aktueller Wettbewerb

Hier finden Sie sie die Kandidaten der aktuellen Wettbewerbsrunde.

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Neubeginn der Metaphernkiste

Kandidat 1

In der Neuauflage der Metaphernkiste möchten wir es nicht versäumen, der Politik und ihrer sprachlichen Kreativität zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Loorbeeren gebühren Jimmy Schulz (FDP), der über die Drosselungspläne der Telekom folgenden Vergleich bemühte:

"Nur wo Flat drin ist, darf auch Flat drauf stehen. Alles andere ist digitales Pferdefleisch" (Quelle http://www.teltarif.de/buglas-sommerfest-schulz-flatrate-definition-netz... ) (7.6.2013) 

Unsere Laudatio: Ohne die carnivore Kreativität in tiefgekühlten Billig-Lasagnes aus dem Frühjahr 2013 wäre dieses Sprachbild wohl unverständlich, ansonsten ließe sich sicher behaupten, seien Jimmy Schulz hier die Pferde durchgegangen.. [do]

Kandidat 2

Dieser Kandidat ist schon etwas älter (Frühjahr 2012...), zeigt aber wunderhübsch die Möglichkeiten der Fußballmetaphorik und -metonymie

"Gott zerstört Leverkusen" (Spiegel-online, 8.3.2012 nach dem CL von Barcelona gegen Bayer Leverkusen und hübschen Toren von Messi http://www.spiegel.de/sport/fussball/messis-tor-gala-gott-zerstoert-leverkusen-a-820019.html)

Unsere Laudatio: Da wird die Metapher des Fußballgotts mit der Metonymie (Stadt Leverkusen steht für die erste Fußball-Herrenauswahl des Chemiewerks) wunderhübsch kombiniert. Wer allerdings schon einmal in Leverkusen war und die wunderschöne Architektur der Leverkusener Innenstadt bewundern durfte, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, da gebe es gar nicht mehr viel zu zerstören.. [do]

Kandidat 3

Es gibt Leben im All, fernab unseres Heimatplanetens! Das können wir im Radio hören:

"Es blitzt kurz im Radiobereich. Danach folgt: nichts. Astronomen grübeln über vier Radioblitze, die Teleskope aufgefangen haben. Sie entstanden wohl Milliarden von Lichtjahren entfernt. Die Strahlungsausbrüche könnten vom Tod massereicher Neutronensterne berichten." (Spiegel online, 5.7.2013)

Unsere Laudatio: Wenn Sterne sterben, müssen sie vorher gelebt haben, das verlangt die metaphorische Logik. Solange unsere Mars-Sonden keinen Lebendbeweis nach Hause senden, verlassen wir uns auf die Meldungen draußen an den Radioempfängern. Heute künden die Astronomen vom Sternentod und morgen heißt es dann wieder zwischen Bohlen, Bolzplatz und Wimbledon 'A Star is Born'. [do]

Kandidat 4

Es wäre verwunderlich, wenn die Überwachung unserer Kommunikation durch die NSA nicht auch metaphorische Dimensionen erreichen würde. Bereits seit Jahren wird vom 'Datensaugen' gesprochen, so als handele es sich um lästigen Staub... Angesichts der aktuellen Konfrontation Snowden gegen USA fiel uns dann aber doch ein besonders einprägsames Beispiel auf:

"Guardian-Reporter: Snowden hat noch Pfeile im Köcher" (Heise online, 14.7.2013)

Unsere Laudatio: Selten wurden die realen Machtverhältnisse in der Kontroverse um unsere Datenschutzlosigkeit so wenig verklausuliert wie hier. Auf der einen Seite der Whistleblower im Flughafen-Transit, der in Indianer-Manier mit Flitzebogen und Pfeilen droht, auf der anderen die militärische Supermacht mit Drohnen, globaler Datenkontrolle und absoluter militärischer Dominanz. Wie die Auseinandersetzung wohl ausgehen mag? [do]

Kandidat 5

So, die Wahlen sind nun gelaufen, und wie der Wahlkampf, so die Metaphern.. Im Nachklang der Wahl sucht nun Peter Dausend in der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit die künftigen Führungspersönlichkeiten unter anderem der SPD und titelt in einem eher wenig schmeichelhaften Portrait der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

"Geistiger Ruhrpott" (Die Zeit, 2.10.2013)

Unsere Laudatio: Dieser Titel verdiente eine ausführliche Reflexion. Infam bei dieser Überschrift ist nicht die Kritik an einer Politikerin, die man teilen darf oder auch nicht. Infam ist die abwertende metaphorische Projektion einer Region auf intellektuelle Leistungen. In Verbindung mit dem Adjektiv geistig finden sich im Sprachgebrauch meist Substative wie Dünnschiss oder allenfalls Diebstahl. Hier werden also Assoziationen freigesetzt, die bei fein-bürgerlichen Zeit-Lesern möglicherweise Verbindungen eingehen mit einem heftig stereotypenbesetzten Bild vom Ruhrgebiet, das vielleicht fußballerische, aber kaum satisfaktionsfähige politische Strategen erwarten lässt. Daher nun die Replik an Herrn Dausend aus dem Herzen der metaphorik.de-Redaktion tief im Westen in die hanseatischen Gefilde: Was und wie Sie da schreiben, ist geistige Blankenese! [do]

 

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