieben im nationalen, aber vor allem auch im internationalen Rahmen nicht unbemerkt und gaben hier wie dort Anlass zu übernationaler Kritik. Solche kreativen Metaphern initiierten heteronationale Diskurse zum Reden über Flüchtlinge, die wie­derum als eine Form der Metaphernkritik gewertet werden können.

Schäubles nun mehrfach angeführte Metapher von der Flüchtlingslawine etwa wurde in den deutschen Medien und von Politikerkollegen heftig kritisiert (vgl. n-tv.de und Zeit 12.11.2015).[12] Auch in Italien (vgl. euronews 12.11.2015) und Frankreich (vgl. lepoint 25.11.2015) wurde über den Vergleich berichtet und Kritik geäußert. Es handelt sich bei dieser Metapherndekonstruktion zwar um eine Sonderform der Metaphernparaphrase, dieser ‚Blick von außen‘ hat allerdings seine eigenen Auswirkungen auf die beiden involvierten Sprach­gemeinschaften: Zum einen erhöht eine internationale Metaphernkritik den Legitimationsdruck für den ausgangskulturellen Metaphernsender. Kurz: Schäuble muss auf der internationalen Bühne für seinen Vergleich einstehen. Dies legt folgendes Zitat aus einem Artikel auf www.lepoint.fr nahe:

Avalanche... Le mot a été lâché. Non pas par les manifestants hargneux qui ont recommencé à défiler dans les rues de Dresde chaque lundi soir sous la bannière de Pegida, mais par Wolfgang Schäuble, le très influent ministre des Finances d’Angela Merkel (lepoint 25.11.2015).

Was die Metapher sanktionswürdig mache, ist nach dem Autor dieses Online-Artikels der Umstand, dass es sich bei dem Urheber derselben nicht um einen beliebigen Pegida-Anhänger, sondern um den Finanzminister Wolfgang Schäuble als ein amtierendes Mitglied des Merkel-Kabinetts handelt. Seine Äußerung ist demnach auch als Affront gegenüber der deutschen Bundeskanzlerin und ihrer Willkommenspolitik gewertet worden (vgl. ebd.). Zum anderen erhält die heteronationale Berichterstattung ein Moment des Präventiven, wird doch die für inadäquat befundene ausgangskulturelle Metapher bei der Zielrezipientenschaft als sanktionswürdiges und daher zu meidendes Negativbeispiel charakterisiert.

3.3 Bilder gegen Sprachbilder

Die bisherigen Ausführungen sollen in der Analyse eines Tweets kon­vergieren, der sich explizit gegen die Metapher vom Flüchtigen als Naturgewalt richtet. Nicht ein für Twitter typischer aphoristischer Text und auch kein reines Bild, sondern ein verbale und piktoriale Zeichen miteinander verbindendes und damit polysemiotisches Kommunikat soll hier herangezogen werden. Die Verbindung von Wort und Bild ist bei der nachfolgend vorgestellten Strategie zur Kritik etablierter Metaphern sogar von zentraler Bedeutung.

Die Metapher bzw. das Sprachbild weist wie oben angedeutet in mehrfacher Hinsicht eine Nähe zum materiellen Bild auf (vgl. Stöckl 2004: 212) – nicht nur in Bezug auf die selektive Wirkung, sondern auch etwa hinsichtlich der kognitiven Verarbeitung. Ein Bild lässt sich schneller und damit womöglich auch unbedachter verarbeiten als eine abstrakt-wörtliche Umschreibung eines Sachverhalts (vgl. Hörmann 1978: 462). Stöckl (2004: 224) merkt diesbezüglich an, dass bildhafte Sprache als ganzheitliche Gestalt rezipiert und verarbeitet wird. Auch hierdurch wird die manipulative Wirkung der Metapher ver­schleiert. Der Rezipient einer eingängigen textuellen Metapher akzeptiert unbewusst ein ganzes Bild (die dahinterstehende konzeptuelle Metapher) und hinterfragt dieses oft deswegen nicht, da es als Ganzes intuitiv erfasst und als plausibel erachtet wird. Eine wörtliche Darlegung abstrakter Sachverhalte und Fakten ist aus kognitiver Sicht aufwändiger zu verarbeiten und anfälliger für kritische Hinterfragung (vgl. Hörmann 1978: 462). Nichtsdestotrotz eignet sich auch das materielle Bild als Strategie zum Kommentar bzw. zur Kritik einer metaphorischen Aussage (und umgekehrt). Dies soll am folgenden Tweet von Erik Marquardt, Mitglied des Parteirats von Bündnis 90/Die Grünen, dargestellt werden, dar am 12.11.2015 als Antwort auf Schäubles Lawinen­metapher mit dem Hashtag #Lawine veröffentlicht wurde.

 

Abb. 4: Marquardt 12.11.2015

Die geläufigen Metaphern von der „Flüchtlingswelle“ etc. gelten für Marquardt als ein mittlerweile etablierter Irrglaube („Da es ja oft verwechselt wird [...]“). Angesichts des unterstellten manipulativen Einsatzes solcher Metaphern, sieht sich der Metaphernkritiker gezwungen, die eingebürgerte ‚uneigentliche‘ metaphorische Rede mit einer Präsentationsform aufzudecken, die man sonst aus Kinderfibeln und Bildwörterbüchern kennt, nämlich die Nennung eines Lemmas mitsamt einer naheliegenden bildlichen Dar­stellung.[13] Das Ziel dieses Tweets ist eindeutig und lässt sich unter Zuhilfe­nahme semiotischer Terminologie folgendermaßen beschreiben: Die anhand der Metaphern ursprünglich geschaffene und mit jedem Metapherngebrauch immer weiter gefestigte Kopplung der aus dem Bereichen Natur und Natur­katastrophe stammenden Lexeme (als signifiants) mit den in visuellen Medien allgegenwärtigen Bildern von flüchtigen Menschenmengen (als signifié) soll durch Marquardts immerhin 821 Mal geteilten und 892 Mal mit ‚Gefällt mir‘ markierten „Erklärung“ wieder aufgebrochen werden.

Den Lemmata „Welle“, „Flut“ und „Lawine“ hinterlegt Marquardt, der übrigens selbst Photograph ist, konnotationsarme Bilder. Mit Barthes könnte man von „images denotées“ (Barthes 1964/1993: 1420) sprechen. Dieser Text-Bild-Bezug (Lemma – konnotationsarmes Bild) ist charakteristisch für die pragmatische Funktion des Tweets, mit dem sein Urheber die metaphorische Bindung von Naturgewalt und flüchtigen Menschen aufgehoben und die Naturphänomene durch die visuelle Rückkopplung wieder ‚wörtlich‘ ver­standen wissen will. Das vierte Bild der Serie muss eher das Interesse des Rezipienten wecken, denn über die Denotation hinaus kann es auch Anlass zu etlichen konnotativen Assoziationsleistungen geben, es ist also klassifizierbar als eine „image connotée“ (ebd.). Die Text-Bild-Verknüpfung im vierten Quadrant bricht mit derjenigen der ersten drei. Nur wenn der Rezipient Marquardts Hinweis „Da es ja oft verwechselt wird [...]“ folgt und den Tweet als Beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdebatte interpretiert, kann er – das Schema der Serie fortführend – das eigentlich passende Lemma zum Bild inferieren, nämlich „Flüchtling“, denn man sieht im Hintergrund eine bepackte, in einer Reihe stehende und durch (Grenz-)Polizisten überwachte Menschenmenge. Bilder wie dieses kursieren seit langem in den europäischen Medien. Mar­quardt verwendet aber bewusst nicht das Lexem „Flüchtling“ oder „Immigrant“, sondern ein Hyperonym dazu: „Menschen“. Die mit den ersten drei Quadranten vollzogene plakative Rückkehr zur wörtlichen Bedeutung der metaphorisierten und vielgebrauchten Lexeme „Welle“, „Flut“ und „Lawine“ wird also im vierten Quadrant aufgegeben. Hier wird mit dem Bild von den Immigranten eine Bezeichnung kombiniert, die bewusst abstrahiert von ihrer Eigenschaft als Fremde und ihrer Funktion als Einreisende. Aufgenommen wird dies schon im Bild, steht doch ein kleiner Junge im Fokus, der zwar zur Gruppe der Flüchtigen gehörend, den grundlegenden Bedürf­nissen aller Kinder auf dieser Welt nachgeht: Lachen und Essen. Die De­konstruktion der geläufigen Sprachbilder kulminiert damit in einen demonstrativen Aufruf zur Empathie mit den Immigranten, die mit den Rezipienten dieses Kommunikats die gemeinsame Basis des Menschseins teilt.

Man könnte Marquardt ebenso einen manipulativen Sprach- und Bild­gebrauch vorwerfen, denn schließlich kommen konnotationsreiche Bilder, wie Barthes (1964/1993: 1427f.) beobachtet hat, vorzugsweise in Kontexten der Ideologievermittlung zum Einsatz. Hätte der Urheber des Tweets eine objektive Wissensvermittlung zum Ziel, gäbe es keinen Anlass für eine Textbild-Verknüpfung im vierten Quadranten, die den Rezipienten einerseits zu aufwendigen Inferenzen („Menschen“ statt eigentlich „Flüchtlinge“) ‚nötigt‘ und andererseits bewusst eine Empathie weckende Zielgruppe (nämlich das Kind als Inbegriff eines harmlosen Individuums) in den Mittelpunkt steht. Natürlich ist also auch Marquardts Tweet Teil einer Ideologie, einer solchen aber, die an humanitäre Ideale appelliert und zurückführt zum menschlichen Recht, als Individuum wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden.

Der beschriebene Tweet vereint, wie angeklungen sein dürfte, verschiedene der bereits genannten Strategien zur Metaphernkritik in sich: Es entlarvt den metaphorischen Charakter gängiger (u. U. unreflektierter) Ausdrücke im Diskurs um den Immigrantenzuzug durch die Aufzählung der verschiedenen Bildspender (Welle, Flut, Lawine). Durch die Rede von „Menschen“ hebt er die von den kritisierten Metaphern bewirkte Reifizierung zur Naturgewalt auf. Der Plural dieses Lexems rückt dabei in den Vordergrund, dass es sich nicht um eine einheitliche und bedrohliche Masse, sondern um eine Menge von verschiedensten Individuen handelt. Eine ähnliche Funktion haben übrigens auch die bunten Strichmännchen in der oben erwähnten, u. a. von dem Verein Pro Asyl herausgegebenen Broschüre (vgl. Pro Menschenrechte 2017: Titelseite, 7), die gleichzeitig Vielfalt, Individualität sowie – durch die immer gleiche Form der Strichmännchen (aber nicht -frauchen) – die gemein­same Basis des Menschseins hervorhebt.

Einige der Kommentatoren von Marquardts Tweet scheinen die bewusst dekonstruierende Strategie hinter seiner Metaphernkritik zu verkennen, wenn sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei „Flüchtlingswellen“ etc. um nicht ernstzunehmende Metaphern, ja lediglich um „eine verfluchte Formulierung“ (Kommentator von einem ähnlich lautenden Tweet von Heiko Maas; vgl. Maas 12.11.2015) handle und diese damit völlig hinnehmbar seien. In den Kommentaren zu Marquardts Tweet ist zu lesen: „Sprachliche Bilder dienen nur der Belebung des Gesagten, sind nie wörtlich zu verstehen“. Damit wäre bewiesen, dass zum einen die Rede von der Metapher als Ornatus nicht nur einen wissenschaftlichen Topos darstellt, sondern auch im Laiendiskurs zur Beschwichtigung der Macht von Metaphern eingesetzt wird, und dass zum anderen populärwissenschaftliche Ausführungen wie die von Lakoff/ Wehling (2007/42016) und Wehling (2016), welche die Erkenntnisse der kognitiven Metaphernforschung der breiten Masse zugänglich machen, weiter­hin vonnöten sind, damit die Macht der Metapher gesamt­gesell­schaftlich betrachtet nicht unterschätzt wird.

4.   Fazit

Am Schluss der Ausführungen kann zu den sechs Thesen zurückgekehrt werden, die in Kap. 1 in Anlehnung an die kognitive Metapherntheorie for­muliert wurden. (Metaphorische) Konzepte bzw. Frames strukturieren die mensch­liche Kognition und bedingen auch die Wahrnehmung und das Handeln eines jeden Menschen (These 1–4). Insofern in einer Gesellschaft bestimmte Frames bevorzugt werden (These 6), sind Gedankengänge und Handlungen von Personen zum Teil berechenbar und somit auch manipulierbar. Die Politik macht sich diesen Umstand schon immer zunutze (vgl. Lakoff/Wehling 2007/42016; Wehling 2016) und achtet auf eine Kommunikation, die die gewünschten Frames aktivieren soll (These 5). Beobachten lässt sich dies im Besonderen an der Metaphernverwendung bestimmter politischer Akteure, die mit ihren Statements stets ein einheitliches Weltbild, eine Ideologie propa­gieren wollen. Ideologische Rede im Allgemeinen und der Metaphern­gebrauch im Speziellen konvergieren im Merkmal der Selektion und Kanalisation der möglichen Perspektivenvielfalt im Hinblick auf einen bestimmten intentionalen Zweck. Gerade aus diesem Grund ist der Einsatz von Sprachbildern und – wie Goodman im obigen Zitat nahelegt – auch von materiellen Bildern ein effektives Mittel der Propaganda. Entgegensteuern kann man dieser ideologischen Reduktion durch eine bewusste Gegenbe­wegung, die von Bachtin (1934f./1979: 165) als Zentri­fugal­kraft weg vom Ideologischen hin zur Vielfalt und dem Dialog polyphoner Stimmen be­schrieben wird. Eine wiss- und folglich auch lernbegierige Person bzw. Gesell­schaft fördert eine solche Perspektivenvielfalt, denn nur eine solche lässt das kognitive Netz, mit dessen Hilfe man die Welt versteht und erklärt, immer engmaschiger werden.

An die Stelle der gelenkten Perspektivierung soll das Eröffnen einer Perspektiven­­vielfalt treten. Die Frage nach der Konstruktion und De­kon­struktion von Metaphern in einer Gesellschaft ist somit sehr eng verbunden mit der Frage nach deren Umgang mit ideologischer Heterogenität. Es geht nicht nur darum, ein Weltbild zu haben und es zu verteidigen, so wie dies etwa von Wehling (2016: 52, 55ff.) impliziert wird, sondern auch darum, andere Weltsichten zu akzeptieren und die eigene auf der Basis von hand­festen Fakten u. U. zu hinterfragen. Rezipienten von ideologisch (und das bedeutet in vielen Fällen: metaphorisch) geprägten Texten, müssen Stellung zum Rezipierten beziehen und womöglich eingesessene Denkmuster über­prüfen. Die Infragestellung der Metaphern, „in denen wir leben“ (Lakoff/ Johnson 1980) und mit denen wir täglich argumentieren (Pielenz 1993), gehört zu einem verantwortungsvollen Individuum und einer ebensolchen Gesell­schaft dazu – gerade auch wenn diese bewusste Abwendung von einge­fahrenen Denk‑, Wahrnehmungs- und Handlungsmustern mitunter ein aufwändiges, „überaus mühevolles und schmerzhaftes Unterfangen“ (Pielenz 1993: 156) darstellt und überdies die soziale Identitätsstiftung – die eben nicht mehr nur über die Fabrikation des Feindes zu erzielen ist – womöglich wesent­lich erschwert.

5.   Quellenverzeichnis

5.1 Primärquellen

bg – Blog (einer Einzelperson); fb – Facebook-Seite; oj – Online-Journalismus (institutionell); op – Online-Publikation; tw – Tweet; yt – Youtube-Video.

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https://www.facebook.com/RefugeesWellcome/ (29.08.2017).

@refugeeswelcomeitalia – fb.,
https://www.facebook.com/refugeeswelcomeitalia/ ( 29.08.2017).

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5.2 Sekundärquellen

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[1]    Pielenz (1993: 132) schreibt z. B.: „Metaphern sind geronnener Ausdruck herrschender Meinungen, die als Fundus der Tradition und auch der Innovation in einer Sprachgemein­schaft zum Zuge kommen: In ihnen werden epistemische Leitvorstellungen bewahrt [...].“

[2]    Die Bezeichnung ‚Krise‘ ist bereits Gegenstand der Kritik. Schon seit den 1990er Jahren setzt laut Saiz de Lobado/Bonomi die ganze Berichterstattung rund um das Thema Migration und Flüchtlinge in den meisten Fällen auf kommunikative Strategien, die auf pejorative Dar­stellung und Problematisierung abzielen (vgl. Saiz de Lobado/Bonomi 2015: 115, 119). Be­son­ders gegen die Wortwahl der ‚Flüchtlingskrise‘ wendet sich z. B. die Facebook-Seite @RefugeesWelcome, deren Titelbild vom 18.07.2016 die Aussage beinhaltet: „Say it Loud, Say it Clear… This is not a migrant crisis. It’s a crisis of resource exploitation. It’s a crisis of war. It’s a crisis of inequality. It’s a crisis of climate change“ (Stand: 20.08.2017).

[3]    Etliche Politiker wurden für ihre für unpassend befundene metaphorische Wortwahl bei Stellungnahmen zur Immigration von Flüchtlingen kritisiert, etwa Berlusconi für seine Rede vom „tsunami umano“ (vgl. Lerner 01.04.2011), Sarkozy für den Vergleich der Flüchtlinge mit einer „fuite d’eau“ (20minutes 18.06.2015) sowie Schäuble für seine Warnung vor der „Flüchtlings-Lawine“ (faz.net 12.11.2015).

[4]    Dass die politischen Berichterstattung sich nicht kritisch genug mit den potenziell immer auch zur Manipulation fähigen Sprachmittel auseinandersetzen, ist eine These von Lakoff/ Wehling (2007/42016: 176f.). Der Titel von jenem in der vorangegangenen Fußnote zitierten Artikel über Sarkozys misslungene Wortwahl etwa lautet: „Migrants: Sarkozy compare l’afflux de réfugiés à une grosse fuite d’eau“ (20minutes 18.06.2015). Kritisiert wird hier ironischer­weise Sarkozys mehr oder weniger originelle Metapher vom ‚Wasserleck‘ bei gleich­zeitiger Verwendung der konventionellen Metapher des ‚Migranten(zu)stroms‘. Ähn­lich berichtet it.euronews.com von der deutschen Kritik an Schäubles Lawinen-Metaphorik, dennoch wird im gleichen Artikel der Ausdruck „afflusso dei rifugiati“ (euronews 12.11.2015) verwendet.

[5]     Die terminologische Unterscheidung von „Bildspender“ (Herkunftsbereich) und „Bild­empfänger“ (Zielbereich) geht auf Weinrich (1958/1976: 284) zurück.

[6]    Die konzeptuelle Metapher wird hier wie bei Pielenz (1993: 105) als Fundus an Schluss­regeln betrachtet, ist also Teil der Argumentation (hier: P2) und stellt nicht wie bei Pirazzini (1998: 171) die Konklusion bzw. die Schlussfolgerung dar.

[7]    Ähnliches wird auch in einem Online-Artikel des italienischen Verbands Carta di Roma (vgl. Carta di Roma 17.08.2017) konstatiert. Dieser nimmt deutlichen Bezug auf einen in der Online-Ausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian erschienen Artikel von David Shariatmadari (vgl. theguardian.com 10.08.2015), der den pejorativen Metaphern­gebrauch im britischen Flüchtlingsdiskurs kritisiert.

[8]    Institutionell festgehalten wurde die Rede von der „Willkommens- und Anerkennungs­kultur“ für alle legal eingewanderten Menschen mit Migrationshintergrund im Abschluss­bericht „Runder Tisch: Aufnahmegesellschaft“ des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (vgl. BAMF 25.03.2013).

[9]    Es sei an dieser Stelle erwähnt, wie wertvoll sich die Leserkommentare eines Blogs für die Metaphernanalyse erweisen können, weil sie – wenn systematisch berücksichtigt – als Beschreibung einer konzeptuellen Metapher in ihrer ganzen Breite angesehen werden können. Kommentatoren des Beitrags von Stefanowitsch (19.01.2016) z. B. kommen von der vom Autor ausgeführten Gastmetapher zu den vielfältigen Implikationen, die sich für den Gastgeber zum einen und dem Gast zum anderen ergeben.

[10]  Gad Lerner datiert die Metapher vom „menschlichen Tsunami“ auf die letzte Märzwoche 2011, der Tsunami vor der Küste Japan ereignete sich nur wenige Wochen zuvor am 11. März 2011 (vgl. Lerner 01.04.2011).

[11]  Der Begriff des Metaphernverstehens wurde bereits von verschiedenen Autoren verwendet (vgl. Skirl 2009). Hier wird auf ihn rekurriert, um summarisch auf die rezeptiven Momente der am Anfang dieses Beitrags genannten Thesen (v.a. 1, 3, 5 und 6) zu verweisen.

[12]  Heiko Maas kleidet die Kritik seines Kabinettskollegen ebenso in metaphorische Worte und bezichtigt ihn, mit seiner Formulierung „Öl ins Feuer [der aktuellen Flüchtlingsdebatte zu] gießen“ (vgl. Maas 12.11.2015; Hinzufügung: M. A.). Spiegel-Online sprach infolgedessen von Maas’ Vorwurf der „Brandstiftung“ (Spiegel-Online 12.11.2015).

[13]  Zwischen den Lemmata und den ihnen zugeordneten Bildern besteht in diesen Kommunikatsorten eine Beziehung der gewollten „synsemantischen Redundanz“ (vgl. Agnetta 2018: i. V.), d. h. Wort und Bild verweisen auf den gleichen Gegenstand.

 

Diritti Annegati - Il Mediterraneo è un cimitero. Origini e modificazioni di una metafora

Sara Colombo, Daniela Pirazzini

Sara Colombo, Bonn (sara.colombo@uni-bonn.de)
Daniela Pirazzini, Bonn (daniela.pirazzini@uni-bonn.de)

Abstract


Within the framework of the theory of Lakoff and Johnson (1980) we investigate the conceptual metaphor “the Mediterranean Sea is a cemetery” from two points of view, diachronic and synchronic. In a diachronic perspective, we look into the origin of this
metaphor in the Italian language through a lexicographical study of the most important Italian etymological and historical dictionaries, as well as the Opera del Vocabolario Italiano (OVI), a web-database of early Italian vernacular texts. Furthermore, we show that the metaphor possibly dates back to the XIIth century, as it can be found in an old Italian folktale (La leggenda di Colapesce). In a synchronic perspective we study the semantic-grammatical modifications that the source metaphor has undergone recently as well as the mental representations and associations that the metaphor evokes in Italian. In particular, we show that the source metaphor has been modified through a process of conceptual contiguity that emphasizes the constitutive trait PLACE OF DEATH, bringing about a conceptual association between MEDITERRANEAN SEA and CEMETERY.

Ausgehend von den Theorien von Lakoff und Johnson (1980) wurde die konzeptuelle Metapher “das Mittelmeer ist ein Friedhof” aus zwei Perspektiven untersucht, diachron und synchron. Unter einem diachronen Gesichtspunkt wurde der Fokus auf den Ursprung dieser
Metapher in der italienischen Sprache gelegt. So wurden die wichtigsten etymologischen und historischen Wörterbücher des Italienischen sowie die Opera del Vocabolario Italiano (OVI), eine Web-Datenbank mit frühen volkssprachlichen Texten des Italienischen, lexikografisch untersucht. Darüber hinaus wurde eine mögliche Quelle für die Konzeptualisierung des Mittelmeers als Friedhof in einer alten italienischen Legende des 12. Jahrhunderts gefunden (La leggenda di Colapesce). Aus einer synchronen Perspektive wurde sowohl den
semantischen-grammatikalischen Modifikationen, die die Quellenmetapher neuerdings betroffen haben, als auch den mentalen Repräsentationen und Assoziationen, die diese Metapher im Italienischen hervorruft, nachgegangen. Insbesondere wurde festgestellt, dass die Quellenmetapher durch einen konzeptuellen Kontiguitäts-Prozess modifiziert wurde, in welchem das konstitutive Merkmal TODESORT hervorgehoben wird. Dies ermöglicht die konzeptuelle Assoziation zwischen MITTELMEER und FRIEDHOF.

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Seite 47

1.       Introduzione

In occasione di un discorso tenuto al Parlamento Europeo e rimasto presente nella memoria collettiva, Papa Francesco, commentando l’ennesimo naufragio di migranti, afferma Non si può tollerare che il Mar Mediterraneo diventi un grande cimitero (25/11/2014)[1]. Alcuni mesi prima, a una riunione generale delle Nazioni Unite l’allora Presidente del Consiglio italiano Matteo Renzi sosteneva che il Mediterraneo troppo spesso si trasforma in un cimitero (25/09/2014)[2]. Ma ancora un anno prima di questi avvenimenti il primo Ministro maltese Joseph Muscat aveva commentato in un’intervista alla BBC il naufragio nel mar Mediterraneo avvenuto nell’ottobre del 2013 con queste parole: as things stands, we are just building a cemetery in our Mediterranean Sea[3]. Leggendo queste affermazioni ciò che colpisce, da un punto di vista linguistico-cognitivo, è il ricorso, nello stesso contesto di riferimento, alla medesima associazione mentale. Dal 2014 gli arrivi via mare sulle coste del Sud Europa e il numero delle vittime e dei dispersi sono aumentati in modo considerevole (cfr. statistiche UNHCR[4]) e sono stati oggetto di un acceso dibattito politico, giuridico e umanitario all’interno del quale si nota l’utilizzo ricorrente nei media (non solo italiani, ma anche europei) della metafora “il Mediterraneo è un cimitero” e di un numero considerevole di modificazioni semantico-grammaticali del tipo “un cimitero a cielo aperto chiamato Mediterraneo” o “Mediterraneo, il cimitero liquido”.

Lo scopo del presente contributo è di studiare la metafora “il Mediterraneo è un cimitero” da due prospettive: una diacronica, che ci permetterà di ricostruire – per quanto possibile – la nascita di questa metafora nella lingua italiana, e una sincronica, attraverso la quale tenteremo di identificare, da una prospettiva cognitiva, le rappresentazioni mentali che sono alla base delle modificazioni che ha subito la metafora fonte. Un approccio di questo tipo consente, a nostro avviso, una spiegazione omogenea della metafora “Il Mediterraneo è un cimitero” perché permette di stabilire, in maniera specifica, quali tratti peculiari del concetto CIMITERO vengono trasferiti e proiettati al concetto MEDITERRANEO (Lakoff e Johnson 1980, 1999) e quali invece retrocedono sullo sfondo.
La prima parte dello studio verte, quindi, sulle origini della metafora cimiteriale del mare e sulla domanda se e da quando è possibile rintracciare tale metafora, le cui radici – trattandosi di un topos letterario – sono da ricercare in un passato ben più lontano rispetto al discorso di Muscat del 2013. Per rispondere a questa domanda sottoporremo alla nostra analisi non solo i principali dizionari storici dell’italiano, alla ricerca della prima attestazione del sintagma metaforico, ma anche i testi in italiano antico raccolti nel corpus dell’OVI (Opera del Vocabolario Italiano), risorse imprescindibili per un approccio di tipo diacronico.

La seconda parte dello studio verte, invece, sulle modificazioni semantico-grammaticali della metafora fonte e sulla domanda se tali modificazioni possano rendere conto delle rappresentazioni mentali specifiche che l’autore della modificazione attiva dall’unione del concetto MEDITERRANEO con quello di CIMITERO. La scelta del corpus digitale, nel nostro caso gli hyperlink dei documenti web di google.it, ha il vantaggio di fornire un numero cospicuo di esempi autentici per lo stesso contesto di riferimento. La nostra ricerca digitale ha preso in disamina 150 hyperlink selezionati in base all’occorrenza delle due parole Mediterraneo e cimitero nel contesto di riferimento del naufragio di migranti. Tutti gli esempi analizzati sono stati scelti a partire dal 2014, anno in cui Papa Francesco ha proferito la metafora “il Mediterraneo è un cimitero”.


Per quanto riguarda la metodologia, nel presente contributo seguiremo una prospettiva che rappresenta una sintesi combinatoria dei due approcci metodologici impiegati nella ricerca sulle metafore (top-down e bottom-up)[5]. Per la parte diacronica della nostra analisi adotteremo un approccio di tipo top-down, tradizionalmente usato nell’analisi delle metafore cognitive e volto a sottolineare le strutture cognitive globali (cfr. Kövecses 2011: 27 segg.). Nella seconda parte, dedicata all’analisi sincronica delle modificazioni della metafora “Il Mediterraneo è un cimitero” (par. 4), seguiremo l’approccio opposto di tipo bottom-up: studiando le modificazioni metaforiche negli hyperlinks dei documenti web di google.it (rinunciando, quindi, a un’analisi estensiva nel contesto e concentrandoci unicamente su un’analisi selettiva), focalizzeremo l’attenzione sulle strutture linguistiche, sulla loro forma e sulle modifiche alla struttura e al significato. Come sostenuto da Kövecses (2011), infatti, both directions of analysis are necessary for a full and mutual satisfying understanding of how metaphors work in language, culture and thought. (p. 32) e, in effetti, ci sembra che la combinazione dei due approcci possa fornire uno sguardo completo e integrato all’analisi della metafora concettuale oggetto del nostro studio, tenendo conto anche della diversa natura delle due prospettive di ricerca (diacronica e sincronica).

2.       Prospettiva diacronica: origine della metafora cognitiva “il mare è un cimitero”

2.1   La parola mare

Nel tentativo di rintracciare l’origine della metafora “il mare è un cimitero”, che attualmente risulta molto frequente nel dibattito politico, giuridico e umanitario[6], risulta imprescindibile uno sguardo ai principali dizionari storici ed etimologici della lingua italiana.

La parola mare deriva dal latino mare, di orig. indoeur., ma non uniformemente diffuso (DELI). Oltre che con il suo significato primario di superficie acquatica, la parola viene utilizzata sia in senso specialistico (tra cui astronomia – mare lunare“ –, zoologia – dattero di mare“ –,  e chimica – schiuma di mare [sepiolite]) (cfr. GDLI) sia in senso figurato (es. un mare di guai) e paremiologico. In particolare, appoggiandoci al metodo semasiologico della semantica strutturale (cfr. Greimas 1966) è possibile, partendo dalla forma di un determinato lessema, identificare i tratti distintivi che compongono il suo significato, fornendo informazioni circa la struttura interna del lessema stesso (cfr. Pirazzini 2013: 68). Così, da un’attenta analisi del Grande dizionario della lingua italiana (d’ora in avanti GDLI) di Salvatore Battaglia e del Vocabolario degli Accademici della Crusca (d’ora in avanti Crusca) abbiamo potuto rilevare i seguenti tratti costitutivi del significato di mare: innanzitutto appare come un luogo, una dimensione spaziale vasta ma delimitata. Inoltre, la parola viene utilizzata anche per indicare abbondanza, copiosità ed estensione, ma anche – sempre in senso figurato – una situazione difficile e pericolosa. È interessante sottolineare che soprattutto nei proverbi è possibile constatare un elemento comune, come è evidente dai seguenti esempi:

(1)     l’acqua va al mare (Crusca)

(2)     l’acqua corre al mare (Crusca)

(3)     tutti i fiumi vanno al mare (Crusca) (GDLI)

(4)     tutte le acque si conducono al mare (GDLI)

 

In (1), (2), (3) e (4) il mare rappresenta una direzione finale, dove l’elemento acqua (verbalizzato da diversi sostantivi, quali acqua, fiumi e acque) si muove verso una destinazione (il movimento è evidenziato dai verbi di moto andare, correre e condurre). La generalizzazione sottintesa a questo movimento che confluisce verso un punto di arrivo si evince dall’uso del sostantivo non numerabile acqua (esempi (1) e (2)) e dell’aggettivo indefinito tutti (3) e tutte (4).

2.2   La parola cimitero

La parola cimitero deriva invece dal latino tardo cimitērium/coemitērium e dal greco koimētērion, che significa luogo dove si va a dormire (dal greco koimân, fare addormentare) (cfr. DELI). Per quanto riguarda i tratti costitutivi di questo lessema, rilevati dall’osservazione del GDLI e del Vocabolario della Crusca, notiamo che innanzitutto è un luogo chiuso (cintato da muri) e destinato a una funzione particolare (alla sepoltura dei morti). La parola è utilizzata anche in senso figurato e indica un luogo silenzioso, abbandonato e lugubre (fondandosi sulla similarità con il cimitero vero e proprio), ma è anche simbolo di morte e desolazione (cfr. GDLI e Crusca). Dall’esame delle citazioni letterarie riportate nel GDLI in riferimento all’uso figurato di cimitero, notiamo che i lessemi associati a esso hanno in comune la caratteristica di essere dei luoghi chiusi (es. petto  su! su da ‘l cimitero del petto(Carducci), stanza – Lasciai quella stanza proprio perché essa era divenuta il cimitero dei miei buoni propositi(Svevo)) (cfr. GDLI) o luoghi solitari e desolati (es. vie e piazze – vie e piazze, devastate e deserte; lugubrementi solenni come cimiteri(E. Cecchi) – ; un forte Già era vicino il forte con le sue mura … silenzioso e squallido come un cimitero (Comisso) –) (cfr. GDLI), il che rispecchia i tratti semantici costitutivi del termine cimitero. Nei dizionari presi in esame non è stata tuttavia riscontrata la metafora “mare come cimitero” e nemmeno alcun tipo di riferimento esplicito alla metafora né sotto l’uno né sotto l’altro lessema. Tuttavia, i celebri versi danteschi

(5)     a la quarta levar la poppa in suso
e la prora ire in giù, com’altrui piacque,
infin che’l mar fu sopra noi richiuso (Dante: Inferno, Canto XXVI, vv. 140-142 [nostro il grassetto])

che pure vengono riportati nel GDLI come esempio letterario per il significato principale di mare – ci paiono già contenere in sé tale metafora: il mare, da spazio che si estende per una dimensione orizzontale, diventa – tramite l’uso della preposizione di luogo sopra e del verbo richiudere – una dimensione verticale e assume il tratto semantico-cognitivo di luogo chiuso, che caratterizza – tra gli altri – proprio il cimitero (cfr. Crusca e GDLI).
La ricerca delle origini di questa metafora così frequente, attuale e diffusa nelle varie lingue europee ci appare dunque piuttosto ardua. Non avendo rilevato un’attestazione certa di tale metafora nei dizionari storici, il nostro sguardo è stato rivolto alla letteratura, alla ricerca delle (possibili) prime attestazione della metafora “il mare è un cimitero”.

2.3 Il topos del MARE come LUOGO DI MORTE

In qualità di topos letterario, il mare è stato di frequente tema centrale, ambientazione o simbolo in numerose opere letterarie, le quali ne hanno messo in luce i significati positivi o negativi – confermando, così, la sua natura ambivalente (Rombi 1991). Tale ambivalenza ci sembra insita anche nella concezione del mare al giorno d’oggi, in particolare del Mar Mediterraneo, che da un lato rappresenta per molti migranti la speranza di una vita migliore e dall’altro, in caso di tragici naufragi conclusisi con la morte, la distruzione dei loro sogni.
Andando alla ricerca delle (possibili) prime attestazione della metafora oggetto del nostro studio, l’esame del corpus dell’OVI, che raccoglie i testi in vari volgari italiani, ha prodotto per il lessema mare 9807 occorrenze, mentre per mar 1214. Oltre a indicazioni geografiche di mari, il termine è spesso accompagnato dal sostantivo pericoli, impiegato per indicare una situazione rischiosa, nonché usato anche in senso figurato per descrivere a volte una situazione, una grande quantità e a volte per l’amore (attraverso similitudini e metafore) (cfr. OVI). Nel corpus dell’OVI, in seguito alla ricerca dei lemmi mare e mar è stato possibile individuare la rappresentazione del mare come luogo di morte. Essendo un luogo di pericoli, il mare può essere – nell’estremo pericolo – anche luogo di morte, di cui il mare stesso può esserne agente. Nei contesti d’uso dei lemmi sopracitati compaiono, infatti, spesso verbi come affogare e annegare. Inoltre, nelle cronache di tipo storico compare spesso la collocazione battaglia di mare, cosa che ci riconduce ancora una volta alla concettualizzazione di mare come luogo di morte.
Se da un lato la concettualizzazione più generica di mare come (possibile) luogo di morte è stata rilevata da una ricerca del corpus OVI, dall’altro non abbiamo, invece, riscontrato la presenza della concettualizzazione più specifica di “mare come cimitero”, ovvero un particolare luogo di morte, metafora oggetto del presente studio. Almeno (sembrerebbe) non prima dell’Inferno di Dante (Canto XXVI), i cui celebri versi (es (5) in 2.2) ci sembra che contengano già in sé il tratto semantico-cognitivo di luogo chiuso, che normalmente caratterizza il cimitero (cfr. 2.2) ma che, in questo esempio, viene associato al mare. È tuttavia d’obbligo, in questa sede, prendere in considerazione le problematicità insite alla ricerca di metafore in un database digitale, che vanno a insidiare l’attendibilità dei risultati ottenuti. In particolare, alla difficoltà di trovare le parole chiave come criterio da applicare alla ricerca si aggiunge quella di dover passare in rassegna tutte le attestazioni trovate, con il rischio di omettere alcune occorrenze, in quanto la metafora potrebbe essere espressa anche attraverso altre parole – diverse da quelle impostate come criterio di ricerca. Proprio in queste criticità si constatano i limiti dell’identificazione automatica delle metafore attraverso una ricerca digitale.
In seguito ai risultati ottenuti dall’indagine sul corpus OVI, ci è parso, inoltre, opportuno verificare la presenza della metafora anche in altri testi, non registrati nell’OVI. In effetti, a tal proposito è interessante notare che abbiamo ritrovato la metafora “il mare è un cimitero” nella leggenda di Colapesce, le cui prime attestazioni risalgono al XII secolo, dunque ben prima dell’Inferno dantesco.

2.4 La rappresentazione mentale del mare: La leggenda di Colapesce

La leggenda di Colapesce (Niccolò Pesce), della quale esistono molteplici versioni, è originaria di Messina, da cui poi giunge a Napoli (cfr. Croce 1919/1990: 301). Tramandata in origine oralmente, tale leggenda fu poi raccolta e le semplici parole del popolo (ibidem: 304) furono rielaborate e messe per iscritto da molti autori (per esempio da Croce e da Calvino). Pare che la leggenda di Colapesce fosse già narrata verso la fine del XII secolo (cfr. ibidem: 302), riferita da Walter Map e da Gervasio da Tilbury, e che sia stata oggetto di adattamento o rielaborazione da parte di diversi autori di varia origine e di varie epoche storiche (tra cui, solo per citare alcuni esempi, Cervantes nel Don Quijote e Schiller in Der Taucher) (cfr. Croce 1919/1990: 302 segg. e Caro Baroja 1984).
La leggenda narra di Niccolò, un giovane fanciullo che amava stare in mare. In seguito alla maledizione della madre divenne
pesce o quasi pesce (Croce 1919/1990: 298) e da quel momento passò molto tempo in mare alla scoperta dei suoi fondali. Un giorno il re gli ordinò di recuperare una palla di cannone gettata nelle profondità marine e Niccolò, nonostante l’esitazione a causa di un cattivo presagio, eseguì l’ordine. Ma Niccolò non tornò più a galla e rimase intrappolato in fondo al mare.
Partendo dall’analisi del testo della leggenda napoletana narrata da Croce, è stato possibile rilevare una triplice concettualizzazione del mare: a seconda delle scelte lessicali operate, esso viene rappresentato variamente come uno spazio verticale, uno spazio orizzontale e uno spazio chiuso. Alcuni verbi contribuiscono alla rappresentazione del mare come spazio verticale:


(6) da pesce o quasi pesce egli visse da allora, capace di trattenersi ore e giorni immerso nelle acque, come nel suo proprio elemento, senza bisogno di risalire a galla per respirare. (Croce 1919/1990: 298)

(7) Un’altra volta discese nelle misteriose grotte di Castel dell’Ovo, e ne riportò manate di gemme.    (Croce 1919/1990: 298)

(8) Niccolò saltò subito nelle onde; corse corse senza posa dietro la palla che s’affondava veloce; la raggiunse in quella furia d’inseguimento e la raccolse nelle sue mani. (Croce 1919/1990: 299)

Negli esempi (6), (7) e (8) sono usati due verbi che esprimono un movimento verticale, tuttavia con direzioni opposte: in (6) risalire denota un movimento verso l’alto e la successiva specificazione a galla indica che l’azione si svolge in un elemento liquido, il mare appunto. In (7) e (8), rispettivamente, i verbi discese e s’affondava indicano, invece, un movimento verso il basso. La caratterizzazione del mare come luogo verticale avviene sia tramite un’entità animata (in (6) e (7) l’agente è Niccolò Pesce), sia tramite un’entità inanimata (in (8) l’agente è la palla).
Non solo verbi, ma anche sostantivi contribuiscono alla concettualizzazione del mare come spazio verticale, come mostrano i seguenti esempi:

(9) Una volta il re fu preso dal desiderio di sapere come fosse fatto il fondo del mare […] (Croce 1919/1990: 298)

(10) Ma, finalmente, un giorno venne al re voglia di conoscere a che punto veramente colui potesse giungere della profondità del mare […] (Croce 1919/1990: 298-299)

Fondo (in 9) e profondità (in 10) si riferiscono direttamente al mare, cosa che viene resa in maniera esplicita dal complemento di specificazione che accompagna questi sostantivi.

Vi è, infine, un aggettivo che contribuisce a definire il mare come uno spazio verticale:

(11) […] qua e là s’incontravano mucchi di tesori, di armi, di scheletri umani, di navi sommerse. (Croce 1919/1990: 298)

In (11) il participio passato sommerse indica che le navi sono coperte da un liquido, ovvero l’acqua del mare, il che ci riporta a una sovrapposizione di strati (barche e mare) e quindi a uno sviluppo in senso verticale.
La concettualizzazione come spazio orizzontale si evince, invece, dal seguente esempio:

(12) E a percorrere in mare lunghe distanze rapidamente Niccolò Pesce usava l’astuzia di lasciarsi ingoiare da taluno degli enormi pesci che gli erano familiari e viaggiare nel loro corpo […]. (Croce 1919/1990: 298)

I verbi percorrere e viaggiare e lo spazio percorso, misurato in lunghe distanze, ci sembrano più che altro applicabili a uno spazio che si estende in orizzontale – o quanto meno queste sono le principali associazioni che scaturiscono da un ipotetico scenario di ambientazione terrestre, applicabile anche allo spazio marino e che, tuttavia, non esclude una sua estensione a uno spazio verticale.
Ciò che appare, tuttavia, più interessante rispetto a queste due dimensioni spaziali, accomunate dal fatto di non avere confini precisi, è la concettualizzazione del mare come spazio chiuso che ci viene fornita in chiusura della leggenda:

(13) Ma ecco che, alzando il capo, vide sopra sé le acque tese e ferme. Lo coprivano come un marmo sepolcrale. S’accorse di trovarsi in uno spazio senz’acqua, vuoto, silenzioso. Impossibile riafferrare le onde, impossibile riattaccare il nuoto. Colà restò chiuso, colà terminò la sua vita. (Croce 1919/1990: 299)

In (13) l’avverbio di luogo sopra sé indica ancora una volta l’associazione con uno spazio verticale, che però da uno spazio senza confini si trasforma in uno spazio chiuso: il verbo coprire rende la delimitazione spaziale esplicita e l’area che ne deriva appare caratterizzata – ugualmente in forma esplicita – come uno spazio senz’acqua, vuoto, silenzioso, ai quali si aggiunge il participio passato chiuso che, sebbene definisca la nuova situazione in cui si trova il protagonista della leggenda è, applicabile anche allo spazio che contiene l’individuo.
Proprio in queste ultime righe si compie l’associazione tra il mare come spazio chiuso e il mare come luogo di morte e come tomba, resa esplicita dal sostantivo marmo sepolcrale usato in una similitudine introdotta da come (
le acque tese e ferme. Lo coprivano come un marmo sepolcrale) e dall’ultima frase colà terminò la sua vita. Il termine della vita in uno spazio chiuso, la tomba, evoca delle associazioni con il cimitero, in quanto luogo destinato alla sepoltura dei morti (cfr. 2.2). Riportando l’attenzione sui tratti costitutivi del lessema cimitero (trattati in 2.2), esso viene caratterizzato, tra l’altro, come uno spazio chiuso, generalmente cintato da muri, ai quali tuttavia nell’esempio (13) si sostituiscono le acque tese e ferme, che sembrano delimitare uno spazio ancora più ristretto e angusto di un intero cimitero, nello specifico ci sembrano circoscrivere una tomba. Lo spazio delimitato in fondo al mare in cui si trova Niccolò Pesce viene descritto nel testo attraverso gli aggettivi vuoto, silenzioso e chiuso, che per similarità possiamo applicare a una tomba e, quindi, per contiguità a un cimitero.

  1. Il Mediterraneo è un cimitero” come metafora cognitiva

La prospettiva linguistico-cognitiva riconosce alle metafore la loro entire complexity, pervasivness, and social-cognitive power (Kövecses 2011: 25). Se osserviamo la metafora “il mare (Mediterraneo) è un cimitero” da questo punto di vista, risulta evidente che si tratta di un metaphorical concept (Lakoff/Johnson 1980: 6) che riveste un ruolo importante nel nostro sistema concettuale. A prova di ciò basti pensare all’attualità e alla grande diffusione di questa metafora (e tra l’altro non solo nello spazio linguistico italiano[7]) a cui abbiamo accennato in apertura di questo contributo.

Appoggiandoci alla teoria di Lakoff e Johnson (1980), ci siamo proposti di classificare la metafora oggetto della nostra analisi secondo le categorie da loro introdotte: ci sembra che la metafora sia riconducibile a quelle che Lakoff e Johnson definiscono structural metaphors, dove un concetto (MARE) viene strutturato metaforicamente nei termini di un altro (CIMITERO) (cfr. Lakoff/Johnson 1980: 14). Inoltre, la metafora oggetto della nostra analisi presenta le caratteristiche attribuite in generale alle metafore cognitive, ovvero la loro base esperienziale (le metafore trovano fondamento nella nostra esperienza diretta con l’ambiente fisico che ci circonda) (ibidem: p. 56 segg.), la loro struttura multidimensionale (esistenza di un sistema coerente di concetti metaforici) (ibidem: p. 77 segg.), la direzionalità (comprendere un concetto nei termini di un altro) (ibidem: p. 112 segg.) e l’interazionalità (comprendere un concetto non solo in base alle proprietà intrinseche di questo, ma soprattutto in base alle proprietà interazionali, che hanno a che fare con la nostra percezione e la nostra esperienza del mondo) (ibidem: p. 119 segg.). In effetti, il fondamento della metafora “il mare è un cimitero” è rintracciabile nella nostra esperienza con l’ambiente: quando si parla dei tentativi dei migranti di attraversare il mare, il modo in cui concepiamo e concettualizziamo il Mediterraneo è legato all’esperienza che facciamo di esso. Se molti dei tentativi finiscono in tragedia, siamo chiaramente portati ad evidenziare determinati aspetti del mare (quelli negativi, minacciosi e oscuri) e a nasconderne altri (quelli positivi) – procedimento che Lakoff e Johnson definiscono highlighting e hiding e che garantisce la sistematicità delle metafore (cfr. 10 segg.). Inoltre, la base esperienziale ci porta a concettualizzare e a comprendere il mare nei termini di qualcos’altro, il CIMITERO, le cui caratteristiche vengono – per similarità – applicate al mare e sono, al loro interno, strutturate in un sistema coerente di concetti metaforici che, interagendo con l’ambiente circostante, ci permettono di arrivare a categorizzare la realtà per comprenderla. Nonostante molte caratteristiche individuate da Lakoff e Johnson si possano applicare alla metafora oggetto di studio, ci sembra tuttavia che – per alcuni aspetti – la nostra metafora sfugga a una piena corrispondenza con le metafore strutturali. Secondo quanto affermato da Lakoff e Johnson (1980: 59), solitamente concettualizziamo l’astratto nei termini del concreto, ciò che è meno chiaramente delineato nei termini di ciò che lo è di più. Ne risulta che i due domini della metafora (source domain e target domain) sono di natura eterogenea. Tuttavia, nella metafora “il mare è un cimitero” notiamo che i due domini hanno una natura complessa e dicotomica, allo stesso tempo omogenea ed eterogenea: se da un lato MARE e CIMITERO sono entrambi entità concrete – apparentemente non in linea con quanto sostenuto da Lakoff e Johnson (cfr. ibidem: 45) –, dall’altro, però, l’entità naturale (MARE) viene certamente compresa attraverso un’entità non-naturale (CIMITERO), opera degli esseri umani. Questo permette di concettualizzazione e di comprendere un fenomeno naturale, del quale l’uomo ha una esperienza limitata (il MARE), in termini umani, che può conoscere grazie alla sua base esperienziale (il CIMITERO e l’esperienza della morte), permettendo così di concettualizzare the less clearly delineated in terms of the more clearly delineated (Lakoff/Johnson 1980: 59).

  1. Prospettiva sincronica: le modificazioni semantico-grammaticali della metafora “il Mediterraneo è un cimitero” e le loro rappresentazioni mentali

Se riassumiamo quanto già detto nel par. 3, è possibile asserire che l’enunciato it. “il Mediterraneo è un cimitero“ può essere interpretato come una metafora perché il concetto MEDITERRANEO contiene il tratto costitutivo peculiare ACQUA mentre CIMITERO contiene il tratto costitutivo peculiare TERRA. Grazie al fatto che entrambi i concetti condividono il tratto LUOGO/SPAZIO la metafora è resa possibile da un trasferimento di proprietà da un source domain CIMITERO a un target domain MARE (Lakoff/Johnson 1980, 1999). Nella sua manifestazione in linguaggio, la metafora fonte “Il Mediterraneo è un cimitero”, unendo con la copula due termini in praesentia, uno che emette l’immagine cimitero e l’altro che la riceve Mediterraneo (Weinrich 1967), attiva cognitivamente la ricerca di connessioni logico-analogiche tra i due concetti. L’interpretazione della metafora lavora, infatti, su inferenze concettuali, cioè sulla ricerca di corrispondenze razionalmente simili tra l’emittente e il ricevente dell’immagine.  Fin dai classici studi di Bühler (1934) e di Lakoff e Johnson (1980), risulta essere questa l’assunzione di base che permette di spiegare il meccanismo metaforico. Infatti, le nozioni di Sphärenmischung/Mischverfahren der Metapher (Bühler) e di mapping (Lakoff e Johnson), sebbene attualizzino aspetti diversi del processo di connessione per similarità, postulano entrambe che non sia possibile separare e isolare mentalmente i due concetti.[8] Da questo stimolo, intento a comprendere perché proprio quell’emittente dell’immagine sia stato connesso con il ricevente, la mente reagisce producendo un gran numero di associazioni mentali (Lakoff/Wehling 20143)[9]. Vediamolo con il nostro esempio “il Mediterraneo è un cimitero“.

Normalmente, come dimostra l’analisi diacronica (cfr. par. 2), un parlante italiano associa il concetto di CIMITERO a quello di LUOGO CHIUSO dove i morti sono sepolti, riposano e rimangono per sempre. Siccome il significato etimologico della parola cimitero, dal gr. koimētrion, è "dormitorio", si comprende perché l’idea del riposo (eterno) sia diventata in italiano più centrale, o prototípica, di altre. Tuttavia, la parola it. cimitero attualizza altre connessioni mentali. Se c’è un cimitero, allora ci sono delle tombe, delle lapidi, delle croci. La parola produce anche collegamenti che vanno oltre il puro aspetto materiale, attivando stati emozionali, come quelli del dolore, del ricordo o della perdita. L’analisi dei dizionari (cfr. 2.1 e 2.2) mette in risalto che, nel suo uso figurato, cimitero evoca anche un luogo silenzioso, abbandonato e lugubre (fondandosi sulla similarità con il cimitero vero e proprio), ma è anche simbolo di morte e desolazione(Crusca; GDLI; cfr. p.4 del presente contributo). Quindi, da un punto di vista cognitivo, le associazioni non sono, per usare le parole di Langacker 2008, seppur in altro contesto, neither totally free nor totally fixed (p. 39).

La connessione di cimitero con Mediterraneo esclude - nel contesto di riferimento (la strage dei profughi annegati nel Mediterraneo) - alcune di queste associazioni e ne mette in risalto altre. La morte per annegamento, l’immagine dei corpi che galleggiano sull’acqua, i cadaveri dispersi in mare o i gommoni che affondano sono, in linea di massima, quelle più centrali o prototipiche, mentre l’associazione dei cadaveri con il cibo per i pesci o con i giubbotti salvagente, come in (14):

                (14)        Un cimitero di giubbotti salvagente per i migranti morti nel Mediterraneo[10]

sono cognitivamente più marginali o periferiche (Rosch 1973). Tuttavia, le nozioni di prototipo e di periferia (di una categoria mentale) possono essere spiegate solo nei termini di esperienza del soggetto parlante nel contesto di riferimento. Per i soccorritori e i medici volontari, per esempio, che sono a contatto diretto con la situazione, cimitero e Mediterraneo possono attivare l’immagine, la rappresentazione mentale, del terrore negli occhi della gente sui barconi che affondano o delle grida disperate dei profughi che affogano.[11]

È indubbio, allora, che le rappresentazioni mentali che una metafora scatena dipendono in primo luogo dal contesto di riferimento. Se Papa Francesco avesse proferito la stessa metafora “il Mediterraneo è un cimitero“ facendo riferimento alla morte dei pesci causata dall’inquinamento, l’associazione con morte per annegamento sarebbe, sicuramente, esclusa. Ciò non significa, tuttavia, che la lingua del soggetto parlante e la sua esperienza enciclopedico-culturale non siano altrettanto determinanti per l’attualizzazione cognitiva.

Per un parlante tedesco, per esempio, le associazioni sono diverse da quelle di un parlante italiano. In tedesco, la connessione più immediata, o prototipica, con il concetto di FRIEDHOF è quella di luogo dove si accompagnano i morti per la sepoltura (Begräbnisplatz, Ort an dem Tote bestattet werden).[12] Si comprende allora perché l’enunciato di Papa Francesco "il Mediterraneo è un cimitero" venga spesso tradotto, nei social media, con das Mittelmeer ist ein Massengrab” (e non con “das Mittelmeer ist ein Friedhof”). Infatti, se il parlante tedesco ritiene costitutiva del concetto FRIEDHOF la proprietà ‚rito funebre’, che associa mentalmente, unendoli, l’AZIONE (beerdigen, begraben, bestatten, beisetzen) al LUOGO (Friedhof), allora la connessione mentale con Mittelmeer è esclusa[13].

Data questa assunzione di base, non ci pare troppo arduo sostenere, che ogni fenomeno di modificazione metaforica sia il risultato di associazioni mentali ben definite, che l’autore ha sviluppato sentendo/leggendo la metafora fonte (nel nostro caso “il Mediterraneo è un cimitero“). La metafora fonte viene modificata, perché il suo autore - in base alle esperienze che ha fatto con il contesto di riferimento (sempre relative a una certa scala: esperienza diretta vs. esperienza indiretta), all’interesse per risolvere e affrontare il problema (forte interesse vs. totale indifferenza) e ai suoi valori etico-morali (sostenere vs. ostacolare) - attualizza nella connessione metaforica tra Mediterraneo e cimitero delle proprietà che percepisce come più salienti di altre e che intende, con la modificazione, mettere in particolare rilievo. È evidente, a questo punto, che ogni processo di associazione mentale non dipende solo dai due concetti, quello emittente e quello ricevente, ma, partendo da essi, può estendersi a domini molto più lontani. Ne è un esempio il titolo del libro di Cattaneo e D’Amico (2016), che estende l’associazione fino al dominio giuridico:

(15)        I diritti annegati. I morti senza nome nel Mediterraneo

Sembrerebbe, quindi, che le modificazioni siano infinite e non possano essere ricondotte a tipi ben precisi. In realtà, però, la metafora in praesentia “il Mediterraneo è un cimitero“ può essere modificata solo nelle forme che la metafora può assumere (a) nel contesto di riferimento, ossia i profughi morti annegati nel Mediterraneo e (b) nella sua struttura semantico-grammaticale, ossia A (Mediterraneo, sostantivo) è B (cimitero, sostantivo).

Per spiegare queste modificazioni metaforiche e il loro legame con le associazioni mentali adotteremo un approccio semantico-grammaticale. L’approccio semantico-grammaticale ci pare il più idoneo a spiegarle, perché appare più vicino alla natura dell’attività cognitiva propria del soggetto parlante. Un approccio di questo tipo assume di trattare le funzioni grammaticali (per esempio, sostantivo, verbo, aggettivo) come veicoli di categorie mentali iperonimiche (ossia STATO, AZIONE o QUALITÀ), indipendentemente dai contesti in cui appaiono. L’identificazione della categoria mentale iperonimica consente una spiegazione più omogenea delle modificazioni metaforiche, perché la loro interpretazione, partendo da rappresentazioni mentali estese, procede per verifiche di inclusione all’interno della categoria stessa e rende possibile spiegare e identificare meglio le associazioni che ne sono alla base.[14] Lo spieghiamo attraverso l’esempio (16):

(16) Mediterraneo, il cimitero liquido[15]

 

L’enunciato modifica la metafora fonte “il Mediterraneo è un cimitero“ con la soppressione dell’articolo determinativo davanti a Mediterraneo, la sostituzione della copula con la virgola e la espansione di cimitero con l’aggettivo liquido. Da un punto di vista semantico, l’impiego dell’aggettivo liquido esprime una QUALITÀ del nome cimitero. Non è possibile evitare allora di concettualizzare il cimitero con le qualità-proprietà che lo caratterizzano, ossia come elemento, privo di una forma propria, e fargli assumere mentalmente la forma del recipiente che lo contiene, vale a dire il Mar Mediterraneo. La modificazione semantico-grammaticale Mediterraneo, cimitero liquido fa retrocedere sullo sfondo la concettualizzazione del LUOGO/SPAZIO, peculiare della metafora fonte “il Mediterraneo è un cimitero“, mettendo in primo piano quello dello STATO FISICO e comprendere così il Mediterraneo e il cimitero nella loro QUALITÀ MATERICA.

Quindi, se la metafora, come scrive Black, selects, emphasizes, suppresses, and organizes features of the principal subject by implying statements about it that normally apply to the subsidiary subject (Black 1962: 44-45), un’analisi delle modificazioni semantico-grammaticali può istruire sulle proprietà comuni fra il Mediterraneo e il cimitero che l’autore della modificazione seleziona, mettendole in primo piano, e su quali invece opera una soppressione, facendole retrocedere sullo sfondo.

Data questa assunzione di base, rivolgeremo adesso l’attenzione alle categorie che modificano il solo emittente dell’immagine cimitero, e analizzeremo poi alcuni casi di modificazione metaforica nella sua interezza. Un approccio di questo tipo consente, a nostro avviso, una spiegazione più omogenea dell’intera modificazione metaforica, poiché assumiamo che ogni tipo di modificazione si scateni dalla rappresentazione mentale dell’emittente dell’immagine.

4.1   Modificazioni dell’emittente dell’immagine - Espansione del Nome cimitero

Appartengono alle modificazioni dell’emittente dell’immagine le espansioni semantico-grammaticali della parola cimitero. Esse sono veicolate da unità grammaticali, quali, per esempio, l’aggettivo, l’avverbio o la preposizione, che aggiunte al sostantivo cimitero non ne modificano la funzione di emittente, ma ne specificano la rappresentazione mentale per l’intendimento semantico e cognitivo della connessione con il ricevente Mediterraneo.

4.1.1      La rappresentazione mentale del LUOGO DELL’ASSENZA

In italiano un gran numero di ruoli semantico-grammaticali è in grado di attualizzare la rappresentazione mentale dell’ASSENZA (PRIVAZIONE, MANCANZA, ESCLUSIONE). Negli esempi che seguono, la modificazione mediante la preposizione senza, dopo cimitero, veicola, tramite il suo significato specifico di privazione, questa particolare rappresentazione del cimitero:

(17) Mediterraneo, cimitero senza tombe e senza lapidi[16]

(18) Mediterraneo, Cimitero Senza Lapidi: Tremila Morti Negli Ultimi Cinque Mesi[17]

(19)  «Oggi il nostro mare è un cimitero senza croci», ha detto Mario Bozzo[18]

 

Tra tutti gli elementi di un cimitero italiano, la tomba e gli oggetti funebri a essa inerenti (la lapide e la croce) sono proprietà costitutive per garantire il ricordo dei defunti. L’unione metaforica con Mediterraneo esclude queste proprietà. Evidentemente non possono esserci somiglianze oggettive tra un cimitero e il Mar Mediterraneo in quanto il Mediterraneo, a differenza del cimitero, non contiene tombe, lapidi, che ricordano il defunto, e neppure croci che simbolizzano la passione di Cristo. Questo processo di esclusione è reso evidente nel gruppo di esempi che registrano la mancanza della tomba e dei suoi costituenti nella modificazione semantico-grammaticale della metafora iniziale. Da una prospettiva cognitiva, le modificazioni sono particolarmente interessanti, perché postulano esplicitamente che il sostantivo cimitero, connesso a Mediterraneo, non venga inteso in senso metaforico ma come un termine letterale. Infatti, gli autori della modificazione, mettendo in primo piano l’assenza di alcune sue proprietà architettoniche, rendono evidenti, allo stesso tempo, due rappresentazioni mentali, rispettivamente, (a) l’assenza di ciò che normalmente, per un parlante italiano, dovrebbe essere presente in un cimitero e (b) l’assenza della possibilità, nel mediterraneo, di ricordare i defunti. Questo non impedisce, tuttavia, che le caratteristiche, che l’autore della modificazione vorrebbe in un cimitero, vengano attivate proprio per sottolineare che si tratta comunque di un cimitero reale, ossia di un luogo destinato ai morti annegati. 

4.1.2 La rappresentazione mentale della DIMENSIONE GRANDE e ESTESA e della MASSA LIQUIDA

Nella metafora fonte “il Mediterraneo è un cimitero”, i due termini sono posti, nella manifestazione lineare del testo, entrambi in praesentia generando una metafora del tipo “A è B” (Brooke-Rose 1958: 105). La metafora è di caratterizzazione (Henry 19752: 97), e non di identificazione, perché il termine metaforico B cimitero caratterizza, mediante il nome, il termine letterale A Mediterraneo, mettendo cognitivamente in primo piano il tratto costitutivo generale ‚luogo destinato ai morti’ e facendo retrocedere sullo sfondo quello più specifico di ‚luogo destinato alla sepoltura dei morti’. Tuttavia l’unione tra i due concetti attiva, evidentemente, delle associazioni mentali di caratterizzazione molto più complesse. Infatti, negli esempi di modificazione che seguono, la caratterizzazione del cimitero viene determinata dagli aggettivi che in italiano si collocano di regola con il ricevente dell’immagine, Mediterraneo, per designarne la sua GRANDE DIMENSIONE (l’ESTENSIONE, l’AMPIEZZA):

(20)  Mediterraneo, profondo cimitero per una speranza[19]

(21)  Il Mediterraneo è un gigantesco cimitero[20]

(22)  Il mar Mediterraneo, un grande cimitero di migranti[21]

 

L’espansione grammaticale descrive, negli esempi, il sostantivo cimitero con aggettivi (profondo, gigantesco, grande) che specificano la QUALITÀ nella categoria DIMENSIONE. In linea di principio non c’è nulla di assurdo che un cimitero sia grande o gigantesco. L’aggettivo profondo in profondo cimitero (es. nr. 20), però, mette in chiaro la connessione con il concetto ricevente MEDITERRANEO. L’aggettivo profondo in italiano, se riferito all’acqua, come nei nostri esempi, designa la notevole distanza dalla superficie al fondo. Un cimitero, quindi, può essere profondo solo se viene caratterizzato come un LUOGO NELL’ACQUA. Per esempio:

(23)  Mar Mediterraneo inarrestabile cimitero[22]

(24)  Mediterraneo, il cimitero liquido[23]

 

Gli aggettivi inarrestabile e liquido indicano proprietà dell’acqua. In base alle caratteristiche che l’enciclopedia riconosce al cimitero, l’aggiunta dei due aggettivi che lo qualificano agisce sulla sua concettualizzazione, dando vita a nuove rappresentazioni mentali che ne estendono il significato. Infatti, come già detto in 4.1.2, concepire il cimitero come elemento privo di una forma propria e fargli assumere mentalmente la forma del recipiente che lo contiene, vale a dire il Mar Mediterraneo, significa definirlo come una MASSA LIQUIDA. 

4.1.3. La rappresentazione mentale dello SPAZIO CHIUSO

Negli esempi che seguono l’espansione semantica è veicolata da locuzioni avverbiali che determinano la posizione del cimitero nello spazio Mediterraneo:

(25)  C’è un cimitero in fondo al mare[24]

(26) Il Mediterraneo è un ́cimitero sul maré [25]

(27) Un cimitero a cielo aperto chiamato Mediterraneo[26]

 

Le locuzioni avverbiali determinano il cimitero come SPAZIO mediante proprietà relazionali di fondo e superficie che appartengono al mare. Nel mare, per esempio, si può non solo distinguere ma anche vedere che c’è una superficie esterna, creata dall’acqua, e una superficie interna, che crea il fondo. La distinzione tra le due superfici del mare, quella esterna e quella interna, è fondata sul modello mentale dello SPAZIO CHIUSO. Se queste condizioni vengono applicate al cimitero, si deve ricorrere a locuzioni esplicite (cimitero in fondo al mare, cimitero a cielo aperto) per rendere evidente che il cimitero, in quanto spazio provvisto di estensione, occupa una parte del mare (un cimitero in fondo al mare, un cimitero sul mare) o la sua intera estensione (cimitero a cielo aperto).

4.2   Modificazioni della metafora in praesentia - La soppresione della copula

Appartengono alle modificazioni semantico-grammaticali della metafora in praesentia le espressioni che dipendono da un processo di ‚soppressione’ della copula nella metafora iniziale “il Mediterraneo è un cimitero”. Esse sono veicolate, di regola, da strutture compositive coordinate, del tipo sostantivo+sostantivo (il cimitero Mediterraneo) e da strutture compositive apposizionali (per esempio Mediterraneo, il cimitero liquido) che informano sulle rappresentazioni mentali che l’autore della modificazione si è fatto del concetto ricevente MEDITERRANEO quando ha sentito o letto la sua connessione con l’emittente CIMITERO. Da un punto di vista cognitivo, modificare la metafora in praesentia “il mediterraneo è un cimitero” sopprimendo la copula, significa eliminare o ridurre mentalmente la distanza tra i due concetti e creare una contiguità (e non una similarità) concettuale tra Mediterraneo e cimitero nello SPAZIO della realtà fisica. Infatti, nel momento in cui entrambi i concetti, MEDITERRANEO e CIMITERO, sono collegati mentalmente in una relazione contingente, viene meno, come scrive giustamente Prandi (2008) seppure in altro contesto, la loro estraneità reciproca, condizione del trasferimento (p. 15) metaforico, che abbiamo descritto in 4.  Secondo Henry 19752, questa contiguità concettuale, che caratterizza sia la metonimia che la sineddoche, è la proiezione astratta di una contiguità che può esistere preliminarmente nello spazio e nel tempo della realtà fisica o della realtà psichica (p. 19). Se Mediterraneo e cimitero sono a contatto nello spazio, allora il cimitero può essere concepito come elemento che occupa una PARTE del TUTTO (Mediterraneo). L’esempio (25) C’è un cimitero in fondo al mare illustra chiaramente questo tipo di operazione mentale. È possibile, tuttavia, immaginare che entrambi occupino lo stesso volume e riempiano, così, lo stesso SPAZIO. In tutti e due i casi la mente considera lo SPAZIO del Mediterraneo, totalmente o parzialmente, uguale a quello che occupa il cimitero. Questo è il motivo che induce ad assegnare al Mediterraneo, come identità propria, quella del cimitero. Che si tratti di metonimia o di sineddoche, scrive Henry 19752, l’intelletto gioca sulla contiguità tra certi concetti, facendo astrazione o facendo mostra d’ignorare certi elementi della comprensione più autentica (p. 20, corsivo nell’originale). Dipende dal tipo di rappresentazione mentale, restrittiva o estensiva, se l’identità assunta da Mediterraneo sia parte più o meno larga dell’identità di cimitero. Vediamo gli esempi.

4.2.1 La rappresentazione mentale di DUE LUOGHI CHE RIEMPIONO LO STESSO SPAZIO

La rappresentazione mentale di Mediterraneo e cimitero come elementi che occupano lo stesso volume è resa in linguaggio dalle formazioni copulative con tutti e due i concetti che hanno funzione di testa:

(28) Immigrazione: Marazziti, Lega preferisce Mediterraneo-cimitero[27]

(29) Renzi: no al Mediterraneo cimitero. E i morti di Mare Nostrum?[28]

 

Secondo Setti (2009), nelle formazioni copulative con tutti e due i nomi che hanno funzione testa (del tipo ristorante-pizzeria, bambino-soldato), il referente assomma le caratteristiche di tutti e due i nomi del composto, attualizzando un qualcosa di unitario che concentra inscindibilmente due caratteristiche.[29] Questo qualcosa di unitario permette, nei nostri esempi, di rappresentare mentalmente il Mediterraneo e il cimitero come elementi che occupano lo stesso spazio, creando, per così dire, una sorta di uguaglianza di volume fra i due. Il fatto, però, che nei composti Mediterraneo occupi il primo posto e che venga scritto rispettivamente separato a cimitero o unito da un trattino, ci segnala che, da un punto di vista cognitivo, l’autore della modificazione separa i due assegnando al Mediterraneo lo SPAZIO PROPRIO che il CIMITERO HA OCCUPATO, prendendosene possesso.

4.2.2 La rappresentazione mentale del MEDITERRANEO CHE ASSUME L’IDENTITA’ DEL CIMITERO 

La rappresentazione mentale che concepisce i due concetti come elementi che occupano lo stesso spazio è resa in linguaggio anche da formazioni apposizionali, con Mediterraneo, che ha la funzione di testa, e cimitero, che ha la funzione di elemento appositivo. Riprendiamo alcuni degli esempi discussi in 4.1.1:

(17) Mediterraneo, cimitero senza tombe e senza lapidi[30]
(20) Mediterraneo, profondo cimitero per una speranza[31]

(24) Mediterraneo, il cimitero liquido[32]

 

Le caratteristiche della testa del composto (Mediterraneo) e quella dell’elemento appositivo (cimitero) dipendono entrambe dall’espansione semantica di cimitero (a cielo aperto, liquido ecc.). La qualità del cimitero (per esempio in (24) liquido) determina allo stesso tempo, focalizzandola, una particolare caratteristica della testa Mediterraneo (cfr. Setti 2009). Da un punto di vista cognitivo, questo tipo di modificazione veicola allo stesso tempo due rappresentazioni mentali, una del Mediterraneo e una del cimitero, che non hanno però lo stesso statuto. Infatti, non è possibile evitare di imporre alla testa (Mediterraneo) un ordine di rilevanza. L’uso della virgola dopo il sostantivo Mediterraneo, segnala questo ordine gerarchico e stabilisce che sia il Mediterraneo ad assumere l’identità del cimitero e non viceversa. L’operazione mentale è di tipo sineddotico in quanto opera un cambiamento nell’estensione psicologica del concetto MEDITERRANEO. L’estensione sostituisce, in pratica, il concetto MEDITERRANEO con un concetto di estensione differente CIMITERO.

4.2.3 La rappresentazione mentale del CIMITERO CHE SI CHIAMA MEDITERRANEO

Una considerazione particolare riguarda i composti con cimitero preposto a Mediterraneo. Sebbene questa modificazione ricorra nel nostro corpus solamente 16 volte, mentre le altre 130 utilizzano, nella manifestazione lineare del testo, la parola Mediterraneo prima di cimitero, è forse quella che, da un punto di vista cognitivo, rappresenta gli aspetti più interessanti. Il fatto che gli autori della modificazione mettano in primo piano il cimitero e cambino, di conseguenza, l’ordine dei costituenti della metafora iniziale (“il mediterraneo è un cimitero”), induce a ipotizzare che i due concetti coinvolti nella metafora non siano più percepiti come eterogenei. Vediamo gli esempi:

 

(30)  Cimitero Mediterraneo – solo in tre avevano un giubbotto[33]

(31)  Clandestini, l’appello di Renzi: no al cimitero Mediterraneo[34]

(32)  Amnesty: «Europa, ricordati del “cimitero Mediterraneo” e dei diritti umani»[35]

(33)  Cimitero Mediterraneo, 97 migranti dispersi in un naufragio a poche miglia dalla

 Libia[36]

(34)  Cimitero Mediterraneo[37]

 

Da un punto di vista cognitivo, è difficile, negli esempi, attribuire a Mediterraneo la funzione di aggettivo. Infatti, l’attuazione di una sua qualità prototipica positiva (per esempio, clima mediterraneo), determinerebbe assiologicamente una particolare caratteristica di cimitero che è esclusa nel nostro contesto di riferimento. Anche l’uso della maiuscola impedisce di interpretarlo come un aggettivo. Ed è proprio la maiuscola ad indicare che gli autori della modificazione hanno assegnato al cimitero un nome, vale a dire Mediterraneo[38]. Da un punto di vista cognitivo, chiamare il cimitero con il nome Mediterraneo significa attribuirgli un’appartenenza. Infatti, quando il nome proprio (Mediterraneo) designa un referente concreto, non si può evitare di assegnare al nominato (cimitero) le stesse qualità. Questi esempi mostrano chiaramente che la contiguità concettuale, che si crea grazie alla condivisione dello stesso SPAZIO, è in grado di attualizzare un processo di IDENTIFICAZIONE metonimica tra i due. L’identificazione pensata è espressa mediante il nome proprio (Mediterraneo) che possiede le caratteristiche dell’oggetto in questione (cimitero).  A ragione scrive Prandi (2008) che la metonimia e la sineddoche disinnescano il conflitto attivando tra i concetti coinvolti un ponte concettuale coerente che fa posto a entrambi e blocca il trasferimento (p. 15). Per questo motivo la mente non opera alcuna dissonanza cognitiva tra le due diverse modificazioni, Mediterraneo-cimitero e Cimitero-Mediterraneo, e le accetta entrambi come coerenti.

5.       Conclusioni

Da qualche anno l’Europa è chiamata ad affrontare un’emergenza umanitaria senza precedenti, dovuta ai più alti flussi di migrazione mai registrati. Quelli che per molti rappresentano i viaggi della speranza, spesso si concludono con tragedie in mare e puntualmente diventano oggetto di attenzione mediatica. Nell’acceso dibattito umanitario, politico e giuridico che ne segue si nota l’utilizzo ricorrente della metafora cognitiva “il Mediterraneo è un cimitero”, che è stata l’oggetto di studio del presente contributo.

Dopo una prima parte diacronica, volta a indagare le (possibili) origini di tale metafora nella lingua italiana, il presente contributo è stato dedicato a un’analisi di tipo sincronico delle modificazioni semantico-grammaticali che sono state registrate per la metafora oggetto di studio. Per quanto riguarda la prima parte, quella diacronica, l’analisi dei principali dizionari storici della lingua italiana non ha permesso di stabilire un’attestazione certa dell’origine della metafora “il Mediterraneo è un cimitero”. Pertanto, il nostro sguardo è stato rivolto in un secondo momento alla letteratura italiana delle origini, passando in rassegna il corpus dell’OVI – che tuttavia non ha dato i risultati sperati. Così, la nostra attenzione si è spostata sulle leggende popolari e in particolare su una, La leggenda di Colapesce (risalente alla fine del XII secolo), nella quale abbiamo rilevato, tra le altre, la concettualizzazione del mare come cimitero. L’analisi di questa metafora cognitiva è avvenuta con il tradizionale approccio top-down, che è stato integrato dall’approccio opposto (di tipo bottom-up) per la seconda parte.

La conclusione del nostro studio sincronico è che la metafora in praesentia “Il Mediterraneo è un cimitero” viene modificata attivando un processo di contiguità concettuale di tipo metonimico (o sineddotico). Nel contesto di riferimento, fra tutte le proprietà distintive di Mediterraneo la mente ne isola una, LUOGO di MORTE. Lo stesso avviene per cimitero. La salienza della contiguità spaziale fa retrocedere i tratti costitutivi del significato figurato di cimitero, ossia luogo silenzioso, abbandonato e lugubre (cfr. GDLI e Crusca), e mette in primo piano quello del LUOGO DI MORTE. Si crea così una identificazione concettuale fra i due che annulla la loro estraneità reciproca e li unisce in una relazione contingente che permette, perfino, di assegnare al cimitero il nome proprio di Mediterraneo. I diversi esempi illustrativi, che abbiamo presentato in questo studio, modificano la metafora iniziale mediante un meccanismo cognitivo di tipo metonimico e sinedottico. Si potrebbe ipotizzare, quindi, che le modificazioni semantico-grammaticali della metafora in praesentia “il Mediterraneo è un cimitero” operino, se accettiamo il punto di vista di Henry 19752, sulla sua origine. Scrive Henry La metafora è dunque fondata su un doppio meccanismo metonimico (…). Allo stadio iniziale, due entità concettuali, situate in due campi associativi differenti, sono considerate metonimicamente (p. 81).

Un approccio integrato, che prende in considerazione sia la prospettiva diacronica sia quella sincronica, permette allo studioso della lingua di focalizzare quali tratti costitutivi della metafora fonte vengono messi in primo piano e quali, invece, retrocedono sullo sfondo. Per le ulteriori ricerche sulle metafore sarebbe auspicabile adottare l’analisi delle modificazioni semantiche, al fine di mettere in evidenza tratti costitutivi delle metafore oggetto di studio che altrimenti sarebbe arduo identificare.

6.       Bibliografia

6.1   Corpus

6.1.1          Corpus per l’analisi diacronica

Croce, Benedetto (1919/1990): Storie e leggende napoletane, Milano: Adelphi.

OVI (Opera del Vocabolario Italiano), http://gattoweb.ovi.cnr.it/(S(00q1rfy2qrazsv 454vf2gvjl))/CatForm01.aspx (31.10.2017).

6.1.2          Corpus per l’analisi sincronica

(in ordine di citazione)

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http://www.giorgiobongiovanni.it/analisi-denunce/3336-cimitero-mediterraneo.html (03.12.2017).

6.2   Dizionari

Crusca = Vocabolario degli Accademici della Crusca, Firenze: Accademia della Crusca.

DELI = Cortelazzo, Manlio/Zolli, Paolo (a cura di): Dizionario Etimologico della Lingua Italiana, (1979-1988), Bologna: Zanichelli.

Dudenredaktion (ed.): ˶Friedhof˝ auf Duden online. URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/ Friedhof (31.10.2017).

GDLI = Battaglia, Salvatore (a cura di): Grande Dizionario della lingua italiana, 21 voll., (1961-2004), Torino: UTET.

Wahrig R. (ed.) (2012): Wahrig – Deutsches Wörterbuch, Gütersloh.

6.3   Letteratura secondaria

Alighieri, Dante: Divina Commedia, edizione critica a cura di Chiavacci Leonardi, Anna Maria (1999), Bologna.

Black, Max (1962): Metaphor, in: Black, Max (ed.): Models and Metaphors. Studies in Language and Philosophy, Ithaca (NY), 25-47.

Bühler, Karl (1934): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache, Jena.

Caro Baroja, Julio (1984): El ʽPesce Colaʼ o el ʽPeje Nicolaoʼ, in: Revista de Dialectología y Tradiciones Populares 1, 39, 7-16.

Cattaneo, Cristina/ D’Amico, Marilisa (eds.) (2016): I diritti annegati. I morti senza nome nel Mediterraneo, Milano.

Delle Donne, Marcella (2004): Un cimitero chiamato Mediterraneo. Per una storia del diritto d’asilo nell’Unione Europea, Roma.

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6.4   Sitografia

(in ordine di citazione)

http://video.repubblica.it/dossier/il-nuovo-papa/papa--non-si-puo-tollerare-che-mar-mediterraneo-diventi-grande-cimitero/184520/183372 (03.12.2017).

http://www.businesspeople.it/Storie/Attualita/Il-discorso-integrale-di-Matteo-Renzi-all-Onu_68776 (03.12.2017).

http://www.bbc.com/news/av/world-europe-24502467/we-are-just-building-a-cemetery-in-the-mediterranean-malta-pm (03.12.2017).

https://www.unhcr.it/risorse/statistiche (03.12.2017).

http://info.arte.tv/de/das-mittelmeer-ist-kein-friedhof-mehr-es-ist-ein-massengrab (03.12.2017).



[4]              https://www.unhcr.it/risorse/statistiche.

[5]              L’approccio top-down, comunemente seguito per l’analisi delle metafore concettuali, è stato criticato dal Pragglejaz Group (2007). Per una panoramica sui pro e contro dei due metodi si veda Kövecses (2011), il quale – pur facendo parte dell’appena citato Pragglejaz Group – si pronuncia a favore di una combinazione dei due metodi, suggerimento che abbiamo seguito per la nostra analisi.

[6]              Cfr. nota 8 del presente contributo.

[7]              Da una ricerca in internet emerge un utilizzo ricorrente della metafora “il Mediterraneo è un cimitero”, che compare in discorsi ufficiali, interviste e nella stampa in varie lingue europee (francese, inglese, italiano, portoghese, spagnolo e tedesco) avente per tema i naufragi di migranti. Riportiamo qui alcuni esempi tratti da articoli di giornale: La Méditerranée, éternel cimetière marin (Le 1 hebdo, 13.05.2015), Mediterranean ‘becoming a human cemetery’ (Euranet Plus, 6.10.2014), Mediterraneo, cimitero dei migranti: 2.500 morti da gennaio (Corriere Sociale, 15.09.2014), As águas translúcidas do Mediterrâneo transformaram-se num gigantesco cemitério dos desafortunados do século XXI. (Expresso, 19.04.2015), El Mediterráneo, el mar que se transformó en un cementerio (El Tiempo, 26.04.2015), Unser Meer – ihr Friedhof. Europa muss zügig handeln, damit das Mittelmeer kein Massengrab wird (Berliner Morgenpost, 19.04.2016). A questo proposito occorre fare una precisazione: se da un lato esiste il rischio di emulazione della stampa, frequente in un’epoca come la nostra di facile accesso alle notizie e di rapida diffusione delle stesse, dall’altro ci pare significativo sottolinare che il fatto che la metafora in questione trovi così ampio riscontro in varie lingue-culture denota che, evidentemente, può essere compresa nelle varie lingue-culture proprio in quei determinati termini metaforici, senza dover quindi essere sostituita da un’altra metafora più comprensibile o semplicemente più usuale. La condivisione esperienziale favorisce la concettualizzazione in termini simili (tematica trattata nel corso del paragrafo 3, cfr. Lakoff/Johnson 1980 e si veda anche Wierzbicka 1990 per il legame lingua-cognizione-esperienza).

 

[8]              Rimandiamo allo studio di Grady, Oakley e Coulson (1999) per una discussione approfondita della nozione di mapping. In: http://cogweb.ucla.edu/CogSci/Grady_99.html.

[9]              In analogia a Langacker (2008) non operiamo nessuna distinzione tra la nozione di connessione e quella di associazione: Stated most generally, association is simply the establishing of psychological connections with the potential to influence subsequent processing (Langacker 2008: 16, grassetto nell’originale). Anche Lakoff/Wehling (20143) usano le nozioni di Sinnzusammenhängen und Schlussfolgerungen come equivalenti (p. 127).

[11]             Cfr. Saviano, R. „J’accuse“, in: Espresso, 13 agosto 2017.

[12]             Wahrig (2012). Cfr. anche http://www.duden.de/rechtschreibung/Friedhof.

[14]              Cfr. Konerding (1993: 173). Sulla relazione tra grammatica e cognizione cfr. Langacker (1987) e Fillmore (1976). Wittgenstein (1932) scrive a tale proposito: Die Philosophen, welche sagen: nach dem Tod wird ein zeitloser Zustand eintreten, oder: mit dem Tod tritt ein zeitloser Zustand ein, und nicht merken, dass sie im zeitlichen Sinne nach und mit und tritt ein gesagt haben, und, dass die Zeitlichkeit in ihrer Grammatik liegt (p. 49).

[38]            Cfr. il titolo del libro Un cimitero chiamato Mediterraneo di Marcella Delle Donne (2004).

 

 

Auf Flüchtlingswellen surft man nicht vor Lampedusa – Zur Metaphorik des öffentlichen Diskurses zur Flüchtlingskrise Italiens

Sandra Issel-Dombert, Aline Wieders-Lohéac

Sandra Issel-Dombert, Kassel (s.issel-dombert@uni-kassel.de)
Aline Wieders-Lohéac, Kassel (a.wieders-loheac@uni-kassel.de)


Abstract

Lampedusas Flüchtlinge schlagen keine Wellen – so lässt sich das Ergebnis unserer Untersuchung zum Metapherngebrauch im italienischen Pressediskurs zur Flüchtlingskrise 2015 resümieren. Dabei fokussieren wir unsere diskursanalytisch fundierte Metaphernuntersuchung auf ein brisantes Ereignis, das Schiffsunglück im Frühjahr 2015 vor Lampedusa. Das Resultat unserer Analyse ist als Indikator für die Dynamiken und Akzentverschiebungen im Flüchtlingsdiskurs zu werten. Es markiert einen Gegensatz zu anderen Studien, in denen die Verbindung von Flüchtlingskrise mit metaphorischen Naturkatastrophen gezeigt wurden und verweist auf die Verlagerung des untersuchten Diskursausschnitts hin zu Metaphern, die funktional im Dienste der Emotionalität und Selbstkritik europäischer Einwanderungspolitik stehen.

Lampedusa's refugees don't make any waves – this is the conclusion we could draw from our analysis of metaphors in the Italian press discourse about the refugee crisis in 2015. Our discourse analytical approach focuses on the use of metaphors in print media after a migrant vessel incident in April 2015 near Lampedusa. These findings can be seen as an indicator of the dynamics and the shifting in the refugee discourse. They mark a rupture and question other studies in which the refugee crises are described as some metaphorical natural disaster.
The analysis shows the shifting of the metaphorical functions in the corpus analyzed in view of emotion and self-criticism in European immigration policy.

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Seite 77

1.      

1. Einleitung

Das Jahr 2015 markiert für Europa einen tiefen Einschnitt: Geprägt durch Terror­anschläge sowie die Euro- und Flüchtlingskrise avanciert es im kommu­ni­kativen Gedächtnis zu einem Krisenjahr. Für die europäische Flüchtlings­krise bildet es den Auftakt eines bis ins Folgejahr anhaltenden Trends, bei dem ein Rekordniveau Schutzsuchender erreicht wurde. Nach Angaben des vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNCHR) vorgelegten Jahresberichts verließen im Jahr 2015 weltweit insgesamt 65,3 Millionen Menschen ihre Heimat.1 Die Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeigen, dass in der Europäischen Union allein in den ersten sechs Monaten des Jahres eine Steigerung von 85 Prozent Schutz­suchender zu verzeichnen war (vgl. Lehmann 2015). Im Laufe des Jahres 2015 flohen allein mehr als eine Million Menschen über das Mittelmeer nach Europa.2

Vor diesem Hintergrund wollen wir der Krise, wie sie vermittelt über Metaphern und Metonymien ihren Weg ins Bewusstsein der Öffentlichkeit findet, an ihrem europäischen Ursprungsort nachgehen, dort wo sie erstmals ins europäische Bewusstsein und den öffentlichen Diskurs eindrang – und dann beinahe vergessen worden schien: im italienischen Lampedusa. Auf­grund der Lage von Lampedusa mit einer Entfernung von rund 100 km von der tunesischen Grenze wird die 20 km² große Mittelmeerinsel geographisch Afrika zugeordnet, politisch gehört sie jedoch zu Italien (vgl. Reckinger 2013). Diese Konstellation bewirkt, dass das rund 5700 Einwohner zählende Lampedusa – bereits vor der „Flüchtlingskrise“ – als Ein­wan­derungsziel und – metaphorisch gesprochen – Tor zu Europa geradezu prä­destiniert war. Ver­stärkend wirkten sich die Bestimmungen des Schengener Abkommens aus:

Seit die Europäische Union 1995 begonnen hat, ihre inneren Grenz­kontrollen abzubauen, bedeutet die Einreise in ein europäisches Land auch gleichzeitig die Reisemöglichkeit in alle anderen Schengen-Länder. Wer einmal illegal die europäische Außengrenze überschreitet, kann ungehindert in die anderen EU-Länder reisen. Die illegale Zuwanderung wird dadurch von einem nationalen zu einem gesamteuropäischen Problem. Die Staaten mit einer EU-Außengrenze sichern diese nicht nur in ihrem eigenen Interesse, sondern setzen damit die Interessen aller EU-Länder durch. Die illegale Einreise in die Festung Europa hat mit der inner­europäischen Grenzöffnung für Flüchtlinge an Attraktivität ge­wonnen (Fohrn 2009: 96).

Bereits in den 1990er Jahren legten vereinzelt Flüchtlingsboote auf Lampedusa an. Ein erster Höhepunkt wurde 2008 mit der Ankunft von 36000 Flüchtenden erreicht (vgl. Reckinger 2013). Die Lage eskalierte im Januar 2009 und löste einen Generalstreik aus: Nachdem binnen drei Tagen rund 2000 Boots­flücht­linge das überfüllte Auffanglager der Insel erreicht hatten, solidarisierten sich die lampedusani mit den Migranten und protestierten gegen die unhaltbaren hygienischen Zustände und die Unterbringung im Freien trotz winterlicher Temperaturen. In der Folge sorgten Silvio Berlusconi und Roberto Maroni (Lega Nord) mit ihrer drastischen Abschiebepolitik für einen Rückgang der Flüchtlingszahlen. Das Auffanglager Contrada d'Imbriacola wurde geschlossen, bis der Arabische Frühling 2011 ein erneutes Hochschnellen der Flüchtlings­zahlen bewirkte (vgl. Reckinger 2013). 2015 fand die Zahl der Geflüchteten, die auf Lampedusa Zuflucht suchten, dann ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Zuge der Flüchtlingskrise von 2015 ist Lampedusa jedoch nicht mehr das un­an­ge­fochtene mediale pars pro toto in der Berichterstattung über der Flüchtlingskrise. Es ist fast gänzlich aus den Nachrichtensendungen des euro­päischen Kontinents verschwunden, verdrängt von einer paneuropäischen Überwälti­gung von Bildern, Orten und Geschichten der Flucht sowie der Flüchtenden. Ein pars pro toto, so scheint es im Jahr 2015, wird dieser europa- sowie weltweiten humanitären Krise nicht mehr gerecht. Der Kontinent braucht offenbar andere sprachliche Strategien, um diese Krise zu erfassen und zu verstehen. Wie aber sehen diese Strategien aus? Wie begreift der Mensch das für das seit Jahrzehnten friedliche Europa so Unbegreifliche? In welche Worte kleidet er das Leid, die Angst, die Hoffnung? Die Vermutung, dass diese bildgewaltige und medial dauerpräsente Krise im öffentlichen Diskurs mit Metaphern und Metonymien versprachlicht wird, liegt nahe. Sie drücken Denkmuster in verdichteter Form aus und entwickeln somit in komplexen Krisen erfolgversprechende Kategorisierungsmuster und Argu­men­tations­­strategien. Von entscheidender Bedeutung dabei ist die Frage, welche Metaphern und Metonymien Anwendung finden.

Um dieser Fragestellung nachzugehen, analysieren wir in diesem Beitrag den öffent­lichen Diskurs in der italienischen Presse zur Flüchtlingskrise auf Lam­pe­dusa im Jahr 2015. Wir tun dies für einen Zeitraum, in dem Lampedusa im Flüchtlingsdiskurs des gesamten europäischen Kontinents eine entschei­dende Rolle zu spielen begann, also nach der schweren Schiffskatastrophe im Früh­ling 2015. Dieses im Zentrum von Zivilgesellschaft und Politik angesiedelte, öffentlich ausgehandelte, brisante Thema lässt sich in theoretischer und methodischer Hinsicht mit einem diskursanalytischen Ansatz fassen:

Die Diskursanalyse ist Methode, Theorie und Haltung zugleich. Sie zielt […] auf die semantische Tiefenstruktur vorzugsweise schrift­licher Texte, die in ihrem Zusammenspiel einen individuellen Diskurs bilden. Die Diskursanalyse ist erkenntnis- und sprach­theoretisch konstruktivistisch orientiert und teilt damit die Stärken, aber auch die Probleme solcher Ansätze. Ihre Stellung im Fach wird von diesem konstruktivistischen Credo bestimmt, dem Verständnis von Sprach­wissenschaft als einer Kulturwissenschaft und, damit einhergehend, der Ablehnung einer als reduktionistisch ver­standenen Linguistik. […] In methodischer Hinsicht bedeutet die Etablierung der Diskurs­analyse eine attraktive Erweiterung der Möglichkeiten eines linguisti­schen Interpretierens (Gardt 2007: 40).

Die deskriptive Diskursanalyse, die an der Schnittstelle von Sprach- und Gesellschaftswissenschaft angesiedelt ist, bildet damit den einenden und rahmenden Ausgangspunkt unserer Untersuchung.

2. Diskurslinguistische Metaphernanalyse: Metaphern als Argu­men­tationslinien in Krisendiskursen

In der deskriptiven Diskursanalyse werden Metaphern nicht als rhetorisches Mittel bzw. Ornament, sondern als semantisches Vehikel verstan­den, mit dem „Einstellungen und Werte“ (Pielenz 1993: 141) sowie „Menta­litäten“ (Wengeler 2009: 1637) und Argumentationen komprimiert versprach­licht wer­den können:

Metaphern [...] ist ein argumentatives Inferenzpotential inhärent, das auf dem Projektionsprozess basiert. Durch die bloße Nennung der Metapher kann mit ihnen ein Schlussprozess in Gang gesetzt werden. Das Inferenzpotential von Metaphern kann zudem persuasiv fungie­ren […]. Einzelne Metaphernlexeme können inner­halb von Diskursen die Funktion von Argumentationsmustern er­halten. Mit ihnen können Meinungen evoziert und bedient sowie Einstellungen vermittelt werden (Spieß 2017: 101).


 

Die von Spieß angesprochene argumentatorische Leistung der Metapher qua Argumentationsmuster führt Pielenz (1993: 173) darauf zurück, dass sie analog wie ein Topos im Sinne von Aristoteles gebraucht wird und „bei all­täglicher Argumentationsnot quasi-topisch zum Einsatz kommt“. Die argumentative Kraft von Metaphern speist sich außerdem aus ihrem breit angelegten pragmatischen und semantischen Funktionsspektrum. So werden sie verwendet, um Abstraktes oder Neues zu konzeptualisieren und zu bezeich­nen, um durch eine ihnen inhärente Bildlichkeit zu plausibilisieren. „Dabei ist mit dem Gebrauch von Metaphern häufig ein Effekt der Über­treibung und Dramatisierung oder auch Untertreibung und Euphematisierung verbunden. Daher können Metaphern eine argumentative Überzeugungs­funktion der […] unterschwellig-suggestiven Art übernehmen“ (Böke 2000: 131). Über diese Funktion, Argumentationsmuster im Diskurs aufzu­decken, haben Meta­phern das Potenzial, im vorliegenden Kontext einen Zu­gang zur sprachlichen Konstruktion und Aushandlung brisanter öffent­licher Themen und damit letztlich zu Gesellschaftserzählungen zu eröffnen. Durch die Sicht auf den metaphorischen Sprachgebrauch als Bestandteil bzw. Spiegel der Zeit- und Sozialgeschichte steht nicht das kognitive, den Alltag strukturierende Potential von Metaphern im Fokus des Ansatzes, sondern ihre Auffassung als sozio-pragmatisches Phänomen (vgl. Spieß 2017a: 95), das im Hinblick auf die Erforschung brisanter Semantiken fruchtbar gemacht wird.

Um die thematische Verfasstheit und das Implikationspotential des aktuellen Diskurses zur Flüchtlingskrise in Lampedusa offenzulegen, stehen nicht ver­ein­zelte, okkasionelle Metaphern (bzw. Metonymien), sondern habitualisierte Metaphern – also usuelle Bestandteile von Diskursen – und ihre Organisation in semantischen Feldern im Vordergrund der Analyse. Diese Perspektive auf systematisierte Metaphernkomplexe geht davon aus, dass sich um eine bestimmte Metapher herum weitere, ähnliche Metaphern aus dem gleichen Sachbereich finden und somit Isotopien ausbilden. Dieses gehäufte Auftreten von Metaphern aus dem gleichen Bildspenderbereich lässt sich mit dem Text­sortenkonzept, aber auch mit Diskurstraditionen und diskursiven Bildfeld­gemeinschaften (Weinrich 1976) erklären:


 

Die Beachtung der gängigen Bildbereiche und -felder verspricht […] kommunikativen Erfolg. […] Die Schöpfung von Metaphern durch die Sprecher folgt also nicht nur fundamentalen Regeln der Assoziation, sie kann vielmehr ganz konkreten sozialen, kulturellen und sprachlichen Konventionen folgen (Blank 1997: 176).

Im Diskurs zur Immigration in der BRD sowie im spanischen und italienischem Diskurs spielt nach einem ersten Einblick die Wassermetaphorik (Strom-, Zustrom- und Wellenmetaphern) eine herausragende Rolle (vgl. Böke 2000: 131ff.; Gruber i. Dr.). Nach Weinrichs Theorie der abendländischen Bild­feld­gemeinschaft (Weinrich 1976: 285) gehen wir also von der These aus, dass auch die Wassermetaphorik eines der zentralen Bildfelder darstellt, das den italienischen Flüchtlingsdiskurs strukturiert.

3. Wie untersucht man den Metapherngebrauch bei brisanten Themen im öffentlichen Diskurs? – Zum Korpusdesign und methodischen Vorgehen

Um einen Zugang zu einem brisanten Thema in der öffentlichen Diskussion wie dem Einwanderungsdiskurs in Italien zu schaffen, wurde ein Korpus mit italie­nischen Pressetexten zusammengestellt. Auch wenn gegenwärtig nur etwa 15 % der italienischen Bevölkerung Zeitungen kaufen, zeigen Er­he­bungen, dass bedingt durch Mehrfachnutzung von Zeitungsexemplaren aktuell rund 20 Mio. Italiener regelmäßig eine Zeitung lesen (vgl. Buffagni/ Foschi Albert/Hepp 2016: 391). Diese Reichweite des Mediums Zeitung spricht für seine grund­legende Bedeutung im öffentlichen Diskurs, und mithin für seine Eignung als Gegenstand einer diskurslinguistischen Auswertung. Vor dem Hintergrund ihrer Mehrfachadressierung sowie ihres transtextuellen Charakters bieten sich Pressetexte außerdem für (deskriptive) Diskurs­analysen an, weil durch sie dis­kursive Musterhaftigkeiten abgeleitet werden können (vgl. Kuck 2015: 97, 100).

Die Erhebung des Korpus erfolgte mithilfe der Datenbank LexisNexis.3 Das Recherchetool ermöglicht den Zugriff auf internationale Zeitungen und Zeitschriften4 in digitalisierter Form und enthält über 36.000 Quellen, die als Volltextversion bereitgestellt werden. Für das Italienische sind die wichtigsten überregionalen und auflagestärksten quotidiani wie etwa Corriere della Sera, La Stampa, Il Sole 24 Ore, Il Giornale und La Repubblica enthalten. Außerdem sind im Korpus auch Wochenzeitungen (z.B. L'Espresso) sowie Onlinezeitungen wie Il Messaggero Online vertreten.5

Damit ist LexisNexis eine profunde Ausgangsbasis für die Bildung eines Korpus zur Beantwortung diskurslinguistischer Fragestellungen, weil es die Zu­sam­men­stellung einer Vielzahl verfügbarer Texte des Gesamtdiskurses er­möglicht. Zugleich bildet es unterschiedliche Diskurspositionen ab, da ein brei­tes Spektrum von Meinungen – Mitte (La Stampa), Mitte-Links (La Repubblica) und Mitte-Rechts (Il Giornale) – abgedeckt wird (vgl. Fohrn 2009: 97). Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die massenmedial relevanten und meinungs­bildenden Organe und deren Inhalte berücksichtigt sind und dass der Blick auf den Flüchtlingskrisendiskurs nicht durch eine Be­schrän­kung auf eine bestimmte politische Ausrichtung vorab eingeschränkt wird.

Mikrostrukturell betrachtet sind unterschiedliche Pressetextsorten im Korpus enthalten, die ein breites Spektrum abdecken, das graduell von eher informa­tionsbetont – la notizia ‘Nachricht’, il bollettino ‘Bericht’ – bis hin zu eher mei­nungsbetont – l'articulo di fondo/l'editoriale ‘Leitartikel’, il commento ‘Kom­mentar’, il corsivo ‘Glosse’ – reicht (vgl. Buffagni/Foschi Albert/Hepp 2016: 381-382; Haßler 2003: 116). Innerhalb der Zeitungen werden diese Presse­text­sorten nach Rubriken wie commenti e incheste ‘Kommentare und Umfragen’, Idee & opinioni ‘Ideen & Meinungen’, lettere e commenti ‘Briefe und Kommen­tare’ etc. geordnet (vgl. ausführlich Buffagni/Foschi Albert/Hepp 2016: 389).


 

Das Korpus wurde via LexisNexis thematisch insofern eingegrenzt, als dass jeder Artikel die Schlüsselwörter Lampedusa sowie profug*6 oder rifugiat* ent­hal­ten muss, um sicherzustellen, dass die Beiträge thematisch dem Ein­wande­rungs­diskurs in Lampedusa zuzuordnen sind. Daher wurde die Suchanfrage „Lampedusa AND rifugiat* OR profug*“ gestellt. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass Zeitungen sowie Agentur- und Presse­mitteilungen mit einbe­zogen wurden, um den Diskurs auch in seiner vollen Breite abzudecken. Beim Parameter des Zeitraums wurde die Spanne vom 19. April 2015 bis zum 26. April 2015 gewählt. Diese Eingrenzung ist nicht zufällig im Sinne einer randomisierten Stichprobe gesetzt. Vielmehr ist der Startpunkt mit einem disruptiven Ereignis im Diskurs, einem Schiffsunglück, verknüpft, das sich in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2015 ereignete. Ein von Libyen aus gestartetes überladenes Flüchtlingsboot mit Kurs auf Italien kenterte im Mittelmeer, dabei ertranken mehrere Hundert Flüchtende. Der zeitliche End­punkt wurde auf eine Woche gelegt, um die Latenzphase der Haupt­bericht­erstattung über dieses Schlüsselereignis abzudecken, bevor diese wieder abebbt (vgl. ausführlich Kolb 2005 zu Phasen medialer Bericht­erstattung). Über das punktuelle Ereignis der Tragödie hinaus befindet sich der gewählte Zeitraum in der Hochphase der Flüchtlingskrise und ist damit in die einhergehende Berichterstattung einzuordnen. Während die Tragödie zweifels­ohne ein Höchstmaß an Berichterstattung über die Flüchtlingskrise ausgelöst haben dürfte, ist davon auszugehen, dass sie diesen von ihr initiierten Diskurs gleichermaßen (in Richtung Empathie) selbst verschoben hat.7 Dies ist aller­dings nicht problematisch, sondern – im Gegenteil – für die vorliegende Unter­suchung sogar fruchtbar: Es kann davon ausgegangen werden, dass neben nun entstandenen neuen Diskurslinien die alten weiterhin bestehen, sodass an dieser Stelle der Flüchtlingskrise eine diskursanalytische Untersuchung, die sich auf ein diversifiziertes Korpus stützt, ein umfassendes Bild der im Flüchtlingsdiskurs verwendeten Metaphern zeichnen kann (von rechts, von links, von empathisch bis nicht empathisch).

Mit den o.g. Voreinstellungen zu Zeit und Suchbegriffen erhält man über LexisNexis 106 Ergebnisse, wobei es, bedingt durch die mit „OR“ verbundenen Suchbegriffe und durch das Aufnehmen derselben Pressemitteilungen in verschiedenen Lokalzeitungen, hier einige Mehrfachnennungen gibt. Bereinigt man das Korpus um die Mehrfachnennungen, lassen sich die Texte nach den Kategorien Zeitungen (18) und Agentur- und Pressemitteilungen (18) aufschlüs­seln. Alle 36 Texte sind in italienischer Sprache geschrieben. Nach einer ersten Durchsicht der Agentur- und Pressemeldungen ergaben sich so gut wie keine Metaphern in diesen Texten. Dies ist wenig überraschend und textsorten­bedingt, da Agenturmeldungen den informationsbetonten Textsorten zuzu­rechnen sind und ein Stil vorzufinden ist, den Liesem (2015: 54) als „objektiv, neutral, wahrheitsgemäß“ charakterisiert. Liesem (2015: 54) führt weiterhin aus, dass „eigene Bewertungen und Einschätzungen sowie subjektive Empfindun­gen des Journalisten in der Meldung nichts zu suchen [haben].“ Aus diesem Grund wurde das der vorliegenden Untersuchung zugrunde­liegende Daten­korpus um die Agentur- und Pressemeldungen8 bereinigt, so dass im Korpus nur Ergebnisse aus der Kategorie Zeitungen enthalten sind. Insgesamt umfasst das Korpus damit 18 Artikel und hat einen Umfang von 10.248 token. Die einzel­nen enthaltenen Artikel sind größtenteils entweder nachrichtlichen Berichten bzw. meinungsbetonten Beiträgen zuzuordnen.

Die bereits erwähnte Konzentration auf eine Woche ist auch forschungs­praktischen Gründen der Korpusauswertung geschuldet. Metaphern sind mit Bubenhofer (2009: 82) als tiefensemantische Phänomene einzuordnen, deren sprachliche Realisierung formal sehr heterogen ausfallen kann. Daher bietet sich eine data-driven und (semi-)automatische Vorgehensweise zur Identifi­kation der Metaphern und Metonymien im Korpus nicht an. Stattdessen wurde das Korpus qualitativ-hermeneutisch durch Sichten der einzelnen Presseartikel im Hinblick auf das Vorkommen von Metaphern ausgewertet. Bei dieser Untersuchung wurden zur Bildung metaphorischer Kategorien die bild­spen­denden Domänen der Metaphern ermittelt und ihre jeweilige Ge­brauchs­­frequenz erfasst. Außerdem wurde die jeweilige Position (z. B. headline, subheadline etc.) sowie die textuelle Einbettung berücksichtigt und den Funktionen der Metaphern im Diskurs zur Flüchtlingskrise mittels einer hermeneutisch-qualitativen Interpretation nachgegangen.

4. Analyse: Metaphern im italienischen Diskurs zur Flüchtlingskrise

Als erstes Ergebnis der Auswertung des Pressetextkorpus lässt sich festhalten, dass die Mehrzahl der Artikel nicht ausschließlich auf das Unglück vom 19. April 2015 vor der Küste Lampedusas beschränkt bleibt, sondern auch auf die Flüchtlingskrise sowie auf die Einwanderungssituation in Lampedusa ins­ge­samt abhebt. Denn die Insel verweist auf ein gesamteuropäisch brisantes Thema. Mit dem Diminutiv isolotto in (1) wird auf den Punkt gebracht, dass Lampedusa nur ein kleiner Ausschnitt einer viel größeren, umfassenderen Krise ist. Auf diese Weise wird Lampedusa als pars pro toto greifbar gemacht:

  1. Intanto né a livello nazionale né europeo si staglia un’idea precisa, concreta, su come evitare l’odissea9 di un continente verso un isolotto chiamato Lampedusa [Il Resto del Carlino, 26.04.2015].

In Bezug auf die Verwendung von Metaphern zeigt sich in der Zusammen­schau der Korpusauswertung, dass diese zumeist im Fließtext auftreten, zum Teil kommen sie auch im Untertitel vor, während sie in den Schlagzeilen seltener zu finden sind. Innerhalb eines Artikels fällt auf, dass vermehrt Metaphern konzentriert in einem Absatz auftreten und zumeist aus demselben Bildbereich stammen. Die im untersuchten Diskursausschnitt identifizierten Metaphern stammen über alle Texte hinweg betrachtet vor allem aus den bildspendenden Bereichen Krieg, Tod und Wasser (Meer und Maritimes), die den analysierten Flüchtlingsdiskurs maßgeblich semantisch strukturieren.


 

Ein weiteres Ergebnis der Analyse besteht darin, dass Metaphern in unserem Korpus nicht zur Bezeichnung der Flüchtlinge verwendet werden. Vielmehr wird mit ihnen auf andere Konkreta Bezug genommen, die den Diskurs seman­tisch ordnen und ihm durch rekurrentes Auftreten eine Struktur und Musterhaftigkeit verleihen: Im Fokus der Berichterstattung – und damit auch der Analyse – stehen Metaphern, die die Beweggründe für die Flucht, das Meer, die Flucht über das Meer, die zur Flucht genutzten Schiffe sowie die Flüchtlingspolitik konzeptualisieren. Metaphern werden v.a. dann herange­zogen, wenn Unsagbares im Sinne von Tabus wie dem Tod oder im Sinne eines unvorstellbaren Ausmaßes an Leid (wie etwa in Beleg (2) l’inferno) angespro­chen wird. Durch ihre Verbildlichung emotionalisieren, drama­tisieren oder machen Metaphern Unsagbares greifbarer. Diesem Aspekt wird im Folgenden qualitativ anhand von Belegen aus dem Korpus nachgegangen.

Zunächst lässt sich feststellen, dass die Beweggründe der Flucht Gegenstand der Berichterstattung sind. Die jeweilige Motivation zur Flucht wird – teils in Zi­taten der Geflüchteten – mit Metaphern illustriert, die in expressiv-drastischer Funktion herangezogen werden, um die Ausweg- und Alternativ­losigkeit zur Sprache zu bringen:

  1. All'inizio del 2011 andammo in trasferta a Tripoli e dopo la partita la squadra del figlio di Gheddafi ci propose un provino. Stava scoppiando l‘inferno [La Stampa, 22.04.2015].

Auch aus europäischer Perspektive stellt sich die Situation in Libyen derart dramatisch dar, dass vor dem Hintergrund der zu erwartenden Flüchtlings­bewegung eine Metapher aus dem Bereich der Zerstörung durch Feuer herangezogen wird:

  1. La bomba libica è ormai scoppiata e nell’ultima settimana ne sono arrivati 11 mila, oltre 1.500 al giorno [La Gazzetta dello Sport, 20.04.2015].

Die Metapher der Hölle in (2) und der libyschen Bombe (i.S. einer „tickenden Zeitbombe“) in (3) haben das Bild der Zerstörung und des Todes durch Feuer gemein, das offenbar vor allem dann zur Anwendung kommt, wenn eine (stati­sche, „aufgeheizte“) Situation beschrieben werden soll. Feuer, das ist zu beden­ken, stellt jedoch nicht das prominenteste Element im Flüchtlingsdiskurs dar.

In seinem Mittelpunkt steht vielmehr das Meer, das im Zusammenhang mit Metaphorik auf zwei Arten bedeutsam ist: zum einen als Spenderbereich – vor allem in dieser Hinsicht spielt das Meer generell eine tragende Rolle im Flüchtlingsdiskurs:

Im Gegensatz zu fließenden Gewässern, wie der Fluss oder der Strom, als Geschichtsmetapher, die Linearität, Kontinuität und Gerichtetheit ausdrücken, meist im Sinne einer sinnhaften Entwicklung, steht das Meer […] häufig [für] Unvorhersehbarkeit und Unbestimmtheit (Schmuck 2015: 26).

Zum anderen konnten wir das Meer – zweifellos aufgrund der Schiffskatastro-phe, die am Ausgangspunkt unserer Diskursanalyse steht – auch als Empfänger einer metaphorischen Übertragung identifizieren. Die Formel, auf die sich letztere Metaphern bringen lassen, lässt sich zu Tod durch Wasser verdichten. Die Korpusauswertung zeigt also, dass die Bildlichkeit dieser Meeresmeta­phern noch deutlich dramatischer ausgestaltet wird, als es die obigen Feuer­metaphern andeuten. Die zahlreichen Todesfälle bei der Flucht rufen unterschiedliche metaphorische Versprachlichungen hervor, die als einende Merkmale das Meer als tödliche Gefahr konzeptualisieren und in drastisch-expressiver Weise versprachlichen, wie hier als riesigen Friedhof:

  1. Numeri, anzi uomini. Sogni annegati in quell’enorme cimitero che chiamiamo canale di Sicilia. Continua a riempirsi di barconi in fuga, fantasmi senza nome, e intanto si aggiornano le statistiche di morte [La Gazzetta dello Sport, 20.04.2015].

Die Bedrohung des Lebens durch das Meer ist dabei gewissermaßen eine anthro­pologische Konstante, die sich in der Menschheitsgeschichte weit zurück­verfolgen lässt. Bereits im Alten Testament wird das Meer mehr als einmal zum Menschheitsgrab – wie im vorherigen Beleg –, wenn beispiels­weise im Buch Genesis die Sintflut fast alles Leben auf Erden vernichtet (vgl. 1. Moses 6, 1-9, 29) oder das Heer des Pharaos im zweiten Buch Mose (Exodus) im Roten Meer ertrinkt (vgl. 2. Moses 14, 21-29). Auch für die Seefahrer der Mensch­heitsgeschichte war das Meer nie nur Sehnsuchtsort, sondern immer auch tödliche Gefahr und (potenziell) letzte Ruhestätte. Die Metapher vom Meer als Friedhof bzw. – das ihr übergeordnete Konzept – Meer ist Tod darf also ver­mut­lich einen gewissen Grad an Universalität beanspruchen, der im

 

kulturellen Gedächtnis der Menschheit wurzelt und dort Spuren der Geschichte einzu­betten und zu aktualisieren vermag.

Eine weitere, aufgrund des Mangels an externer Gewalteinwirkung in diesem Zusammenhang überraschende, Variante des Meer ist Tod-Metaphern­konzeptes liegt mit ecatombe ‚Blutbad/Blutopfer‘ vor, das die Zeitung Corriere della Sera als wörtliches Zitat der Pressesprecherin des UN-Flüchtlings­hilfswerks UNHCR, Carlotta Sami, aufgreift:

  1. C’è chi dice che «l'ecatombe» dell’altra notte, per usare le parole di Carlotta Sami, portavoce dell'agenzia Onu per i rifugiati, sia stata la più grave che mai abbia colpito il mondo dell'emigrazione. Probabile, per il Mediterraneo [Corriere della Sera, 20.04.2015].

Mit der Verwendung der Blutbad-Metapher, die üblicherweise zur Beschrei­bung von Schlachten oder aber besonders grausamen Gewalttaten verwendet wird, findet neben einer dramatischen Dynamisierung der Schiffskatastrophe – die einen Gegenpol zum Bild des Friedhofes als Ort der Ruhe und Stille bildet – auch eine Zuschreibung der Verantwortlichkeit statt, die auch deshalb beson­ders deutlich ist, weil ecatombe etymologisch aus dem Ritual des „Blutopfers“ hervorgegangen ist.10 Dabei wird der Tod auf dem Meer mit einem gewalt­samen Tod, beispielsweise im Krieg, verglichen. Damit wird der Tod durch das Meer nicht mehr als unaufhaltsame Naturkatastrophe metaphorisch gerahmt, sondern als vermeidbare und (in Gesellschaften, die Gräuel­taten dieser Art ablehnen) zu vermeidende Gewalttat. Denn im Gegen­satz zu einer Katastrophe gibt es bei einem Blutbad stets ein Agens, wenn auch hier nur implizit. Der Tod durch das Meer wird durch das Sprachbild des Blutbades auf eine bestimmte Art fokussiert, weil hier an das Blut als Symbol der Gewalt und des Sterbens angeknüpft wird, und dessen Symbol­gehalt im Kontext einer Kampf- bzw. Kriegsmetaphorik noch drastisch ge­steigert wird (vgl. Catani 2012: 59). Der Tod durch das Meer erscheint in der Blutbad-Metapher dank implizitem Agens auch nicht mehr als „Schicksal“, sondern als konkrete „Tat“. Eine solche Tat braucht einen Verantwortlichen, denn ein Blutbad ist immer ein Gewaltakt von Menschenhand und nicht Ergebnis einer Naturgewalt. Die Blutbad-Metapher kann also als intentional gelten, um die Verantwortlichkeit für den Tod durch das Meer dem Meer selber zu entziehen und sie der europäischen Politik zuzu­schreiben. Die Blutbad-Metapher vermittelt also in ihrer funktionalen Zuschrei­bung von Verantwortung an menschliche Akteure indirekt Kritik an deren bisherigem Verhalten, das zu diesem Blutbad geführt hat. Das gleiche Bild transportiert auch die Metapher la strage ‚Blutbad/Gemetzel‘ in (6), die als Versalie im Unter­titel an herausragender Position des Artikels platziert ist:

  1. LA STRAGE nel Canale di Sicilia è la più grave della storia del Mediterraneo ed è anche l’ultima di una lunga serie. Ma è soprattutto il naufragio dell'umanità nella civilissima Europa [Il Resto del Carlino, 21.04.2015].

Waren das Meer und das Schiffsunglück bisher Empfänger, so werden sie zum Spenderbereich in der sich im Folgesatz anschließenden Metapher il naufragio dell‘umanità nella civilissima Europa (‚der Schiffbruch der Menschheit im so zivilen Europa‘). Indem das moralische Versagen bildlich als Schiffsbruch der Menschheit greifbar gemacht wird, wird es gleichermaßen dynamisiert und dramatisiert. An dieser Stelle wird die in der Blutbad-Metapher noch indirekte Zuschreibung von Verantwortlichkeit expliziert und wie in (4) offen Kritik am Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik geübt. Hier wird nun deutlich, dass der moralische und politische Verfall Europas die humanitäre Katastro­phe, das Blutbad, erst ermöglicht hat. Die Metapher des Schiffbruchs ver­bildlicht damit ein moralisches Endzeitszenario. Die gleiche Metapher, jedoch ohne moralischen Impetus, findet sich bereits bei Ortega y Gasset, der Europa nach dem Zweiten Weltkrieg metaphorisch als Schiffbruch beschreibt (vgl. Schmuck 2015: 28) – ein Befund, der als Hinweis in Richtung einer pan­euro­päischen Metaphorik innerhalb eines Diskursbereichs gedeutet werden könnte (vgl. auch Blumenberg 1997).

Das Meer als tödliche Gefahr wird außerdem auch durch Synekdochen, einen Sonderfall der Metonymie, zum Ausdruck gebracht:

(7) Ma del viaggio tutti i migranti parlano con fatica, perché è sempre un'esperienza drammatica»; nelle stiva chiusa come la notte si mescolano preghiere e superstizioni; si fanno riti per allontanare la morte che viene con le onde [La Nazione, 21.04.2015].

(8) Nessuno si affiderebbe alle mafie dei trafficanti, nessuno viaggerebbe sui barconi della morte, nessuno rischierebbe di morire tra le onde [Il Resto del Carlino, 21.04.2015].

In (7) und (8) wird mit onde das Ganze, also das Meer, durch einen Teil be­zeichnet, so dass hier jeweils eine pars pro toto-Relation vorliegt. Funktional hebt die Synekdoche die Eigenschaft der Dynamik und Beweglichkeit des Meeres hervor, aber auch die damit einhergehende Unsicherheit und Gefahr. Damit bezeichnet sie die Ursache anstelle der Wirkung, die aber in (7) und (8) keineswegs ausgespart, sondern ungeschönt expliziert wird (la morte, morire).

In der Presseberichterstattung wird auch die Flucht selbst thematisiert. Im folgenden Beleg kommt mit einer Flüchtenden eine unmittelbar beteiligte Akteurin selbst zu Wort und berichtet von der Überfahrt, die sie metaphorisch als Odyssee bezeichnet:

(9) MACALOU, ci racconti come è stato il suo arrivo in Italia? «Una vera e propria odissea, durata sei giorni di navigazione su una barca piccola, con altre 143 persone. Io provengo dal Mali [Il Resto del Carlino, 21.04.2015].

Die (literarische) Metapher der Odyssee ist eng verknüpft mit einer „mytho­poetologischen Geschichte des Meeres, […] mit Vorstellungen von bedrohten Schifffahrtswegen und von Irrfahrten auf stürmischer See“ (Schneider 2012: 268), eine Lesart, die auch durch Homers Odyssee tradiert wird. Auch wenn die Odyssee nicht zum vollständigen Untergang führt, schließlich findet Odysseus zurück nach Hause, wenn auch mit dem Preis vieler Opfer und mit einem dramatischen Ende. Im Flüchtlingsdiskurs ist die Metapher der Odyssee in journalistischen Texten weit verbreitet; auch in literarischen Texten der Migra­tionsliteratur hat sie den Status eines „zentralen Topo[s]“ (Schmuck 2015: 25).

Die Flucht als Reise, an deren Anfangspunkt die Hoffnung steht, die aber im Unter­gang endet, wird auch im folgenden Beleg thematisiert, bei dem die Metapher Apokalypse in die phraseologische Modellbildung dalla … all‘ einge­bettet ist:


 

(10) Dalla speranza all'Apocalisse. Da Catania impossibile stabilire il numero delle vittime: «Sono oltre 700» La tragedia più grave nel Mediterraneo dal dopoguerra. Quei corpi in mare ricordano quando a morire erano i nostri nonni, […] [Corriere della Sera, 20.04.2015].

Die Metapher der Apokalypse steht für den Weltuntergang und bringt eine endzeitliche Stimmung zum Ausdruck, die bereits in Beleg (4) deutlich wurde. Die Funktion der Metapher ist in diesem Kontext emotionalisierend. Sie ver­dichtet expressiv-drastisch die Flucht zur ausweglosen Katastrophe und rahmt sie so, dass alle Hoffnungen auf einen Neuanfang und auf ein besseres Leben zunichte gemacht werden.

Auch die Schiffe, die zur tödlichen Falle mutieren (können), sind im Flücht­lings­krisendiskurs präsent und werden metonymisch zu Todesschiffen:

(11) C'è un solo modo per salvare le vite dei migranti in fuga da guerre e persecuzioni che ogni giorno muoiono attraversando il Mediterra­neo su imbarcazioni di fortuna: consentire a tutti gli esseri umani di muoversi liberamente, permettendo loro di giungere in Europa in modo legale e sicuro. Nessuno si affiderebbe alle mafie dei trafficanti, nessuno viaggerebbe sui barconi della morte, nessuno rischierebbe di morire tra le onde [Il Resto del Carlino, 21.04.2015].

(12) Attualmente sono 353 le persone sbarcate dai barconi della morte nella zona di Ferrara [Il Resto del Carlino, 21.04.2015].

In die journalistische Berichterstattung bettet der Corriere della Sera auch literarische Verarbeitungen der Immigrationsthematik ein, wie einen Auszug des Gedichts Gli emigranti (1882) des italienischen Autors Edmondo De Amicis (1846-1908):

(13) E a rileggere questi racconti di disperati ammassati su carrette del mare dalle incerte fortune tornano in mente i versi di Edmondo De Amicis sui nostri nonni: «Ammonticchiati là come giumenti / sulla gelida prua mossa dai venti / migrano a terre ignote e lontane / laceri e macilenti / varcano i mari per cercar del pane. / Traditi da un mercante menzognero / vanno, oggetto di scherno, allo straniero / bestie da soma, dispregiati iloti / carne da cimitero / vanno a campar d'angoscia in lidi ignoti» [Corriere della Sera, 20.04.2015].

Der Auszug verdichtet prototypische Szenen auf den Etappen einer Flucht, die auch bis heute in der journalistischen Aufarbeitung der Situation 2015 als rekurrente, diskursstrukturierende Elemente transtextuell präsent sind. Die Metaphern und Metonymien des Gedichts, die einerseits auf den Opferstatus der Schutzsuchenden abheben (bestie da soma im Sinne von ‚Lasttieren‘), und andererseits den Tod bildlich und drastisch mit carne da cimitero in den Fokus rücken, finden sich als Kontinuitätslinie auch noch über 130 Jahre später im aktuellen Flüchtlingsdiskurs wieder, wenn wie in Beleg (4) das Mittelmeer metonymisch als Friedhof bezeichnet wird.

5. Fazit

Lampedusa als äußerster Punkt der EU im Süden steht symbolisch als Eingangspforte zu Europa und nimmt daher in der Flüchtlingskrise und im ‑diskurs eine Schlüsselrolle ein.

Unser Ziel war es, exemplarisch Metaphern- und Metonymienmuster im italie­nischen Flüchtlingsdiskurs zu identifizieren, die mit dem Fokus auf Lampedusa Verwendung fanden und so den Flüchtlingsdiskurs in Italien mit strukturier­ten. Zeitlicher Ausgangspunkt unserer Analyse war die schwere Schiffs­katastrophe vor Lampedusa im Frühjahr 2015, in deren Nachgang wir den print­medialen Diskurs in Italien mithilfe von LexisNexis untersuchten. Es zeigte sich dabei, dass das disruptive Ereignis der Schiffskatastrophe offenbar zu einer etwas anderen Verwendung von Metaphern und Metonymien führte. So fehlt in der Woche nach der Katastrophe völlig die von anderen Studien als musterhaft für den Flüchtlingsdiskurs identifizierte metaphorische Kopplung von Migration und Naturkatastrophen (wie in Flüchtlingswelle). Stattdessen werden im medialen Diskurs Metaphern in den Pressetexten fast durchgängig zur Emotionalisierung und Selbstkritik verwendet. Empathie und auch Schuld sind dabei die vorherrschend vermittelten Emotionen zum Thema Flucht. Meta­phern finden sich vor allem um die einzelnen Etappen der Flucht und – in diesem Fall besonders – deren katastrophales Ende begreifbar zu machen. Der Diskurs ist musterhaft geprägt durch das metaphorische Erzählen dieser Fluchtetappen – von den Beweggründen bis in die Katastrophe und der Zu­schreibung von Verantwortlichkeiten. Die Metaphern werden dabei von Geflüchteten, die zu Wort kommen, wie von den Journalisten selbst zumeist in drastisch-expressiver Funktion zur Konzeptualisierung und zur Emotionali­sierung verwendet und dienen dazu, dem Leser das für ihn Unbegreifbare und Abstrakte der Flucht und ihrer einzelnen Etappen – die Situation in den Her­kunftsländern, die Todesgefahr in den Booten, die schiere Katastrophe selbst und den moralischen Verfall, über den sie Auskunft gibt – begreifbar zu machen.

Die Meinungen, die zur humanitären Katastrophe im Mittelmeerdrama darge­stellt werden, erhalten eine verschärfte Argumentation durch das Heranziehen von Metaphern und Synekdochen. Musterhaft zeichnet sich dabei ab, dass die dominanten bildspendenden Bereiche den Domänen Krieg, Tod und Wasser (Meer und Maritimes) zuzuschreiben sind – ein Befund, der in Zusammen­schau mit Studien wie von Böke (1997), Gruber (i. Dr.) und Spieß (2017b) im Hinblick auf eine paneuropäische Metaphorik erweitert werden kann. Dabei muss beachtet werden, dass die hier identifizierte Metaphorik in ihrer Gerichtetheit zweifellos einen Spezialfall des Flüchtlingsdiskurses darstellt, der auf die Prävalenz der Katastrophenthematik im Untersuchungszeitraum zurückzu­führen ist. Gleichwohl handelt es sich dabei nicht um eine (italienische) Singu­larität im Diskurs. Vielmehr scheint der von uns unter­suchte Zeitraum im gesamteuropäischen Kontext eine Veränderung in Richtung Empathie und Selbstkritik zu markieren, die sich bspw. in Deutschland in dem Kommentar von Markus Preiß zeigt, der von der „Schande für Europa“ spricht. Auch wenn die Ausschließlichkeit einer auf Empathie gerichteten Metaphernverwendung, die wir feststellen konnten, sich also im späteren Verlauf der Krise relativiert haben dürfte, so zeichnet sich hier ein wichtiger Teil des Flüchtlingsdiskurses ab. Deutlich wird, dass eine umfassende Arbeit zur Veränderung der Meta­phorik im Zeitverlauf spannen­de Ergebnisse erwarten lässt.


 

6. Literaturverzeichnis

6.1 Korpus

https://www.lexisnexis.de/ (31.05.2017).

6.2 Fachliteratur

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6.3 Internetquellen

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http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/ Asylum_statistics/de (21.06.2017).

http://w3.nexis.com/sources/scripts/eslClient.pl (31.05.2017.

http://dizionari.corriere.it/dizionario_italiano/E/ecatombe.shtml (31.08.2017).

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-78341.html (31.08.2017).

2Die Herkunftsländer werden von Eurostat wie folgt aufgeschlüsselt: „[D]ie Zahl der Erst­antragsteller [hat sich; S. I.-D./A. W.-L.] von 563 000 2014 auf knapp 1,26 Mio. im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Dieser Anstieg ist vor allem auf die höhere Zahl von Bewerbern aus Syrien, Afghanistan und dem Irak und in geringerem Ausmaß aus Albanien, dem Kosovo [...], und Pakistan [...] zurückzuführen. Die Zahl der Asylerstantragsteller aus Syrien stieg 2015 in den Mitgliedstaaten der EU-28 auf 363 000; dies entspricht fast 29 % aller Asyl­bewerber aus Drittstaaten. Afghanische Staatsangehörige stellten 14 % der Gesamtzahl, Iraker 10 %, Kosovaren und Albaner je 5 %, und Pakistanis 4 %.“ Zugriff unter: http:// ec.europa.eu/euro­stat/statistics-explained/index.php/Asylum_statistics/de (21.06.2017).

4Eine alphabetisch geordnete Auflistung aller italienischsprachigen Quellen in LexisNexis ist unter folgender URL verfügbar: http://w3.nexis.com/sources/scripts/eslClient.pl (31.05.2017).

5Zu aktuellen Auflagezahlen der italienischen Tages-, Wochen- und Monatszeitungen vgl. http://www.primaonline.it/2016/02/08/227856/ (31.05.2017). Einen Überblick über die italienische Presse- und Medienlandschaft bieten Bschleipfer (2010: 174-183), Schafroth (2006) und Schweickard (2010).

6Berücksichtigt wurden mittels * jeweils die Singular- und Pluralformen des Maskulinums und Femininums.

7In Deutschland war dies beispielsweise beim Tagesthemenkommentar von Markus Preiß zu beobachten, der nach dem Unglück von einer „Schande für Europa“ sprach, das die Flüchtlingskrise bis dato ignoriert bzw. hingenommen hatte (vgl. https://www.tages­schau.de/multimedia/video/video-78341.html [31.08.2017]).

8Da Pressemitteilungen ohnehin in Zeitungen aufgegriffen werden müssen, wenn sie eine Wirkung im Diskurs entfalten wollen, ist es unerheblich, dass mit der Bereinigung um diese Kategorie auch einige Pressemitteilungen herausfallen. Wenn sie eine Rolle im Diskurs spielen, fließen sie über die Zeitung in das Korpus mit ein.

9Zur Metapher der Odyssee vgl. Bsp. (9).

10Vgl. http://dizionari.corriere.it/dizionario_italia­no/E/ecatombe.shtml (31.08.2017).

 

Dangerous Waters Metaphor in News Discourse on Refugee Crisis

Mersina Mujagić

Mersina Mujagić, University of Bihać (mersina.mujagic@unbi.ba)


Abstract

Employing Steen's three-dimensional model of metaphor analysis (2008; 2011), the paper examines DANGEROUS WATERS metaphors used in the US, British and Bosnian-Herzegovinian news discourse on Refugee crisis. The study reveals that there are no significant differences in metaphorization of migrants in news broadcasts by BBC, CNN and Al Jazeera Balkans, which means that MIGRATION AS DANGEROUS WATERS is frequent and used in order to promote certain viewpoints and express rhetorical goals in discourse. Thus, critical analysis of the use of DANGEROUS WATERS metaphor points to certain ideological qualities of conceptualization of migrants in the media in the UK, USA and Bosnia-Herzegovina.

Mit Hilfe des dreidimensionalen Modells der Metapheranalyse von Steen (2008, 2011) wird die Metapher GEFÄHRLICHE GEWÄSSER analysiert, die in den USA, in den britischen und in den bosnisch-herzegowinischen Medien zur Flüchtlingskrise verwendet wird. Die Studie zeigt, dass es keinen signifikanten Unterschied in der Metaphorisierung von Migranten in BBC, CNN oder Al Jazeera Balkans gibt. Das bedeutet, dass die Metapher MIGRATION ALS GEFÄHRLICHE GEWÄSSER häufig verwendet wird, um bestimmte Standpunkte und rhetorische Ziele im Diskurs auszudrücken. Die kritische Analyse des Einsatzes der GEFÄHRLICHE GEWÄSSER Metapher deutet auf bestimmte ideologische Merkmale der Konzeptualisierung von Migranten in den Medien in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Bosnien-Herzegowina hin.

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Seite 99

1.   Introduction

Numerous studies examining metaphors in the U.S. and British public discourse on migration have been published (e. g. Santa Ana 2002; Cunningham-Parmeter 2011; Charteris-Black 2006; Hart 2010; Musolff 2011). A substantial number of studies deals specifically with migration metaphors in news discourse (Charteris-Black 2006; Gabrielatos i Baker 2008; Greenslade 2005; Hart 2010, 2011b; Ibrahim i Howarth 2015; Howarth i Ibrahim 2014; Kitis i Milapides 1997; Musolff 2006, 2011, 2016; Parker 2015). Dangerous waters metaphor is considered, for instance, in Santa Ana (2002, 1997), Cunningham-Permeter (2011) and Musolff (2011). All of these studies, however, reveal how dangerous waters metaphor is used to instill fear because migrants are presented as a (natural, dangerous, uncontrollable) force destroying the country in which they come.

Hart (2010: 146) believes that metaphorical conceptualization of Britain fighting against migration leaves real consequences in terms of the nature of the response to the enemy, as „we define our reality in terms of metaphors and then proceed to act on the basis of the metaphors” (Lakoff and Johnson 1980: 158). In this regard, the use of certain linguistic metaphors (e. g. floodgate, dam) in order to insist on stopping or decreasing the number of migrants serves a single aim of justifying legislative acts, procedures and possibly more aggressive actions towards migrants.

This paper aims to analyze dangerous waters metaphor used in Bosnian-Herzegovinian, British and American news discourse on Refugee crisis. The central intent is to show to what extent the analyzed metaphors reflect different positions of migrants in the three countries. Developed countries have made a significant progress when it comes to human rights and righteous treatment of all social groups, whereas the position of some groups of population (e. g. persons with disabilities) is still very difficult in third-world and developing countries, such as Bosnia-Herzegovina (see Imamović 2015). On the other hand, a part of Bosnian-Herzegovinian population underwent migration due to war from 1992-1995. In this respect, we believed the public would be more sympathetic towards migrants and thus media rhetoric would be (at least slightly) less negative. Our findings reveal that there are no significant differences in metaphorization of migrants in news broadcasts by the BBC, CNN and Al Jazeera Balkans in the period from September 2015 until March 2016. This means that certain metaphorical framework is pervasive and used in public discourse to support a desirable worldview and dominant ideologies. Mass media present migration as an important issue with serious social consequences. We explore how these three influential media employ metaphorical linguistic expressions such as flow, tide, wave, engulf, flood to instil fear and uncertainty by presenting migrants as a destructive force. The first aim of the paper is a contrastive analysis of metaphorical linguistic expressions from water domain in Bosnian-Herzegovinian, American and British media, and the second is a three-dimensional analysis of conceptual metaphors: linguistic, conceptual and communicative levels (Steen 2007, 2008; Steen et. al. 2010). Migration metaphors in news discourse can have serious consequences on the policies designed to respond to migration and can impact on actions towards migrants in real life. Our critical analysis focuses on the use of dangerous waters metaphor as we aim to describe its ideological background. 

The following section will present the corpora and discuss methodological approaches. The results of the analysis of metaphors identified in news from CNN, BBC and Al Jazeera Balkans will be presented in the third section. The findings of this quantitative analysis will be discussed in section four.

2.   Methodology

The corpus in this study includes articles about Refugee crisis retrieved from official websites of three news channels: BBC, CNN and Al Jazeera Balkans. It is comparable in type (news on migrants and migration), time frame (all published from September 2015 until March 2016), and size (American English: 24 898 words; British English: 25 668 words; Bosnian/Croatian/ Serbian:[1] 25 751 words).

Metaphor Identification Procedure (MIP), formed by the Pragglejaz Group (2007), is the methodological basis of this study. It involves „determining whether or not each lexical unit in the discourse is used metaphorically in a particular context“, which is done „by comparing the contextual and the basic meaning of the word, refering to contemporary dictionaries in order to avoid bias and reliance on intuition of native speakers and individual analysts“ (Pragglejaz Group 2007: 3). We employed an improved version of the linguistic metaphor identification procedure (MIPVU), developed by a group of metaphor analysts from Vrije University Amsterdam.[2] MIPVU consists of several precisely defined steps presented in Steen et al. (2010: 25-26).

Pragglejaz group (2007) advocates a bottom-up approach in metaphor analysis without presupposing certain conceptual metaphors.[3] We comply with the bottom-up approach and derive conceptual metaphors from metaphorical linguistic expressions that have been previously identified. Steen et al. (2010: 8) advocate this method of analysing metaphors in use, and introduce so-called methodological separation between the identification of the linguistic forms of metaphor and determining its conceptual structure. In other words, the identification of linguistic metaphors using MIPVU serves as the basis for determining the conceptual metaphors using the Five-step method.[4] This methodological separation is advocated in other studies, e. g. Krennmayr (2011) exploring metaphor in news discourse.

In line with the paper topic, we accounted for water metaphors related to migrants, migration, as well as countries that receive migrants. The first step involves the collection of news texts, which are downloaded from the Internet; the second step includes isolation of full sentences containing expressions from water domain but which are related to migration; MIPVU is applied to the excerpted sentences, which then become the primary material for further study of metaphor on a conceptual level. Thus, we only departed from the MIP and MIPVU procedure in that we did not include for the analysis each metaphor found in the corpora as prescribed by the procedure, but selected only metaphorical linguistic expressions belonging to water domain. During the corpus annotation, the following dictionaries have been consulted: MacMillan Online Dictionary, Collins Cobuild Online Dictionary, Rječnik bosanskoga jezika in volumes (Jahić 2010), Rječnik bosanskoga jezika (Halilović/ Palić/Šehović 2010).

3.   Research results

Quantitative analysis in this study is twofold. First, the identified metaphoric linguistic metaphors from WATER domain were examined  in terms of parts of speech (see 3. 1). Second, the identified linguistic metaphors were classified according to Steen's three-dimensional model of metaphor analysis (Steen 2008; 2011), whereby we provided detailed comments on statistical findings and what these indicate (see 3. 2).  

3.1     Word classes

Previous studies[5] of metaphor in discourse examine metaphorical linguistic expressions in terms of word classes.[6] It has been established that the percentage of a certain word class depends on the communicative purpose of a particular register (e. g. the purpose of news is to inform and evaluate; Herrmann 2013: 12). One peculiarity of our research to bear in mind is that we do not annotate the entire news collected as we hear/read it, but specific segments of news discourse i. e. those related to one particular topic (migration), which means that our results do not apply to this particular type of discourse (i. e. news) in general.

In the corpus of 50566 English words in total, we identified 80 linguistic metaphors belonging to water domain (0,158%). Out of 25751 words in B/C/S language, 65 expressions from water domain are used metaphorically (0,252%).

The most numerous metaphoric linguistic expressions in English are flow (21 example) and influx (22 examples), while wave (val) and flow (priliv, priljev) are the most common in B/C/S (31 and 29 examples respectively).

The news from Al Jazeera Balkans contain more linguistic metaphors (65 in total) than those from CNN (46) and BBC (34), but the linguistic metaphors in English are more diverse than those in B/C/S languages. Furthermore, metaphorically used expressions in English are richer regarding their morphological properties: nouns take up inflectional and/or derivational endings (influxes, inflows, trickling, outpouring, poured), nouns are combined to form compounds (bottleneck, flood-tide).

Nouns make up 94,2% of English corpus. These are followed by verbs (2,9%) and pronouns (2,9%). When it comes to B/C/S, nouns are also dominant word class (96,92%) and are followed by verbs (1,54) and adjectives (1,54).[7]

Furthermore, it is determined that 46% of nouns in the corpus is premodified by an adjective. If one has in mind that the purpose of the use of adjectives in informational registers is „to further elaborate nominal information […], since they pack information in relatively few words and structures” (see Herrmann 2013: 152), then it can be claimed that adjectives in news discourse on Refugee crisis intensify fear that is awakened in recipients by using metaphorical nouns from the semantic field of natural disaster (flood, in this particular paper). The use of adjectives is further elaborated in the section 4.

3.2     The three-dimensional metaphor analysis

According to the three-dimensional model (Steen 2008, 2011), there are three levels of metaphor analysis (linguistic, conceptual and communicative). On linguistic level, metaphors are classified as indirect, direct and implicit metaphors. On conceptual level, we distinguish between conventional and novel metaphors,[8] and deliberate and nondeliberate metaphors on communicative level. Our research focuses on the communicative level of analysis, considering migration as dangerous waters as a nondeliberate conventional metaphor aimed at promoting antimigrant ideologies. However, it was necessary to conduct a quantitative analysis at all three levels of three-dimensional model because all novel metaphors are deliberate metaphors, and all direct metaphors are actually deliberate metaphors.[9]

3.2.1   Linguistic level of analysis

The identified linguistic metaphors in news articles about Refugee crisis are classified as the indirect, direct or implicit metaphors. Indirect metaphors are analysed following guidelines in Krennmayr (2011: 51-52). Previous studies have shown that indirect metaphors make up 98% of all the metaphors in natural discourse (Steen et al. 2010; Steen 2009a: 185). Our research has also confirmed that the mapping between domains is most often manifested in the form of indirect metaphor. Statistically speaking, the corpus contains 143 indirect metaphors (98,62%) and 2 implicit metaphors (1.38%).[10] Direct metaphors, which are defined as direct expressions (other forms of metaphor such as simile, analogy, and so on)“ (Steen et al. 2010: 21), are not identified in the corpus.

When it comes to implicit metaphors, defined as „implicit expressions (by substitution and ellipsis)“ (Steen et al. 2010: 21),  this form of potential cross-domain mapping is described in detail in Steen et al. (2010: 39-40) and Krennmayr (2011: 59-60). The corpus in B/C/S does not contain implicit metaphors, while two implicit metaphors have been identified in English. In the following sentences, pronouns it refer to metaphorical expressions bottleneck and influx.

(1)  To get an idea of what a bottleneck could do as the human tide crashes into it: Last week alone, before the measures were announced, 7,286 refugees crossed from Greece into Macedonia, the International Organization for Migration said. (CNN1)[11]

(2)  Last year a record 1.1 million people sought asylum in Germany - and while politicians have been busy arguing over how best to deal with the influx of migrants, others have been making money out of it. (BBC1)

3.2.2 Conceptual level of analysis

This segment of the analysis refers to establishing conventionality of linguistic metaphors. In this respect, we checked whether collected metaphorical linguistic expressions entered dictionaries. If these expressions have not been verified in at least one dictionary, they are marked as unconventional (i. e. novel) linguistic metaphors, since these participate in the creation of new mappings between conceptual domains. Therefore, conventional metaphors are based on conventional mappings between conceptual domains, while original mappings between two domains are the basis of novel metaphors (Steen 2008: 215). Migration as dangerous waters is a conventional conceptual metaphor and is realized through the use of conventional metaphoric linguistic expressions, i. e. conventional linguistic metaphors.

3.2.3 Communicative level of analysis

On communicative level, we distinguish between deliberate and non-deliberate metaphors. Deliberate metaphors are found in several linguistic forms and conceptual structures, serving several communicative functions (see Steen 2009a: 183). We highlight the fact that all of these „diverging forms of deliberate metaphor“ (Steen 2009a: 183) have a crucial property of a sender asking the addressee „to change perspective and intentionally look at something in terms of something else“ (ibid.). Deliberate metaphors are typically novel and direct, but they can also be conventional and indirect (Steen 2010: 17). Deliberate metaphors are identified using the protocol for deliberate metaphor identification (IDEM) proposed by Krennmayr (2011: 154-155).[12]

Non-deliberate metaphors are neither direct nor novel (Steen 2011: 40). We remind that our main claim is that dangerous waters metaphor is indirect, conventional and nondeliberate metaphor. Metaphoric expressions in the corpus are not novel, expressed directly, nor signalled either by a simile or any other signalling device (e. g. quotation marks; see Herrmann 2013: 67-68; Semino 2008; Darian 2000: 181). Yet, there are other features that make the recipient aware of the intended metaphorical usage of an expression: metaphorical expressions from water domain all appear close together in the individual articles and elicit rhetorical effect of persuasion in media discourse.

Apart from metaphorical linguistic expressions, migration discourse abounds with lexemes from the same semantic field, i. e. a single sentence (and a paragraph, in particular) contains several metaphorical linguistic expressions from water domain as well as non-metaphorical expressions from the semantic field of water. In the following sentence, surging and flowing are used non-figuratively to describe an actual river:

(3)  Two weeks ago, hundreds of people were stopped by Macedonian troops after crossing a surging river on the border. Bypassing the regular crossing, they tried to wade through the swift-flowing water, clinging to a rope strung between the banks.[13]

The same article, however, contains linguistic expressions from water domain, which are used figuratively, e. g. wave:

(4)  The wave of new arrivals appeared to be triggered by a rumour that international journalists and Red Cross officials would help them force their way across the fence into Macedonia, a young Syrian refugee told the Athens News Agency.[14]

When a metaphorical expression is surrounded with expressions from the same semantic field, a  stimulating context is created and the expressions used elicit rhethorical effects (notably persuasion). Kainz and Petersson (2016: 5) explain how „[I]nfluential metaphors can often lie dormant to be triggered into more active use when contextual factors prompt them to.“ In the following section, we discuss how migration-related metaphorical expressions are used for ideological purposes in media discourse, their strength lying in the repetition of certain implicit associations, which then intensifies the ideological content.

4.   Discussion

Having in mind the nature of metaphor (its inherent properties such as partial mappings, highlighting and hiding; see Lakoff and Johnson 1980), it is a perfect tool for „prompting people to think in a desired way“ (Kainz and Petersson 2016: 4) since it „acts as a filter that lets through or even reinforces information, which is congruous with the metaphor and hinders discrepant information“ (ibid.). Our claim is that disregard of facts reinforces certain worldviews and attitudes, which then turn into common sense through a persistent use of naturalized metaphors, which present migration in a negative light.

As our research showed, migration as dangerous waters is neither direct nor novel, i. e. it is neither actively signalled nor conspicuous, and thus is taken for granted. The fact that migration as dangerous waters metaphor is realized as indirect and conventional indicates that it is naturalized to the extent that it usually passes unnoticed as in the following examples:

(5) But it was along this highway linking Budapest to Vienna that the flow of humanity saw a flood of compassion. (CNN2)

(6)  The video defies explanation. A Hungarian camerawoman, documenting the wave of desperate migrants sprinting from a holding camp, sees a man running with a child in his arms. (CNN3)

These messages (the flow of humanity; the wave of desperate migrants) sound as they are aimed at awakening recipients' compassion, but the metaphoric linguistic expressions from water domain (in this particular case, wave, flow and flood) operate ideologically in migration discourse. Kainz and Petersson (2016: 1) remind us that Reynolds’ study (2015) revealed newspaper articles seemingly use metaphors in neutral terms but in ways in which their connotations still may be negative and imply danger or harm to the depicted groups.

Furthermore, Hart (2011b: 271) detected naturalized ideological patterns in migration discourse, where text-producers choose certain structural properties „as to convey a particular conceptualization of a scene“, which means there are linguistic structures in a text that „reflect the text-producer’s own conception of reality (or at least one they wish to promote in order to effect ideological discursive strategies).“ His study is based on force-dynamic system, which „concerns the way in which objects are conceived to interact with respect to the exertion of force, resistance to force, the overcoming of such resistance, barriers to the exertion of force and the removal of such barriers“ (id.: 273). Hart (2011b: 274) claims that „any force-dynamic representation in discourse on immigration is therefore inherently ideological“.

Certain findings from Hart’s (2011b) study have been used in this paper in order to point to similar patterns in our corpus. Since our research combines Critical Discourse Analysis and Conceptual Metaphor Theory, this analytical framework is used to point to certain ideological qualities of conceptualization of migrants in news discourse.

The analysis revealed that 4,5% of nouns in the corpus are in their plural form:

(7)  In addition, the U.S. tolerance of the divisive Nuri al-Maliki government allowed the poison to spread into Iraq, and Iraqis are now joining the flows of Syrian refugees in the hundreds of thousands. (CNN4)

(8)  Of course, in the current crisis, we are protected by geography from the huge inflows of refugees arriving directly to the neighboring countries and to Europe to seek asylum. (CNN4)

(9)  We can at least manage a fraction of that for Syrians and Iraqis -- to say nothing of the continuing refugee outflows from Afghanistan -- who are among the largest groups seeking asylum in Europe. (CNN4)

(10)       „Nismo zemlja koja u datom trenutku ne može biti solidarna ali u ovom trenutku tražimo od njih da zaustave priljeve koji se događaju u zemljama koje ovo dopuštaju“, izjavio je novinarima u subotu Ostojić na željezničkom kolodvoru u Tovarniku. [„We are not a country that can not be in solidarity at the given moment, but at this point we are asking them to stop inflows happening in countries that allow this,“ Ostojić told reporters on Saturday at Tovarnik railway station.] (Al Jazeera1)

(11)       Pritom je upozorio da se mogu očekivati novi valovi izbjeglica, zbog čega treba naći zajedničko rješenje situacije na razini Europske unije. [At the same time, he warned that new waves of refugees could be expected, which is why a common solution of the situation should be found at EU level.] (Al Jazeera1)

Thus, there is a constant reminder that refugees come in large numbers and/ or groups. This revives the fear in public, as a country which receives migrants is presented metaphorically as a pressurized container. Migrants are presented as a force (in our case, as a natural force i. e. water) which endangers the country which receives migrants. There is an inner pressure from large numbers that 'pour' into the country, as well as an outer pressure to an already full container. This leads to instinctive opposition to new arrivals. The ideological implications of container metaphor are presented in Hart (2011a: 183), among others.

Analysis of the use of adjectives reveals that migration is presented as either repetitive or permanent threat by water. In the following examples, the threat by water is constant:

(12)       We can at least manage a fraction of that for Syrians and Iraqis -- to say nothing of the continuing refugee outflows from Afghanistan -- who are among the largest groups seeking asylum in Europe. (CNN4)

(13)       He added: „We know clearly that after the Cologne incidents that with the continuous flow, not only to Germany but the countries of Northern Europe, Austria, the Balkans are confronted with this influx, that's why we need to find practical solutions for our borders.“ (BBC2)

There is seldom only one wave, as evident from the use of new, second, another, first:

(14)       Odgovarajući članovima Odbora za vanjsku politiku na pitanje kako će Slovenija reagirati u slučaju dolaska novog vala izbjeglica na njene granice, Erjavec je rekao da je to njegovo privatno mišljenje, a ne službeni stav Vlade. [Responding to the members of the Foreign Policy Committee on how Slovenia will react if a new wave of refugees arrives at its borders, Erjavec said that this was his private opinion, not the official position of the government.] (Al Jazeera2)

(15)       O mogućem drugom izbjegličkom valu u utorak je bilo riječi i na Vijeću za nacionalnu odbranu, koje je sazvao premijer Miro Cerar, a zaključeno je da se nastavi s pripremama na eventualni dolazak većeg broja izbjeglica i migranata u Sloveniju koji bi bili samo u tranzitu, zbog čega je sagrađen izbjeglički kamp u Šentilju, uz granicu s Austrijom. [Another possible refugee wave was discussed on Tuesday at the National Defense Council, which was summoned by Prime Minister Miro Cerar, and it was decided to continue preparations for the  possible arrival of a larger number of refugees and migrants in Slovenia – who would only be in transit, because of which a refugee camp in Šentilj, along the border with Austria, was built.] (Al Jazeera2)

(16)       Bivši slovenski premijer Janez Janša je rekao kako je prvi izbjeglički val kroz Sloveniju krajem oktobra pokazao da država nije bila spremna na takvu situaciju. [Former Slovenian Prime Minister Janez Jansa said that the first wave of refugees across Slovenia at the end of October showed that the state was not ready for such a situation.] (Al Jazeera2)

Further analysis reveals that adjectives are also used to indicate large quantity and massiveness (a massive wave or influx; a(n) big/the biggest/massive/ increased inflow):

(17)       The massive wave of people is already starting to back up at the Greek border. (CNN1)

(18)       Europe is struggling to respond to the massive influx of migrants. (CNN5)

(19)       Uprkos pritisku koji je uzrokovao tako veliki priliv, Švedska je uspjela obraditi zahtjeve većeg broja izbjeglica po glavi stanovnika nego bilo koja druga država u Evropi - više u dvosedmičnom periodu nego što je Velika Britanija pristala primiti u narednih pet godina. [Despite the pressure caused by such a large inflow, Sweden has managed to process the demands of a larger number of refugees per capita than any other country in Europe - more in the two-year period than the United Kingdom agreed to receive in the next five years.] (Al Jazeera3)

(20)       Vlada Slovenije je o scenariju povećanog priliva izbjeglica raspravljala u ponedjeljak navečer na vanrednoj sjednici, prije koje je ministar vanjskih poslova Karl Erjavec upozorio na velik izbjeglički val od približno 30.000 ljudi, koji se kreće iz Grčke. [The Slovenian government discussed the scenario of increased refugee inflow on Monday evening at an emergency session, before which Foreign Minister Karl Erjavec warned of a large refugee wave of approximately 30,000 people moving from Greece.] (Al Jazeera4)

New arrivals pose a threat to a society, as the incoming water force is metaphorically portrayed as fatal, haphazardous, dangerous:

(21)       This fatal flood-tide of human jetsam, surging haphazardly across the Mediterranean, has not suddenly materialized out of nowhere. (CNN6)

(22)       Critics warned the move -- which flies in the face of calls for a united European approach to the migrant crisis, with all countries sharing the burden -- would create a dangerous bottleneck in Greece, as the flow of migrants there from Turkey continued unabated. (CNN7)


 

Those arrivals increase both in number and speed:

(23)       The move has created a rapidly growing bottleneck of migrants in Greece, a country facing severe financial hardships, as the flow of people there from Turkey continues unabated. (CNN8)

(24)       A migrant bottleneck has built up on the Greece-Macedonia border since Macedonia put up a razor-wire fence at the Gevgelija-Idomeni border crossing. (BBC3)

(25)       A bottleneck of migrants has been rapidly building in Greece as countries along the main land route into Europe have all but closed their doors, but the stream of people through neighboring Turkey has continued unabated. (CNN9)

Often, we witness statements about the futility in combating the coming water (the flow is unabated):

(26)       The move has created a rapidly growing bottleneck of migrants in Greece, a country facing severe financial hardships, as the flow of people there from Turkey continues unabated. (CNN5)

(27)       Critics warned the move -- which flies in the face of calls for a united European approach to the migrant crisis, with all countries sharing the burden -- would create a dangerous bottleneck in Greece, as the flow of migrants there from Turkey continued unabated. (CNN7)

Adjectives in the corpus reveal that news producers present migration as unsystematic and disorderly phenomenon:

(28)       U nacrtu piše kako će lideri EU-a navesti da se „neregularan priliv migranata duž zapadnobalkanske rute bliži kraju - ta ruta je sada zatvorena“. [The draft states that EU leaders would point out that „irregular influx of migrants along the Western Balkan route is nearing completion – that route is now closed“.] (Al Jazeera5)

(29)       „Ograde će biti postavljene zbog usmjeravanja ljudi na granicama. Ponavljam - Slovenija ne zatvara granice, ali želimo zaustaviti nekontrolirani priliv izbjeglica u našu zemlju“, kazao je. [„The fences will be set for directing the people on the borders. I repeat - Slovenia does not close the borders, but we want to stop the uncontrolled inflow of refugees into our country,“ he said.] (Al Jazeera4)


 

(30)       „Kako namjeravaju zaštititi naše granice od nekontroliranog priljeva tisuća ljudi koji, u tom slučaju, neće imati gdje dalje ići? Moja dužnost je štititi stabilnost države i brinuti o nacionalnoj sigurnosti. Voljela bih da izbjegnemo gradnju ograde, međutim, u budućnosti ja ne vidim kako se drugačije zaštititi“, zaključila je ona. [„How do they intend to protect our borders from the uncontrolled influx of thousands of people who, in that case, will not have where to go any further? My duty is to protect the stability of the state and to take care of national security. I would like to avoid building the fence, however, in the future I do not see how to protect it differently,“ she concluded.] (Al Jazeera2)

Obviously, inability to secure national borders would fail to ensure control over social change:

(31)       But at the same time Germany has been quietly undergoing a radical transformation with another influx of people from closer to home. (BBC5)

Migration poses a threat to an orderly society and brings negative social consequences, such as sparking tensions, creating division, inspiring sharp public exchanges and causing serious incidents:

(32)       Correspondents say the influx has contributed to the popularity of the far right in Austria, sparking tensions in the governing coalition. (BBC4)

(33)       More than a million migrants and refugees crossed into Europe in 2015, sparking a crisis as countries struggle to cope with the influx, and creating division in the EU over how best to deal with resettling people. (BBC6)

(34)       The bottleneck in Greece, caused by border restrictions further north in the Balkans, has already provoked some sharp public exchanges. Thousands of refugees and migrants are stranded. (BBC3)

(35)       Dodao je i da se, ukoliko se želi zaustaviti migrantski val, treba dogovoriti jedinstvena europska politika jer svaka jednostrana odluka može izazvati ozbiljne incidente. [He also added that, if the wave of migration is to be halted, a single European policy should be agreed, since any one-sided decision can cause serious incidents.] (Al Jazeera6)


 

Tensions increase under the impact of rasist political comments, as well:

(36)       The conservative Hungarian Prime Minister Viktor Orban has said Europe's Christian heritage is under threat because most of the migrants are Muslims. He accused Germany of encouraging the influx by welcoming so many migrants. (BBC3)

As negative implications of waves of refugees prevail in newspaper discourse, individuals try to take matters in ther own hands:

(37)       While Europe's politicians flounder in the face of an unprecedented wave of refugees and migrants seeking shelter -- many of them from war-torn Syria -- some individuals have decided to take matters into their own hands. (CNN10)

The following is an example of media blaming authorities for non-prevention:

(38)       Last year migrants poured into Austria from Hungary, en route to southern Germany. The authorities did not push them back. (BBC3)

Obviously, water metaphors „tend to legitimize restrictive political actions“ (Kainz and Petersson 2016: 17) and because of the announcement of a large refugee wave, additional measures to control the refugee stream are acceptable:

(39)       Vlada je saopćila da su, zbog najave velikog izbjegličkog vala, koji bi do Slovenije mogao doći sredinom sedmice, prihvaćene dodatne mjere za kontrolu izbjegličkog toka i zaštitu južne šengenske granice, a koje se, prema potrebi, mogu odmah aktivirati. [The government stated that, due to the announcement of a large-scale refugee wave, which could reach Slovenia by mid-week, additional measures to control refugee flows and the protection of the southern Schengen border were adopted and can be activated immediately.] (Al Jazeera4)

Thus, Bosnian-Herzegovinian media report that the EU countries even sacrifice common interests in order to protect national interests: 

(40)       Zbog velikog priljeva izbjeglica europske su se zemlje našle pod golemim pritiskom i, u nedostatku zajedničkog rješenja, počele su donositi individualne mjere koje su ozbiljno uzdrmale šengenski prostor, jedno od najvećih europskih postignuća. [Due to the large influx of refugees, European countries found themselves under enormous pressure and, failing a common solution, they began to adopt individual measures that have seriously shaken the Schengen area, one of the biggest European achievements.] (Al Jazeera7)

By employing water metaphor (a metaphorical linguistic expression often intensified by a descriptive adjective), the focus is often removed from migrants' countries of origin, whilst a crisis in Europe is emphazised:

(41)       Most of the estimated 1.1 million migrants who reached the EU last year – a record influx – fled the fighting in Syria, Iraq and Afghanistan. (BBC7)

(42)       Of course, in the current crisis, we are protected by geography from the huge inflows of refugees arriving directly to the neighboring countries and to Europe to seek asylum. (CNN4)

(43)       Davutoğlu je rekao da će se priliv izbjeglica smanjiti ukoliko se održi primirje u Siriji, ali je naglasio da se ne može očekivati da Turska i Grčka same nose teret izbjegličke krize. [Davutoğlu has said that refugee influx will be reduced if the truce in Syria is maintained, but stressed that Turkey and Greece cannot be expected to bear the burden of a refugee crisis.] (Al Jazeera8)

Presented this way, it can be concluded that migration brings division, i. e. it leaves negative effects upon social unity:

(44)       The sheer numbers flooding across the Mediterranean, the harrowing images of children drowned at sea and of desperate families scrambling to board trains, have divided people and governments in Europe, young and old (though not always how one might expect) and east from west. (CNN11)

(45)       EU se muči pronaći zajednički pristup rješavanju vala migranata i izbjeglica koji bježe od sukoba i siromaštva na Bliskom istoku, u Africi i Aziji. [The EU is struggling to find a common approach to solving the wave of migrants and refugees fleeing conflict and poverty in the Middle East, Africa and Asia.] (Al Jazeera9)

Although it is emphasised that water metaphor implies that people are „powerless in the face of nature’s whims“ (Kainz and Petersson 2016: 17), the concept of prevention is integral to anti-immigration discourse (see Hart 2011b: 278), and thus expressions like block and stop are used. In migration discourse, mechanisms to combat migration are conceptualized as stopping, reducing and/or diverting massive water flows. We have identified the following expressions related to the control of migration. Not all of these are used metaphorically, however.

a) stop

(46)       Hungary followed close behind with 1,508 per 100,000, despite having closed its border with Croatia in an attempt to stop the flow in October. (BBC6)

(47)       But Dr Haber emphasised that, to be effective, all EU partners needed to work together to stop the flow of people to Europe. (BBC8)

b) control

(48)       EU countries hope Turkey will help to control the flow of migrants reaching the EU from Syria and other conflict zones. (BBC7)

c) slow

(49)       Greece is trying to slow the flow to its northern border, to prevent a build-up of people there. (BBC10)

(50)       The flashpoint comes just days after a meeting in Vienna last week at which ministers from countries along the main Balkan migration through Europe -- Austria, Slovenia, Croatia, Serbia and Macedonia -- agreed to tighten border controls to slow arrivals to a trickle. (CNN7)

d) limit

(51)       Denmark has also faced criticism this week after approving legislation to seize the valuables of refugees in the hope of limiting the influx of migrants. (BBC11)

(52)       On Wednesday, representatives from 10 Balkan states attended talks in Austria and agreed to co-ordinate action to limit the flow of migrants. (BBC12)

e) stem

(53)       Winter has not stemmed the flow of people - with 54,518 people reaching Europe by sea since the start of 2016. (BBC6)

(54)       Historic tension between Greece and Turkey makes the Aegean operation to stem the migrant flow difficult - as does Turkey's long, zig-zagging coastline. (BBC3)

(55)       This year, Germany, Austria, Sweden, Hungary and other countries put temporary border controls in place to stem the influx of refugees who have streamed across the Mediterranean. (CNN12)

f) curb

(56)       Germany is expanding its list of safe countries of return, hoping to curb the influx. (BBC13)

(57)       On 3 February the EU approved an extra €3bn to help Turkey improve conditions for refugees and curb the flow to the EU. (BBC14)

g) stymie

(58)       Hungary, a signatory to the 1951 Refugee Convention aimed at protecting refugees, has come under criticism for its handling of migrants and for erecting a razor-wire fence to stymie the flow. (CNN3)

h) dent

(59)       This may have led to greater apprehension of smugglers -- but it's done nothing to dent the tide of people heading north. (CNN11)

When it comes to B/C/S languages, there are no significant variations in the conceptualization of mechanisms for coping with migration. The fact is, though, that English expressions are more diverse than these in B/C/S:

a) zaustaviti (English equivalent: stop)

(60)       Na tom su susretu Unija i Turska postigli sporazum o akcijskom planu, prema kojem će Turska dobiti financijsku pomoć od tri milijarde eura, a zauzvrat će pomoći zaustavljanju izbjegličkog vala prema Europi. [At that meeting, the EU and Turkey have reached an agreement on the action plan, according to which Turkey will receive financial aid of three billion euros, and in turn, it will help to stop the refugee wave towards Europe.] (Al Jazeera7)

(61)       Dodao je i da se, ukoliko se želi zaustaviti migrantski val, treba dogovoriti jedinstvena europska politika jer svaka jednostrana odluka može izazvati ozbiljne incidente. [He also added that, if the wave of migration is to be stopped, a single European policy should be agreed, since any one-sided decision can cause serious incidents.] (Al Jazeera6)

(62)       Većina političara sa Zapada Orbana je osudila i izolirala, a tek rijetki su bili iskreni poput Guntera Verheugena, nekadašnjeg potpredsjednika Europske komisije i utjecajnoga njemačkog socijaldemokrata, koji je priznao da „Orban obavlja prljav posao“ za Europu, odnosno prije svega za Njemačku, te da on radi ono što se od njega tražilo – da zaustavi val izbjeglica koji se slijeva u Njemačku. [Most Western politicians condemned and isolated Orban, and few were honest like Gunter Verheugen, former vice president of the European Commission and influential German Social Democrat, who admitted that „Orban was doing a dirty job“ for Europe and, above all, for Germany, and that he is doing what he was asked to do - to stop a wave of refugees pouring into Germany.] (Al Jazeera10)

b) smanjiti (English equvalent: decrease)

(63)       Ministrima policije i pravde su se kasnije pridružili ministri vanjskih poslova i delegacije balkanskih zemalja, Turske, Jordana i Libana, radi razgovora o smanjenju priliva izbjeglica koji je podijelio članice EU oko pitanja kako osigurati vanjske granice Unije i podijeliti teret prihvata izbjeglica. [Foreign ministers and delegations of the Balkan countries, Turkey, Jordan and Lebanon later joined and Justice ministers and Ministers of the Interior to discuss the decrease of refugee inflows that divided the EU members on issues of how to secure the Union's external borders and share the burden of refugee acceptance.] (Al Jazeera11)

(64)       Prethodno je Austrija uvela detaljniju kontrolu na granici nastojeći smanjiti priliv izbjeglica na svoj teritorij, istovremeno jasno stavljajući do znanja da one neće biti vraćane natrag u Mađarsku. [Previously, Austria introduced more thorough border control, trying to decrease the influx of refugees into its territory, while clearly pointing out that they will not be returned to Hungary.] (Al Jazeera12)

c) usporiti (to slow down)

(65)       Lideri EU-a će na sastanku u Briselu nastojati i da povećaju pomoć Grčkoj, a pokušat će i uvjeriti turskog premijera da uspori priliv sirijskih izbjeglica i prihvati hiljade onih koji ne ispunjavaju uvjete za dobijanje azila, javila je agencija AP, pozivajući se na nacrt saopćenja u koji je imala uvid. [EU leaders will also seek to increase assistance to Greece at a Brussels summit and will try to persuade the Turkish prime minister to slow down the influx of Syrian refugees and accept the thousands of those who are not eligible for asylum, AP stated relying on the announcement draft in which they had insight.] (Al Jazeera5)

(66)       Njegovi suradnici govore o tome kako se oni pridržavaju politike kancelarke Merkel, ali za razliku od Mađara, nad kojima se oficijelna politika u Njemačkoj snebiva, ali koji ostvaruju njemačke interese, hrvatska politika ne radi svoj dio posla u „usporavanju“ izbjegličkog vala. [His associates talk about how they adhere to Chancellor Merkel's policies, but unlike the Hungarians over which German official politics is offended, but who exercise German interests, Croatian politics does not do its part in slowing down the refugee wave.] (Al Jazeera10)

d) kontrolisati (to control)

(67)       Muzalas je rekao da se njegova država našla pod „intenzivnim pritiskom nekih država članica Evropske unije koje pogrešno vjeruju da priliv izbjeglica može da bude kontroliran iz Grčke“, prenio je AP. [Muzalas said his country was „under the intense pressure from some European Union member states which misbelieve that refugee inflow could be controlled from Greece,“ AP reported.] (Al Jazeera13)

(68)       „Stoga, ukoliko priliv (izbjeglica) ne bude kontroliran u Turskoj, sa obale Turske, nemoguće je kontrolirati priliv iz Grčke ili bilo koje druge članice EU-a“, dodao je Muzalas. [„Therefore, if the inflow (of refugee) is not controlled in Turkey, from the coast of Turkey, it is impossible to control inflow from Greece or any other EU member," Muzalas added.] (Al Jazeera13)

e) (pre)usmjeriti  (English Equivalent: (re)direct)

(69)       „Veoma humano, ali zašto se to usmjerava prema Bugarskoj? Koji su razlozi za to? Da li je to zato što se izbjeglički val još uvijek ne preusmjerava na pravac Turska - Bugarska - Rumunija i dalje, ili je zbog toga da Centar mora na neki način opravdati svoje postojanje?“, rekao je Kazakov. [„It is very humane, but why is it directed towards Bulgaria? What are the reasons for that? Is it because the refugee wave is still not redirected to the Turkey-Bulgaria-Romania-onwards route, or is it because the Center has to justify its existence in a way?“ said Kazakov.] (Al Jazeera14)

(70)       Cerar je nakon summita u Bruxellesu izjavio da će i Slovenija morati poduzeti odgovarajuće mjere ako Mađarska zatvori granicu s Hrvatskom za migrante, što bi dovelo do usmjeravanja migrantskog vala prema Sloveniji. [After the summit in Brussels, Cerar said that Slovenia would also need to take the appropriate measures if Hungary closes the border with Croatia for migrants, which would result in redirection of migration wave towards Slovenia.] (Al Jazeera15)

f) regulirati (to regulate)

(71)       „Ne radi se o obilježavanju granice nego reguliranju migracijskog toka, o čemu smo obavijestili arbitražni sud i sve ostale“, kazao je  također Šefic, prenosi Slovenska tiskovna agencija STA. [„It is not about marking the border but regulating the migration flow, of which we have informed the arbitral tribunal and all the others,“ Šefic also said, according to the Slovenian news agency STA.] (Al Jazeera4)

g) skrenuti (to curb)

(72)       Iako je izrazio neodobravanje za Orbanovu politiku prema izbjeglicama, Cerar je kazao da će Slovenija, ako Mađarska zatvori granicu s Hrvatskom, što može izbjeglički val skrenuti prema Sloveniji, morati reagirati kao i prošlog mjeseca, kad je kroz nju prema Austriji i Njemačkoj iz Hrvatske u tranzitu prošlo skoro 4.000 ljudi. [Although he expressed disapproval of Orban’s policy towards refugees, Cerar said that – if Hungary closes the border with Croatia, which could curb a refugee wave towards Slovenia – Slovenia would have to react like last month, when almost 4,000 people passed through it towards Austria and Germany from Croatia.] (Al Jazeera15)

For overlap and equivalency between the use of these mechanisms in English and B/C/S see Appendix 1. When it comes to migration prevention, the word 'zaustaviti' ('to stop', 'to stem') is the most common expression in B/C/S. According to Hart (2011b: 278), the verbs 'block' and 'stop' indicate a physical force encounter between the two entities, which actually is not only a discourse strategy if one keeps in mind that barbed wires are used as obstacles in real life:

(73)       „Kako namjeravaju zaštititi naše granice od nekontroliranog priljeva tisuća ljudi, koji, u tom slučaju, neće imati gdje dalje ići? Moja dužnost je štititi stabilnost države i brinuti o nacionalnoj sigurnosti. Voljela bih da izbjegnemo gradnju ograde, međutim, u budućnosti ja ne vidim kako se drugačije zaštititi“, zaključila je ona. [„How do you intend to protect our borders from the uncontrolled influx of thousands of people, who in that case will not have where to go anymore? My duty is to protect the stability of the state and to take care of national security. I would like to avoid building the fence, however, I do not see how to protect oneselves in any other way in the future,“ she concluded.] (Al Jazeera16)

(74)       „Ograde će biti postavljene zbog usmjeravanja ljudi na granicama. Ponavljam – Slovenija ne zatvara granice, ali želimo zaustaviti nekontrolirani priliv izbjeglica u našu zemlju“, kazao je. [“The fences will be set for directing people at the borders. I repeat - Slovenia is not closing the borders, but we want to stop the uncontrolled influx of refugees into our country,” he said.] (Al Jazeera4)

This leads to a conclusion that metaphor use is not just a matter of rhetorics, but that this particular word choice actually depicts a reality where migrants are prevented from entering countries they come to by physical obstacles.

At the Balkans, the Refugee Crisis is perceived to be one of the three key problems that the EU faces (Drašković et al. 2016: 20) – the other two being terrorism and Brexit, which are again often discussed within migration discourse, as well. It is worth noting that Bosnian-Herzegovinian media write about unequal relationship between European countries, when Croatia allegedly tried to force Serbia to re-direct at least a part of the refugee wave towards Hungary:

(75)       Naime, nakon preusmjeravanja izbjegličkog vala, Mađarska je ponovno otvorila svoje granice sa Srbijom, a Hrvatska je zatvaranjem prometa za Srbiju sa svog teritorija pokušala primorati tu državu da ponovno preusmjeri barem dio tog izbjegličkog vala prema Mađarskoj. [However, after redirecting the refugee wave, Hungary re-opened its borders with Serbia, and Croatia was trying to oblige Serbia to redirect again at least part of that refugee wave towards Hungary by closing its traffic to Serbia from its territory.] (Al Jazeera17)

What is more important, Bosnian–Herzegovinian media reinforce tensions in domestic politics claiming that migration may negatively affect „fragile social and state institutions of Bosnia and Herzegovina and the already strained entity and inter-ethnic relations”:

(76)       Europsku uniju kao da se ne tiče kakve bi posljedice ostavio preusmjereni val migracije na fragilne društvene i državne institucije Bosne i Hercegovine te ionako zategnute entitetske i međunacionalne odnose. [It is as if the EU is not concerned by the possible consequences of a sredirected wave of migration to the fragile social and state institutions of Bosnia and Herzegovina, and the already tense entity and inter-ethnic relations.] (Al Jazeera10)

Reports on Refugee Crisis in Bosnian-Herzegovinian news discourse may be classified within four interpretational frameworks: refugees are dangerous and violent; Arrival of refugees in large numbers threatens the survival of the EU; Refugees are a threat to Angela Merkel's political career; Presenting personal stories of refugees to show their „human face“ (Delić 2016: 332).

As the span of topics in which refugees appear is „limited to difficulties in integrating into society, crime, violence, cultural conflicts, conflicts with the local population, but also those in the family“ (Delić 2016: 335) it is to be expected that the public dissociates from them. Moreover, their improper behavior is often used „to highlight 'our' benevolence and civility“ (ibid.). In this respect, our hypothesis that Bosnian-Herzegovinian society would be more empathetic towards refugees was not confirmed. Although part of Bosnian-Herzegovinian population underwent migration due to war in the country's recent history (1992-1995), we believed the public would be more sympathetic towards refugees and thus media rhetoric would be (at least slightly) less negative. Evidently, the segregation to 'us and our world' and 'them and their world' (as evident in the use of lexemes 'their door' below) is inherent to anti-immigrant discourse (see e.g. Santa Ana 2002: 94).

(77)       A bottleneck of migrants has been rapidly building in Greece as countries along the main land route into Europe have all but closed their doors, but the stream of people through neighboring Turkey has continued unabated. (CNN9)

With reference to the claim that “texts are never nonideological; representation is always representation from a particular point of view“ (Wolf and Polzen­hagen 2003: 2), we offer closing remarks that follow.

5.   Conclusion

The facts that there are no direct metaphors in the corpus and that all linguistic metaphorical expressions are conventional indicate that water metaphor is a naturalized nondeliberate metaphor. There are neither original mappings between domains (novel metaphors) nor signalling devices (direct metaphors), which means there is no drawing attention to metaphors as such. Metaphor analysis revealed that B/C/S sub-corpus contains more linguistic metaphors, but those in English sub-corpus are more diverse. Expressions from the semantic field of water create the so-called stimulating context within a text for a metaphor to thrive and become a powerful tool for ideological purposes. Moreover, since the concept of dangerous water is not the only possible image to use in formulating the movement of people, the use of dangerous water metaphor is seen as an ideological tool in news discourse.

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7.   Dictionaries

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Jahić, Dževad (2010): Rječnik bosanskog jezika u tomovima. Sarajevo.

MacMillan Dictionary Online, http://www.macmillandictionary.com/


 

8.   Appendices

Appendix 1: The statistics of metaphoric linguistic expressions from water domain

Linguistic metaphors in

Sources

 

Linguistic metaphors in

Source

English

BBC

CNN

B/C/S

Al Jazeera

flow(s)

14

7

tok(ovi),

2

 

 

 

protok

1

influx(es)

14

8

priliv(i), priljev

29

Inflows

0

1

 

 

wave(s)

1

3

val(ovi)

31

surge(s)

1

1

 

0

Surging

0

1

 

0

bottleneck

3

3

usko grlo

0

poured

1

1

 

0

pouring

0

2

slijevati

1

outpouring

0

1

odljev

0

outflows

0

1

 

 

tide

0

3

plima

0

floodtide

0

1

 

 

stream

0

1

bujica

0

streamed

0

2

kretati se kao bujica

0

absorb

0

1

absorbirati

0

trickle

0

3

tanak mlaz

0

trickling

0

1

curenje, kapanje

0

flood

0

1

poplava

0

flooding

0

1

plavljenje

0

jetsam

0

1

teret potonuo ili izbačen iz broda

0

porous

0

0

propusna

1

it

1

1

ono

0

 

35

45

 

65

 

Appendix 2: The statistics of metaphorical linguistic expressions in the corpus regarding word classes

 

BBC

CNN

Al Jazeera Balkans

 

Nouns

32

37

63

132

Verbs

1

8

1

10

Adjectives

0

0

1

1

Pronouns

1

1

0

2

 

34

46

65

145

 


 

Appendix 3: The statistics of metaphors regarding the three-dimensional model of analysis

 

BBC

CNN

AJB

 

Indirect metaphors

33

45

65

143

Direct metaphors

0

0

0

0

Implicit metaphors

1

1

0

2

 

34

46

65

145

 

Appendix 4: Expressions related to dangerous waters prevention

 

ENGLISH

 

B/C/S

stop

2

zaustaviti

12

stem

5

 

 

control

2

kontrolisati

3

slow

3

usporiti

2

limit

2

ograničiti

0

curb

2

obuzdati

0

stymie

1

spriječiti, osujetiti

0

dent

1

potisnuti

0

decrease

0

smanjiti

5

(re)direct

0

(pre)usmjeriti

4

regulate

0

regulirati

1

divert

0

skrenuti

1

 


 

Appendix 5: News sources

Abbreviation

News text Headline

CNN1

Migrants flock to Europe in peak numbers, getting stuck in Greece

CNN2

Finding little welcome in Europe, refugees ask unanswerable questions

CNN3

Refugee crisis: Hungarian camerawoman trips, kicks migrants

CNN4

Why U.S. should do more for refugees

CNN5

Record number of people seek EU asylum

CNN6

Migrant crisis: West reaps what it has sow

CNN7

Clashes in migrant camps in France and Greece as tensions boil over

CNN8

Record number of people seek EU asylum

CNN9

EU chief warns economic migrants: 'Do not come to Europe'

CNN10

Making refugees welcome: Citizens of Germany, Iceland show the way

CNN11

Europeans distraught, divided as migrant crisis worsens

CNN12

Can Europe afford border controls?

BBC1

Migrant crisis: More than 10,000 children 'missing'

BBC2

Migrant crisis: EU at grave risk, warns France PM Valls

BBC3

Migrant crisis: EU and Turkey in Aegean stand-off

BBC4

Migrant crisis: Austria to slash asylum claims

BBC5

Ciao Italia! Germany's other migrant influx

BBC6

Migrant crisis: Migration to Europe explained in graphics

BBC7

Migrant Crisis: French PM Manuel Valls warns EU over influx

BBC8

Germany struggling to cope with migrant influx

BBC9

Migrant crisis: Dozens drown in shipwrecks off Greece

BBC10

Migrant crisis: Thousands stranded in Greece as borders tighten

BBC11

EU migrant crisis: Sweden may reject 80,000 asylum claims

BBC12

The problems are only mounting: analysis by Damian Grammaticas, BBC Europe correspondent, Brussels

BBC13

Migrant crisis: More than 10,000 children 'missing'

BBC14

Migrant crisis: Have EU promises been kept?, BBC

Al Jazeera1

Čelična vrata na hrvatsko-mađarskom prelazu

Al Jazeera2

Grabar-Kitarović: Gradnja ograde je realna opcija

Al Jazeera3

Švedska pred nemogućim izborom

Al Jazeera4

Hrvatska uputila protestnu notu Sloveniji

Al Jazeera5

EU potrebno vrijeme za turski plan o izbjeglicama

Al Jazeera6

Ostojić: Ne zaboravite granicu s BiH

Al Jazeera7

Nakon dogovora s Turskom moguće uklanjanje ograda

Al Jazeera8

Nema dovoljno hrane za hiljade izbjeglica

Al Jazeera9

Slovačka tuži EU zbog izbjegličkih kvota

Al Jazeera10

Europa je zakasnila

Al Jazeera11

EU dogovorila deportaciju dijela izbjeglica

Al Jazeera12

Izbjeglička golgota: Napeta situacija na balkanskim granicama

Al Jazeera13

Suzavac i pucnjava na granici Makedonije

Al Jazeera14

Bugarska pomaže izbjeglice i hapsi ilegalce

Al Jazeera15

Ostojić: Sa Slovenijom nema dogovora o planu 'C'

Al Jazeera16

Grabar-Kitarović: Gradnja ograde je realna opcija

Al Jazeera17

EU treba sankcionirati Milanovića zbog potcjenjivanja Srbije

 



[1]    Henceforth B/C/S languages.

[2]    After developing MIP with the Pragglejaz Group (2007) and improving it into MIPVU with a group of associates (Steen et al., 2010), Steen has published extensively on the methodology of metaphor identification referring to MIPVU as a whole (2007, 2008), as well as focusing on the individual segments of the procedure. Regarding this part related to the logical reconstruction of the analytical process, Steen has written on several occasions (1999, 2002, 2009b). See also Herrmann (2013) for metaphor in academic discourse, Kaal (2012) for metaphor in conversation; the most significant for our paper is Krennmayr's study (2011) on the application of MIPVU procedure for metaphor identification in newspaper discourse.

[3]    For the difference between the top-down and bottom-up approaches see Krennmayr (2011: 25). More on the bottom-up approach in Krennmayr (2008: 4). Also, Herrmann (2013: 73-74) considers the advantages and disadvantages of both approaches.

[4]    For the steps of Five-step method see Steen (2007, 2009b: 94). Steen (2011: 97) examines the connection between the five-step method and the three dimensions of metaphor in discourse.

[5]    E. g. Herrmann (2013) for academic discourse, Cameron (2003) for education discourse, Dorst (2011) for metaphors in prose, Kaal (2012) for spoken discourse.

[6]    For statistical data of Metaphor-related words Within Each Word Class in Each Register see Herrmann (2013: 137). For the three-way interaction between metaphor, register and word class see Steen et al. (2010: 194-218).

[7]    See Appendix 2.

[8]    More on conventional and novel metaphors see in Kovecses (2010). The criterion of conventionality is discussed in Lakoff (1993), Steen (2007), Charteris-Black (2011, 2004), Semino (2008).

[9]    On the interconnectedness of the three parameters (indirectness, conventionality and deliberateness) see Steen (2008, 2010), Steen (2009: 191).

[10]  See Appendix 3.

[11]  For news text sources and abbreviations see Appendix 4.

[12]  In their recent studies, metaphor analysts are working on a systematic and reliable procedure for the identification of deliberate metaphor, see Reijnierse (2015).

[13]  „Refugees rush back to Greek camp amid rumours of open border“, The Guardian, 27 March 2016.

[14]  „Refugees rush back to Greek camp amid rumours of open border“, The Guardian, 27 March 2016.

 

Frenar los flujos – Zur Funktion und Wirkweise von Metaphern des spanischen Flüchtlingsdiskurses

Kathleen Plötner

Kathleen Plötner, Potsdam (kploetne@uni-potsdam.de)

Abstract

Der vorliegende Artikel untersucht die metaphorische Konzeptualisierung von Flüchtlingen in spanischen Presseartikeln des Monats Februar 2016 – in jenem Monat schloss die Europäische Union nach monatelangen Debatten und zahlreichen politischen Alleingängen einzelner EU-Mitgliedsstaaten ein Abkommen mit der Türkei zur Regulierung der so genannten Flüchtlingsströme. Im vorliegenden Artikel werden auf Basis sprachlicher Daten aus La Razón, einer konservativen Tageszeitung, und El País, einer politisch links ausgerichteten Tageszeitung, Metaphern zur Bezeichnung von Flüchtlingen analysiert und mögliche Unterschiede in den Tageblättern, die im Zusammenhang mit deren Ausrichtung stehen können, thematisiert.


The article examines and analyses the metaphorical conceptualization of refugees in Spanish press articles from February 2016, the month in which the European Union – after months of arduous debate and unilateral political decisions – passed a law to regulate so-called migration flows and to control the external borders of the European Union. The paper investigates linguistic metaphors used to frame refugees in La Razón, a conservative daily newspaper, and in El País, a politically left-leaning daily newspaper. The aim is to reveal commonalities and differences in the linguistic representation of refugees in each periodical which may be attributed to their respective political positions.

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Jahrgang: 

Seite 133

1.      Einleitung

 

Berichte und Debatten über Migrationspolitik, u.a. Artikel zum und über den Umgang mit politischen Flüchtlingen und Kriegsflüchtlingen, zum Asylrecht, zu Entscheidungen der Bundesregierung hinsichtlich der Flüchtlingsfrage etc., sind seit nunmehr drei Jahren regelmäßiger Bestandteil der deutschen Medienberichterstattung. Insbesondere durch den Anstieg an Asylanträgen im Jahr 2014 auf 202.834 Erst- und Folgeanträge, und anschließend durch die mehr als Verdopplung an Anträgen im Jahr 2015 auf 476.649 Erst- und Folgeanträge[1] und einer so genannten Flüchtlingswelle, die kausal eng an den Begriff der Flüchtlingskrise gebunden ist, überschlugen sich die Nachrichten und Pressartikel 2015 und dann insbesondere im Jahr 2016 mit Schlagzeilen wie „Neue Flüchtlingswelle? Europa übersieht das Pulverfass Libanon“ (Hausner 2016: online) oder „Die große Furcht vor dem zweiten Flüchtlingsstrom“ (Sommerfeldt 2016: online). Anhand der Überschriften kann bereits festgestellt werden, dass das Wortfeld Natur, insbesondere die Wassermetaphorik, ein Bildspenderbereich zur Konzeptualisierung der (großen Anzahl an) Flüchtlinge(n) zu sein scheint. In Deutschland wurden im Jahr 2016, so Leubecher (03.01.2017: online), mehr Asylanträge als in allen anderen europäischen Staaten gestellt. So wurden in der EU insgesamt 988.000 Asylanträge bei entsprechenden Ämtern eingereicht, von denen rund zwei Drittel auf Deutschland entfielen. In Italien und Frankreich, die nach Deutschland Platz zwei und drei im „Ranking um Asylanträge“ einnehmen, wurden 85.000 Anträge bzw. 62.000 Anträge gestellt. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Deutschland eine Sonderstellung einnimmt.

In anderen europäischen Ländern, wie bspw. Frankreich, wurde das Thema Flüchtlinge ebenfalls – häufig sehr emotional – diskutiert. Auch hier lassen sich Lexemverbindungen wie la crise des refugiés oder la crise des migrants und l’afflux de refugiés in den Medien finden. In Spanien hingegen hat die Thematik weniger Aufmerksamkeit erhalten und andere, national wichtige Themen wie z.B. die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens und dessen Sprachpolitik[2] oder die anhaltende Wirtschaftskrise, und die damit verbundene hohe Arbeitslosigkeit, schafften es öfter im Jahr 2016 in die Schlagzeilen. Das mag zum einen an der Brisanz dieser Themen liegen, zum anderen wurden in Spanien weitaus weniger Asylanträge als in Deutschland und Frankreich gestellt[3]. Dennoch muss das Thema Flüchtlinge als europäisch relevante Problematik auch hier ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erreicht haben, was sich durch die Vielzahl an Artikeln – im vorliegenden Artikel wurde der Monat Februar 2016 betrachtet – bestätigen lässt. Der damalige spanische Innenminister Díaz (2011-2016) verglich in einem Fernsehinterview im Juli 2015 die nach Europa strömenden Flüchtlinge mit einem Wasserschaden, was darauf hindeutet, dass auch in Spanien die Wassermetaphorik in der Politik (sowie in der Medienberichterstattung) gebräuchlich zu sein scheint.

 

Es como si tuviéramos una casa, con muchas goteras, que están inundando diversas habitaciones y en lugar de taponar esas goteras lo que hacemos es distribuir el agua que cae entre distintas habitaciones. (Díaz zitiert in eldiario.es: online)

 

Im Rahmen der vorliegenden Studie interessiert der bildsprachliche Umgang mit der Flüchtlingskrise in Spanien, d.h. die metaphorische Konzeptualisierung von Flüchtlingen. Hierbei sollen zwei Fragestellungen in den Fokus gerückt werden:

I.                   Welche sprachlichen Bilder, i.e.S. Metaphern werden für Flüchtlinge gebraucht?

II.                Können Unterschiede in der bildsprachlichen Darstellung in verschiedenen Tagesblättern – einem eher linksliberalen und einem eher konservativ ausgerichteten – festgestellt werden?

In der vorliegenden Studie wurden online-zugängliche Presseartikel aus dem Jahr 2016 (Monat Februar) aus La Razón und El País zur Metaphernanalyse ausgewählt. Die Bestimmung der sprachlichen Metaphern (in Abgrenzung zum wörtlichen Gebrauch von Lexemen und Lexien) erfolgt auf Basis von linguistischen Kriterien, die unter Abschnitt 2 erläutert werden. Es handelt sich bei der vorliegenden Studie um eine qualitative Arbeit, die an Müllers Ergebnisse aus dem Jahr 2016 anschließt, die in ihrer Arbeit durch den Vergleich von je vier Artikeln aus La Razón und El País aus den Monaten Januar bis März 2016 die Flüchtlingsdebatte in Spanien untersucht hat. Die Ergebnisse ihrer Arbeit, die unter Abschnitt 3 darstellt werden, sollen mit denen der vorliegenden Studie verglichen und ggf. um neue Erkenntnisse ergänzt oder aber widersprüchliche Ergebnisse diskutieren. Hierbei wird jedoch nur auf die metaphorische Darstellung von Flüchtlingen (refugiados, migrantes) des Syrienkrieges[4] Bezug genommen; andere, nah an die Thematik geknüpfte semantische Felder wie Migration, Flüchtlingspolitik Europas etc. werden aus fokussierenden weitgehend ausgeblendet, da Darstellungen weiterer metaphorisch strukturierter Konzepte, die im Zusammenhang mit Flüchtlingen auftreten, den Rahmen des Artikels sprengen würden. Auf einige interessante und repräsentative Konzeptualisierungen, die sich sprachlich nachweisen lassen, wird unter Abschnitt 3 und 4 hingewiesen und ihre detaillierte Analyse kann als Forschungsdesideratum verstanden und dargestellt werden.

 

 

2.      Konzepte und Sprache

 

Der Ansatz der  kognitiven Semantik geht von der Prämisse aus, dass sich das menschliche Denken in der Sprache widerspiegelt und man durch die Erforschung von sprachlichen Strukturen Rückschlüsse auf kognitive Strukturen, menschliche Denkprozesse und unbewusste Weltbilder ziehen kann. Sprache als „fenêtre ouverte sur notre conceptualisation du monde“ (Vandeloise 1991: 97) ist folglich DAS Medium, durch das sich verschiedene mentale Konzepte des menschlichen Geistes rekonstruieren lassen. Konzepte werden als

 

nicht-linguistische, mentale Repräsentationen von Entitäten der Welt bzw. [als] so genannte Basisstrukturen des menschlichen Geistes [und Denkens], die zur Determinierung von Kategorien gebildet werden (Plötner 2014: 27)

 

definiert. Durch Konzeptbildung werden Erfahrungen kategorisiert: Entweder werden Erfahrungen einem bereits existierenden Konzept zugeordnet oder aber es wird ein Konzept neu aufgebaut oder erworben. Diesem Ansatz folgend geht Murphy (2004: 389-391) sogar so weit zu behaupten, dass Lexeme erst durch die Bindung an Konzepte ihre Bedeutung erhalten würden. Auch würden nicht alle Konzepte sprachlich verbalisiert, denn Konzepte für Stimmungen werden bspw. eher nonverbal – etwa durch Mimik oder Gestik – ausgedrückt.[5] Des Weiteren können Lexeme an verschiedene Konzepte geknüpft sein. Glucksberg (2001: 16) zeigt dies am Beispiel vom Lexem Eier auf, das sowohl an das Konzept Lebensmittel, als auch an das Konzept menschliches Organ geknüpft ist. Zudem referiert das Lexem Ei in bestimmten Kontexten auf das tierischen Konzeptsystem, das um eine Eizelle aufgebaut wird, um deren Inhalt zu schützen.[6]

Metaphern zur Beschreibung von abstrakten Konzepten, wie z.B. Liebe, Sehnsucht, Zeit oder auch Krise(n), sind in europäischen Sprachen weit verbreitet: Lakoff & Johnson (1980) – verstanden als Wegbereiter der kognitiven Metaphertheorie[7] –, aber auch Lakoff & Turner (1989), Sweetser (1991), Boers (1996), Baldauf (1997), Blumenberg (1998), Jäkel (2003), Sánchez Corbacho (2009), Plötner (2014) etc. haben sich mit der metaphorischen Konzeptualisierung abstrakter Konzepte in verschiedenen europäischen Sprachen beschäftigt. Auch nicht-abstrakte Konzepte, zu denen das Konzept Flüchtlinge gezählt werden kann (da es sich auf Lebewesen bezieht), sind durch Metaphern strukturiert. Die Argumentation der metaphorischen Strukturierung von Konzepten, und generell die Annahme eines metaphorischen Gebrauchs von Lexemen, die nicht nur in der kognitiven Semantik geläufig sind, gehen auf bestimmte Kriterien zurück, die im Folgenden näher erläutert werden.

Plötner (2014: 79) führt unter der Frage „Wie metaphorisch ist die Metapher?“ fünf Kriterien an, die für die Definition und zur Bestimmung von metaphorischer Bedeutungen (im Gegensatz zur wörtlichen Bedeutung von Lexemen) in Metaphertheorien entscheidend sind: 1) Kriterium der Diachronie, 2) Kriterium der Frequenz, 3) Kriterium der Kontextunabhängigkeit, 4) Kriterium der Logik und 5) Kriterium des Raumes.

Die wörtliche Bedeutung von Lexemen wird also anhand dieser Kriterien bestimmt: Das heißt bspw., dass die zeitlich früheste bekannte Bedeutung eines Lexems als dessen wörtliche Bedeutung anerkannt wird (Kriterium der Diachronie), später auftretende Bedeutungen werden als metaphorisch definiert, sofern in ihnen ein „metaphorical mapping“ festgestellt werden kann. Nach dem Kriterium der Frequenz wird die am häufigsten assoziierte Bedeutung eines Lexems, d.h. seine außerhalb eines sprachlichen Kontextes von Sprechern assoziierte Bedeutung als wörtlich anerkannt (Kriterium der Kontextunabhängigkeit); von dieser Grundbedeutung entfernte Bedeutungen, die in sprachlichen Kontexten entstehen können, gelten als übertragen und damit metaphorisch. Zudem werden die am logischsten erscheinende Bedeutung (Kriterium der Logik) – Basis sind hier reale Gegenstände und Körpererfahrung – und/oder die auf Raum und Körper beruhende Bedeutung eines Lexems (Kriterium des Raumes) als wörtliche Bedeutungen definiert. Ein Lexem oder eine Lexie wird also dann zur Metapher, wenn es/sie im sprachlichen Kontext nicht mehr auf etwas Reales, in der physischen Welt Erfahrbares referiert, sondern für andere, oftmals abstrakte Sachverhalte und Konzepte gebraucht wird, wie z.B. in Zeit gewinnen (Metapher) im Gegensatz zu Geld gewinnen (keine Metapher).

In zahlreichen Metaphertheorien kann ein oder können mehrere dieser Kriterien – auch wenn sie nicht explizit genannt werden – als Grundlage der Definition von Metaphern bestimmt werden.[8] In der kognitiven Metaphertheorie bilden vor allem Kriterien 4 und 5 die Basis für die Bestimmung von Metaphern. Lakoff & Johnson ([1980] 2005: 4-5) nehmen auf Basis des Kriteriums der Logik und des Raumes an, dass Lexeme wie attackieren und angreifen dem Bereich des Krieges zuzurechnen sind. Wenn sie auf Bereiche wie „Argumentation“ angewendet werden, wie bspw. in er hat jeden Schwachpunkt meiner Argumentation angegriffen, so seien sie Ausdruck einer konzeptuellen Metapher; das Konzept Argumentation werde folglich metaphorisch durch das Konzept Krieg strukturiert.

Das Kriterium der Diachronie, der Frequenz und der Kontextunabhängigkeit werden hingegen in der kognitiven Metaphertheorie vernachlässigt. Würde man mit größerer Sicherheit bestimmen wollen, ob es sich tatsächlich um die Strukturierung eines abstrakten Konzeptes durch ein nicht-abstraktes Konzept handelt, müssten auch weitere Kriterien Anwendung finden. Allein die bloße Annahme (nach dem Kriterium des Raumes und der Logik), dass bspw. Zeit ein durch den Raum strukturiertes Konzept ist, reicht nicht aus, da sich auch Belege dafür finden lassen, dass bestimmte Zeitlexeme und Zeitlokutionen auf den Raum übertragen wurden und folglich Raum in bestimmten Bereichen auch durch das Zeitkonzept beeinflusst wird oder aber bestimmte, als räumlich definierte Lexeme und lexematische Einheiten kaum räumlich gebraucht werden (cf. Plötner 2014: 310-314). Es ist also fraglich, ob „Raum“ und all das, was zu diesem Konzept zählt, grundsätzlich als primäre Bedeutung zu definieren ist.

Nichtsdestotrotz ist die kognitive Metaphertheorie für einen ersten Überblick über die Strukturierung eines Diskurses, hier den medialen Diskurs zu Flüchtlingen in Europa bzw. zur Flüchtlingskrise, äußerst hilfreich.[9] Insofern wird in der vorliegenden Studie auf Basis der Kriterien drei, vier und fünf (Kriterium der Kontextunabhängigkeit, Kriterium der Logik, Kriterium des Raumes) gearbeitet. Zur vollständigen Überprüfung der Metaphorizität des jeweiligen Lexems, der lexematischen Einheit oder der Satzstruktur wären jedoch eine diachrone und synchrone Analyse zum Gebrauch des als metaphorisch bestimmten Elements notwendig. Insofern bleibt die Klassifizierung als Metapher eine vom Forscher/von der Forscherin selbst bestimmte intuitive Kategorie, die jedoch  durch die Darstellung der Definitionskriterien und der Methode die Generierung des Datenkorpus offengelegt wird und auf deren Implikationen für die Analyse hinweist.

 

 

3.     Die Flüchtlingskrise in spanischen Presseartikeln

 

3.1 Pressesprache und Migration

 

Medien spielen, so Böhm (2015: 267), eine „wesentliche Rolle bei der Behandlung der Immigrationsthematik“, da sie sowohl „‘medialer Vermittlerʼ“ (zwischen Politikern und Bevölkerung) als auch „‘aktiver Akteur bzw. Mitgestalter bei der Darstellung einer bestimmten sozialen Realitätʼ sind. Die Sprache der Presse wird vor diesem Hintergrund  metaphorisch ausgedrückt als ein Spiegel der Gegenwartssprache verstanden. Die mitunter sehr negative Konnotation des Begriffs Migration, die Böhm in ihrem Korpus feststellen konnte, ist, wie sie schreibt, bspw. „weniger in Südamerika zu finden“ (2015: 267). Die Definition und insbesondere die Konnotation eines Lexems oder einer lexematischen Einheit, und folglich auch die (Teil)Konzipierung eines Konzeptes, können nicht über Wörterbücher zufriedenstellend bestimmt werden, da diese nicht die tatsächliche Verankerung mit all den möglichen Assoziationen und Implikationen in einer Gesellschaft darstellen (können). Insofern kann die Analyse von Pressesprache zur Feststellung des Bedeutungsumfanges einzelner Lexeme und lexematischer Einheiten herangezogen werden.

Die Schriftstellerin Juli Zeh (2015: online) kritisiert den „rhetorisch falschen“ Umgang mit Migration und folglich mit der Flüchtlingsdebatte. Sie prangert in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Metaphern wie Flüchtlingsströme und brechende Dämme an, die z.T. unreflektiert von den Medien gebraucht würden. Vor allem in Überschriften werden Metaphern – teils unreflektiert, teils bewusst, um bestimmte Gefühle und Gedanken im Rezipienten zu evozieren – gebraucht, da potentielle Leser für den Artikel bzw. die Zeitung interessiert respektive gewonnen werden sollen (cf. Osthus 1998: 153). Wie auch Böhm (2015) stellt Zeh fest, dass Politiker und Journalisten Bilder über Migration und Flüchtlinge kreieren, die Angst schüren sollen und so, wie Zeh sagt, zu einer fehlenden Bereitschaft der Bevölkerung führen, sich mit Migration fruchtbar auseinander zu setzen und Hilfe zu leisten.

 

Es geht mir jetzt nicht um so eine abstrakte Political Correctness, sondern es geht einfach darum, dass wir uns klarmachen, dass wir schon jahrzehntelang, nicht erst seit einigen Wochen mit diesem Problem rhetorisch falsch umgehen, und wir erleben jetzt gerade, was das bedeutet und was daraus resultiert, nämlich die fehlende Bereitschaft, die fehlende Fähigkeit der Menschen im Land, mit dem Problem fertig zu werden, weil sie rhetorisch schon völlig falsch darauf vorbereitet worden sind. (Zeh 2015: online)

 

Zeh folgt hier – unbewusst der kognitiven Metaphertheorie, wenn sie darlegt, dass durch den Gebrauch bestimmter Sprachstrukturen im Kontext von Migration, das Gesamtkonzept strukturiert und folglich auch die Einstellung gegenüber dem Thema und der Personengruppe der Migranten und insbesondere der Flüchtlinge beeinflusst wird. Dies trifft auch für die Bild-Text-Relation im Flüchtlingsdiskurs zu und müsste deutlicher herausgearbeitet werden. Denn  wenn in den Medien ausschließlich Bilder von strömenden Massen an Menschen an den europäischen Grenzen und Bahnhöfen gezeigt werden, so kann durchaus die Vorstellung entstehen, dass eine kaum zu kontrollierende und zu beherbergende Anzahl an Menschen nach Europa und Deutschland einreise. Zumal die Realität deutlich gezeigt hat, dass Deutschland durchaus, insbesondere zunächst das Bundesland Bayern, mit der Vielzahl an einreisenden Menschen überfordert war, was u.a. zu medialen Bezeichnungen wie Flüchtlingskrise führte.[10]

 

3.2 Der spanische Flüchtlingsdiskurs und seine Metaphern (Müller 2016)

 

In ihrer Abschlussarbeit hat Müller (2016) auf Basis der kognitiven Metapherntheorie nach Lakoff & Johnson (1980) Metaphern zu den von ihr bestimmten Themenfeldern „Flüchtlingspolitik“, „Migration“, „Europa / Länder“ und „Flüchtlingskrise“ qualitativ untersucht. Dabei konnte sie in ihrer Arbeit folgende metaphorische Konzepte bestimmen, die den medialen Diskurs in den angegeben spanischen Tageszeitungen maßgeblich strukturieren:

 

Flüchtlingspolitik

ist Kampf / Krieg

ist Weg

ist Handel

ist Jagd

ist Wettbewerb

ist Experiment

Migration

ist Bedrohung

ist Naturkatastrophe

ist Wasser

ist Spiel

ist fahrendes Objekt

ist Entität

Europa / Land

ist Haus

ist Käfig

ist (Gäste-)Zimmer

Flüchtlingskrise

ist Theater

ist Bedrohung

ist Flächenbrand

Tabelle 1: Metaphorische Konzepte des spanischen Flüchtlingsdiskurses

nach Müller (2016: 38)

 

Da in der von mir durchgeführten Studie die metaphorische Konzipierung von Flüchtlingen fokussiert wird, ist der zweite Bereich „Migration“ von besonderem Interesse. Unter diesen Bereich fasst Müller (2016: 29) das metaphorische Konzept Flüchtlinge sind aufteilbare Substanz / Objekte, das sie ausschließlich in El País in sprachlichen Formulierungen wie el reparto de refugiados, reubicaciones de refugiados und el derecho de otros países de reenviarles los refugiados feststellt. Zur konzeptuellen Metapher Migration als fahrendes Objekt zählt Müller die sprachlichen Ausdrücke frenar las salidas de refugiados, frenar los flujos und Austria ralentiza la circulación, ebenfalls nur in El País nachweisbar. Unter die konzeptuelle Metapher Migration ist Naturkatastrophe fasst Müller (2016: 30-32) u.a. el éxodo que hace tremblar los cimientos de la Unión Europea, la ola de refugiados amenaza con tumbar al Gobierno (beide Beispiele aus La Razón) und la elevada presión de refugiados sowie oleada de personas (beide in El País). Sie reflektiert dabei, dass z.B. la elevada presión der Wassermetaphorik zugerechnet werden könne, da „bei einer Flut Druck auf Dämme“ ausgeübt werde und diese folglich „aufgrund des hohen Wasserdrucks zu brechen drohen“ (Müller 2016: 31). Folglich sieht Müller die Wassermetapher als konzeptuelle Submetapher des metaphorischen Konzepts Migration ist Naturkatastrophe.

Je nach konzeptueller Metapher ordnet Müller sprachliche Ausdrücke verschiedenen Metaphern zu: So wird bspw. el éxodo que hace tremblar los cimientos de la Unión Europea einerseits der konzeptuellen Metapher Migration ist Naturkatastrophe zugeordnet, wobei der semantische Fokus auf der verbalen Struktur hace tremblar liegt. Andererseits findet man die sprachliche Formulierung auch unter der Metapher Europa ist Gebäude, die auf die nominalen Gruppe los cimientos fokussiert (cf. Müller 2016: 34).

Müller kann in ihren Untersuchungen eine geringere Anzahl an Metaphern zum Flüchtlingsdiskurs in La Razón im Vergleich zur Anzahl an Metaphern in El País verzeichnen. Allerdings seien die Metaphern in El País nicht „unsachlich“ und die „sprachlichen Bilder in Bezug auf die Flüchtlingsthematik“ in La Razón „drastischer“ (Müller 2016: 47). Diese Schlussfolgerung scheint etwas subjektiv geprägt. Untermauert wird diese Aussage jedoch durch eine Bestimmung der Anzahl von verschiedenen Bezeichnungen, die für Flüchtlinge in Müllers Korpus gebraucht werden: in El País wird 11mal migrantes verwendet, wohingegen das Lexem in La Razón kein einziges Mal gebraucht wird und häufiger refugiados (22mal) oder inmigrantes (3mal) Anwendung findet. Dies deutet auf eine deutlich andere Grundhaltung und eine andere semantische Rahmung der Flüchtlingskrise hin in den jeweiligen Tageszeitungen hin.

 

 

4.      Korpusanalyse

 

4.1 Korpus und methodologisches Vorgehen

 

Im vorliegenden Artikel solles zunächst darum gehen, Metaphern des spanischen Flüchtlingsdiskurses, die im Zusammenhang mit dem Konzept Flüchtlinge gebraucht werden, zu bestimmen und zu analysieren. Hierfür werden die Kriterien der Kontextunabhängigkeit, der Logik und des Raumes zur Bestimmung der metaphorischen Bedeutung von Lexemen oder Lexien herangezogen. Im weiteren Verlauf der Analyse wird dann auf den Vergleich zwischen den Tagesblättern El País und La Razón hinsichtlich des metaphorischen Sprachgebrauchs fokussiert.

Die Tageszeitung El País, die im Jahr 1976 das erste Mal erschien, gilt als linksliberal und hat in der Zeit der spanischen Transición eine bedeutende Rolle gespielt, da sie sich am 23. Februar 1981 – dem Tag des Putschversuchs, an dem Spanien hätte erneut eine Diktatur werden können – zu den demokratischen Grundwerten bekannte. El País ist die größte Tageszeitung Spaniens (cf. faz.net und mediadb.eu[11]). La Razón wurde 1998 gegründet, gehört zur Grupo Planeta und steht der katholischen Kirche nah. Sie wirbt neben den Tageszeitungen El Mundo und ABC um die konservativ eingestellte Leserschaft Spaniens (cf. eurotopics.net[12]) und zeichnet sich durch eine relative Regierungfreundlichkeit aus.

Für die Analyse der sprachlich-metaphorischen Darstellung von Flüchtlingen in spanischsprachigen Medien (aus Spanien), wurden zunächst alle im Monat Februar 2016 – dem Monat der Westbalkan-Konferenz und des daraus resultierenden europäischen Entschlusses, die Balkanroute zu schließen – erschienenen Artikel in den Tagesblättern El País und La Razón nach formal-semantischen Auswahlkriterien[13] gelistet und anschließend sieben Zeitungsartikel aus den zwei Tageszeitungen zur weiteren Analyse für die vorliegende Studie ausgewählt.

Die Kriterien zur differenzierten Textauswahl (graue Markierung der Texte) – um korpusbasierte Studien im Rahmen dieser Studie durchzuführen – wurden definiert, um eine Varianz an sprachlichen Formulierungen zu garantieren. Folgende formale Kriterien wurden angesetzt:

a)      Mindestanzahl von Wörtern (ab 600) (=Umfang des sprachlichen Materials pro Artikel)

b)      Angabe des Autors/der Autorin muss vorhanden sein

c)      Möglichst verschiedene Autoren (mindestens 5) (=Varianz an autorenspezifischen sprachlichen Wendungen)

d)     Keine Artikel des gleichen Publikationsdatums (=Themenvarianz innerhalb des Flüchtlingsdiskurses)

e)      Keine Interviews

 

 

4.2 El País

 

Das Korpus zu El País setzt sich aus im Februar erschienenen, online-publizierten Artikeln, zusammen. Die Listung beinhaltet all diejenigen Artikel, die unter der Seite https://elpais.com/tag/crisis_migratoria_europa/ abgerufen werden können und die die crisis migratoria bzw. die crisis de refugiados thematisieren. Allerdings treten in der Rubrik u.a. auch einige Artikel zum Brexit auf, die in die Listung (Tabelle 2) nicht aufgenommen wurden, auch wenn möglicherweise im gleichen Artikel die crisis de refugiados (als mögliche Ursache für den Austritt) angeführt wird. Unter einigen Überschriften/Links der Rubrik sind nur Bilder und keine Artikel oder ausschließlich kurze Notizen gespeichert. Diese Art der Subtextsorte wurde in der Listung ebenfalls nicht berücksichtigt.

Die im Folgenden sieben grau markierten Artikel wurden für die weitere, detaillierte Metapheranalyse ausgewählt (Kriterien zur Artikelauswahl siehe 4.1). Die sieben ausgewählten Artikel aus El País umfassen 5.180 Lexeme und 26.590 Zeichen (ohne Leerzeichen).

 

Lauf. Nr.

Publikations-datum

Titel

Autor(innen) / Autor(en)

1

01/02/2016